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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Condrieu & Côte Rotie

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 25 März 2011

Vorspiel im Burgund:

Auf den französischen Autobahnen hat man als Beifahrer eine Menge Zeit, IPhone für das Ausland einrichten, essen, der Frau das Geld für die Maustationen reichen oder das Auto hüten, wenn die Holde die Örtlichkeiten aufsuchen muss. Da wir aber an diesem Montag recht zügig voran kamen, spon ich spätestens beim Hinweisschild „BEAUNE“ einen angenehmen Gedanken. Einen kleinen Abstecher zu Madame Tortochot nach Gevrey-Chambertin. Die hatten wir 10 Tage zuvor schon auf dem Strasbourger Weinsalon getroffen und die 09er 1iere Crus für kaufwürdig befunden, als dann aber der Sportskamerad @marcodartini aus Dortmund seine Bestellung aufgeben wollte, gab es nur ein „epuisé“.  Also auf gut Glück in die rue d´Eglisé und klingeln. Nach Wetterglück nun auch Klingelglück, Madame war da, schaute etwas verdutzt, aber nach Bekanntgabe der Kaufabsicht strahlte sie, wir mussten allerdings „ums Eck“ in den Keller, wo wir noch flugs die 2010er vom Fass probieren mussten, das war eine schöne „Bedingung“ von Madame. 2010 Charmes-Chambertin sag ich nur….

Der kleine Fiat war nun gut gefüllt, die Nachricht, zwei mal sechs Pullen 1iere Crus sind gesichert, lies Dotmund kurz wackeln und wir machten uns dann nach einem Tankstopp weiter auf nach Ampuis.

Die Abendgestaltung an einem Montag an der Nord-Rhône gestaltete sich etwas schwierig, alles hat zu, ab 19:00 findet das Leben in den eigenen vier Wänden statt. Einzig die Dorfkneipe hat offen, aber Elsäßer Bier brauch ich nun wirklich nicht, eine Speisekarte existierte nicht und essen wollte da eh keiner. Also die beste Erfindung seit der teflonbeschichteten Bratpfanne (DANKE NASA!) herausgekramt und nach einem anständigen Lokal gesucht, am interessantesten klang das L´Atelier d´Anton in Chonas l’Amballan auf der anderen Flußseite, knapp 10 Autominuten von Ampuis entfernt, auf Nachfrage waren auch noch 2 Plätze frei, und gegen 21:00 Uhr war der Laden dann auch voll.  Das alte Gehöft schön – modern/simple – renoviert, an den Wänden Licht-Installationen und Tücher- ist das Restaurant in kühle Farben getaucht. Weiße Wände und Holztische muten puristisch an, umso herzlicher ist der Empfang. Die Weinkarte zeigt die guten Namen der Gegend, und empfiehlt sich auch glasweise zu den einzelnen Gerichten. Wir entschieden uns für das Menu Plaisir für 40 € zzgl. den begleitenden Weinen und sind sehr überrascht von 5 schmackhaften, innovativen Gängen:

  • Eine Velouté von Kürbis, Trompetenpilzen, Speck und Trüffelöl – sehr duftig und aromatisch
  • Mosaik von der Ente (Leber, Brust, Rillette) als Terrine mit einem schmackhaften Salat aus Rucola, gedämpften Zwiebeln und Puy Linsen.
    2008 St Joseph rouge « Mairlant » F.Villard: 7 €
  • Brust und Schlegel von der taube (Pigeon) mit einer Kartoffelterrine mit Trüffelkruste
    2006 Collioure rouge « Magenca » P.Gaillard: 6 € 
  • Ein kleiner Käseteller
  • Barocque von Schokolade, mit Verveine-Sirup und Mandarinen-Eis.

