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Weingut Gunderloch: Verkostung V.I.R.G.O. & Riesling Nackenheim Rothenberg GG 2006 -2013

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 12 November 2014

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Die Arbeitsliste 😉

Am gestrigen Nachmittag lud das Weingut Gunderloch aus Nackenheim/Rheinhessen zu einer Händler-Verkostung der aktuellen Kollektion ein. Als Schmankerl wurde anschließend eine kommentierte Verkostung der Jahrgänge 2006-2013 des Großen Gewächses aus dem Nackenheimer Rothenberg sowie des Projektes V.I.R.G.O angeboten. Und weil es allen Beteiligten so viel Spaß gemacht hat, wurden noch einige Raritäten aus dem Keller gezaubert, die das Reifepotential der Weine zeigen. Denn: noch immer werden die Top-Weine, also die Großen Gewächse viel zu früh getrunken.

Hier meine Eindrücke: Die Lage Rothenberg umfasst rund 20 ha und liegt am Nordende des Roten Hanges zwischen Nackenheim und Nierstein – direkt am Rhein. Ca. 5 ha davon bilden das Herzstück des Rothenberges. Der Rothenberg besitzt eine Hangneigung zwischen 30 und 80% und besteht aus 290 Mio. Jahren alten roten Tonschiefer-Platten. Von diesen Weinbergen, die hauptsächlich aus Steillagen bestehen, befinden sich rund 4,5 ha im Besitz der Familie Hasselbach des Weingutes Gunderloch. Der Rothenberg ist zweifelsohne unsere Markanteste Weinbergs-Lage und bringt Weine von einer packenden mineralischen Prägung, gepaart mit einem würzigen und fruchtgeladenen Spannungsbogen aus unterschiedlichsten Aromen hervor. (Text Weingut)

2006 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Botrytisjahrgang und ein recht säurestarkes Jahr. Der Wein präsentierte sich direkt nach der Flaschenfüllung sehr stramm und säurebetont Als dann der wesentlich gefälligere Jahrgang 2007 auf den Markt kam, geriet der etwas schwierige 2006er in Vergessenheit. 2014 öffnete man dann einmal wieder den 2006er und er zeigte sich nun wesentlich gereifter. Unverkennbar nachwievor die Botrytisnote, aber die Säure ist nun besser eingebunden. Zeigt in der Verbindung Botrytis und Alkohol eine leichte Schärfe am Gaumen, recht üppig wirkend, klassischerweise würde ich diesen Wein zum Essen reichen. 88/100 Pkt.

2007 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Stammt aus einem wärmeren Jahrgang ohne Bortytis; wirkt viel geschliffener, zeigt florale Noten, erdig, sehr klar und sauber, Hauch exotische Frucht, gute Länge. Ein gastronomisch perfekt einzusetzender Wein. 89/100 Pkt.

2008 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Ein Jahr mit viel Niederschlag, auch während der Lese, es war schwierig, möglichst ohne Botrytis zu lesen. Zeigt wie 2006 gewisse Schärfe, aber eher nur als Hauch spürbar, reduziert sich auch. Wirkt auf mich recht kernig, etwas schlanker und knackiger als 2007. Hat viel Zug und Animation am Gaumen, sehr gute Länge, frisch. 93/100 Pkt.

2009 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Recht warmes Jahr, wenig Botrytis. Recht feiner Duft nach weißen Beeren, auch gelbes Trockenobst. Am Gaumen samtig bis leicht ölig, Hauch Petrol, Kräuter, viel Extraktsüße, Hauch exotische Frucht, viel reife Gelbfrucht, dennoch für 2009 mit keinerlei Schwere und Opulenz aufwartend, erstaunlich feine Säure. 92/100 Pkt.

2010 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
K
ühles Jahr,. viel Regen im September vor der Lese; hochkomplexe Nase, enorme Konzentration; kompakt am Gaumen, sehr viel innere Dichte, große Konzentration, Kräuter und kandierte Zitrusfrüchte en masse. Man spürt wie bei vielen anderen GG dieses so genannten „Arschjahres“, was in dem Wein steckt. Tiefe Mineralik, grandiose, reife und verspielte Säure. Man darf gespannt sein, wann er aufrecht laufen wird, derzeit krabbelt er noch im Laufstall herum. Wird groß werden. 95/100 Pkt. 2011 Riesling Nackenheim Rothenberg GG Warmes Jahr; wirkt dennoch sehr geschliffen, hochmineralisch, pikante Säure, etwas Heu, leichte Karamellsüße, deutliche Mineralik. Etwas leichter und weniger kompakt als 2010, dafür aber früher zugänglich. 92/100 Pkt.

2012 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
„Ein Jahr der perfekten Balance“ so Agnes Hasselbach. Mir reicht für diesen Wein eigentlich nur ein Wort: Grandios! Emotional enorm berührender Wein. Gleichzeitig dicht und voll am Gaumen, viel Mineralik, Rasse, elegant, Tabak, enorm saftig, Zug und Druck. Zitrusfrucht, dunkle Beeren, Kräuter. Großartig. Muss reifen! 96/100 Pkt.

2013 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Ein schwieriges Jahr, frühe und immer wieder schnell wiederkehrende Fäulnis machten eine strenge Selektion unumgänglich, die Erntemenge war extrem niedrig. Herausgekommen ist dennoch ein spannendes, sehr elegantes GG. Gute Konzentration, verspielt am Gaumen, floral, Orangenzesten, Steinobstnoten, feine Würze. 93+/100 Pkt.

Beim Traktor fahren in den Himmel schauend und das Sternbild VIRGO (=lat. Jungfrau) sehend, so kam Johannes Hasselbach zum Namen für sein Projekt V.I.R.G.O. Es könnte aber auch „Vergoren Im Rothenberg Ganz Ohne“ heißen. Johannes wollte und will herausfinden, wie sich Weine ohne den Einfluß von Kellerflora und Kellerhefen zeigen und entwickeln. Die Riesling-Trauben stammen alle aus der GG Lage Rothenberg, die Verarbeitung findet nur im Weinberg statt, vergoren wird nur mit den Weinbergs eigenen Hefen, der Most kommt nicht mit Kellerhefen in Berührung. Die Trauben werden nach der Ernte gestampft und im Weinberg vergoren, erst nach der Vergärung kommt der Wein in den Keller des Weingutes. 2010 war der erste Jahrgang, von ihm gibt es nur noch 2 Flaschen, daher gab es ihn nicht zur Verkostung. Offiziell kommt dieser Wein auch nicht in den Handel, man denkt aber darüber nach.

2011 V.I.R.G.O.
Klare, saubere Aromatik, nicht zu fruchtüppig, Orangenzeste; wirkt fein und eher filigran, feine Mineralik. Im Vergleich zum GG Rothenberg mit Kellerflora wirkt der VIRGO auf mich etwas feiner, die Säure zeigt sich meiner Meinung auch etwas zurückhaltender. 91/100 Pkt

2012 V.I.R.G.O.
Steinige, salzige Aromatik. Jahrgangstypisch genauso kraftvoll wie sein „Bruder GG“ aus dem Keller. Wirkt in sich geschlossen, viel Energie ausstrahlend, kraftvoll, aber nicht fett, ein in sich ruhender Wein, perfekte Balance, wirkt wie selbstverständlich. Für mich auf gleichem Niveau wie das „normale“ Rothenberg GG. 96/100 Pkt.

2013 V.I.R.G.O.
Kaum vorgeklärt, recht schlank auf mich wirkend, würzig, etwas weniger kraftvoll als der 2012er V.I.R.G.O. Gute Balance. Auf mich wirkt dieser Wein etwas weniger offen wie sein „Keller-Pendant“ 92/100 Pkt.

Anschließend wurde noch die ein oder andere Flasche aus der Raritätenkammer der Hasselbachs geöffnet, besten Dank für die spendable Aktion.

