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Weingut Gunderloch: Verkostung V.I.R.G.O. & Riesling Nackenheim Rothenberg GG 2006 -2013

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 12 November 2014

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Die Arbeitsliste 😉

Am gestrigen Nachmittag lud das Weingut Gunderloch aus Nackenheim/Rheinhessen zu einer Händler-Verkostung der aktuellen Kollektion ein. Als Schmankerl wurde anschließend eine kommentierte Verkostung der Jahrgänge 2006-2013 des Großen Gewächses aus dem Nackenheimer Rothenberg sowie des Projektes V.I.R.G.O angeboten. Und weil es allen Beteiligten so viel Spaß gemacht hat, wurden noch einige Raritäten aus dem Keller gezaubert, die das Reifepotential der Weine zeigen. Denn: noch immer werden die Top-Weine, also die Großen Gewächse viel zu früh getrunken.

Hier meine Eindrücke: Die Lage Rothenberg umfasst rund 20 ha und liegt am Nordende des Roten Hanges zwischen Nackenheim und Nierstein – direkt am Rhein. Ca. 5 ha davon bilden das Herzstück des Rothenberges. Der Rothenberg besitzt eine Hangneigung zwischen 30 und 80% und besteht aus 290 Mio. Jahren alten roten Tonschiefer-Platten. Von diesen Weinbergen, die hauptsächlich aus Steillagen bestehen, befinden sich rund 4,5 ha im Besitz der Familie Hasselbach des Weingutes Gunderloch. Der Rothenberg ist zweifelsohne unsere Markanteste Weinbergs-Lage und bringt Weine von einer packenden mineralischen Prägung, gepaart mit einem würzigen und fruchtgeladenen Spannungsbogen aus unterschiedlichsten Aromen hervor. (Text Weingut)

2006 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Botrytisjahrgang und ein recht säurestarkes Jahr. Der Wein präsentierte sich direkt nach der Flaschenfüllung sehr stramm und säurebetont Als dann der wesentlich gefälligere Jahrgang 2007 auf den Markt kam, geriet der etwas schwierige 2006er in Vergessenheit. 2014 öffnete man dann einmal wieder den 2006er und er zeigte sich nun wesentlich gereifter. Unverkennbar nachwievor die Botrytisnote, aber die Säure ist nun besser eingebunden. Zeigt in der Verbindung Botrytis und Alkohol eine leichte Schärfe am Gaumen, recht üppig wirkend, klassischerweise würde ich diesen Wein zum Essen reichen. 88/100 Pkt.

2007 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Stammt aus einem wärmeren Jahrgang ohne Bortytis; wirkt viel geschliffener, zeigt florale Noten, erdig, sehr klar und sauber, Hauch exotische Frucht, gute Länge. Ein gastronomisch perfekt einzusetzender Wein. 89/100 Pkt.

2008 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Ein Jahr mit viel Niederschlag, auch während der Lese, es war schwierig, möglichst ohne Botrytis zu lesen. Zeigt wie 2006 gewisse Schärfe, aber eher nur als Hauch spürbar, reduziert sich auch. Wirkt auf mich recht kernig, etwas schlanker und knackiger als 2007. Hat viel Zug und Animation am Gaumen, sehr gute Länge, frisch. 93/100 Pkt.

2009 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Recht warmes Jahr, wenig Botrytis. Recht feiner Duft nach weißen Beeren, auch gelbes Trockenobst. Am Gaumen samtig bis leicht ölig, Hauch Petrol, Kräuter, viel Extraktsüße, Hauch exotische Frucht, viel reife Gelbfrucht, dennoch für 2009 mit keinerlei Schwere und Opulenz aufwartend, erstaunlich feine Säure. 92/100 Pkt.

