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Der am Boden gebliebene Holländer – 10 Jahre Spätburgunder SD Jacob Duijn

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Die Objekte der Begierde

Dunkel erinnere ich mich noch, es muss wohl 1998 oder 1999 gewesen sein, da wurde in der Weinszene über einen Holländer gemunkelt, der in der Ortenau so gar nicht typische deutsche Spätburgunder ausbaut, dazu noch mit „exzessivem“ Barriqueeinsatz. Erneut eine Revolution in Baden oder was??

Es klang interessant, also besuchte ich den guten Mann damals in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei in Bühl-Kappelwindeck. Jacob Duijn war sein Name, und zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde gerade gefüllt und das sah schon alles sehr „traditionell“ aus, wie da die Flaschen verkorkt und etikettiert wurden. Aber es hatte Charme und Jacob hatte auch während dieser Phase Zeit und Lust, uns seine Weine vorzustellen. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Schwerpunkt weintechnisch ganz klar in der Toskana, mit badischen Weinen hatte ich wenig am Hut, geschweige denn mit Spätburgunder. Während der Probe aber fand ich Gefallen an dieser Art von Weinen, sie waren so anders in Ihrer Art, als vieles, was ich aus der näheren Umgebung probiert hatte, vielleicht auch durch den Barriqueeinsatz, den ich ja aus der Toskana auch schon kannte und in Teilen auch mochte, und so wanderten damals der 1999er Spätburgunder Qba und der 1999er SD (damals 30,- DM) in den Keller. Während der SD mit der letzten Flasche 2008 nach knapp 10 Jahren perfekt auf dem Höhepunkt erwischt wurde (man riet mir damals“ leg ihn 8-10 Jahre weg“, liegt der „kleine“ Duijn aus 99 noch immer im Keller. Und steht – wie am Samstag in Vorbereitung auf diese SD Probe festgestellt – wie eine eins im Glas.

Vor und während der Probe der Vertikale gab uns der Winzer einen Einblick in sein Schaffen. 1994 hängte er seinen Sommelierjob (bei Witzigmann und der Bühler Höhe) an den Nagel und wechselte in den Vertrieb eines Bremer Importhauses, aber auch das war nur ein knapp 10jähriges Zwischenspiel. Er kam damit dem Wein immer näher. Als man ihm einen Weinberg hoch über Bühl anbot, beschloss er, nur noch Wein zu machen. Seine ganze Leidenschaft galt und gilt dem Spätburgunder. Die ursprünglich auf 11 Hektar angewachsene Rebfläche hat er zwischenzeitlich wieder auf 6,5 Hektar verkleinert, weil er es nach seiner Vorstellung so besser machen kann. Bewirtschaftet wird seit 1994 naturnah und biodynamisch, seit 2009 hat er das Demeter-Siegel, wobei selbst der Mond eine gewichtige Rolle spielt. „Die Mondphasen haben großen Einfluss auf das Leben“, erklärt er. Und ernst fügt er hinzu: „Wir brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns nicht.“

Hier nun die Verkostungsnotizen, die Probe fand im sehr kühlen und schumrigen Barriquekeller des Weingutes statt, so dass ich die Farbbeschreibung leider außen vor lassen muss.

1998 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Premierenjahrgang, laut Winzer ein gutes Jahr. 32hl/ha Ertrag. Hauch von Minze, Tannin merklich, wirkt immer noch sehr jugendlich. 89/100 Pkt.

1999 Spätburgunder SD

Weder auf dem Weingut noch bei mir keine einzige Flasche mehr vorhanden, dafür hier eine Notiz von der Spätburgunderprobe des Rhein-Main-Stammtisches vom 13.10.2008 von Armin Maurer
Der letzte trockene Wein war dann mein Sieger des Abends:
Zuerst grüne Tabakblätter und etwas Zedernholz, dann feine Frucht, rote Beeren, etwas süßliche Walderdbeere, auch feine Kirschnoten, sehr schön komplex, samtig gereift, elegant und eher leicht, aber doch in keiner Weise dünn, wunderbar samtig zog der Wein über die Zunge. Großartig und mir 94P wert, ich denke er war auf den Punkt, Potential sehe ich eher nicht mehr.

 

 

 

 

Der Müller-Thurgau aus Weisenbach (links im Bild) hat auch eine Geschichte, am Ende dazu mehr.

2000 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Am Gaumen deutlich wuchtiger und auch leicht öliger, wirkt konzentrierter, von Hand entrappt, kraftvoller Bursche, sehr ausladende Beerenaromatik, auch ein Tick alkoholisch wirkend. Das Holz zeigt sich noch leicht dominant. Insgesamt trotz der Wucht recht ausgeglichen am Gaumen. 87/100 Pkt.

2001 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Zu 100 % neue Eichenfässser benutzt, zeigt sich der Wein jetzt nur noch vom Holz geküsst, die feine, frische Säure verleiht ihm eine ungeheure Strahlkraft. Was für eine geile Nase, Tabaknoten erinnern an Burgund, tiefgründig und von feiner Finesse, duftet herrlich fein nach roten, reifen Beeren. Dazu wunderbare an Salbei erinnernde Noten. Herrlich komplex und kraftvoll, saftig und mit feinem Säurespiel, spielt mit den Muskeln um dann gleichzeitig anmutig mit feinen, tiefen Aromen zu beeindrucken. Mein Favorit der Probe und mir 94-96 Punkte wert.

2002 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Ein schlimmes Jahr, verfaulte Trauben, Regen während der Lese. Jacob selektierte rigoros aus. Zeigt sich deutlich schlanker am Gaumen, dunkle, weniger reif schmeckende Beerennote unterlegt von etwas rauem Tannin. Wirkt am Ende etwas stumpf, zeigt auch hier wieder tabakige Noten. Hmmm…84/100 Pkt.

2003 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Geerntet am 28.8. War er sonst immer einer der letzten bei der Ernte – viele Kollegen schüttelten die Köpfe- war er diesmal der erste. Auch hier wieder ungläubiges, unverständliches Kopfschütteln. Keine Frage, man merkt dennoch den Jahrgang. Im Jugendstadium sicher als wuchtiger Rhonewein zum Verwechseln ähnlich, leugnet er auch nach 8 Jahren nicht seinen Jahrgang. Wuchtig am Gaumen, Kräuter, Schattenmorellen, ein Hauch Lakritz, Nelke, minimal Likör. Jedoch sorgt die feine Säure im Hintergrund für einen gelungenen Frischeschub, er trinkt sich trotz aller Kraft sehr gut. 87/100 Pkt

2004 Spätburgunder SD (aus der Doppel-Magnum)

„Ein „Opfer des 2003er Stress-Jahrgangs, wie auch der 2005er“,  so der Winzer. Zeigt gewisse Parallelen zum 2001er, wie etwa bei der Säure, hat allerdings nicht die Strahlkraft. Ich bemerke Kaffeeröstnoten, Aromen von Nelke und Rosenblättern, auch wieder Tabak, der Wein zeigt mit seinen recht weichen, runden Tanninen sehr zugänglich. Insgesamt auf trinkigem Niveau. Mir fehlt etwas der Zug und die Spannung am Gaumen. (87/100 Pkt)

2005 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Jacob erwähnt, dass sich für Ihn die Umstellung auf die biodynamische Arbeitsweise in diesem Jahrgang erstmals deutlich spürbar zeigt. Zudem wird 10 % weniger Holz eingesetzt. Ich erkenne eine etwas fülligere Struktur, hat etwas von der Art des 2003, ist aber deutlich vitaler in seiner ganzen Erscheinung. Wir riechen Rosenblatt, Tabak, wiederum Kräuter wie Salbei und etwas Liebstöckel. Das Tannin ist runder, der Wein sehr gut haftend am Gaumen, von klebrigen Tanninen – wie ein Journalist behauptet – keine Spur. Hier bin ich zum ersten Mal dabei, Babymord zu schreiben, viel zu jung. 94+/100 Pkt.

2006 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

WOW! Zeigt einen leichten animalischen Ton, der verfliegt aber mit der ersten Umdrehung im Glas. Wir schnuppern reife Johannisbeeren, etwas Himbeere, auch Holz. Am Gaumen salzig-mineralisch, enorm saftig, wirkt eher kühl, stoffig und voll am Gaumen haftend. 93/100 Pkt.

2007 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Farblich etwas heller, zeigt sich schon sehr zugänglich, sehr harmonisch, sehr trinkig, wirkt fast weiblich und filigran, dennoch sehr elegant und nachhaltig am Gaumen. Tolle Nase nach roten Beeren, feines, edles Holz, wirkt auch bei diesem Jahrgang kühl in seiner Art. Ob er aber ein Langläufer wird und sich daher weiter verbessern wird??? 90/100 Pkt.

2008 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Sehr frischer, jugendlicher Beerenmix zu Beginn am Gaumen, wir riechen wieder feine Tabaknoten, wirkt wiederum recht kühl, Aromen von Johannisbeeren, Kirschen, Schlehen umkreisen die Zunge, zarte Holznote, am Gaumen sehr frisch und saftig, extrem jugendlich wirkend, dabei seidige Textur. 89/100 Pkt.

2009 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)
Der Ertrag liegt bei ca. 25 hl/ha. In großen 3000l Holzbottichen vergoren, ca. 24 Monate im Barrique gelagert. Wunderbar klare und präzise Frucht, tiefgründige Mineralität, feines, elegantes Säurespiel, packt am Gaumen zu, muskolös. Kaufen und wenigstens 5 Jahre weglegen. Derzeit 90+ Pkt. €47,-

Premiere in Weisenbach: Wein aus heimischer Lage.

Weisenbacher KapfFür den Weisenbacher Gerhard Strobel war der Erhalt vom Weinberg Weisenbacher Kapf  eine besondere Herzensangelegenheit. Sein Vater hatte schon dort Weinbau betrieben. Die Tradition und der Erhalt dieses wunderschönen Naturparadies muss fortgeführt werden.

In Weisenbach steht zum 18.06.2010 eine besondere Premiere an. Es wird zum ersten Male ein eigenständiger (selbstvermarkteter) Wein aus dem Weisenbacher Weinberg Kapf angeboten. Die Tradition des Weinbaus reicht weit in das Mittelalter zurück. Weinbau in Deutschland ist seit den Römern bekannt. Ins Murgtal gelangte der Wein im Zuge der mittelalterlichen Besiedlung. Erstmalig wurde der Weinbau in Weisenbach in einem Dokument des bischhöflichen Generalvikars 1481 unter „Kapelle St. Wendel in den Weinreben“ erwähnt. Im späten Mittelalter war der Weinanbau weit verbreitet. Es wurde reichlich produziert und konsumiert. Hohe Qualitätsanforderungen durfte man damals an dieses Getränk jedoch nicht stellen. Einen Hinweis auf den Weinhandel liefert die ehemalige Fernhandelsstraße von Gernsbach entlang der Höhenzüge nach Baiersbronn. Der Weg führt heute noch die Bezeichnung „Alte Weinstraße“.