1996 Riesling Auslese Rothenberg 0,75l
Wunderbar gereifter Duft nach floralen Noten und etwas Orangenzesten. Am Gaumen zu Beginn fein und rund, dann von einer markanten, frischen Säure unterlegt, saftig, etwas Würze, wiederum florale Einflüße, Hauch Malz, gute Länge. Macht viel Spaß. Nicht mehr im Verkauf. 92/100 Pkt

20141110_173538450_iOS1990 Nackenheim Rothenberg Riesling Spätlese trocken
Reifer Duft nach Orangen, etwas Zimt. Am Gaumen ungemein frisch und lebendig, keinerlei Alterungsnoten zu spüren, Potential für sicherlich weitere 5 Jahre, salzig, guter Säurebiss, tolle Länge. Zeigt das ganze Reifepotential dieser Lage. 94/100 Pkt.

1997 Nackenheim Rothenberg
Hochreifer, recht intensiver Duft von eingemachtem, gelbem Steinobst, auch am Gaumen etwas fülliger als der 90er, prägende Säurestruktur, Kräuternoten, salzig. Wunderbar gereifter Wein, hat etwas mehr Speck auf den Rippen, wird aber durch die reife, lebendige Säure gut gekontert.

 

 

20141110_183950346_iOS2009 Volnay 1er Cru Les Robardelles Domaine Philippe Boire (Melin, 21190 Auxey-Duresses) Philippe Boire produziert seit 2007 auf 3 ha 9 Cuvées, zu 95% Rotwein, er vergärt ohne Stängel. Die 1er Cru Lage Robardelles liegt nahe Meursault oberhalb von Santenay. Die Reben sind über 50 Jahre alt. Recht dunkelfarben; reifes, eher in Richtung dunkle Beerenfrüchte tendierendes Geschmacksbild, feine, runde Tannine,  dabei geschmacksintensiv am Gaumen, auch etwas Kirschfrucht, endet  auf guter Länge. Der 2007er erhielt 2 Sterne im Guide Hachette.

 

 

 

 

20141110_194924869_iOS2013 Grüner Veltliner Reserve Loiserberg 1. Lage, Weingut Jurtschitsch/Kamptal
Fülliger, recht intensiver und nach viel reifer, gelber Steinfrucht duftender Wein. Am Gaumen ebenfalls dicht, schmelzig, füllig, aber nicht fett, feine Mineralik. Guter Zug am Gaumen.

 

 

 

 

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1992 Pommard Village, Dom. Vaudoisey-Creusefond
1994 Pommard-Epenots 1er Cru Dom. Vaudoisey-Creusefond
Nun, zu vorgerückter Stunde wurde dann nur noch getrunken und gequatscht, der Notizblock blieb dann mal unberührt, aus der Erinnerung heraus waren beide Pommard noch gut in Schuss, nicht hochkomplex, aber eben gut zu trinken.

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Große Gewächs Präsentation 2014 in Wiesbaden – Berichte der Verkoster vor Ort

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 26 August 2014

Seit Montag laufen die Verkostungen der Großen Gewächse des VDP. Bei den Weißweinen steht der 2013er auf dem Prüfstand, bei den Rotweinen 2012.

Hier fasse ich laufend atualisiert die Kommentare anderer Blogs zusammen, da von K&M keiner vor Ort ist. Wir gehen unserem Geschäft in unseren Läden nach. K&M wird sich am Mittwoch, den 27.8.14 in Mainz mit den GG aus Rheinhessen sowie am 8.9.2014 in Berlin mit allen GGs aus Deutschland beschäftigen und auch berichten.

Dirk Würtz – Alles über Wein und den Rest der Welt…
VDP Große Gewächse Teil 1
VDP Große Gewächse Teil 2

Nico Rechenbach -Gourmetwelten

Weinreporter Mario Scheuermann
VDP GG 2012 Ahr
VDP GG 2012 Lemberger
VDP GG 2013 Silvaner
VDP GG 2013 Württemberg
VDP GG 2013 Nahe
VDP GG 2013 Mittelrhein
VDP GG 2013 Baden

VDP GG 2013 Rheinhessen

Christian Schiller – Schiller-Wine

Felix Bodtmann (Der Schnutentunker)
Teil 1: Mittelrhein, Rheinhessen, Nahe, Rheingau
Teil 2: Riesling aus dem Rest der Republik
Teil 3: Spätburgunder

Oliver Bock (Rheingauer Weinschmecker)

Paul Truszkowski (Drunkenmonday)
Mittelrhein & Rheingau

Markus Vahlefeld
Teil 1 Rheingau

Teil 2 Mosel – Nahe
Teil 3 Rheinhessen

Sascha Speicher: (Meininger Verlag)
Noch eine Ergänzung zum Rheingau. Dort ist der Aufschwung wirklich bemerkenswert. Es wird experimentiert, wie bei den GGs von Spreitzer zu schmecken. Das hat zum Teil funktioniert, ging aber auch bei zwei Weinen etwas daneben. Egal. Der Mut ist großartig. Die Überraschung des Jahres waren die Weine von Achim von Oetinger. Wobei: so richtig überraschend kam das gar nicht. Nur vielleicht in der Breite mit drei Topweinen nicht ganz zu erwarten. Leitz erstmals dabei und gleich ganz weit vorne. Und dann die beiden großen Namen, Schloss Johannisberg und Robert Weil, mit zwei klasse GGs. Schloss Johannisberg für mich der beste Rheingauer.

Christoph Raffelt – Originalverkorkt

Hier geht es zu den Notizen Rheinhessen & Pfalz

Hier geht es zu den Notizen Rheingau & Nahe

Hier geht es zu den Notizen Mosel, Mittelrhein, Franken, Baden & Württemberg

Hier geht es zur Erläuterung, was ein Großes Gewächs überhaupt ist

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(Nord) – Baden´s Neue Schätze: Weingut Sven Nieger / Varnhalt

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 18 September 2013

Besuch bei Weingut Sven Nieger – Baden /Ortenau/Varnhalt

Wenn man in der letzten Zeit eine gewisse Aufbruchstimmung im Rheingau verspürt, so hat man im nördlichen Anbaugebiet Badens, der Ortenau, im Besonderen im Baden-Sven NiegerBadener Rebland nicht unbedingt das Gefühl, das sich dort etwas tut, wenn man sich in der Weinszene in den bekannten Medien bewegt. Der Landstrich ist nach wie vor von Winzergenossenschaften dominiert, wenn auch hier in letzter Zeit die ein oder andere geschlossen bzw. vom größeren Mitbewerber geschluckt oder fusioniert wurde. Neben WG´s gibt es noch das bekannte Schloss Neuweier, wo mittlerweile einen neue Mannschaft am Start ist, da bleibt abzuwarten, wie sich das Weingut in der Zukunft ausrichtet.
Die wenigen selbstständigen, schon länger bekannten guten, erfolgreich und individuell arbeitenden Winzer der Region Rebland aber kennt man (Alex Laible, Holger Dütsch, Johannes Kopp , eventuell noch Schloss Eberstein etc.). Ab und an entdeckt man dann auch selbst einen neuen Winzer, so wie vor 2 Jahren auf der Badischen Weinmesse in Offenburg das Weingut Fröhlich-Leonetti aus Neuweier oder an anderer Stelle Maier aus Baden-Baden-Haueneberstein. Wenn man dann aber als gebürtiger und der Region verbundener Gernsbacher (bei Baden-Baden) von einem neuen Winzer aus der Region liest, von dem man aber noch nie etwas gehört hat und dieser gleichzeitig sehr hohe, auf Top-Großen Gewächse-Niveau stehende Bewertungen der Zeitschrift Falstaff erhält, wird man hellhörig und natürlich auch neugierig. Und da sowieso der Besuch der Heimat anlässlich des Gernsbacher Altstadtfestes anstand, machten wir am Samstagvormittag einen Ausflug ins Baden-Badener Rebland nach Varnhalt, um Sven Nieger einen Besuch abzustatten.