Alles sooo lecker! Und genau die Menge die man zu einem Menü noch genießen kann. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Tag 1: 1.3.2011 Verkostung Condrieu & Cote Rotie in Ampuis

Wie schon vor 2 Jahren sind wir auch diesmal wieder bei Winzer Gilles Barges untergekommen. Sein Chambres d´Hotes liegt genau gegenüber der Kirche an der Hauptstrasse, verschlafen kann man nicht, denn man wird am nächsten Morgen von „zarten“ Glockenschlägen geweckt. Das Doppelzimmer kostet inkl. Frühstück 60 €, verfügt über freies W-Lan und ist einfach und geschmackvoll mit alten Bauernmöbeln eingerichtet.

Karl Axel Svensson

Am Frühstückstisch angekommen kommt man nach dem ersten Abtasten intensiver ins Gespräch und erfährt von seinem Gegenüber, dass er Karl Axel Svensson heisst, aus Schweden kommt und jetzt hauptberuflich Weinjournalist ist. Anfang der 1980ziger trainierte er die Fußballmannschaft von IFK Norrköping. Einer seiner damaligen Schützlinge, Jan Svensson wechselte dann zur Frankfurter Eintracht, wo ein gewisser Dietrich Weise Trainer war. So früh am Morgen entwickelte sich sehr schnell ein Gespräch über Ölpreise, den KSC und die Frankfurter Eintracht, natürlich weis man auch in Schweden, dass der BVB Meister wird, Reisen in ferne Länder und: WEIN! Irgendwie schön, wie Wein, Genuß und Reisen Menschen unterschiedlichster Herkuft verbindet. Wir sollten J.R. Swopt, Weinimporteur aus den USA, Karl Axel Svensson aus Schweden, Nito und David Carpita, Inhaber einer Kochschule in St. Remy de Provence die nächsten Tage noch des öfteren über den Weg laufen und gegenseitig Tipps austauschen. Nun aber genug gequatscht, die erste Pflicht rief.

59 Winzer wies unser Katalog aus und wir begannen – weil alle zu Stand 1 rannten – antizyklisch am Ende des Kataloges mit unserer Weissweinrunde. Viognier heist die Rebsorte im AOC Gebiet Condrieu, das rechts der Rhône liegt und dessen ausschließlich weiße Reben auf Granitböden gedeien. Viognier neigt dazu, hohen Alkohol zu produzieren, was die Weine sehr schnell brandig oder wie sagte heute jemand – arschbreit – erscheinen lässt, was wir leider bei vielen Weinen des 2009ers feststellen mussten. Dazu waren viele Weine von einer etwas wärmeren und ausladenderen Stilistik geprägt, Weine die in uns ein schnelles Sättigungsgefühl aufkommen ließen und den Gaumen schnell ermüdeten. Nur ganz wenige Winzer haben uns mit ihren Weinen überzeugt.

Eric Texier sowie Michel & Stephane Ogier sind mir schon vor 2 Jahren mit ihren tollen, durchstrukturierten Weinen aufgefallen. Alle Weine dieser beiden Winzer besitzen eine wesentlich frischere Art, Weine, die substanziell sind, die eine klare Frucht (meist gelbe Steinfrucht wie Mirabelle) hervorbringen, dazu eine Würze in Form von weißem Pfeffer. Der Alkohol ist vorhanden, aber integriert sich vollkommen in den Wein. „Well balanced“ würden unsere Frühstücksnachbarn sagen. Das ist schon von internationaler Klasse.

Noch eine Klasse besser fanden wir die Tropfen von Georges Vernay. Seine beiden Condrieu „2009 Les Chaillées de l’Enfer“ und „2009 Les terrasses l´empire“ legen noch eine Schippe drauf, für mich die besten Weine des Tages, Weine, die nahezu perfekt in Ihrer Art sind, alles vereinen, was einen großen Wein ausmacht. Sehr klarer Duft, am Gaumen brillant und klar, seidig, mit einer unglaublich klaren Frucht, man schmeckt die reifen Trauben förmlich, dazu Schmelz auf der Zunge, Druck ausübend, ein sich ständig wechselndes Spiel an Aromen und Sinneseindrücken, leider dermaßen teuer, dass ich trotz Fahrt zum Weingut nicht bereit war, den geforderten Preis von 52 € für den 2009 Les Chaillées de l’Enfer auf den Tresen zu legen.