Aus einem Ebersteinischen Lagerbuch vom Jahre 1597 ist zu entnehmen, dass der „Weißenbacher Frucht-weyn“ aus den „Wyngärten“, als „Kleinnzehnt“ dem Domstift Speyer abzuliefern ist. Der Weinzehnt wurde erst im Jahre 1851 abgeschafft. 1880 betrug die Anbauflächen 15 Morgen (=540 ar), 1937 bereits 634 ar. Eine Flurbereinigung erfolgte im Jahre 1972, der Weinbau wurde modernisiert und aktiviert. Zum Anbau kamen die Rebsorten Spätburgunder, Ruländer und Müller-Thurgau.

Der Weisenbacher Gerhard Strobel gewann 2009 den in Bühl – Kappelwindeck ansässigen Winzer Jacob Duijn für die Arbeiten im Weinberg und für den Ausbau der Qualitätsweine. Vor Jahren verwirklichte sich der Holländer seinen Traum: Ein eigenes Weingut. Es war mehr eine Laune des Zufalls, als der erfahrene Sommelier 1994 den ersten Weinberg von einem ortsansässigen Winzer kaufte. Inzwischen hat Duijn seinen Betrieb beachtlich erweitert und sich innerhalb weniger Jahre zur Spitze der deutschen Rotweinerzeuger emporgearbeitet. Sein Weingut zählt heute zu den besten Deutschlands.

Das Lesegut aus dem Weisenbacher Kapf wird sorgfältig in der Kellerei von Weingut Duijn in Bühl-Kappelwindeck veredelt. Das Resultat ist ein leichter, feiner Wein mit lang anhaltender Frucht und gut eingebundener Säure. Der ideale Begleiter zu leichten Sommergerichten.

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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Condrieu & Côte Rotie

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 25 März 2011

Vorspiel im Burgund:

Auf den französischen Autobahnen hat man als Beifahrer eine Menge Zeit, IPhone für das Ausland einrichten, essen, der Frau das Geld für die Maustationen reichen oder das Auto hüten, wenn die Holde die Örtlichkeiten aufsuchen muss. Da wir aber an diesem Montag recht zügig voran kamen, spon ich spätestens beim Hinweisschild „BEAUNE“ einen angenehmen Gedanken. Einen kleinen Abstecher zu Madame Tortochot nach Gevrey-Chambertin. Die hatten wir 10 Tage zuvor schon auf dem Strasbourger Weinsalon getroffen und die 09er 1iere Crus für kaufwürdig befunden, als dann aber der Sportskamerad @marcodartini aus Dortmund seine Bestellung aufgeben wollte, gab es nur ein „epuisé“.  Also auf gut Glück in die rue d´Eglisé und klingeln. Nach Wetterglück nun auch Klingelglück, Madame war da, schaute etwas verdutzt, aber nach Bekanntgabe der Kaufabsicht strahlte sie, wir mussten allerdings „ums Eck“ in den Keller, wo wir noch flugs die 2010er vom Fass probieren mussten, das war eine schöne „Bedingung“ von Madame. 2010 Charmes-Chambertin sag ich nur….

Der kleine Fiat war nun gut gefüllt, die Nachricht, zwei mal sechs Pullen 1iere Crus sind gesichert, lies Dotmund kurz wackeln und wir machten uns dann nach einem Tankstopp weiter auf nach Ampuis.

Die Abendgestaltung an einem Montag an der Nord-Rhône gestaltete sich etwas schwierig, alles hat zu, ab 19:00 findet das Leben in den eigenen vier Wänden statt. Einzig die Dorfkneipe hat offen, aber Elsäßer Bier brauch ich nun wirklich nicht, eine Speisekarte existierte nicht und essen wollte da eh keiner. Also die beste Erfindung seit der teflonbeschichteten Bratpfanne (DANKE NASA!) herausgekramt und nach einem anständigen Lokal gesucht, am interessantesten klang das L´Atelier d´Anton in Chonas l’Amballan auf der anderen Flußseite, knapp 10 Autominuten von Ampuis entfernt, auf Nachfrage waren auch noch 2 Plätze frei, und gegen 21:00 Uhr war der Laden dann auch voll.  Das alte Gehöft schön – modern/simple – renoviert, an den Wänden Licht-Installationen und Tücher- ist das Restaurant in kühle Farben getaucht. Weiße Wände und Holztische muten puristisch an, umso herzlicher ist der Empfang. Die Weinkarte zeigt die guten Namen der Gegend, und empfiehlt sich auch glasweise zu den einzelnen Gerichten. Wir entschieden uns für das Menu Plaisir für 40 € zzgl. den begleitenden Weinen und sind sehr überrascht von 5 schmackhaften, innovativen Gängen:

  • Eine Velouté von Kürbis, Trompetenpilzen, Speck und Trüffelöl – sehr duftig und aromatisch
  • Mosaik von der Ente (Leber, Brust, Rillette) als Terrine mit einem schmackhaften Salat aus Rucola, gedämpften Zwiebeln und Puy Linsen.
    2008 St Joseph rouge « Mairlant » F.Villard: 7 €
  • Brust und Schlegel von der taube (Pigeon) mit einer Kartoffelterrine mit Trüffelkruste
    2006 Collioure rouge « Magenca » P.Gaillard: 6 € 
  • Ein kleiner Käseteller
  • Barocque von Schokolade, mit Verveine-Sirup und Mandarinen-Eis.

Alles sooo lecker! Und genau die Menge die man zu einem Menü noch genießen kann. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Tag 1: 1.3.2011 Verkostung Condrieu & Cote Rotie in Ampuis

Wie schon vor 2 Jahren sind wir auch diesmal wieder bei Winzer Gilles Barges untergekommen. Sein Chambres d´Hotes liegt genau gegenüber der Kirche an der Hauptstrasse, verschlafen kann man nicht, denn man wird am nächsten Morgen von „zarten“ Glockenschlägen geweckt. Das Doppelzimmer kostet inkl. Frühstück 60 €, verfügt über freies W-Lan und ist einfach und geschmackvoll mit alten Bauernmöbeln eingerichtet.

Karl Axel Svensson

Am Frühstückstisch angekommen kommt man nach dem ersten Abtasten intensiver ins Gespräch und erfährt von seinem Gegenüber, dass er Karl Axel Svensson heisst, aus Schweden kommt und jetzt hauptberuflich Weinjournalist ist. Anfang der 1980ziger trainierte er die Fußballmannschaft von IFK Norrköping. Einer seiner damaligen Schützlinge, Jan Svensson wechselte dann zur Frankfurter Eintracht, wo ein gewisser Dietrich Weise Trainer war. So früh am Morgen entwickelte sich sehr schnell ein Gespräch über Ölpreise, den KSC und die Frankfurter Eintracht, natürlich weis man auch in Schweden, dass der BVB Meister wird, Reisen in ferne Länder und: WEIN! Irgendwie schön, wie Wein, Genuß und Reisen Menschen unterschiedlichster Herkuft verbindet. Wir sollten J.R. Swopt, Weinimporteur aus den USA, Karl Axel Svensson aus Schweden, Nito und David Carpita, Inhaber einer Kochschule in St. Remy de Provence die nächsten Tage noch des öfteren über den Weg laufen und gegenseitig Tipps austauschen. Nun aber genug gequatscht, die erste Pflicht rief.

59 Winzer wies unser Katalog aus und wir begannen – weil alle zu Stand 1 rannten – antizyklisch am Ende des Kataloges mit unserer Weissweinrunde. Viognier heist die Rebsorte im AOC Gebiet Condrieu, das rechts der Rhône liegt und dessen ausschließlich weiße Reben auf Granitböden gedeien. Viognier neigt dazu, hohen Alkohol zu produzieren, was die Weine sehr schnell brandig oder wie sagte heute jemand – arschbreit – erscheinen lässt, was wir leider bei vielen Weinen des 2009ers feststellen mussten. Dazu waren viele Weine von einer etwas wärmeren und ausladenderen Stilistik geprägt, Weine die in uns ein schnelles Sättigungsgefühl aufkommen ließen und den Gaumen schnell ermüdeten. Nur ganz wenige Winzer haben uns mit ihren Weinen überzeugt.

Eric Texier sowie Michel & Stephane Ogier sind mir schon vor 2 Jahren mit ihren tollen, durchstrukturierten Weinen aufgefallen. Alle Weine dieser beiden Winzer besitzen eine wesentlich frischere Art, Weine, die substanziell sind, die eine klare Frucht (meist gelbe Steinfrucht wie Mirabelle) hervorbringen, dazu eine Würze in Form von weißem Pfeffer. Der Alkohol ist vorhanden, aber integriert sich vollkommen in den Wein. „Well balanced“ würden unsere Frühstücksnachbarn sagen. Das ist schon von internationaler Klasse.

Noch eine Klasse besser fanden wir die Tropfen von Georges Vernay. Seine beiden Condrieu „2009 Les Chaillées de l’Enfer“ und „2009 Les terrasses l´empire“ legen noch eine Schippe drauf, für mich die besten Weine des Tages, Weine, die nahezu perfekt in Ihrer Art sind, alles vereinen, was einen großen Wein ausmacht. Sehr klarer Duft, am Gaumen brillant und klar, seidig, mit einer unglaublich klaren Frucht, man schmeckt die reifen Trauben förmlich, dazu Schmelz auf der Zunge, Druck ausübend, ein sich ständig wechselndes Spiel an Aromen und Sinneseindrücken, leider dermaßen teuer, dass ich trotz Fahrt zum Weingut nicht bereit war, den geforderten Preis von 52 € für den 2009 Les Chaillées de l’Enfer auf den Tresen zu legen.