Schon die Fahrt von Baden-Baden über das Hofgut Fremersberg macht trotz des schlechten Wetters (leichter Nieselregen) zumindest optisch Spaß. Am Varnhalter Feigenwäldchen öffnet sich rechter Hand diese wunderbare, fast Amphitheater angelegte Lage und bietet einen tollen Anblick. Kurz vor Varnhalt dann ein herrlich Blick über die gesamte Region mit den imposanten Weinbergen rund um den Varnhalter Klosterbergfelsen, wo Sven Nieger im Kernstück der Ur-Lage beste Parzellen gepachtet hat, wie er uns später bei einer Rundfahrt durch die Weinberge Varnhalts und Neuweiers schildert.  Auch die Riesling- und Pinottrauben am Stock sind sehr lockerbeerig und nicht gerade in riesiger Anzahl vorhanden, wenn man das mal mit den Trauben der Nachbarparzellen vergleicht. Derzeit macht ihm das Wetter etwas Sorgen (regnerisch, etwas schwül, feucht, vereinzelte Fäulnisnester wurden gesichtet) aber alles in allem schaut es noch gut aus, die langfristige Wetterprognose sagt zumindest trockenes Wetter voraus.

Sven Niegers Weingut (ca 3,0 ha Rebfläche, steigend) existiert erst seit knapp 2 Jahren, der 31 jährige hat die 2012er Kollektion noch neben seiner Anstellung bei Schloss Neuweier im Nebenerwerb vinifiziert. Ein abgeschlossenes Studium in Geisenheim (übrigens mit unserer Winzerin Eva Vollmer) sowie Praktika und Stationen beim Pfälzer Weingut Siener und eine kurze Stippvisite bei Schloss Neuweier stehen in seinem Lebenslauf. Auslandserfahrung sammelte er beim Weingut Salomon-Undhof (Kremstal) sowie in Marlborough/Neuseeland beim Weingut Framingham. Seit 5 Monaten (am 8. Mai wurde das Weingut offiziell eingeweiht) ist er nun nicht nur stolzer Papa, sondern im Vollerwerb als Winzer tätig. Und man merkt ihm die Freude bei der Rundfahrt an, er zeigt uns brachliegende Flächen, die er demnächst pachten bzw. kaufen will, alles Steillagen, die nur manuell zu bewirtschaften sind und die keiner mehr bewirtschaften will, zum Teil werden auch noch Flächen mit altem Rebbestand dazugekauft, mit zum Teil 50-60 jährigen Rieslingreben bestockt. Wo andere Winzer Flächen haben veröden lassen, pachtet oder kauft er diese, um dieser Region mit seinen „Neuen Badischen Schätzen“ wieder etwas mehr Schwung zu verleihen. „Alles ist etwas eingerostet in dieser Region“, kein oder nur eine verschwindend geringe Anzahl an Winzernachwuchs ist da, der die Region wieder ins Bewusstsein des Weinfreundes zurückführt. Auch das gemeinsame Vermarkten der Region sei hier ein Problem, er wünscht sich mehr
gemeinsame Aktionen, sei es Winzerfeste oder ähnliches in der und für die Region. Etwas neidisch blickt er da über den Berg Richtung Süd-Pfalz, wo es so schöne Feste gibt wie den Birkweiler Weinfrühling oder das Ilbesheimer Kalmitfest, wo es die Winzer exzellent verstehen, Kulinarik und Wein für Jung und Alt auf ganz einfache Weise zu zelebrieren. „So etwas fehlt hier“. Aber auch daran will er etwas ändern…

Apropos Kulinarik. Die Weine sind schon in einigen Toprestaurants der Region vertreten. Hotel Dollenberg in Bad Peterstal, Sackmann und Bareiss in Baierbronn, die Traube in-Tonbach hat auch schon angeklopft.
Ingesamt gibt es derzeit 4 Weine aus den Lagen Varnhalter Klosterbergfelsen, Neuweierer Mauerberg, Umweger Stich den Buben, sowie einen trockenen Gutswein, allesamt Rieslinge, alle normal mit Reinzuchthefen vergoren, alle aus dem Stahltank, sehr niedrige Erträge, minimal fitriert, alles in allem wird so wenig wie möglich im Keller eingegriffen. Dort schlummert übrigens noch in einem Taransaud-Fass ein Pinot Noir.
Probenotizen
2012er Rieslinge von Sven Nieger2012 Riesling trocken 12% Alk.
Sven Niegers „Gutswein“. Zart gelbes Steinobst, auch helle Früchte im Duft. Am Gaumen feine Säure, sehr saftige, unaufdringliche Frucht, zart-würzige Noten, etwas Tabak, gut austariert, entwickelt eine gute Länge und auch Druck. Tolle Qualität für einen „einfachen Gutswein“, dabei sehr natürliche, sehr selbstverständliche Art. Macht Spaß, sehr trinkig, auch ohne Essen. 88/100 Pkt.

2012 Riesling Stich den Buben
Sehr feinduftig, nichts aufdringliches, kein Primärfruchtbomber, man schmeckt die etwas höhere Reife zum Vorwein (diesen hätte er gerne eine Woche später gelesen) ; zeigt eine feine Kräuternote, wirkt kühl, gut im Gleichgewicht von Frucht, Säure und Restzucker, analytisch an der Grenze zu halbtrocken mit 8,5g RZ; aber der Wein ist so harmonisch in sich, dass der Wert eher nebensächlich ist. Spricht sicher auch den „Ich will nur trockenen Riesling-Trinker“ an. 87/100 Pkt.

2012 Riesling Klosterberg trocken 13% Alk.
Wiederum sehr unaufdringliche Frucht, etwas Exotik (Sternfrucht), etwas Aprikose, Kräuter, Citrus, mineralisches Fundament. Am Gaumen ungemein vielschichtig und gleichzeitig spielerisch, wirkt einerseits schlank, sehr klar und auf den Punkt fokussiert, zeigt sich sehr harmonisch, aber niemals langweilig. Feiner Säurebogen, ungemein vielschichtig, drückt und schiebt am Gaumen und im Nachhall, sehr elegant, im Finish enorme Länge, trocken ausgebaut, 1g Restzucker.  93/100 Pkt.

2012 Riesling Neuweier Mauerberg trocken 13% Alk.
Bei diesem Wein schleicht sich etwas Rotfruchtiges ein, wie ich es eher vom Roten Hang oder vom Kastanienbusch aus Birkweiler kenne. Dazu aber auch ein feiner Fruchtmix von reifem, gelben Stein- und Kernobst (Quitte, Marille, gelber Apfel). Am Gaumen von großer Dichte, mundfüllend, reife Frucht, salzige Mineralik, schiebt und drückt ohne Ende, große Länge, komplett trockenes Finish, ein Athlet ohne ein Gramm Fett. Großes Potential! 94/100 Pkt.

Ich muss schon lange zurückdenken, wann mich Weine aus meiner Heimat derart beeindruckt haben. Daher ist es mir auch ein dringendes Bedürfnis, diese Eindrücke zu Papier zu bringen, denn die Weine und der Winzer haben es sicherlich verdient. Ich hoffe inständig, dass es Sven Nieger schafft, seine Vision und Idee zu stemmen, noch ist er ein Einzelkämpfer in der Region, aber sollte er es schaffen, dann sollte es doch dieser wunderschönen Region und einigen jungen Winzern Mut geben, es auch zu probieren. Und das er auch noch glühender KSC-Fan ist, macht ihn noch sympathischer 😉

Sven Nieger auf Facebook, Homepage
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Der am Boden gebliebene Holländer – 10 Jahre Spätburgunder SD Jacob Duijn

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Die Objekte der Begierde

Dunkel erinnere ich mich noch, es muss wohl 1998 oder 1999 gewesen sein, da wurde in der Weinszene über einen Holländer gemunkelt, der in der Ortenau so gar nicht typische deutsche Spätburgunder ausbaut, dazu noch mit „exzessivem“ Barriqueeinsatz. Erneut eine Revolution in Baden oder was??