Ein mir völlig unbekanntes Weingut namens Domaine Semaska stellte für mich die burgundischsten Weiss- und Rotweine des Tages. Christoph Semaska bearbeitet 5,5 ha etwas außerhalb von Ampuis gelegen, seine beiden Condrieu sind eher fein, feminin und mit viel Schmelz ausgestattet, auch hier sehr klare, feine Frucht auf sehr elegante Art, wiederum auch sehr frische und konzentrierte Stilistik ohne auch nur den Hauch von zuviel Alkohol zu spüren. Diese ganze Art erinnerte mich sehr stark an Burgunderweine. Eine schöne Entdeckung, leider auch hier keine Schnäppchenpreise, die Weine müsste man in Deutschland sicher um die 35-45 € verkaufen. Verständlich, denn wie uns ein kleiner nachmittäglicher Spaziergang in den Weinbergen zeigte (siehe Fotos unten), sind die zu bearbeitenden Flächen extrem steil und nur händisch zu bearbeiten. Schade, an der Mosel herrschen ähnliche Bedingungen, auch dort mühen sich Winzer, erzielen aber ein Vielfaches weniger.

Bei allen uns aufgefallenen Weissweinen der o.g. Winzern probierten wir in der 2. Runde auch die Rotweine der Côte Rotie. Am besten gefielen mir die Roten von Semaska, auch hier eher, femininer, sehr eleganter Stil, auch wunderbar trinkig.

Gelobt werden muss wieder ein Mal die Organisation. Nachdem vor 2 Jahren alle Veranstaltungen zentral in Avignon stattgefunden haben, zog man es diesmal wieder vor, wie 2005 in den einzelnen Appellationen die Weine zu präsentieren, was ich schöner finde, wenn auch Sporthallen keinen besonderen Charme ausüben wie es der Palais du Pape in Avignon tut, aber so lernt man diese bezaubernde Landschaft wenigstens auch kennen. Auch die Verpflegung (von 12-15 Uhr ist Buffet und da werden regionale Produkte angeboten) war wieder top und fast schon alleine die Reise wert.

Was das Reifepotential der Weine aus Condrieu und der Côte Rotie angeht, davon konnten wir uns am gleichen Abend in einer „Sonderveranstaltung“ für geladene Gäste ein Bild machen. Neben der bekannten Verpflegung gab es wunderbare gereifte Condrieu und Côte Rotie ausschließlich aus Magnumflaschen verschiedenster Jahrgänge, ein 99er Condrieu von Clusel-Roch war mein Favorit, noch unglaublich lebendig von goldgelber Farbe, von einer reifen Säure unterlegt, solo ein herrlich Genuss. So ging dann der erste Abend zu Ende, gegen 23.30 war dann Schluss und alle freuten sich auf morgen, denn dann zieht die Karawane weiter nach Tain l´Hermitage,  um Hermitage, Crozes-Hermitage, Cornas und St. Joseph zu probieren. Aber das wird wieder ein anderes Kapitel…

Impressionen aus Ampuis:

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 4 (Mas Amiel)

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 6 März 2010

Mit einiger Verspätung nun der 4. und letzte Tag auf der Strasbourger Weinmesse.

Der Montag war im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser besucht, auch wenn einige Weingüter schon ausverkauft waren. Montag ist immer „Schaulaufen“ angesagt. Wo man die Tage zuvor vorbei gelaufen ist aus Zeitmangel oder wegen zu voller Stände, wird jetzt probiert, meist auch Spirituosen (schöne alte Armagnac) oder immer wieder gerne Süßweine.

Bei der Domaine de Rancy kauften wir zwei 17 bzw 14 jährige Rivesaltes für´n Appel und ein Ei. Dazu noch einen herrlichen Essig. Den Abschluß bilden schon fast traditionell die herrlichen gespriteten roten Süßweine der Domaine du Mas Amiel aus Maury, im K&M Jargon auch als „Schokoladenweine“ bekannt. Hier haben wir fast 1 Stunde in Aromen und Düften geschwelgt.