Ein mir völlig unbekanntes Weingut namens Domaine Semaska stellte für mich die burgundischsten Weiss- und Rotweine des Tages. Christoph Semaska bearbeitet 5,5 ha etwas außerhalb von Ampuis gelegen, seine beiden Condrieu sind eher fein, feminin und mit viel Schmelz ausgestattet, auch hier sehr klare, feine Frucht auf sehr elegante Art, wiederum auch sehr frische und konzentrierte Stilistik ohne auch nur den Hauch von zuviel Alkohol zu spüren. Diese ganze Art erinnerte mich sehr stark an Burgunderweine. Eine schöne Entdeckung, leider auch hier keine Schnäppchenpreise, die Weine müsste man in Deutschland sicher um die 35-45 € verkaufen. Verständlich, denn wie uns ein kleiner nachmittäglicher Spaziergang in den Weinbergen zeigte (siehe Fotos unten), sind die zu bearbeitenden Flächen extrem steil und nur händisch zu bearbeiten. Schade, an der Mosel herrschen ähnliche Bedingungen, auch dort mühen sich Winzer, erzielen aber ein Vielfaches weniger.

Bei allen uns aufgefallenen Weissweinen der o.g. Winzern probierten wir in der 2. Runde auch die Rotweine der Côte Rotie. Am besten gefielen mir die Roten von Semaska, auch hier eher, femininer, sehr eleganter Stil, auch wunderbar trinkig.

Gelobt werden muss wieder ein Mal die Organisation. Nachdem vor 2 Jahren alle Veranstaltungen zentral in Avignon stattgefunden haben, zog man es diesmal wieder vor, wie 2005 in den einzelnen Appellationen die Weine zu präsentieren, was ich schöner finde, wenn auch Sporthallen keinen besonderen Charme ausüben wie es der Palais du Pape in Avignon tut, aber so lernt man diese bezaubernde Landschaft wenigstens auch kennen. Auch die Verpflegung (von 12-15 Uhr ist Buffet und da werden regionale Produkte angeboten) war wieder top und fast schon alleine die Reise wert.

Was das Reifepotential der Weine aus Condrieu und der Côte Rotie angeht, davon konnten wir uns am gleichen Abend in einer „Sonderveranstaltung“ für geladene Gäste ein Bild machen. Neben der bekannten Verpflegung gab es wunderbare gereifte Condrieu und Côte Rotie ausschließlich aus Magnumflaschen verschiedenster Jahrgänge, ein 99er Condrieu von Clusel-Roch war mein Favorit, noch unglaublich lebendig von goldgelber Farbe, von einer reifen Säure unterlegt, solo ein herrlich Genuss. So ging dann der erste Abend zu Ende, gegen 23.30 war dann Schluss und alle freuten sich auf morgen, denn dann zieht die Karawane weiter nach Tain l´Hermitage,  um Hermitage, Crozes-Hermitage, Cornas und St. Joseph zu probieren. Aber das wird wieder ein anderes Kapitel…

Impressionen aus Ampuis:

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 4 (Mas Amiel)

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 6 März 2010

Mit einiger Verspätung nun der 4. und letzte Tag auf der Strasbourger Weinmesse.

Der Montag war im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser besucht, auch wenn einige Weingüter schon ausverkauft waren. Montag ist immer „Schaulaufen“ angesagt. Wo man die Tage zuvor vorbei gelaufen ist aus Zeitmangel oder wegen zu voller Stände, wird jetzt probiert, meist auch Spirituosen (schöne alte Armagnac) oder immer wieder gerne Süßweine.

Bei der Domaine de Rancy kauften wir zwei 17 bzw 14 jährige Rivesaltes für´n Appel und ein Ei. Dazu noch einen herrlichen Essig. Den Abschluß bilden schon fast traditionell die herrlichen gespriteten roten Süßweine der Domaine du Mas Amiel aus Maury, im K&M Jargon auch als „Schokoladenweine“ bekannt. Hier haben wir fast 1 Stunde in Aromen und Düften geschwelgt.

2007 Maury Vintage
Aromen von frisch gerösteten Kaffeebohnen, am Gaumen Kräuter, Tabak, erstaunlich frischer Wein mit knackiger Säure, deutliche Schiefernoten, kühler Charakter, gute Balance, rauchige Noten, süß, aber nicht klebrig.

2006 Maury Vintage Reserve

Im Duft Datteln, am Gaumen Tannin deutlich spürbar, „laute“ Säure, Mineralik, die an Graphitnoten erinnert, in Butter angeröstete Haselnüße, Kirsch-Brombeerfrucht, hat mehr Druck.

2006 Maury Vintage Reserve „Charles Dupuy“ (Einzellagenselektion)

Erinnert ganz heftig an dunkle Zartbitterschokolade mit Röstkaffenoten, am Gaumen auch sehr reife Banane, Barriqueausbau, dicht, recht opulent, dabei aber auch sehr elegant.

o.J. Maury 10 Ans de Age

Wiederum noch sehr lebendige Säure, intensiver Duft nach eingekochter Pflaume und Kräutern. „Christstollen in flüssiger Form“ meinte Barbara,
Viel Fülle, recht nachhaltig, rund und weich, langer Nachhall, für mich lebendiger als der 15 jährige.

o.J. Maury 15 Ans de Age

mir viel zu Säurebetont, entwickelt weniger Druck als der 10 jährige. Gefällt nicht.

1969 Maury

Grandios!! Große Harmonie, nussig-reife Noten, Schieferkühle, riecht wie ein frisch gebackener Nußstriezel mit Zitronenglasur, unheimlich elegant, extrem lang. Großes Geschmackkino und noch minutenlang auf der Zunge präsent. 98-100 Pkt.

Mas Amiel bei K&M Gutsweine
http://www.gutsweine.com/gutsweine/p10100.php?s_land=Frankreich&s_idweingut=46

Mas Amiel Video:

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4. Twittertasting #twv : das K&M Probepaket für 19,80 € frei Haus

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 20 Dezember 2009

Twitter ist derzeit das dynamischte Medium im weltweiten Netz. Und wer glaubt, dass da nur dummes Zeug parliert wird, irrt. Viele reale Bekanntschaften wurden geschlossen, das ein oder andere Restaurant gerockt und vorallem viel über Wein, Gott und die Welt geredet. Legendär ist jetzt schon die After-Twittagessen-Party beim „Blogwart“ und Winzer Dirk Würz.

Initiator des Twittertastings, in der Twitterwelt  kurz #twv genannt, war Simon alias DonSimon_, wie es dazu kam, findet ihr auf seinem Blog Don Simon.

Das 4. Twittertasting bzw. den Probiersalesday dürfen nun wir von K&M Gutsweine (wir twittern hier) ausrichten, nach den Vorlagen von Weinlounge, Superiore und Probiowein kein leichtes Unterfangen, aber wir denken, zwei ideale Weine mit einem exzellenten Preis-/ Genuss-Verhältnis ausgesucht zu haben.

Schiefer-Weine aus dem Priorat & Rheingau

Wir stellen zwei wunderbare Weine von Schieferböden vor, der eine, ein 2008er Riesling trocken „Grauschiefer“ stammt von der japanischen Kellermeisterin Tomoko Kuriyama vom Weingut Altenkirch in Lorch im Rheingau. Tomoko hat das Weingut nach einer kleinen Schwächephase wieder auf den richtigen Kurs gebracht, wie auch Niko Rechenberg bemerkt: „Kompliment, was für eine aufregende Entdeckung! Wenn Quereinsteiger wie Kellermeisterin Tomoko Kuriyama – sie arbeitete früher im Marketing von Motorola, Gesellschafter Andreas von Rosen, ein ehemaliger Investment-Banker aus Frankfurt und die zweite Gesellschafterin Franziska Breuer-Hadwiger, früher Maschinenbautechnikerin bei Linde – solch eigenständige Weine präsentieren, wird der Rheingau tatsächlich aufgemischt.“ (Nikos Weinwelten)

Einen Artikel über Tomoko und das Weingut aus der FAZ am Sonntag finden Sie hier

Wein zwei kommt aus einer der spanischen Kultweinregionen, dem Priorato.

Spektakuläre Schieferterrassen und alte Reben, was im ersten Moment nach Mosel klingt, trifft auch auf die Region im Hinterland von Barcelona zu. Die kleine Weinregion Priorat im Gebirge südwestlich von Barcelona bietet eine spektakuläre Topographie, steile Weinberge, teilweise winzige Terrassen in den Fels gehauen, pittoreske Bergdörfer, etwas abgelegen und verschlafen. Die Winzer der Region sind aber ganz und gar nicht verschlafen. Ihr einzigartiges felsiges Terroir und die zum Teil ganz alten Rebbestände nutzend, haben sie sich mit ihren Top-Rotweinen in den letzten Jahren an die Qualitätsspitze Spaniens gesetzt. Allerdings konnten die “kleineren” Weine oft nicht mit den herausragenden Qualitäten der besten Weine mithalten. Besonders günstig kann die Region aber nie sein, da stehen die schwierigen Arbeitsbedingungen in den Steillagen davor. Nach langem Suchen haben wir nun mit dem Familienweingut Sangenis i Vaque einen exzellenten Erzeuger gefunden, der gerade über seine gesamte Kollektion herausragendes leistet. Bereits der 2005er Sangenis i Vaque tinto , ausgebaut ohne Neuholzeinsatz und von schwarzen Schieferböden stammend, zeigt die typische Konzentration der Frucht, dunkle Beeren, Brombeere, und die kühle Schiefermineralität, perfekter Wein für Freunde dichter, konzentrierter Weine, mit etwas über 10,00 € immer noch sehr preiswert. Passt übrigens wunderbar zu getrüffelter Perlhuhnbrust mit getrüffeltem Kartoffelpüree.

Das Paket kostet € 19,80 frei Haus und ist unter folgenden Link bis zum 04.01.2010 23:59 Uhr zu beziehen.

Als Verkostungstermine schlagen wir nach Absprache mit Don Simon mal den Montag, den 11.01.2010  für den Riesling Grauschiefer und Montag, den 18.01.2010  für den Sangenis i Vaque tinto vor.

Beginn ist jeweils 20.30 Uhr

Wir würden uns ganz doll freuen, wenn sich wieder viele Twitterer beteiligen und wir gemeinsam die Weine verkosten und genießen können.

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Ziereisen in der Presse

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 3 Dezember 2009

REINER WEIN
Krisenfeste Spätburgunder
von Stuart Pigott

Man sollte meinen, dass die Weltwirtschaftskrise die Experimentierfreude der Winzer ganz erheblich eindämmt. Denn es ist ja eher nicht die richtige Zeit für gewagte neue Weine oder Stilrichtungen. Dass es hierzulande trotzdem erstaunliche Neuigkeiten gibt, spricht Bände über die Kreativität und Hartnäckigkeit mancher deutscher Winzer. Vor allem gilt das im Zusammenhang mit Spätburgunder Rotwein, einer Sorte, bei der seit gut zwanzig Jahren ständig Bewegung herrscht. Der neueste Trend ist die Abkehr vom üppig-geschmeidigen Stil des vergangenen Jahrzehnts, der beim zahlungskräftigen Publikum so gut ankam. Diese Weine hatten meist 14 Prozent und mehr Alkohol und sehr ausgeprägte Eichenaromen (vor allem Toast und Vanille) vom neuen Barriquefass. Manche Spätburgunder dieser Art waren und sind sehr beeindruckend, aber es gibt daneben auch genug plumpe und vordergründig „süßliche“ Exemplare.