Es klang interessant, also besuchte ich den guten Mann damals in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei in Bühl-Kappelwindeck. Jacob Duijn war sein Name, und zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde gerade gefüllt und das sah schon alles sehr „traditionell“ aus, wie da die Flaschen verkorkt und etikettiert wurden. Aber es hatte Charme und Jacob hatte auch während dieser Phase Zeit und Lust, uns seine Weine vorzustellen. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Schwerpunkt weintechnisch ganz klar in der Toskana, mit badischen Weinen hatte ich wenig am Hut, geschweige denn mit Spätburgunder. Während der Probe aber fand ich Gefallen an dieser Art von Weinen, sie waren so anders in Ihrer Art, als vieles, was ich aus der näheren Umgebung probiert hatte, vielleicht auch durch den Barriqueeinsatz, den ich ja aus der Toskana auch schon kannte und in Teilen auch mochte, und so wanderten damals der 1999er Spätburgunder Qba und der 1999er SD (damals 30,- DM) in den Keller. Während der SD mit der letzten Flasche 2008 nach knapp 10 Jahren perfekt auf dem Höhepunkt erwischt wurde (man riet mir damals“ leg ihn 8-10 Jahre weg“, liegt der „kleine“ Duijn aus 99 noch immer im Keller. Und steht – wie am Samstag in Vorbereitung auf diese SD Probe festgestellt – wie eine eins im Glas.

Vor und während der Probe der Vertikale gab uns der Winzer einen Einblick in sein Schaffen. 1994 hängte er seinen Sommelierjob (bei Witzigmann und der Bühler Höhe) an den Nagel und wechselte in den Vertrieb eines Bremer Importhauses, aber auch das war nur ein knapp 10jähriges Zwischenspiel. Er kam damit dem Wein immer näher. Als man ihm einen Weinberg hoch über Bühl anbot, beschloss er, nur noch Wein zu machen. Seine ganze Leidenschaft galt und gilt dem Spätburgunder. Die ursprünglich auf 11 Hektar angewachsene Rebfläche hat er zwischenzeitlich wieder auf 6,5 Hektar verkleinert, weil er es nach seiner Vorstellung so besser machen kann. Bewirtschaftet wird seit 1994 naturnah und biodynamisch, seit 2009 hat er das Demeter-Siegel, wobei selbst der Mond eine gewichtige Rolle spielt. „Die Mondphasen haben großen Einfluss auf das Leben“, erklärt er. Und ernst fügt er hinzu: „Wir brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns nicht.“

Hier nun die Verkostungsnotizen, die Probe fand im sehr kühlen und schumrigen Barriquekeller des Weingutes statt, so dass ich die Farbbeschreibung leider außen vor lassen muss.

1998 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Premierenjahrgang, laut Winzer ein gutes Jahr. 32hl/ha Ertrag. Hauch von Minze, Tannin merklich, wirkt immer noch sehr jugendlich. 89/100 Pkt.

1999 Spätburgunder SD

Weder auf dem Weingut noch bei mir keine einzige Flasche mehr vorhanden, dafür hier eine Notiz von der Spätburgunderprobe des Rhein-Main-Stammtisches vom 13.10.2008 von Armin Maurer
Der letzte trockene Wein war dann mein Sieger des Abends:
Zuerst grüne Tabakblätter und etwas Zedernholz, dann feine Frucht, rote Beeren, etwas süßliche Walderdbeere, auch feine Kirschnoten, sehr schön komplex, samtig gereift, elegant und eher leicht, aber doch in keiner Weise dünn, wunderbar samtig zog der Wein über die Zunge. Großartig und mir 94P wert, ich denke er war auf den Punkt, Potential sehe ich eher nicht mehr.

 

 

 

 

Der Müller-Thurgau aus Weisenbach (links im Bild) hat auch eine Geschichte, am Ende dazu mehr.

2000 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Am Gaumen deutlich wuchtiger und auch leicht öliger, wirkt konzentrierter, von Hand entrappt, kraftvoller Bursche, sehr ausladende Beerenaromatik, auch ein Tick alkoholisch wirkend. Das Holz zeigt sich noch leicht dominant. Insgesamt trotz der Wucht recht ausgeglichen am Gaumen. 87/100 Pkt.

2001 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Zu 100 % neue Eichenfässser benutzt, zeigt sich der Wein jetzt nur noch vom Holz geküsst, die feine, frische Säure verleiht ihm eine ungeheure Strahlkraft. Was für eine geile Nase, Tabaknoten erinnern an Burgund, tiefgründig und von feiner Finesse, duftet herrlich fein nach roten, reifen Beeren. Dazu wunderbare an Salbei erinnernde Noten. Herrlich komplex und kraftvoll, saftig und mit feinem Säurespiel, spielt mit den Muskeln um dann gleichzeitig anmutig mit feinen, tiefen Aromen zu beeindrucken. Mein Favorit der Probe und mir 94-96 Punkte wert.

2002 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Ein schlimmes Jahr, verfaulte Trauben, Regen während der Lese. Jacob selektierte rigoros aus. Zeigt sich deutlich schlanker am Gaumen, dunkle, weniger reif schmeckende Beerennote unterlegt von etwas rauem Tannin. Wirkt am Ende etwas stumpf, zeigt auch hier wieder tabakige Noten. Hmmm…84/100 Pkt.

2003 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Geerntet am 28.8. War er sonst immer einer der letzten bei der Ernte – viele Kollegen schüttelten die Köpfe- war er diesmal der erste. Auch hier wieder ungläubiges, unverständliches Kopfschütteln. Keine Frage, man merkt dennoch den Jahrgang. Im Jugendstadium sicher als wuchtiger Rhonewein zum Verwechseln ähnlich, leugnet er auch nach 8 Jahren nicht seinen Jahrgang. Wuchtig am Gaumen, Kräuter, Schattenmorellen, ein Hauch Lakritz, Nelke, minimal Likör. Jedoch sorgt die feine Säure im Hintergrund für einen gelungenen Frischeschub, er trinkt sich trotz aller Kraft sehr gut. 87/100 Pkt

2004 Spätburgunder SD (aus der Doppel-Magnum)

„Ein „Opfer des 2003er Stress-Jahrgangs, wie auch der 2005er“,  so der Winzer. Zeigt gewisse Parallelen zum 2001er, wie etwa bei der Säure, hat allerdings nicht die Strahlkraft. Ich bemerke Kaffeeröstnoten, Aromen von Nelke und Rosenblättern, auch wieder Tabak, der Wein zeigt mit seinen recht weichen, runden Tanninen sehr zugänglich. Insgesamt auf trinkigem Niveau. Mir fehlt etwas der Zug und die Spannung am Gaumen. (87/100 Pkt)

2005 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Jacob erwähnt, dass sich für Ihn die Umstellung auf die biodynamische Arbeitsweise in diesem Jahrgang erstmals deutlich spürbar zeigt. Zudem wird 10 % weniger Holz eingesetzt. Ich erkenne eine etwas fülligere Struktur, hat etwas von der Art des 2003, ist aber deutlich vitaler in seiner ganzen Erscheinung. Wir riechen Rosenblatt, Tabak, wiederum Kräuter wie Salbei und etwas Liebstöckel. Das Tannin ist runder, der Wein sehr gut haftend am Gaumen, von klebrigen Tanninen – wie ein Journalist behauptet – keine Spur. Hier bin ich zum ersten Mal dabei, Babymord zu schreiben, viel zu jung. 94+/100 Pkt.