2007 Maury Vintage
Aromen von frisch gerösteten Kaffeebohnen, am Gaumen Kräuter, Tabak, erstaunlich frischer Wein mit knackiger Säure, deutliche Schiefernoten, kühler Charakter, gute Balance, rauchige Noten, süß, aber nicht klebrig.

2006 Maury Vintage Reserve

Im Duft Datteln, am Gaumen Tannin deutlich spürbar, „laute“ Säure, Mineralik, die an Graphitnoten erinnert, in Butter angeröstete Haselnüße, Kirsch-Brombeerfrucht, hat mehr Druck.

2006 Maury Vintage Reserve „Charles Dupuy“ (Einzellagenselektion)

Erinnert ganz heftig an dunkle Zartbitterschokolade mit Röstkaffenoten, am Gaumen auch sehr reife Banane, Barriqueausbau, dicht, recht opulent, dabei aber auch sehr elegant.

o.J. Maury 10 Ans de Age

Wiederum noch sehr lebendige Säure, intensiver Duft nach eingekochter Pflaume und Kräutern. „Christstollen in flüssiger Form“ meinte Barbara,
Viel Fülle, recht nachhaltig, rund und weich, langer Nachhall, für mich lebendiger als der 15 jährige.

o.J. Maury 15 Ans de Age

mir viel zu Säurebetont, entwickelt weniger Druck als der 10 jährige. Gefällt nicht.

1969 Maury

Grandios!! Große Harmonie, nussig-reife Noten, Schieferkühle, riecht wie ein frisch gebackener Nußstriezel mit Zitronenglasur, unheimlich elegant, extrem lang. Großes Geschmackkino und noch minutenlang auf der Zunge präsent. 98-100 Pkt.

Mas Amiel bei K&M Gutsweine
http://www.gutsweine.com/gutsweine/p10100.php?s_land=Frankreich&s_idweingut=46

Mas Amiel Video:

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 3

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 15 Februar 2010

Am Sonntag war auf der Messe deutlich weniger los, als die Jahre zuvor. Ob es am kalten Wetter mit Schneefällen oder an den vielen Fassnachtsumzügen lag? 
 
 

Jedenfalls trafen gegen 11.30 Uhr @garrafeira aus Dortmund und der Rest der K&M Equipe samt besseren Hälften in Wacken am Stand von Nicolas Cheveau ein. Hier gab es wieder großartig-mineralische 2008er Chardonnay aus Macon und Pouilly-Fuisse zu probieren. Der Mann hat einfach ein Händchen. Ganz groß der Einzellagen Pouilly Fuisse „Aux Bouthieres“ Mineralische Finesse gepaart mit unbändiger Kraft, dass ganze spielerisch in dezenten Holznoten verpackt. Grandios! 

Direkt gegenüber dem Austernstand (12 Stück für 13 €, herrlich frisch und äußerst schmackhaft, Suchtfaktor) hatte Jean-Francois Merieau aus der Tourraine seine Zelte aufgeschlagen. Derzeit sind wir ja bei seinen Sauvignons und dem roten, frisch-fruchtigen, keinesfalls banalen Gamay „Le Bois Jacou“ komplett ausverkauft. Mitte März soll der 2009er Sauvignon „L´Arpent des Vaudons“ auf die Flasche kommen, wir warten voller Ungeduld auf diesen singulären Charakter des ungemein umtriebigen und auch in der Familienplanung nicht untätigen Winzers, denn das 2. Kind nach Sohn Jean ist unterwegs.

 

Fantastisch übrigens ist der aus 60 jährigen Gamayreben vinifizierte „BOA LE ROUGE“ Tiefdunkles, dichtes Rot. Herrlicher Duft von ultrareifen, himmlisch duftenden Himbeeren und saftig-dunklen Brombeeren, Ausbau im Barrique, seidig und nachhaltig über die Zunge rollend, hochelegant. Gamay, wie man ihn so noch nicht gesehen und getrunken hat, dazu tragen auch die tollen Etiketten bei. 