Winzer wie Hanspeter Ziereisen in Efringen-Kirchen im äußersten Süden von Baden gehen neuerdings aber in eine fast konträre Richtung. Ein perfektes Beispiel für diesen neuen Stil ist Ziereisens herber, schlanker 2007er „Tschuppen“ (zwölf Euro ab Hof, Telefon 0 76 28/28 48), der nur 12,5 Prozent Alkoholgehalt aufweist, dafür aber mit einer feinen Himbeernote und lebhafter Frische betört. Normalerweise werden gute Spätburgunder etwa zwei Wochen auf der Maische vergoren, aber bei diesem Wein hat Ziereisen den Kontakt zwischen gärendem Saft und Beerenhäuten auf sechs Wochen ausgedehnt; ein Teil des Geheimnisses dieses kleinen Helden. Ein anderer Aspekt ist der geringe Anteil (nur 20 Prozent ) an neuen Fässern bei der Fassreifung. Noch konzentrierter und strahlender ist der 2007er „Rhini“ (22 Euro ab Hof) mit seinem herrlichen Duft von feinster Bitterschokolade und Schwarzkirschen. Noch sehr verschlossen, aber cremig und feinwürzig wirkt der 2007er „Jaspis“ (35 Euro ab Hof). Erst die nahezu perfekte Traubenreife und dann jeweils neun und zehn Wochen auf der Maische verleihen diesen zwei Weinen ein enormes Potential; gut gelagert, werden sie sich über Jahrzehnte hin entwickeln.

Dass Ziereisen auf diesem Weg nicht allein ist, zeigen die neuen Weine der „Shelter Winery“ im badischen Kenzingen, auch wenn sie ein wenig alkoholreicher ausfallen. Der 2007er Pinot Noir (die französische Bezeichnung für Spätburgunder; 28 Euro ab Hof, Telefon 0 76 44/92 76 63) ist dank reichlicher Gerbstoffe ziemlich herb, aber keinesfalls eindimensional, sondern sehr vielschichtig, tief und würzig. Etwas einfacher, doch ähnlich im Duft wirkt der 2007er Spätburgunder trocken von der „Shelter Winery“ (neun Euro ab Hof). Allerdings ist der Körper deutlich schlanker, wodurch die Gerbstoffe noch dominanter wirken – aber genau das macht richtig wach im tiefen Grau der Krise.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.11.2009, Nr. 48 / Seite 56

Alle Ziereisen-Weine gibt es auch zum Original-Abhof-Preis bei K&M Gutsweine in Frankfurt.

Entweder in der Hamburger Allee 37, Mo-Fr.:11-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr) oder in der neuen Filiale im Frankfurter Nordend, Gluckstrasse 20 / Ecke Glauburgstrasse, Mo-Fr. 13-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr)

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Agriturismo Cascina San´t Eufemia – Impressionen aus dem Piemont

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 21 Juni 2009

Im Juni waren wir einige Tage zu Gast bei Chiara Andreis und ihrem Mann Paolo, an einem der herrlichsten Flecken Erde, im Piemont.

Info´s :
Cascina San´t Eufemia
http://www.cascinasanteufemia.it

 

Chiara und Paolo

Chiara und Paolo

der Blick von unserer Terrasse

der Blick von unserer Terrasse

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Haupthaus und Galerie (open-air Frühstück)

Haupthaus und Galerie (open-air Frühstück)

die Terrasse - der Sommer kann kommen

die Terrasse - der Sommer kann kommen

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Katzenwäsche - die Linke fremdelt etwas, die rechte will immer gekrault werden

Katzenwäsche - die Linke fremdelt etwas, Joy(rechts) will immer gekrault werden

Gestatten: Dodo, Lieblingsbeschäftigung: tagsüber Siesta!

Gestatten: Dodo, Lieblingsbeschäftigung: tagsüber Siesta!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dodo und Masca: die heimlichen Herrscher des Hofes

Dodo & Masca: die heimlichen Herrscher des Hofes

Ach is des schee!!!

Ach is des schee!!!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
Siesta am Nachmittag!

Siesta am Nachmittag!

 
Was für ein anstrengengendes Leben!

Was für ein anstrengengendes Leben!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Grazie Chiara, grazie Paolo! A presto!

Grazie Chiara, grazie Paolo! A presto!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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Flaschenpost aus dem Piemont – Reisenotizen Juni 2009

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 21 Juni 2009

Reisebericht mit Degustationsnotizen zum Jahrgang 2005 Barolo, Restaurantempfehlungen und eine uneingeschränkt empfehlenswerte Übernachtungsempfehlung mit Wohlfühlatmosphäre.

Nach einem eintägigen Heimatbesuch im badischen Gernsbach ging es am Pfingstmontag los. Nach 7 Stunden Fahrt über leere Autobahnen in Deutschland, der Schweiz und Italien führte uns das GPS über einige Serpentinen sicher ans Ziel, die Cascina Sant´Eufemia in Sinio, etwa 15 Autominuten südöstlich von Alba gelegen.

 

Agriturismo und Weingut Cascina Sant´Eufemia (Sinio)

Agriturismo und Weingut Cascina Sant´Eufemia (Sinio)

 

Von hier oben (etwa 400 m ü.d.M.) hat man einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Weinberge und Wälder der Region und vorallem viel Ruhe. Bei klarem Wetter ist ein Blick auf die Alpenkette und den Mont Blanc keine Seltenheit.

Blick auf die Alpen

Blick auf die Alpen

Chiara Andreis begrüßt uns sehr herzlich, dazu die beiden Hunde,  und auch eine der beiden Katzen freundet sich ebenfalls recht schnell mit uns an. Auf die Cascina Sant´ Eufemia sind wir in diversen Internet-Weinforen und bei Tripadvisor gestoßen, der sehr herzliche und persönliche Service der beiden Besitzer Chiara und Paolo wurde dabei immer wieder in den höchsten Tönen gelobt. Dazu gab es im Internet sehr schöne Bilder des Anwesens, der Eindruck vor Ort jedoch übertraf diese Erwartungen noch. Ein Kleinod, mit viel Liebe zum Detail ausgebaut, auch unser Zimmer, das Blaue im Erdgeschoß, ganz einfach und sehr geschmackvoll eingerichtet, kurzum: hier muss man sich einfach wohlfühlen.

Nach einem 1-stündigen Plausch mit Espresso, hauseigenen Haselnüßen und Wein planten wir unser Abendessen, Chiara war uns mit einer Reservierung in der Trattoria della Posta in Monforte d´Alba behilflich, nach 10 minütiger Fahrt kamen wir dort an, wie man überhaupt sagen muss, dass die vielen kleineren Restaurants in den umliegenden Gemeinden sehr schnell zu erreichen sind und wunderbare, piemontesische, manchmal sogar langaolische Küche anbieten. Auf die Nase fallen kann man eigentlich nicht.

Empfohlen wurde uns die Trattoria von Weingeist Dieter aus Regensburg, der vor Jahren dort sehr gute Erfahrungen machte, zwischenzeitlich hat wohl der Besitzer gewechselt und Restaurant als Bezeichnung wäre angesichts der erlebten kulinarischen Darbietung eher angebracht, dennoch keine kühle Atmosphäre, sondern Wohlfühlklima.

In unmittelbarer Nähe zu einem neu angelegten Golfplatz gelegen wird wohl auch dieses Klientel angesprochen, was sich auch an den Karossen auf dem Parkplatz festmachen lies. Im Restaurant jedoch wird eine traditionelle, verfeinerte Küche angeboten und es ist keineswegs versnobt.

Wir wählten beide das 6-gängige Menü traditionel für 40 €, dazu gab es  einen 2007er Dolcetto d´Alba von Flavio Roddolo / Cascina Bricco Apiani für sensationelle 12 €. Den Winzer hatte ich nach einem Artikel von Jens Priewe eh auf meiner Liste, er beschrieb Roddolo als eher wortkargen Menschen, der lieber seine Weine sprechen liese . Tiefdunkel rot leuchtet der Wein im Glas, am Anfang noch von etwas ruppigem Tannin irritiert, wurde der Wein über fast 3 Stunden immer runder, blieb aber immer auf der fruchtig-intensiven Seite mit einer schönen, lebendigen Frische .

Vorneweg als Gruß aus der Küche gab es eine Tomatenfocaccia mit Kräutern, sowie eine Nocke Insalata Russia. Als erste Vorspeise folgte eine Carne Crudo (mit dem Messer gehackt), sehr puristisch angemacht, etwas Olivenöl und Pfeffer, den Geschmackskick jedoch gaben einige Brösel eines Käse namens Tondo di Macra. Dieser brachte Würze und eine leichte Nussigkeit ins Gericht. 

Weiter ging es mit einem Vitello Tonnato von der Kalbsnuß, diese war im Salzmantel gegart, die Thunfischsauce war recht intensiv und vorallem gab sie es nur mit einem Klecks und nicht als See auf dem dünn aufgeschnittenen Fleisch.

Als dritte Vorspeise gab es eine mit Salsicce di Bra gefüllte Gemüsezwiebel, überbacken mit einer Art Käsebechamel (der Käse hieß Maruzzano) Tolle Kombination von milder, leicht süßlicher Zwiebel mit der cremigen, nach Leber schmeckenden Wurst.

Es folgten die berühmten dünnen Nudeln, die hausgemachten Tajarin. Tajarin ist piemontesisch und leitet sich ab von Tagliarini (die feingeschnittenen). Es geht um nur millimeterbreite dünne Eierbandnudeln, die typisch sind für die Langhe und das Monferrato. Es gab sie an einem fruchtig-würzigen Ragu vom Kalb. Wenn es auch nur im Rahmen des Menüs eine kleine Portion war, war sie unglaublich intensiv, die feinen Nudeln mit unglaublich viel Biss, sehr geschmackig.

Als Hauptgericht kam eine Stincho di Vitello (eine in Barolo geschmorte Kalbshaxe) auf den Tisch. Die Sauce enorm konzentriert mit viel Stand, sehr intensiv im Geschmack, das Fleisch sehr zart. Dazu  in Butter gebratenes, knackiges Gemüse.