2006 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

WOW! Zeigt einen leichten animalischen Ton, der verfliegt aber mit der ersten Umdrehung im Glas. Wir schnuppern reife Johannisbeeren, etwas Himbeere, auch Holz. Am Gaumen salzig-mineralisch, enorm saftig, wirkt eher kühl, stoffig und voll am Gaumen haftend. 93/100 Pkt.

2007 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Farblich etwas heller, zeigt sich schon sehr zugänglich, sehr harmonisch, sehr trinkig, wirkt fast weiblich und filigran, dennoch sehr elegant und nachhaltig am Gaumen. Tolle Nase nach roten Beeren, feines, edles Holz, wirkt auch bei diesem Jahrgang kühl in seiner Art. Ob er aber ein Langläufer wird und sich daher weiter verbessern wird??? 90/100 Pkt.

2008 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Sehr frischer, jugendlicher Beerenmix zu Beginn am Gaumen, wir riechen wieder feine Tabaknoten, wirkt wiederum recht kühl, Aromen von Johannisbeeren, Kirschen, Schlehen umkreisen die Zunge, zarte Holznote, am Gaumen sehr frisch und saftig, extrem jugendlich wirkend, dabei seidige Textur. 89/100 Pkt.

2009 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)
Der Ertrag liegt bei ca. 25 hl/ha. In großen 3000l Holzbottichen vergoren, ca. 24 Monate im Barrique gelagert. Wunderbar klare und präzise Frucht, tiefgründige Mineralität, feines, elegantes Säurespiel, packt am Gaumen zu, muskolös. Kaufen und wenigstens 5 Jahre weglegen. Derzeit 90+ Pkt. €47,-

Premiere in Weisenbach: Wein aus heimischer Lage.

Weisenbacher KapfFür den Weisenbacher Gerhard Strobel war der Erhalt vom Weinberg Weisenbacher Kapf  eine besondere Herzensangelegenheit. Sein Vater hatte schon dort Weinbau betrieben. Die Tradition und der Erhalt dieses wunderschönen Naturparadies muss fortgeführt werden.

In Weisenbach steht zum 18.06.2010 eine besondere Premiere an. Es wird zum ersten Male ein eigenständiger (selbstvermarkteter) Wein aus dem Weisenbacher Weinberg Kapf angeboten. Die Tradition des Weinbaus reicht weit in das Mittelalter zurück. Weinbau in Deutschland ist seit den Römern bekannt. Ins Murgtal gelangte der Wein im Zuge der mittelalterlichen Besiedlung. Erstmalig wurde der Weinbau in Weisenbach in einem Dokument des bischhöflichen Generalvikars 1481 unter „Kapelle St. Wendel in den Weinreben“ erwähnt. Im späten Mittelalter war der Weinanbau weit verbreitet. Es wurde reichlich produziert und konsumiert. Hohe Qualitätsanforderungen durfte man damals an dieses Getränk jedoch nicht stellen. Einen Hinweis auf den Weinhandel liefert die ehemalige Fernhandelsstraße von Gernsbach entlang der Höhenzüge nach Baiersbronn. Der Weg führt heute noch die Bezeichnung „Alte Weinstraße“.

Aus einem Ebersteinischen Lagerbuch vom Jahre 1597 ist zu entnehmen, dass der „Weißenbacher Frucht-weyn“ aus den „Wyngärten“, als „Kleinnzehnt“ dem Domstift Speyer abzuliefern ist. Der Weinzehnt wurde erst im Jahre 1851 abgeschafft. 1880 betrug die Anbauflächen 15 Morgen (=540 ar), 1937 bereits 634 ar. Eine Flurbereinigung erfolgte im Jahre 1972, der Weinbau wurde modernisiert und aktiviert. Zum Anbau kamen die Rebsorten Spätburgunder, Ruländer und Müller-Thurgau.

Der Weisenbacher Gerhard Strobel gewann 2009 den in Bühl – Kappelwindeck ansässigen Winzer Jacob Duijn für die Arbeiten im Weinberg und für den Ausbau der Qualitätsweine. Vor Jahren verwirklichte sich der Holländer seinen Traum: Ein eigenes Weingut. Es war mehr eine Laune des Zufalls, als der erfahrene Sommelier 1994 den ersten Weinberg von einem ortsansässigen Winzer kaufte. Inzwischen hat Duijn seinen Betrieb beachtlich erweitert und sich innerhalb weniger Jahre zur Spitze der deutschen Rotweinerzeuger emporgearbeitet. Sein Weingut zählt heute zu den besten Deutschlands.

Das Lesegut aus dem Weisenbacher Kapf wird sorgfältig in der Kellerei von Weingut Duijn in Bühl-Kappelwindeck veredelt. Das Resultat ist ein leichter, feiner Wein mit lang anhaltender Frucht und gut eingebundener Säure. Der ideale Begleiter zu leichten Sommergerichten.

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Burgunderprobe Vol.1

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 23 April 2011

Wie unterschiedlich sich Burgunder präsentieren können, mussten wir am Mittwoch in einer kurzfristig organisierten Probe wieder einmal feststellen. Zusammen mit Wolfgang, Robert und Harald verkosteten wir insgesamt 7 Weine aus Burgund, die jeder mitgebracht hatte, dazu gab es ein von mir über 2 Stunden niedertemperaturgegartes Rinderfilet mit Frühlingsgemüsen und etwas Bärlauchpesto.

Los ging es mit zwei Weissweinen:

2007 Auxey-Duresses „Les Crais“  Alain Gras
Sehr schönes Gelb, angenehm frischer Duft, ein Hauch Zitrus. Am Gaumen gelbe Steinfrüchte und Zitrus, durchgäng fest am Gaumen, Schmelz, unterlegt mit einer frischen, reifen Säure, auch mineralisch, gute Fülle. Ein sehr schöner Wein mit tollem Trinkfaktor. Kam sehr gut an und sehe gerade, dass der 2005er schon mal in meinem Keller war, eingekauft im Maison de Colombier in Beaune für schlappe 15,90 €. Ein roter 2005er Auxey-Duresses „Vielles Vignes“ wanderte damals ebenfalls in den Einkaufskorb und liegt noch im Kellerregal.

2006 Montagny 1er Cru „Les Platieres“ Domaine Berthenet
Coupe de Coeur mit 2 Sternen im Guide Hachette 2009 11 € ab Hof
Montagny ist der südlichste Punkt der Côte Chalonnaise, nahe der Grenze zum Maconnais gelegen. Jean-Piere Berthenet füllt er seit 2002 Weine selbst ab, ist Mitglied der „Vigneron Independante“ und erhält regelmäßig die Höchstbewertungen im Guide Hachette. Das Weingut liegt im Dorf Montagny les Buxy und wird durch einen Amphitheater von Reben umkreist. 20% dieses Weines reifte für 11 Monate in französischen Eiche. Deutlich wuchtiger, auch mit deutlich exotischer Fruchtausprägung. Wirkt etwas breit am Gaumen, dezente Reifenote, fehlt die Frische, hätte etwas früher getrunken werden sollen.

Rotwein:

2006 Morey St. Denis „En La Rue de Vergy“ Virgile Lignier
Village Lage oberhalb des berühmten Clos de Tart. Im Duft deutliche Kirschfrucht, sehr präzise und brillant klar am Gaumen, zeigt wunderbare, natürliche Fruchtnoten, im letzten Drittel zeigt seine Jugend noch etwas forsche Tannine, die sich aber die nächsten Jahre rundschleifen werden, Potential hat dieser tolle Wein allemal. Um die 30 € und nicht nur für mich der Wein des Abends.