2010 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
K
ühles Jahr,. viel Regen im September vor der Lese; hochkomplexe Nase, enorme Konzentration; kompakt am Gaumen, sehr viel innere Dichte, große Konzentration, Kräuter und kandierte Zitrusfrüchte en masse. Man spürt wie bei vielen anderen GG dieses so genannten „Arschjahres“, was in dem Wein steckt. Tiefe Mineralik, grandiose, reife und verspielte Säure. Man darf gespannt sein, wann er aufrecht laufen wird, derzeit krabbelt er noch im Laufstall herum. Wird groß werden. 95/100 Pkt. 2011 Riesling Nackenheim Rothenberg GG Warmes Jahr; wirkt dennoch sehr geschliffen, hochmineralisch, pikante Säure, etwas Heu, leichte Karamellsüße, deutliche Mineralik. Etwas leichter und weniger kompakt als 2010, dafür aber früher zugänglich. 92/100 Pkt.

2012 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
„Ein Jahr der perfekten Balance“ so Agnes Hasselbach. Mir reicht für diesen Wein eigentlich nur ein Wort: Grandios! Emotional enorm berührender Wein. Gleichzeitig dicht und voll am Gaumen, viel Mineralik, Rasse, elegant, Tabak, enorm saftig, Zug und Druck. Zitrusfrucht, dunkle Beeren, Kräuter. Großartig. Muss reifen! 96/100 Pkt.

2013 Riesling Nackenheim Rothenberg GG
Ein schwieriges Jahr, frühe und immer wieder schnell wiederkehrende Fäulnis machten eine strenge Selektion unumgänglich, die Erntemenge war extrem niedrig. Herausgekommen ist dennoch ein spannendes, sehr elegantes GG. Gute Konzentration, verspielt am Gaumen, floral, Orangenzesten, Steinobstnoten, feine Würze. 93+/100 Pkt.

Beim Traktor fahren in den Himmel schauend und das Sternbild VIRGO (=lat. Jungfrau) sehend, so kam Johannes Hasselbach zum Namen für sein Projekt V.I.R.G.O. Es könnte aber auch „Vergoren Im Rothenberg Ganz Ohne“ heißen. Johannes wollte und will herausfinden, wie sich Weine ohne den Einfluß von Kellerflora und Kellerhefen zeigen und entwickeln. Die Riesling-Trauben stammen alle aus der GG Lage Rothenberg, die Verarbeitung findet nur im Weinberg statt, vergoren wird nur mit den Weinbergs eigenen Hefen, der Most kommt nicht mit Kellerhefen in Berührung. Die Trauben werden nach der Ernte gestampft und im Weinberg vergoren, erst nach der Vergärung kommt der Wein in den Keller des Weingutes. 2010 war der erste Jahrgang, von ihm gibt es nur noch 2 Flaschen, daher gab es ihn nicht zur Verkostung. Offiziell kommt dieser Wein auch nicht in den Handel, man denkt aber darüber nach.

2011 V.I.R.G.O.
Klare, saubere Aromatik, nicht zu fruchtüppig, Orangenzeste; wirkt fein und eher filigran, feine Mineralik. Im Vergleich zum GG Rothenberg mit Kellerflora wirkt der VIRGO auf mich etwas feiner, die Säure zeigt sich meiner Meinung auch etwas zurückhaltender. 91/100 Pkt

2012 V.I.R.G.O.
Steinige, salzige Aromatik. Jahrgangstypisch genauso kraftvoll wie sein „Bruder GG“ aus dem Keller. Wirkt in sich geschlossen, viel Energie ausstrahlend, kraftvoll, aber nicht fett, ein in sich ruhender Wein, perfekte Balance, wirkt wie selbstverständlich. Für mich auf gleichem Niveau wie das „normale“ Rothenberg GG. 96/100 Pkt.

2013 V.I.R.G.O.
Kaum vorgeklärt, recht schlank auf mich wirkend, würzig, etwas weniger kraftvoll als der 2012er V.I.R.G.O. Gute Balance. Auf mich wirkt dieser Wein etwas weniger offen wie sein „Keller-Pendant“ 92/100 Pkt.

Anschließend wurde noch die ein oder andere Flasche aus der Raritätenkammer der Hasselbachs geöffnet, besten Dank für die spendable Aktion.