Imponierend dann der Käsegang als Dessert, denn am Nachbartisch war man schneller fertig und der Maitre rollte mit einem der größten Käsewagen durch den Speisesaal, den ich bisher gesehen habe. Darauf eine imposante Auswahl hiesiger aber auch französischer Käsesorten, herrlich gereifte Piemonteser Spezialitäten wie Castelmagno, Bra, Raschera, sehr lange gereifter Gorgonzola dolcce und als Kontrast Honig und Marmellata di Uva Mosta. Mmhhhh.

 

Tag 2

 

Bei strahlend blauem Himmel und 20 Grad frühstücken wir erstmals auf der noch nicht ganz fertiggestellten Galerie (es fehlt noch derEstrich) mit freiem Blick auf die umliegenden Weinberge. In weiter Ferne ragen die schneebedeckten Gipfel der Alpen hervor, ein wunderbares Ensemble schon am frühen Morgen des italienisches Staatsfeiertages. Chiara hat zum Frühstück wunderbar aufgetischt: selbstgebackenen Schokoladen-Erdbeerkuchen, frische Brötchen, dazu Mortadella und Schinken für die Fleischesser, Marmelade von Biopfirsichen. Im Nachbardorf wird Käse produziert und so gab es auch frischen Ziegenkäse, dazu in Olivenöl eingelegte Kräuter. Mit unseren Miturlaubern aus Landshut, die dort die Weinstube zum Achterl betreiben, tauschen wir wieder toskanische Urlaubsgeschichten von früher aus und wir erhalten Restauranttipps. Gegen 11 Uhr machen wir uns dann auf den Weg, Fahrt ins Blaue war angesagt, so fuhren wir nach Alba, in der größten Stadt der Region sollte doch etwas los sein. War es auch, die Europawahlen haben einige Parteien zu Veranstaltungen mobilisiert, es haben trotz des Feiertages auch einige Geschäfte, die für Touristen interressant sind, geöffnet.

 

Natürlich schlendern auch wir durch die engen Gassen, schauen bei Gigi Marchisio vorbei, jenem Buchhändler, der einst vor Jahren von der Polizei verhaftet wurde, weil er eine handbemalte Flasche Wein vom Barolo-Winzer und Traditionalisten Bartolo Mascarello mit der Aufschrift „no Barrique, no Berlusconi“

Berlusconi Barrique

ins Schaufenster seiner Buchhandlung stellte. Bücher gibts da immer noch, aber der schicke Laden ist nun zu einer Wein-und Feinkosthandlung mutiert, wohl auch, weil immer weniger gelesen wird. Wir schauen uns die diversen Kirchen an, schade nur, dass statt normaler Kerzen dort Elektrokerzen zur Erinnerung Verstorbener stehen. 

Alba besitzt eine kleine Einkaufsmeile mit allerlei Läden,  größtenteils dreht sich alles um das Thema Essen und Trinken. Es gibt ja auch viele Spezialitäten hier: Tajarin, natürlich Trüffel in allen konservierten Varianten, wunderbare Käsesorten, Süßes mit und ohne Haselnüssen, dazu natürlich jede Menge Wein und die dazugehörigen Läden. Dazwischen immer wieder Modegeschäfte und Straßencafés. 

Schlag ein Uhr waren dann zwecks Nahrungsaufnahme alle Straßen leer. Man soll sich ja an die Gepflogenheiten eines Landes halten und machen mit, in einer kleinen Weinbar, dem Vincafe haben wir uns dann auch einen kleinen Mittagsimbiss gegönnt, ein 2-Gang Menü für 12 EUR, einen Salat mit Carne Cruda, anschließend Tajarin al ragu, dazu einen 2007er Arneis von Marchese di Barolo (frisch+knackig) sowie einen 2008er Favorita Le Nature (Barriqueausbau) 😉 von Pelissero, der etwas schwerer war, beide zu 3 € das gut gefüllte Glas.

In Alba erfahren wir an einem Aushang, dass es die nächsten Tage in Barolo in der Fortezza die Möglichkeit gibt, den aktuellen Jahrgang 2005 des Barolo zu verkosten. Tja, doch ein bischen Arbeit, aber wann kann man schon mal Barolo in dieser Konzentration probieren.

Weltbekannt: Barolo - eigentlich ein Dorf

Weltbekannt: Barolo - eigentlich ein Dorf

Dort standen gegen ein Entgelt von 15 EUR ca. 120 Barolo des Jahrgangs 2005 bereit. 2004 wird als großes Jahr für den Barolo gehandelt, einige Winzer sehen dass nicht so und deklarieren für sich den 2005er als den besseren. Meine Feststellung nach ca. 40 verkosteten Exemplaren. 2005 ist für mich nicht ein so großer Jahrgang wie 2004, die Tannine sind deutlich weicher und runder, die Weine wirken schon recht trinkfertig, beim Großteil der verkosteten Weine vermisste ich die Substanz, den Druck, um den Preis der „Basisbarolo“ (ab 20 € ) auch zu rechtfertigen.  Da tut es auch ein Nebbiolo Langhe für die Hälfte des Preises. Meine persönlichen Favoriten waren die folgenden Weine:

Die K&M Testsieger Barolo 2005

Die K&M Testsieger Barolo 2005

2005 Barolo Bricco Boschis – Tenuta Cavalotto (Castiglione Falletto) – rechts im Bild
(erst ab 09/09 im Verkauf, ca. 40-45 € ab Hof

Sehr puristisch anmutender Wein. Keine schmeichelnde Süße, sondern eher erdige, sehr natürliche Noten wie Waldboden, reife Beeren, fordert am Gaumen, überfordert nicht, ein für mich sehr, sehr ehrlicher Barolo mit viel Substanz und Charakter.

Jens Priewe , Weinjournalist u.a. im Feinschmecker, zählt diesen Barolo 2004 zu den 5 bsten des Jahrgangs. Er schreibt zum 2004er: auf den ersten Schluck kein einfacher Wein: sperrig, spröde, mit Ecken und Kanten. Doch schon nach 10 Minuten im Glas öffnet er sich und offenbart eine Opulenz, wie sie nur wenige Barolo aufweisen: Aromen von Likörkirsche und Waldboden, verbranntem Gummi und Lakritz. Griffiges, noch etwas rohes Tannin, spürbare Säure. Traditionell vinifiziert und ausgebaut.

2005 Barolo „Broglio“ Az.

Agr. Schiavenza (Serralunga d´Alba) – links im Bild
(ca. 33 €)
Traditioneller Ausbaustil, man schmeckt eher helle, rote Beeren, kein Primärfrucht-Bomber, sondern ein Wein, der die fein-fruchtig-reife Klaviatur spielt und viel Druck und Nachhall aufbaut. Sehr elegante Art, Tannin noch etwas nebenstehend, braucht Zeit. Tolle Länge! (der 2004ert wurde im Gambero Rosso 2009 mit 3 Gläsern ausgezeichnet)

 

2005 Barolo Bussia Dardi Le Rose Poderi Colla (Monforte d´Alba) – nicht im Bild
(47 €)
Kraftvoller Ansatz, Noten von Weihrauch, am Gaumen ungemein fest, lange präsent, sehr trinkanimierend, grazile Struktur, Tannin bestens integriert, Holz dezent spürbar. 

2005 Barolo Brunate Bricco Roche Ceretto
(72 €)
Herrlich eindringliche Präsenz am Gaumen, für einen Wein dieser Preisklasse ungemein trinkig, am Gaumen durchgängig, fest, hochelegant, gute Persistenz und vorallem viel, viel Länge. Schade, der Preis ist einfach zu hoch.

Nach der Probe ließen wir ein wenig die Gedanken schweifen, nahmen in Monforte d´Alba in der Enoteca am Hauptplatz einen Aperitivo, und fuhren in die Osteria da Gemma nach Roddino, die uns von diversen Seiten (Internet, als auch Mitbewohnern) empfohlen wurde.

Es gibt dort allerdings keine Speisekarte, es muß (kann) gegessen werden, was die vielen Frauen in der Küche auf den Tisch bringen. Man sollte wenig gefrühstückt, nichts zu Mittag gegessen haben, um diese Massen an Speisen essen zu können. Zudem erschwert ein nicht gerade niedriger Geräuschpegel der proppevoll besetzten Osteria die Unterhaltung. Von entspanntem Essen kann hier leider keine Rede sein. Um nicht missverstanden zu werden: die Qualität des Essens ist gut, wer gern viel auf dem Teller haben möchte, ist hier gut aufgehober, man sollte sich aber bei den zur Verfügung gestellten Mengen an Speisen immer im Hinterkopf behalten, dass da noch einiges ansteht . Es gibt zu Beginn hausgemachte Salami und Wurst, die man sich am Tisch selbst abschneiden darf, dann folgt – kaum abgeräumt – eine große Schüssel Mett (Carne Cruda auf Italienisch), kaum abgeräumt folgt Insalata Russia (Erbsen, Kartoffeln, Eier, Karotten an Mayonnaise), dann folgen zwei Nudelgerichte Schlag auf Schlag, Tajarin und Ravioli. Danach haben wir gestreikt, es ging einfach nichts mehr rein, obwohl wir schon immer vorsichtiger wurden. Alle anderen haben dann noch zwei Hauptgänge und 4(!!!) Desserts bekommen. Das ganze Menü inkl. 1 Flasche Dolcetto des Hauses kostet dann um die 60 € – für 2 Personen!!!

Ehrlich gesagt halte ich nichts von dieser Art der „Essenszelebrierung“. Da wir auch einen guten Blick in die Küche hatten, sahen wir auch, wieviel weggeschmissen wurde. Klar ist jeder für sich selbst verantwortlich, aber mir geht es beim Essen eher um den Genuss in guter Atmosphäre, da sind 40 € pro Person wie in der Trattoria della Posta gelöhnt, für mich besser angelegt und bleiben positiv in Erinnerung. Ach ja, der Laden war übrigens brechend voll – meist mit Deutschen – die Gerichte sind jahrein jahraus – bis auf Variationen bei den Hauptgängen – immer die gleichen.

Nach dem wir dann gezahlt hatten und versicherten, dass uns alles nur zuviel und die Qualität in Ordnung war, traten wir unseren kurzen Heimweg an, endlich froh, den dicken Bauch vom Essen in die Horizontale zu bringen. 

 

Tag 3

 

Das Frühstück fiel uns sichtlich schwer, der Magen war noch allzu beschäftigt mit dem Vorabendessen. Aber Chiara hatte frische, dunkle Erdbeeren aufgetischt, dazu frische Apfelbeignets gebacken, es gab wieder ein bischen Käse, da braucht´s keine großen Portionen, weil alles ungemein intensiv schmeckt. Dass ist Genuß pur!