1999 Nuits St. Georges 1er Cru „Les Bousselotes“ Domaine Remoriquet
Der zweitälteste Wein des Abends kam vom Schreiber und wurde auf der „Les Nuits“ 2010 vor Ort erworben, 32 € wechselten den Besitzer. Ich mag diesen traditionellen Stil, wie er von Chevillon, Gouges oder aber auch von Henry und Gilles Remoriquet praktiziert wird. Für mich zeigt hier Pinot Noir, wofür es sich lohnt, diese Weine 10 Jahre im Keller reifen zu lassen. Wunderbar reife, rote Beeren, etwas Himbeere und Erdbeere, Würze, Schmelz, vielleicht noch etwas überhängendes Tannin, dabei aber auch kühl. Zum Essen aber zeigte er sein Potential, denn während die noch folgenden, jüngeren Weine hier und da Schwächen zeigten, verschmolz dieser Wein mit dem Essen. Die Süße wurde forciert und dass Tannin wurde rund und weich, verband sich völlig mit den Aromen von Fleisch, Salz und Bärlauch.

1996er Pommard 1er Cru Les Pezerolles Domaine Hubert de Montille
Farblich leicht bräunlicher Touch. Am Gaumen recht hart, kaum Frucht, sehr säurebetont. Scheint wie vernagelt. Heute, 3 Tage später bei einer erneuten Verkostung herrscht immer noch eine gnadenlose Säure vor, die an beste, säurebetonte 2010er Rieslinge aus Deutschland erinnert. Zeigt daneben heute auch Karamellnoten, aber so richtig Spaß macht der nicht, glaube nicht, dass der Wein noch die Substanz hat, die Säure irgendwann einigermaßen in den Wein zu integrieren.

2006 Gevrey-Chambertin Vieilles Vigne Domaine Jean-Marc Fourrier
Man könnte meinen, hier hätte die Maceration carbonique ihre Finger im Spiel, denn so eine kitschige Frucht habe ich sonst nur bei schlecht gemachten Beaujolais gerochen. 3 Tage später tendiert die Frucht eher in eine reife, saftige Kirsche, Substanz finde ich bei diesem Wein aber auch nicht. Auch hier deutliche Säure, aber besser integriert. Insgesamt wirkt der Wein recht leichtgewichtig, hinten raus leicht dunkel- bis schwarzkirschig mit zarter Bitternote.

2006 Fixin „En Combe Roy“ Domaine Alain Jeanniard
Bei einer Verkostung der Fachzeitschrift „Bourgogne Aujourd’hui“ war Jeanniards Fixin „En Combe Roy“ 2006 der beste Wein unter allen verkosteten Weinen aus Chambolle-Musigny, Gevrey-Chambertin, Morey-St-Denis, Fixin und Marsannay! Normalerweise ein ganz unmögliches Unterfangen! (Text, Weineausburgund)

Bei uns herrschte die Meinung, dass irgendetwas mit diesem Wein nicht stimmt, Ameisensäure schnappte ich noch auf, kaum Frucht, sehr hart. Auch 3 Tage danach unangenheme, ins vegetative tendierende Noten, grüne, leicht stumpfe Noten. Passt nicht, Flasche ist fehlerhaft.

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Die Ziereisens – Besuch der 2008er Jahrgangsprobe am 27.11.2010

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 9 Dezember 2010

TERMINHINWEIS:

Jahrgangsprobe Ziereisen bei K&M Gutsweine, dazu öffnen wir alle Champagner von Cyril Janisson
 (5 € Kosten)

Do, den 16.12.2010 16-21 Uhr K&M Gutsweine – Bockenheim, Hamburger Allee 37, 60486 Frankfurt
Sa, den 18.12.2010 12-17 Uhr K&M Gutsweine – Nordend, Gluckstrasse 20, 60318 Frankfurt

Weitere Infos: hier klicken

Impressionen bei Hanspeter und Edeltraut Ziereisen 2010

Ach was war des scheee. Edeltraud und Hanspeter Ziereisen hatten zur jährlichen Jahrgangspräsentation geladen und für mich Grund genug, nach einigen Besuchen zur etwas wärmeren Jahreszeit mich diesmal zur Adventszeit auf den Weg gen Süden der Republik aufzumachen. Der Wettergott hatte auch ein Einsehen und tauchte die Markgräfler Landschaft und den Ziereisen´schen Hof in ein „Winter-Wonder-Land“.

An 5 Stationen über das ganze Haus sowie über das angrenzende Blumenatelier verteilt konnte man die aktuellen Jahrgänge in Weiß und Rot probieren, dazu gesellten sich auch Weine der Winzer, die die Ziereisens´s ebenfalls aufgrund der gr0ßen Nachfrage aus der Schweiz nach deutschen Weinen in ihrem Hofladen verkaufen, (van Volxem / Saar), ( Jochen  Beurer / Würtemberg), (Markus Molitor / Mosel). Gastwinzer war Thomas Teibert von der Domaine L´Horizon aus dem Roussillon,  dazu aber später mehr. Der Gastgeber war sichtlich überrascht, uns zu sehen, freute sich aber sehr herzlich und bot sogleich ein Quartier an, falls wir angesichts der zu probierenden Menge nicht mehr gen Heimat fahren wollen. 

2002er Pinot Sekt (12 €)
Hanspeter ist ein großer Fan von gutem „Prickelwasser“, (bei unserer letzten RendezVino verteidigte er vehement eine Flasche Champagner Janisson-Baradon „Toulette“), aber der 2002er und der noch folgende 03er werden seine letzten Prickler sein, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Eigentlich schade, denn dieser 02er war richtig gut und man merkt auch hier den hohen Anspruch. Feinstes Mousseux, sehr elegant am Gaumen, wunderbare Aromen gelber Früchte, etwas Nuss. Sehr stimmig und auch nachhaltig. (88/100 K&M Punkte)

2008 und 2009er Weißer Burgunder (8,80 €)
Immer wieder schön, Weine aus zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen parallel zu verkosten und auch einmal den Jugendwahn-Trinkern den Zahn zu ziehen. Während hierzulande schon über ungelegte Eier (2010er Jahrgang) geurteilt wird, der 2009er noch nicht einmal seinen Kinderschuhen entwachsen ist, bereitet jetzt der 2008er – egal, bei welchen Weingütern ich die letzten Wochen probiert habe – enormen Trinkspaß. Diese Leichtigkeit, diese reife, zarte Säure, die Aromenentwicklung, alles passt jetzt perfekt zusammen und entwickelt sich auf der Zunge zu einer perfekten Harmonie, alleine, wie auch zu einem schönen Essen. Auch hier zeigt der feine, zart Apfel-Birnen- Fruchtige 08er deutlich seine Vorteile gegenüber dem noch deutlich von Hefe geprägten, mit Maracuja-Frucht unterlegtem, auch wuchtigeren 2009er. (87/100 Gault Millau 2011, 86/100 K&M-Punkte)

2009 Gutedel „Steingrüble“(10,50 €)
Gutedel kann so fade, langweilig und dünn wie Wasser sein.. Was Hanspeter jedoch dieser Rebe durch konsequentes Qualitätsmanagement im Weinberg wie im Keller entlockt, ist schon faszinierend. Die knapp 30 jährigen Reben stehen auf Muschelkalkböden, zeigen durch die niedrige Säure und den feinen Schmelz fast burgundische Züge. Und Kraft hat der Wein allemal. Hanspeter lässt den Most einige Zeit auf der Maische stehen und ihn zudem im Fass reifen. Wir schmecken florale Noten, auch Äpfel und Zitrus, am Gaumen zeigt er eine mittlere Kraft, zarten Schmelz und: TRINKIGKEIT! Dazu noch eine leicht hefige Note mit einem kleinen Bitterl im Nachhall, dieses stört aber so ganz und gar nicht. (87/100 Gault Millau 2011, 86/100 K&M-Punkte)