Immer eine Zwischenstop wert sind die herrlichen Weine der Domaine de la Casa Blanca aus dem Roussillon. Insbesondere der mächtige rote, trockene Collioure mit seinem herrlich tiefen Duft nach eingelegten Früchten, frischen Kirschen und Pflaumen, zart unterlegt von buttrigen Noten mit etwas Karamell und kühlen Noten. Viel, viel Kraft am Gaumen, spürbarer, teils kaffeeröstiger Holzeinsatz, saftig-reife Tannine, mit prächtigem Nachhall. Trotz aller Kraft herrlich trinkig. Seine fruchtsüßen, roten Banyuls strotzen vor fruchtiger Frische, die Süße ist merklich, aber niemals aufdringlich oder klebrig. Lecker!!

Bevor ich den Kollegen dann meine gestrigen Entdeckungen Chateau Planeres und Domaine Grand Arc vorstellte, probierten wir noch bei Herve Felix die beiden Saint-Bris und die hochmineralischen Chenin Blanc von Claude Papins Château Pierre-Bise, insbesondere der 2008er Savennieres „Clos de la Coulaine“ (10 €)  und der 2008er „Roche aux Moines“ (12,50 €) begeisterten ob ihrer komplexen Art, auf der einen Seite herrliche Noten von reifen Mirabellen mit druckvoller Struktur und Saftigkeit, auf der anderen Seite der hochmineralische Ausklang, noch Minuten später war dieses Wechselspiel der Aromen am Gaumen schmeckbar. Pierre-Bise ist der einzige Chenin Blanc Erzeuger, mit dem ich persönlich zu Recht komme, da stimmt an den Weinen einfach alles, auch der Preis.

Von der Loire ging es nun ins Luberon zur Domaine de Fontenille. Von Pierre Leveque gibt es eigentlich nichts neues zu berichten. Eigentlich, denn es ist fast schon beängstigend, mit welcher Konstanz er den über 100 jährigen Carignan- und über 50 jährigen Syrah- und Grenachereben derart komplexe Weine abringt. Seine „einfachen“ Côtes du Luberon  der Jahre 2005-2007 sind tiefdunkle, fruchtige Unikate, sehr traditionell vinifiziert ohne Effekthascherei und ohne laut auf die Pauke zu hauen. Wein pur, dunkle Beeren, rassiges Tannin, ein Maul voll Wein, Kräuter, Kühle, seidig und dicht trägt dieser rote Stoff immens lang die Aromen am Gaumen. Ohne zu übertreiben: sein „Vieilles Vignes“ aus 2005 ist ein kleiner Chateauneuf du Pape. Ach, wenn er denn auch noch ein wenig mehr Verkäufer und Marketingmensch wäre, könnte er deutlich mehr aus diesem Weingut rausholen und dem eher traditionellen Auftreten einen weiteren Schub verleihen.

2009 präsentierte das Weingut Mas de Cynanque aus dem Languedoc erstmals seine Weine auf der Strasbourger Messe. Beim Rundgang durch die Hallen fielen mir die geschmackvollen Etiketten auf und so probierte ich die Weine damals mit viel Genuß, auch weil sie meiner Meinung nach ein sehr gutes Preisgefüge haben. In der AOC Saint Chinian beheimatet, vinifiziert Xavier de Franssu auf 12 Hektar kräftige, extraktreiche Rotweine aus den Rebsorten Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan. Immens ausladend und mächtig wirkende Weine, am schönsten gefiel uns der 2007er Acutum, eine Cuvee aus alten Reben von 50% Syrah, 30% Mourvèdre, 10% Grenache und 10% Carignan. Manuelle Lese, 20hl / ha Ertrag, Ausbau im Barrique. Der eleganteste Wein und mit 12 € grandios eingepreist. Konzentriert und mächtig,  hat was“australisches“, ohne überreif zu wirken, am Gaumen dann viel Frucht, etwas pfeffrig, etwas warme Aromatik, dennoch auch am Ende sehr elegant und mit guter Länge. Kann reifen, sollte reifen!