 
Bei der Kirche: Az. Agr. Schiavenza

Bei der Kirche: Az. Agr. Schiavenza

Heute hatten wir unseren – wie sich spät abends herausstellen sollte  – doch nicht einzigen Termin. Beim Winzer Luciano Pira von der Az. Agr. Schiavenza in Serralunga d´Alba allerdings waren wir schon für eine Probe seiner aktuellen Jahrgänge angemeldet. Wir konnten die ganze Batterie an Weinen durchprobieren und waren sehr begeistert ob der Professionalität und Gastfreundschaft, mit der uns Probenleiter Walter alle Weine durchprobieren lies. Auch die Weine ließen keine Wünsche offen. Vom einfachen Dolcetto d´Alba über den Dolcetto Vughera bis hinauf zum Barolo Bricco Ceretto und dem 2005er Barolo Prapó machen diese herrlich traditionell ausgebauten Weine trotz ihrer Jugend immens viel Spaß, gerade auch alleine getrunken, was man von vielen extrem muskulösen und farbintensiven Barolo leider nicht behaupten kann, aber die kaufen eh die Parkerjünger.

Anschließend genossen wir noch auf der sonnenüberfluteten Terrasse der Trattoria (allerdings unter einem schattigen Baum) das wundervolle Mittagessen mit Panoramablick auf die umliegenden Ortschaften und Weinberge. Von Vitello Tonnato mit sehr geschmackvoller, überhaupt nicht fetter Sauce, über die mit Thunfischcreme gefüllten Paprikaröllchen bis zu den mit grünem Spargel gefüllten Crespelle. Einfach und gut schmackhaft. Als Secondo gab es selbstgemachte, mit Fleisch und Kräutern gefüllte Ravioli in Salbeibutter. Als Hauptgang ein klassischer Brasato al Barolo, zu dem der 2001er Barolo wunderbar passte und das trotz sicherlich 25 -30 Grad Außentemperatur.

 

Genuss pur in der Trattoria e Cantina Schiavenza

Genuss pur in der Trattoria e Cantina Schiavenza

Nur schwerlich wollten wir uns von diesem wunderbaren Fleckchen Erde erheben, aber wir wollten uns noch spontan Castiglione Falletto anschauen. Ab ins über 50 Grad heiße Auto, auf dem Weg dahin erinnerte ich mich an die gestrige Baroloverkostung und plötzlich tauchte da am Wegesrand das große Schild Cavalotto auf. Die Aufahrt zum Weingut genommen und auf gut Glück im Ufficio geklingelt, und unseren Wunsch, vielleicht ein paar Weine angesichts der gestrigen positiven Erfahrungen probieren zu dürfen, geäußert. „Herr Cavallotto kommt sofort“, entgegnete uns die Dame und ich erwartete angesichts des doch herrschaftlich wirkenden Anwesens einen älteren, graumelierten Weingutsbesitzer. Stattdessen begrüßte uns ein junger Bursche um die 30 – Alfio Cavallotto – einer der beiden Brüder, die die Verantwortung über das Weingut tragen. Er bedankte sich für unser Interesse und begann gleich ohne großen Aufhebens mit der Führung, die uns zuerst vorbei an vielen gekennzeichneten Pflanzen zum Weinberg Bricco Rocche führte. Er erklärte uns die Expositionen des Briccho Rocche, wo die einzelnen Reben wachsen und die Parzellen für den Top Barolo Vigna Giuseppe liegen und auch, dass hinter Serralunga d´Alba kein guter Barolo mehr gemacht werden kann. Puh, zum Glück hat Schiavenza noch Lagen vor dieser vermeintlichen Grenze. Jedenfalls bietet der Bricco Roche einen imposanten Anblick eines Amphitheaters, links wird der Barbera angebaut, weiter hinten in Nord-Ost Ausrichtung sogar Pinot Noir, den er als weißgekelterten Langhe 2007 anbietet. Etwas kräftiger und schmelziger als die deutschen Pendants, daher eher als Essenswein denn als Solowein geeignet. Nach einem kurzen Rundgang durch den Keller, wo ausschließlich große und noch größere Holzfässer verwendet werden, dazu noch Edelstahl und Zementbottiche, ging es in den Verkostungsraum zur Probe.

Alle Basisweine von Dolcetto über den recht eigenständigen Freisa und Barbera d´Alba sind für meinen Geschmack immer noch zu jung. Das Tannin zieht sich doch vehement lange durch den Geschmack, daher werde ich den Weinen zu Hause eine längere Ruhezeit und Luftphase beim Öffnen gönnen. Das ich geschmacklich doch eher beim beim Nebbiolo zu Hause bin, zeigte einmal mehr der 2007er Nebbiolo Langhe.Vielschichtige, reife Beerennoten, tolle Länge, erdige Noten. Macht Spaß, braucht aber noch seine Zeit, der Wein wurde auch erst im Mai für den Verkauf freigegeben.“

Nun ging es ans Eingemachte. Der 2004er Barolo Bricco Rocche zeigt ungezügelte Kraft, viel reifes Tannin, Ausdruck reifer Beeren. Wurde von Alfio frisch geöffnet, so dass man dem Wein sicherlich einen Tag Karaffe geben muss. Leider schon ausverkauft. Um zu ahnen, wo die Reise hingehen kann, öffnet er uns den 2001er Bricco Roche Vigna San Giuseppe Riserva. Sofort berim ersten Schluck merkt man die Samtigkeit und die innere Ruhe und Dichte, die der Wein ausstrahlt. Ungemein lang, lang und länger wird der Wein, nach dem Schlucken breiten sich intensiv die reifen Beerenaromen am Gaumen aus, viel Druck und Nachhaltigkeit. Das ist majestätische Eleganz. Die Reise ist beileibe aber noch nicht zu Ende, der Wein hat sicher noch 5-10 Jahre vor sich.

Eckhard Supp, Weinjournalist und Betreiber des Weinportals Eno-World Wine beschreibt ihn wie folgt:

 

***** leuchtendes Rot, noch dicht und frisch, mit großer Dichte und Eleganz am Gaumen, Länge im Abgang, ein klassischer Barolo, der sich, wie bereits vermutet, deutlich verbessert hat

 

Ähnliche Hoffnungen setzte ich auch in die 2004er von Schiavenza, denn die benötigen sicher auch einige Jahre, bis sie zur vollen Blüte ansetzen um dann ähnlich lange geschmacklich leuchten.

das Filetstück-der Vigna San Giuseppe

das Filetstück-der Vigna San Giuseppe

Alfio Cavallotti war ein ungemein sympathischer, herzlicher Gastgeber, der sich unheimlich viel Zeit für uns genommen hat. Wenn man bedenkt, dass man hier in einer der hochrenommiertesten Weingegenden der Welt ist, ist dass ein schöner Nebeneffekt, ich weiss nicht, ob das im Bordeaux oder im Burgund so möglich wäre. Die Weine, im genauen die Barolo, haben mir ausgesprochen gut gefallen,  sie sind von traditioneller Machart, in der Jugend vielleicht immer etwas spröde, belohnen einen aber -wenn  Geduld vorhanden ist –  mit einer herrlichen Tiefe an Aromen und einer fast schon seidigen Eleganz.

Am Abend sind wir dann in das Nachbardorf Monforte d´Alba gefahren, um im La Salita zu speisen. Wir waren bereits 2 Tage zuvor an deren Ruhetag vor dem Restaurant gestanden und ob der sehr fairen Preise und kreativen Karte angetan und waren nun umso gespannter, was uns erwartete. Von außen wirkt es eher unscheinbar, aber hinter den Mauern werden vinophile und kulinarische Highlight an den Tag gelegt. Bevor man am Tisch im oberen Stockwerk Platz nimmt, bekommt man die Begeisterung für Wein sofort zu spüren. „Gerne etwas frisches, spritziges“ hätten wir vorneweg gehabt und schon hatten wir 2 Spumante von Rocche di Manzoni im Glas. Wunderbar frisch, dennoch cremig und trocken und sofort begann der Gastgeber über Wein zu erzählen. Irgendwann zeigte er uns dann voller Stolz seinen klimatisierten, begehbaren Keller mit ca. 3000 Flaschen aller erdenklichen Winzer des Piemont. Demnächst wolle er auch Riesling aus Deutschland aufnehmen, wir werden ihm eine Liste mit den besten Erzeugern zukommen lassen.

Das Essen war abwechslungsreich, handwerklich sehr gut, es gab eine säuerlich eingelegte Forelle mit ebenfalls sauer eingelegtem Gemüse vornweg, dann Ravioli al Plin mit Fonduta-Sauce, anschließend ein Kaninchen langaolische Art, also mit Innereien im Topf geschmort. Leider hatten wir am Mittag bei Schiavenza so lange gegessen, dass so richtig Appetit nicht aufkommen wollte, aber geschmacklich war das sehr, sehr gut und ich kann diesses Restaurant nur wärmstens empfehlen, für mich das Restaurant mit dem besten Preis/Genußverhältnis der Reise. So fielen wir dann nach 15 Minuten Fahrt ins Bett, es war auch wegen der Hitze ein sehr anstrengender Tag.

 

 

Tag 4
 
 

Heute wollen wir es etwas langsamer angehen lassen. Erst mal ausschlafen und dann den weiteren Tag vor der Cascina einigermaßen planen und auch auf das Mittagessen verzichten, Es hat über Nacht etwas abgekühlt (es sind aber immer noch warme 20 Grad) und der Wind sorgt den ganzen Tag für eine frische, angenehme Brise, dennoch reicht immer noch ein kurzärmeliges Hemd, um draußen im sonnenüberfluteten Hof der Cascina zu planen. Weit kommen wir nicht, den Chiara und Paolo wuseln immer wieder über den Hof und man kommt immer wieder mal kürzer, mal länger ins Gespräch, wir fragen nach Begriffen, die wir auf den Speisekarten nicht verstanden haben, sie erzählen uns vom Weinmachen oder von anderen Dingen rund um ihre Cascina, so dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Dazu kommt einer neuer Gast aus Deutschland, Harald aus der Nähe von Heidelberg, mit dem wir uns dann noch lange unterhalten. Gegen 15.00 Uhr machen wir uns dann auf den Weg immer der Nase nach, denn etwa 1 km Luftlinie entfernt liegt die Antica Torroneria Piemontese. Im Fabrikverkauf wird eine Auswahl von Torrone, Tartufi, Nuss-Produkten und Schokoladenvariationen in verschiedenen Konfektionen angeboten. Der Verkauf ist auch am Sonntag geöffnet. Bei günstig stehendem Wind riecht man den Duft von gerösteten Nüßen es fast bis zur Cascina hinauf. 