2008 Blauer Spätburgunder „unfiltriert“ (8,80 €) (als Schnäppchen-Wein im Gault Millau 2011 ausgezeichnet)
Ganz feine Rotfrucht, Pflaume, Tannin lugt noch etwas hervor, feine Säure, die Frucht wirkt niemals kitschig aufgesetzt, ja gewollt, sondern immer in Richtung Pflaume und Kirsche tendierend. Im Kern feiner Schmelz und für einen Einstiegswein von sehr, sehr guter Qualität. (87/100 Pkt. Gault Millau 2011, 88+/100 K&M Punkte)

2008 Zunderobsi Cuvée (12 €)
Hanspeter beugt sich (gerne) dem Druck seiner Kundschaft. Was 2006er nur als Notlösung wegen der minderen Qualität der Syrah für seinen Gestad eingeführt wurde, erfreute sich so großer Nachfrage, dass er 2008 wieder mit einem Zunderobsi aufwartet. Und das „Teil“ ist nochmals besser geworden. Zu Spätburgunder und Syrah gesellt sich ein wenig Regent, die man durch die dunkle Farbe zu erkennen scheint. Duftet nach Blaubeeren, Kirsche und neuem Holz (18 Monate Barrique, 20% davon waren neu) Am Gaumen voller dunkler Frucht, ein Maul voll Wein, frische rote Frucht, kühl, rauchige, pfeffrige Noten, sehr saftiger Charakter. (keine Wertung Gault Millau 2011, 87/100 K&M Punkte)

2007 Grauer Burgunder „Musbrugger“ (18 €)
35 jährige Rebanlage, in einer Korbpresse schonend gepresst und im großen Holz spontan vergoren. Vollreife, und herrlich ausgeprägte gelbe Fruchtnoten, auch feine Gebäcknoten (Nuss, Butter), kraftvoll am Gaumen, endet in einer wunderbar kalkigen Mineralität, zügelt die Kraft und gibt dem kraftvollen eine herrliche Wendung ins Mineralische. Lang! (keine Wertung Gault Millau 2011, 90/100 K&M Punkte)

2008 Chardonnay „Hard“ (18 €)
Der Hard zeigte sich in dieser Reihenfolge der Probe etwas arg von seiner frischen, doch eher kargen Art. Relativ säurebetont, zarte Rauchnoten, leicht herb-grüne, vegetative Noten. Würde mir da lieber noch einmal eine andere Flasche zu Rate ziehen, denn so kenne ich ihn nicht. (90/100 Pkt. Gault Millau 2011, o.W K&M Punkte)

2008 Grauer Burgunder „Jaspis“ Alte Reben (30 €)
WOW! Was für ein Kaliber! Der Wein packt zu und lässt einen nicht mehr los. Der Duft irgendwo zwischen Quitten, gelben Äpfeln, Birnen, Aprikose. Auf der Zunge von seidig-dichter Textur, cremig. Zeigt aber auch über eine feine, reife Säure eine tolle Rasse. Tolles Spiel am Gaumen, seidige Textur, crispy frisch, tolle Konzentration, enorme Kraft. Hanspeter nennt ihn „seine Montrachet“. Für mich das weiße HIGHLIGHT, noch vor den Gastweinen aus dem Roussillon der Domaine L´Horizon. (91/100 Pkt. Gault Millau 2011, 93/100 K&M Punkte)

2008 Blauer Spätburgunder „Tschuppen“ (12 €)
Viel reife Fruchtaromen, Zwetschge, insbesondere Kirsche, die Aromen wirken sehr natürlich, ich erinnere mich an den Geschmack der Früchte, als man noch selbst auf den Baum klettern konnte. Dazu eine bestimmende, reife Säure, die aber durch den Schmelz des Weines wunderbar aufgefangen wird. Alles wirkt sehr harmonisch, macht schon viel Spaß, kann aber durchaus seine 7 Jahre lagern, wie neulich ein 2003er Tschuppen eindrucksvoll als begleitender Wein zu einem Hirschrückensteak belegte. (88/100 Pkt. Gault Millau 2011, 89+/100 K&M Punkte) Bei K&M auch als MAGNUM verfügbar

2008 Blauer Spätburgunder „Schulen“ (18,50 €)
Der Schulen zeigt sich im Vergleich zum Tschuppen deutlich dunkelfruchtiger und wesentlich konzentrierter. Ich schmecke schwarzen Pfeffer, Lakritz, auch sehr ätherische Kräuternoten (ja es war der Schulen und kein Syrah) Fleischig, mundfüllend, auch feines Tannin, die Säure da, versteckt sich aber hinter der fleischigen Fruchthülle des Weines. Wunderbarer Wein!! (89/100 Pkt. Gault Millau 2011, 90/100 K&M Punkte)

2008 Blauer Spätburgunder „Rhini“ (22 €)
Hanspeter schaute etwas komisch, als ich meinte, für mich der vernagelste Wein der Serie. Klar, Tschuppen und Schulen sind eigentlich immer die offensten Weine, der Rhini zeigt sich für mich aber eher immer über seine kraftvolle Art denn seine Frucht, die mich diesmal an aromatische Himbeeren erinnerte. Zeigt Kraft und ist herrlich elegant am Gaumen, in der Leichtathletiksprache würde ich ihn als Langstreckenläufer bezeichnen, allerdings bepackt mit Muskeln. 10 Jahre Reife sollten kein Problem für ihn, also den Wein, werden. (92/100 Pkt. Gault Millau 2011, 92+/100 K&M Punkte)Bei K&M auch als MAGNUM verfügbar

2008 Syrah „Gestad“ (22 €)
Kühl bis unter den Kapselrand, wirkt recht leicht (hat auch nur 11,9 Volt), am Gaumen ebenfalls sehr straff, die Säure noch etwas prononciert, wahrlich kein Schmeichlerwein, dunkle Beeren, hat guten Zug am Gaumen, Graphitmineralik (??). Puristisch, muss ich nochmals nachprobieren. (90/100 Gault Millau 2011, o.W. K&M-Punkte) Bei K&M auch als MAGNUM verfügbar

2008 Pinot Noir Jaspis Alte Reben (35 €)
Duftet nach hochreifen roten Beeren, aber auch dunkle „Untertöne“ von schwarzen Johannisbeeren mischen mit. Holz?, Ja, aber mehr gebrauchtes Fass, keinesfalls dominant, die Frucht, die Dichte, die Länge, all diese Faktoren gehen eine wunderbare Verbindung miteinander ein. Wirkt einerseits kraftvoll, dann aber wieder filigran. Tolle Länge. (92/100 Pkt. Gault Millau 2011, 91/100 K&M Punkte)

2008 Pinot Noir Jaspis Jungfernwein (28 €)
Erstertrag aus neu angepflanzten Reben in der Gemarkung Tschuppen. 2 Träubchen pro Stock wurden geerntet, der Saft 7 Wochen auf der Maische gelagert und für 20 Monate in je 50% neuen und gebrauchten 2 Barriques ausgebaut, Hanspeters Spielwiese….Viel reife Beeren, am Gaumen dicht und kompakt, weich wie Seide, Lakritz, fleischig (ein Maul voll Wein) 3 Flaschen wanderten in den Kofferraum…(k.W. Gault Millau 2011, 90+/100 K&M Punkte)

Von den Gastwinzern stachen vor allem die Weine des gebürtigen Schwaben Thomas Teibert heraus. Er betreibt die Domaine L´Horizon an der Côtes du Roussillon. Wir probierten:

2008 und 2009 Le Patriot VdP Côtes de Catalanes
Eine Cuvée aus den Rebsorten Macabeau und Muscat Petit Grain, der 09er besteht zu 95% aus Muscat. Eine völlig andere Welt im Vergleich zu Hanspeters Weinen. Zuerst fiel mir die relativ reife, fast süßliche Frucht auf, insbesondere beim 08er, dazu schmeckten wir auch würzige Nuancen, für mich alleine getrunken eher zu anstrengend, der 09er hatte den Vorteil der Frische, war recht süffig, groß lagern würde ich aber beide Weine nicht. Kostet bei Hanspeter 20 €, in Frankfurt für 18 € gesehen.