Nun war Zeit für eine kleine Stärkung angesagt, der eine ging an den Baguettestand und lies sich ein riesiges Schinkenbaguette mit Butter munden, der Großteil jedoch genoss frische Austern mit Champagner Non-Dose. Schade, dass man sich beim Genuss dieser Delikatessen so bremsen muss, ich habe es erst vor 2 Jahren gewagt Austern zu probieren und bin seither einfach nur begeistert von diesem puristischen Geschmack. Anschließend war Flaschen einsammeln angesagt und ein Teil musste sich auch schon wieder gen Frankfurt verabschieden.

Weiter ging es am Montag mit den gespritteten roten Maury von Mas Amiel…Bericht folgt

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 1

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 12 Februar 2010

Es ist wieder angerichtet. Die unabhängigen Winzer Frankreichs machen wie immer zu dieser Jahreszeit Station in Strasbourg, ganz in der Nähe des Europaparlaments im Ortsteil Wacken. Ca. 650 Winzer aus der ganzen französischen Republik werden wieder 4 Tage einer großen Anzahl französischen und immer mehr deutschen Weinfreunden ihre Gewächse zur Verkostung anbieten. Für mich ist es etwa die 7 oder 8te Teilnahme. Anfangs irrte man noch orientierungslos durch die Halle, probierte hier und dort und machte manchmal so auch eine Entdeckung, mittlerweile geht man etwas strukturierter und als Deutscher natürlich vorbereitet auf die Messe. So habe ich heute ab 15.30 alle Winzer und Weine aus dem Chablis probiert. Meine beiden Favoriten waren folgende Winzer: 

Domaine Alain Gautheron
Alle Chablis kennzeichnert eine Direktheit, die Frucht ist eher unterschwellig warnehmbar, der Focus steht auf Mineralität und rasssiger Säure. Im 1er Cru Bereich überzeugte der 2008er 1er Cru „MONT DE MILIEU“ (12 €)  mit den genannten Attributen, dazu von reicher Konzentration an Aromen und toller Balance sowie langem Nachhall gekennzeichnet, viel Druck ausübend von feiner, eleganter Länge. Überzeugend auch der 2007er 1er Cru „Vaucoupin“ (11 €), der neben rassiger Mineralität auch eine wunderbare Cremigkeit aufwies.

Domaine La Meuliere
Im Vergleich zu Gautheron steht hier die Frucht etwas mehr im Vordergrund ohne es jedoch an Rasse, Frische und Mineralität vermissen zu lassen. Die Weine sind alle sehr gut durchstrukturiert und vermitteln viel Trinkspaß bei etwas höheren Preisen im Vergleich zu Gautheron.
An der Spitze des Sortiments stehen die beiden 08er Chablis aus der 1er Cru-Lage „MONT DE MILIEU“.(13,50 €) Der „normale“ betört mit Mineralität und Aromen von weißen Früchten, herrlicher Konzentration am Gaumen und einer reifen Säure. Eine Schippe drauf legt dann der 08er 1er Cru „MONT DE MILIEU“ Vieilles Vignes Les Gougueys“ (16,50 €). Verschwenderische Aromen von Haselnüssen, frischer Butter, Brioche und etwas Honig. Herrlich lang am Gaumen.

Wie immer gibt es im Fahrwasser der großen, bekannten Appellation Gebiete, die beim Weinfreund weniger bekannt sind. Oder kennt jemand Saint-Bris? Er liegt im französischen Burgund westlich von Chablis und umfasst rund 100 Hektar Rebfläche im Département Yonne in den Gemeinden Chitry, Irancy, Quenne, Saint-Bris-le-Vineux und Vincelottes. Der Weißwein wird aus den für das Burgund unüblichen Sorten Sorten Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris gekeltert.

Die Domaine Felix produziert da zwei wunderbare, äußerst preisWERTE weiße Saint-Bris. Der einfache zu 6 € mit reifen Citrus – und Stachelbeernoten, sehr klar und reine Aromatik, der andere, ein 2008er Saint Bris Cuvée Ste-Claire mit etwas mehr Dichte und Schmelz, beide mit bestem Preis-Genußverhältnis.

Fortsetzung folgt am Samstag abend….

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