Anschließend ging´s nach Montelupo Albarese, den Winzer Marco Destefanis besuchen. Wir hatten diesen Tipp aus Deutschland bekommen. Hier soll es sehr guten Dolcetto geben, was wir nach einer Degustation auch bestätigen können. Der Dolcetto Monia Bassa fasziniert schon aufgrund seiner dunkelvioletten Farbe, ist ungemein fruchtig und tief zugleich, hat eine angenehme, körperreiche Struktur. Am Gaumen mit lang anhaltenden Aromen von Himbeeren, und saftigen, prallen und reifen, dunklen Kirschen , am Ende ein dezentes Bitterl. Doch man muss sich ranhalten, die knapp 2000 Flaschen im Jahr sind immer ruckzuck vergriffen. Kistenweises Einkellern lohnt, denn dank seiner Struktur kann er auch gut reifen. Allerdings müssen wir ihm noch klar machen, dass Abhofpreise inkl. Steuern für Privatkunden nicht gleichzeitig die Preise für Weinhändler sein können.

 

Bei Winzer Marco Destefanis zu Besuch

Bei Winzer Marco Destefanis zu Besuch

So ging es wieder retour Richtung Unterkunft, bis zum Abendessen im La Coccinella war noch Zeit, so dass wir uns lieber ein bischen um die Cascina Eufemia die Füße vertreten wollten.

Endlich entdeckt: Die Piemontkirsche!

Endlich entdeckt: Die Piemontkirsche!

Zwischen den Amphitheaterförmig angelegten und biologisch bewirtschafteten Rebhängen wachsen Kirsch- Pfirsich- und Feigenbäume, die Rebzeilen sind begrünt, der Mikroorganismus im Hang lebt, anschließend probierten wir den 2007er Dolcetto von Chiara und Paolo, ein wunderbar zu trinkender Wein mit klaren, dunkle Fruchtnoten und keinerlei Bitterstoffen. Gottseidank auch nicht mit Barrique „gepimpt“ Dazu ein paar Haselnüsse aus eigener Produktion und der Aperitif war genommen.

Von mehreren Seiten bekamen wir die Trattoria La Coccinella im touristisch eher abgelegenen Serravalle Langhe gelegen, empfohlen. Von uns aus gerademal in 10 Minuten zu erreichen. Ein sehr wein-und genussafiner K&M Kunde, der Osteriaführer von Slow-Food, sowie eine auf Piemont-Weine spezialisierte Kollegin aus Frankfurt rieten uns zu dieser Adresse. Wir wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil. Beim ersten Blick auf die Preise (Antipasti 10 €) vielleicht nicht so günstig wie viele andere Restaurants der Gegend, das relativiert sich aber sehr schnell wieder, wenn man das Handwerk und die Ausführung auf dem Teller sieht. Da hat sich jemand Gedanken gemacht! Ich wählte eine Variation traditioneller Vorspeisen wie lauwarm geräucherte Forelle auf einem Spinatsugo mit Rotweinzwiebeln, Millefoglie von Wacheln, Polenta und Haselnußsauce, Flan mit Spargel, Ricotta, Erbsen an Paprikasugo, Vitello tonnato, Rindfleischröllchen mit süß-saurer Gemüsefüllung, in Kohlblatt eingerolltes Ragu, dann die besten Tajarin al Ragu der Reise, weil ungemein locker und nicht so stark nach Fleisch, sondern auch nach Tomaten, Karotten und Öl schmeckend, dabei sehr fein und fast elegant anmutend. Als Secondo einen Coda di Vitello, also Kalbsschwanz auf gebratener Polenta mit schwarzen Trüffeln. Als süßen Abschluss einen Croccante di Gianduja con Granita di Barbera. Gerade bei den Desserts gibt man sich hier besonders viel Mühe, optisch wie auch geschmacklich. Barbara wählte an diesem Tag das extra ausgerufene Fischmenü, als Vorspeise Variationen von rohem Fisch, dazu einen halber Langostino, eine Kichererbsencremesuppe mit gegrillten Gambas, im Hautgang dann kurzgebratener Thunfisch mit Steinpilzen, als Dessert Millefeuille von Haselnuss, Mascarponecreme und Kirsche mit Kumquat-Granita und Schokoladensauce, ich habe sie beneidet. Hier waren inkl.1 Flasche 2008er Arneis von Mauro Sebaste, 1 Glas 2007 Nebbiolo von Giovanni Abrigo, einem Moscato von ?? zwei Espresso und eine Grappa von Romano Levi 115 EUR sehr gerne angelegt. Dazu der wirklich sehr herzliche und freundliche Service. Wir kommen sehr gerne wieder!

 

Tag 5PICT1365

Heute machen wir eine Abstecher ins Moscato- bzw. Astigiani-Gebiet. Dort liegt die Cascina Radice, unser Piemont Weingut, von dem wir Cortese, Barbera, Barolo und Grappa beziehen. Trotz unseres spontanen Besuches werden wir sehr herzlich empfangen und bekommen inmitten des Abfüllprozesses eine Führung durch die Kellerräume. Von romantischen Weinkellern ist da wenig zu sehen, alles ist nüchtern eingerichtet. Da wir nicht weiter die Arbeit stören wollen, machen wir uns nach ein paar Schnappschüssen wieder auf die Reise, von Pedro, unserem „Kellerguide“, bekamen wir dann noch einen frisch gefüllten 6er Karton 2008er Pino Grigio/Garganega für den großen Durst in der Literflasche geschenkt.

 

Weiter ging die Reise nach Costigliole d´Asti. Was lockt Reisende wohl in das kleine, pittoreske Städtchen (ca. 6000 Ew.) 15 km südlich von Asti? Natürlich ist es der Anblick der alten, weit verzweigten Ritterburg La Rocca, für deren barocken Ausbau Stararchitekt Filippo Juvarra mitverantwortlich zeichnete. Im 19. Jh. dagegen trieb es eine hier wohnhafte Gräfin so toll mit der innenarchitektonischen Umgestaltung (Einbau von Geheimgängen etc.), dass der Ehemann in Geldnot geriet und verkaufen musste. Heute ist das Schloss Sitz des ICIF, einer Kochschule, in der ausländische Köche mehrmonatige Kurse in Italian Cooking besuchen. Dort kann man natürlich nicht essen. Wir hatten uns das von Alexandra und Dieter (die Piemont-Händler Kollegen aus Frankfurt) empfohlene Cafe Roma als Mittagsimbiss ausgesucht. Die herzlichen Grüße aus Deutschland haben wir ausgerichtet, ihr seht euch ja eh bald wieder im Juli. Für einen kleinen Mittagsimbiss können wir dieses traditionelle Lokal sehr empfehlen. Tolle Weinkarte fast aller Erzeuger der Gegend, Flaschenpreise ab 7,- EUR für einen Barbera sind schon unverschämt günstig, dazu ein Teller Parpadelle al ragout (7,- EUR) und eine von Patron Gino höchstpersönlich an den Tisch gebrachte tolle Käseauswahl regionaler Produzenten (6 Sorten für 8 EUR) mit selbstgemachter Salsa di Uva.

Danach beschlossen wir, heute Abend nicht essen zu gehen, sondern uns in Canale im besten Käseladen der Region, dem Bono Formaggio in der Via Roma 44, eine kleine Selektion heimischer Käse (Bra, Raschera, Castelmagno) mitzunehmen, dazu in der benachbarten Salumeria ein bischen Salami und Prosciutto, Wein hatten wir ja noch in der Unterkunft. 

 

Tag 6

 

Der Samstag ist in größeren Städten Italiens immer Markttag. Da strömen die Dorfbewohner in die große Stadt. Die Frauen kaufen, tratschen, tratschen und kaufen, die Männer diskutieren über Politik und Fußball, zwischendurch gibts Espresso und auch schon ein Glas Bianco oder Rosso. Trotz aller Enge auf dem Markt in Alba keinerlei Hektik oder Streß, kein Rumgeschiebe. Alles verläuft in ruhigen Bahnen. Bevor wir uns ins Getümmel stürzen, steuern wir gezielt die Corso Europa 29 an. Dort kann man bei Marco Giacosa und seiner Firma Pasta d´Autore frische, selbstgemachte Pasta kaufen, aber natürlich auch getrocknete und so wandern 2 Päckchen Tajarin in die Einkaufstasche.

Interview auf Italienisch auf Youtube

Ganz Alba ist heute ein einziger Marktplatz, auf dem Platz vor der Kirche gibts Erzeugerprodukte, Salami, Käse, Honig undundund. Ist hier wohl Schlaraffenland? Auf der Hauptmeile wird Mode in allerlei Größen feilgeboten, lila scheint wohl wieder modern zu sein. Zwischendurch fesseln Marionettenspieler fröhliche Kindergesichter. Natürlich muss ich mal schauen, was die Kollegen Weinhändler in Italien so anbieten, sehr empfehlen kann ich die Weinhandlung FRACCHIA & BERCHIALLA Via Vernazza, 9, 12051 Alba,  Telefono 0173/440508 (So & Mo zu) und zwar nicht nur, weil sie die Weine von Reinhard Löwenstein (17,50 € für den Schieferterrassen) und Cyril Janisson-Baradon (Champagner Brut Selecction für stolze 42,- €, bei uns, K&M Gutsweine nur 25,40 €) im Programm haben, sondern weil sie eine große Auswahl an Weinen aus der Region haben und diese zu Winzerabhofpreisen verkaufen. So kam ich in den Genuß, die Weine vom Newcomer Marco Porello zu probieren, und einige Flaschen wanderten auch über den Tresen, z.B. der 2008er Roero Arneis zu 5,60 € oder der 2007er Barbera d’Alba Mommiano zu 5,00 € oder der 2007er Barbera d’Alba Filatura für 6,50 €. Fast ein kleiner Barolo ist der 2007er Nebbiolo Langhe zu 7,10 €. Weine mit hohem Schnäppchenfaktor angesichts dieser Qualitäten.