2008 Domaine de L´Horizon blanc
Aus größtenteils Macabeu, dazu Grenache Gris und etwas Grenache Blanc entsteht ein Kraftpaket von Wein, der mit seinen subtiler Aromen von Zitrus, Tabak und floralen Noten Tiefe und Komplexität verbindet. Am Gaumen angenehm frisch, sehr harmonisch, Aromen von Steinobst (Pfirsich) wieder Tabak, ungemein trinkig. Kostet um die 30 €, (in Frankfurt für 26,50 € gesehen), ehrlich gesagt hatte ich am 08er Jaspis Grauburgunder von Hanspeter mehr Spaß.

Ziereisen-Weine bei K&M Gutsweine

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Ziereisen 2010 – Ein Jahr der Extreme

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 7 Dezember 2010

Der Jahrgangsbericht ZwanzigZehn vom Weingut Ziereisen

Die extreme Witterung hat uns in diesem Jahr große Herausforderungen beschert –nach unserer aktuellen Einschätzung aber auch einen der besten Jahrgänge im Hause Ziereisen. Doch der Reihe nach.

Nach dem langen, kalten Winter ließ das Frühjahr so lange auf sich warten, dass wir phasenweise mehr als zwei Wochen hinter dem langjährigen Wachstumsschnitt lagen. Hinzu kamen ein Kälteeinbruch und Regen während der Blütezeit. Folge: eine starke Verrieselung.

Nach der extremen Wärmeperiode im Frühsommer und einem absolut verregneten August meinte es Petrus zum Herbststart Ende September aber noch mal gut mit uns: Erst nach dreiwöchiger Traubenlese schickte er uns den ersten Regen und gestattete uns damit erneut, gesundes und reifes Lesegut in den Keller zu bringen. Also ging es im Weinberg und Keller wieder sehr turbulent zu.

Hanspeter nutzte die erste „Herbscht“-Phase, um mit einer strengen Vorlese im Weinberg die Weichen Richtung optimales Lesegut zu stellen. Was dann zur Hauptlese vor allem im roten Bereich im Keller auf dem Sortiertisch landete, ließ Hanspeters Stimmung gewaltig steigen. Gesundes, perfekt gereiftes Lesegut mit durch die Verrieselung teilweise extrem kleinen Beeren, die oft an Heidelbeeren erinnerten, dürfte hocharomatische, dichte, farbintensive Rotweine garantieren.

Die Syrah-Beeren, die bei uns auf dem Tisch landeten, sind definitiv die besten, die wir je in den Keller geholt haben. Auch bei den Weißen lässt uns die optimale Balance aus Alkohol und Säure große Weine erwarten.

Im Keller hat Thomas Jost seinen ersten Herbst bei uns verbracht. Der junge Schweizer Winzer unterstützt uns tatkräftig und sorgt mit seinem Einsatz dafür, dass wir unsere Kellerarbeit weiter perfektionieren und mit neuen Ideen bereichern können. Nach knapp vierwöchiger Lese haben wir am 22. Oktober als letzte Traube die Gutedel in den Keller gebracht. Jetzt sind wir wirklich sehr gespannt auf das Ergebnis. Aber alle Indizien deuten tatsächlich bei uns auf einen außergewöhnlichen Jahrgang hin. Drücken Sie uns die Daumen.

Bilder und Quelle: Weingut Ziereisen; Jahrgangsbrief Weingut Ziereisen 2010

Die roten 2010er gibt es frühestens ab November 2012, natürlich bei K&M. Einfach hier klicken

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Ziereisen in der Presse

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 3 Dezember 2009

REINER WEIN
Krisenfeste Spätburgunder
von Stuart Pigott

Man sollte meinen, dass die Weltwirtschaftskrise die Experimentierfreude der Winzer ganz erheblich eindämmt. Denn es ist ja eher nicht die richtige Zeit für gewagte neue Weine oder Stilrichtungen. Dass es hierzulande trotzdem erstaunliche Neuigkeiten gibt, spricht Bände über die Kreativität und Hartnäckigkeit mancher deutscher Winzer. Vor allem gilt das im Zusammenhang mit Spätburgunder Rotwein, einer Sorte, bei der seit gut zwanzig Jahren ständig Bewegung herrscht. Der neueste Trend ist die Abkehr vom üppig-geschmeidigen Stil des vergangenen Jahrzehnts, der beim zahlungskräftigen Publikum so gut ankam. Diese Weine hatten meist 14 Prozent und mehr Alkohol und sehr ausgeprägte Eichenaromen (vor allem Toast und Vanille) vom neuen Barriquefass. Manche Spätburgunder dieser Art waren und sind sehr beeindruckend, aber es gibt daneben auch genug plumpe und vordergründig „süßliche“ Exemplare.

Winzer wie Hanspeter Ziereisen in Efringen-Kirchen im äußersten Süden von Baden gehen neuerdings aber in eine fast konträre Richtung. Ein perfektes Beispiel für diesen neuen Stil ist Ziereisens herber, schlanker 2007er „Tschuppen“ (zwölf Euro ab Hof, Telefon 0 76 28/28 48), der nur 12,5 Prozent Alkoholgehalt aufweist, dafür aber mit einer feinen Himbeernote und lebhafter Frische betört. Normalerweise werden gute Spätburgunder etwa zwei Wochen auf der Maische vergoren, aber bei diesem Wein hat Ziereisen den Kontakt zwischen gärendem Saft und Beerenhäuten auf sechs Wochen ausgedehnt; ein Teil des Geheimnisses dieses kleinen Helden. Ein anderer Aspekt ist der geringe Anteil (nur 20 Prozent ) an neuen Fässern bei der Fassreifung. Noch konzentrierter und strahlender ist der 2007er „Rhini“ (22 Euro ab Hof) mit seinem herrlichen Duft von feinster Bitterschokolade und Schwarzkirschen. Noch sehr verschlossen, aber cremig und feinwürzig wirkt der 2007er „Jaspis“ (35 Euro ab Hof). Erst die nahezu perfekte Traubenreife und dann jeweils neun und zehn Wochen auf der Maische verleihen diesen zwei Weinen ein enormes Potential; gut gelagert, werden sie sich über Jahrzehnte hin entwickeln.

Dass Ziereisen auf diesem Weg nicht allein ist, zeigen die neuen Weine der „Shelter Winery“ im badischen Kenzingen, auch wenn sie ein wenig alkoholreicher ausfallen. Der 2007er Pinot Noir (die französische Bezeichnung für Spätburgunder; 28 Euro ab Hof, Telefon 0 76 44/92 76 63) ist dank reichlicher Gerbstoffe ziemlich herb, aber keinesfalls eindimensional, sondern sehr vielschichtig, tief und würzig. Etwas einfacher, doch ähnlich im Duft wirkt der 2007er Spätburgunder trocken von der „Shelter Winery“ (neun Euro ab Hof). Allerdings ist der Körper deutlich schlanker, wodurch die Gerbstoffe noch dominanter wirken – aber genau das macht richtig wach im tiefen Grau der Krise.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.11.2009, Nr. 48 / Seite 56

Alle Ziereisen-Weine gibt es auch zum Original-Abhof-Preis bei K&M Gutsweine in Frankfurt.

Entweder in der Hamburger Allee 37, Mo-Fr.:11-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr) oder in der neuen Filiale im Frankfurter Nordend, Gluckstrasse 20 / Ecke Glauburgstrasse, Mo-Fr. 13-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr)

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