 

Nachdem wir beim Essen bisher immer mit den uns gegebenen Empfehlungen gut gefahren sind, wollten wir mal was eigenes entdecken. Schon am morgen beim Hinweg zum Markt fiel uns das Restaurant direkt neben der Enoteca Fracchia auf.  Das Vigin Mudest in der Via Vernazza, 11 (Tel.+39 0173 441701) hat direkt vor der Kirche einen kleinen Außenbereich, wo man ruhig und abseits aller Touristenströme wundervoll essen kann. Nichts weltbewegendes, aber gut gemacht. Es gab Bagna Cauda mit gegrilltem Paprika, sehr dezent der Sardellengeschmack, Barbara hatte Gelüste nach einem einfachen Salat, dann als Primi und zugleich Hauptgang nahmen wir zwei verschiedene Risotto, einmal mit grünem Spargel, einmal klassisch nur mit Parmeggiano. Beide waren „all onda“, im Kern noch mit Biss und von gutem Geschmack, für ein Secondo auch in guter Portionsgröße. Auf das Dessert konnten wir nicht verzichten, denn es gab frischen Nusskuchen. Alles sehr lecker und gut gemacht.Von unserer Bedienung erfahren wir auch noch, dass sie Wolgadeutsche ist und vor 30 Jahren nach Italien kam. 

So ließen wir Alba Alba sein, packten unsere sieben Sachen und fuhren nach La Morra. La Morra bietet an sich recht wenig, Alte Gebäude, Restaurants, eine Enoteca am unteren Ende, die alle Weine der Welt zu haben scheint. Da reihen sich 61er Latour an 85er Romanée Conti und dass nicht nur Einzelflaschenweise. Die Weinhandlung ähnelt in diesem Bereich dem Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses. Auch sonst eher Apothenpreise, nach Winzern der Art wie Porello oder Destefanis braucht man hier erst gar nicht suchen.

 

ganz oben in La Morra

ganz oben in La Morra

 

Am oberen Ende der leicht steil ansteigenden Einkaufsmeile öffnet sich das Langhe in seiner ganzen Schönheit. Ein unvergesslicher Anblick, weit schweift der Blick über kleine Hügel und Dörfer. Der Ausblick wurde leicht getrübt durch einen heftigen Wind, ich war ganz froh, hinter einem Baumstamm etwas Windschutz gefunden zu haben, es blies schon sehr heftig. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann, dass dies wohl ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 70-90 km/h hat sein sollen und dass es wohl einige Schäden gab.

 

 

Grandioser Blick über das Langhe Gebiet

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Den Abend verbrachten wir dann wieder in unser Unterkunft bei leichter Kost und flüssigem Blut, anschließend gab es das Fußballspiel zwischen Italien und Nordirland im TV, später kam noch Harald dazu und wir köpften eine Magnum des 2005er Nebbiolo d´Alba ‚affinato in botte di Rovere‘ von Chiara und Paolo. Es sollte bis 2.30 Uhr morgens dauern, bis ich den Weg ins Bett fand, so lange dauerten die Erzählungen von Geschichten aus aller Welt. War ein schöner Abschluß dieser viel zu schnell vergangenen Woche.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir kommen wieder!

 

 

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K&M Degu-Notiz aus Portugal Vol III – Touriga Nacional pur

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 16 Januar 2009

Touriga Nacional gilt im reichhaltigen Rebsortenspektrum Portugals als wertvollste und hochwertigste rote Traube des Landes. Sie zählt zu den sogenannten autochthonen, also hier heimischen Rebsorten und liefert aufgrund ihrer ertragsarmen Tätigkeit tiefschwarze, enorm konzentrierte Weine mit grosser Geschmacksfülle. Charakteristischer Duftnoten sind Pinien, Kräuter und Eukalyptus. Durch die eleganten Tannine haben die Weine eine enorme Lagerfähigkeit. Lange Zeit wurde die Rebsorte fast ausschließlich nur für die Portweinproduktion verwendet, im Zuge des Weinbooms in Portugal haben aber viele Erzeuger erkannt, welch Eigenständigkeit diese Rebsorte auch im „normalen“ Weinbereich genießt. Neben dem Dourotal werden noch im Dao-Gebiet, in der Estremadura und im Alentejo Touriga Nacional-Reben verarbeitet. Gerüchten zufolge bemühen sich derzeit australische Winzer um die Kultivierung der Rebsorte, um strukturschwachen Weinen etwas auf die Sprünge zu helfen. Nee, wat haben die fürn fiesen Charakter…

Widmen wir uns drei Originalen:

zu Beginn ein alter Bekannter der letzten Tage.

2005 Vinho Regional Alentejano Touriga Nacional
Heredade das Servas; Naturkok; 14,5%
Ausbau zu 70% in franz. Holz, Rest amerikanische Eiche.
Nicht allzu tiefes, dunkles Rot. Holz merklich, gute Balance, gewisse Kraft und Tiefe. E setzt sich hier der Trend der in den letzten Tagen verkosteten Weine fort. Nett, gefällig, aber zur Spitze fehlt noch die letzte Instanz an Konzentration, Nachhaltigkeit, die Weine müßten sich tendenziell stärker von Anfang an steigern. Das tun sie leider nicht. 83/100 Pkt.

Weiter geht´s mit

2005 Vinho Regional Estremadura Touriga Nacional „Pactus“
Quinta do Carneiro; Naturkork; Alk. 14.0%
Farblich ähnlich. Im Duft deutlicher von röstigeren Noten geprägt, hier könnte amerikanische Eiche prozentual den höheren Anteil besitzen. Am Gaumen tabakige Noten, am Ende von süßlichen Röstnoten geprägt, dazu einen Hauch Lakritz, insgesamt deutlich definierter als der Wein zuvor, auch die geschmackliche Länge ist von ganz anderer Nachhaltigkeit. Insgesamt gut gemacht, mir etwas zu brav und zu wenig nachhaltig. 86/100 Pkt.

Kandidat Nr. 3
2005 Vinho Regional Estremadura Touriga Nacional
Quinta da Cortezia; Naturkork; 14,5%; Ausbau über 10 Monate in französischem Barrique
Schon die Farbe hebt sich deutlich von den beiden anderen ab. Tiefdunkel, fast schwarzer Kern. Animierender Duft nach reifen, frischen Sauerkirschen, Holzparfum, keine röstigen Noten. Schon der Ansatz und der erste Kontakt mit dem Wein zeigt deutlichst den beiden zuvor verkosteten Weine ihre Grenzen auf. Herrlich komplexes Zusammenspiel von Blaubeeren, Holz, „schwarze“ Aromen von Oliven, tolles Spiel von Holzparfum, Blaubeere, elegantes Holztannin, sehr frischer Charakter, komplexe Struktur, gute Animation, macht Spaß, sehr eigenständig, toll, wird sich sicher über die nächsten 5 Jahre sehr gut entwickeln. 88-90/100 Pkt Für knapp 12 € bei dieser Qualität ein Super-Schnäppchen!

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K&M Degu-Notiz aus Portugal

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 12 Januar 2009

2006 Vinho Regional Alentejo „Vinha das Servas“ tinto
Herdade das Servas por Serrano Mira
13% Alk; Presskork

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Cuvée aus 40% Aragonez, 25% Trincadeira, 20% Syrah und Alicante Bouschet. Stammt von schieferhaltigen Böden. Transparentes, mittleres Rot mit Randaufhellungen. Am Gaumen leichtgewichtiger Auftakt von Schlehenfrüchten, leichter Körper, endet auf dezent phenolisch-grünen Tönen, karamelliger Unterton, trocknend, Frucht geht sehr schnell verloren. Bereitet nicht wirklich Trinkfreude durch das strenge Finish, kurz. 77/100 Pkt.

Die Meinung von Armin: Auf mich wirkte der Wein etwas banal, nett. Die Frucht machte mir noch einigermaßen Spaß, ansonsten war er aber etwas leichtgewichtig und kurz. Sicher ein ordentlicher Party-Wein, aber nichts worüber man sich länger unterhalten müßte.

2006 Vinho Regional Alentejo „Monte das Servas Colheita Seleccionada“ tinto
Herdade das Servas por Serrano Mira
14,5% Alk; Naturkork

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Cuvée aus 40% Touriga Nacional, je 20% Aragonez, Trincadeira, und Alicante Bouschet.
Stammt von roten Schieferböden, Handlese, Auswahl der Trauben auf dem Table de Tri, Touriga Nacional wird für 12 Monate in Eichenfässern gelagert, die restlichen Trauben Lagerung in Stahltanks, anschließend 6 Monate Lagerung in der Flasche.

Kräftiges dunkelrot, intensiver, dunkelbeeriger und blumiger Duft, Holz, am Gaumen anfangs Frucht, dann deutliche Holzprägung und deutlich spürbare Gerbstoffe, stramme Säure, mittlerer Körper, kommt mit Esen besser. 86/100 Pkt.

Die Meinung von Armin: Dieser Wein hat mir schon deutlich besser gefallen. Am Anfang war er zwar schon vom Holz geprägt, aber die dichte Frucht konnte sich daneben schon gut behaupten, mit Luft und Zeit spielte sich die Frucht nach dunklen Waldbeeren immer deutlicher nach vorn. Die Gerbstoffe vom Holz und den Trauben bleibt aber über die ganze Zeit deutlich präsent und auch etwas kernig. Die Säure war für mich nicht so deutlich spürbar. Mit deutlich feinerem Tannin würde mir der Wein sehr gut gefallen, so sehe ich ihn auch bei 86/100P

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Das Weingut Herdade das Servas liegt in Estremoz, in der Region Alentejo in Portugal. Es handelt sich um das neueste Projekt der Familie Serrano Mira. Im Jahre 1999 begann der Traum wahrzuwerden, als von den Brüdern Carlos und Luís Mira der Bau des Gesamtkomplexes, der zur Zeit existiert und vor einer Erweiterung
steht, in Angriff genommen wurde. Die Familie Serrano Mira ist seit unzähligen Generationen mit der Herstellung von Qualitätsweinen verbunden. In ihren Landgütern wurden Tonkrüge aus dem Jahre 1667 aufbewahrt, die als Behälter für die Weinproduktion dienten. Schon der Urgroâ vater mütterlicherseits war einer der Gründer und der erste Präsident des Weinkellers Adega Cooperativa de Borba, CRL, eines der
vielversprechendsten Weinkeller des Alentejo und Portugals. Auch der Großvater väterlicherseits hat
eines der ersten privaten Unternehmen zur Weinherstellung im Alentejo, in Borba, ins Leben gerufen; dieses Unternehmen trägt mittlerweile den Namen Sovibor und gehört nicht mehr der Familie. Von klein auf nahmen die Brüder Mira an den familiären Aktivitäten im Weinsektor teil und im Laufe der Zeit konnten sie sich äuâerst wichtige Erfahrungen aneignen, die der Entwicklung des Projekts Herdade das Servas zugute kamen.

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