1996 Riesling Auslese Rothenberg 0,75l
Wunderbar gereifter Duft nach floralen Noten und etwas Orangenzesten. Am Gaumen zu Beginn fein und rund, dann von einer markanten, frischen Säure unterlegt, saftig, etwas Würze, wiederum florale Einflüße, Hauch Malz, gute Länge. Macht viel Spaß. Nicht mehr im Verkauf. 92/100 Pkt

20141110_173538450_iOS1990 Nackenheim Rothenberg Riesling Spätlese trocken
Reifer Duft nach Orangen, etwas Zimt. Am Gaumen ungemein frisch und lebendig, keinerlei Alterungsnoten zu spüren, Potential für sicherlich weitere 5 Jahre, salzig, guter Säurebiss, tolle Länge. Zeigt das ganze Reifepotential dieser Lage. 94/100 Pkt.

1997 Nackenheim Rothenberg
Hochreifer, recht intensiver Duft von eingemachtem, gelbem Steinobst, auch am Gaumen etwas fülliger als der 90er, prägende Säurestruktur, Kräuternoten, salzig. Wunderbar gereifter Wein, hat etwas mehr Speck auf den Rippen, wird aber durch die reife, lebendige Säure gut gekontert.

 

 

20141110_183950346_iOS2009 Volnay 1er Cru Les Robardelles Domaine Philippe Boire (Melin, 21190 Auxey-Duresses) Philippe Boire produziert seit 2007 auf 3 ha 9 Cuvées, zu 95% Rotwein, er vergärt ohne Stängel. Die 1er Cru Lage Robardelles liegt nahe Meursault oberhalb von Santenay. Die Reben sind über 50 Jahre alt. Recht dunkelfarben; reifes, eher in Richtung dunkle Beerenfrüchte tendierendes Geschmacksbild, feine, runde Tannine,  dabei geschmacksintensiv am Gaumen, auch etwas Kirschfrucht, endet  auf guter Länge. Der 2007er erhielt 2 Sterne im Guide Hachette.

 

 

 

 

20141110_194924869_iOS2013 Grüner Veltliner Reserve Loiserberg 1. Lage, Weingut Jurtschitsch/Kamptal
Fülliger, recht intensiver und nach viel reifer, gelber Steinfrucht duftender Wein. Am Gaumen ebenfalls dicht, schmelzig, füllig, aber nicht fett, feine Mineralik. Guter Zug am Gaumen.

 

 

 

 

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1992 Pommard Village, Dom. Vaudoisey-Creusefond
1994 Pommard-Epenots 1er Cru Dom. Vaudoisey-Creusefond
Nun, zu vorgerückter Stunde wurde dann nur noch getrunken und gequatscht, der Notizblock blieb dann mal unberührt, aus der Erinnerung heraus waren beide Pommard noch gut in Schuss, nicht hochkomplex, aber eben gut zu trinken.

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Klassiker: Restaurant Weinschänke Schloß Groensteyn

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 25 August 2014

Immer eine Reise in den Rheingau wert ist das Restaurant Weinschänke Schloß Groensteyn in Kiedrich. Unser gestriges Weinschmecker-Menü lies keine Wünsche offen, das 4-Gang-Menü zu 40 € ohne Weine. Dazu gab es einen 2009er Westhofener Kirchspiel Riesling Großes Gewächs vom Weingut Keller, welches sich in einer sehr guten Verfassung zeigte. Viel reife, gelbe Frucht, frische Säure, guter Körper, trinkfreudig. Auf der bestens sortierten und sehr fair kalkulierten Weinkarte wird man mit fast allen lokalen Größen verwöhnt, die weitere Auswahl lässt insbesondere Bordeaux-Liebhaber aufhorchen, gibt es doch auch auf der Raritätenkarte einige tolle Schnäppchen machen. Zum Hauptgang wählten wir einen taufrischen 1998er Pauillac Grand Puy-Lacoste, ungemein harmonisch, bestes Tannin, kaum Adstringenz, gute, knackige Säure, viel dunkle Beerenfrucht, Hauch Orangenzeste, guter, druckvoller Körper. Hat sicherlich noch mindestens 5 Jahre Zeit.

WeinschmeckermenüIMG_5011[1]IMG_5007[1]IMG_5012[1]

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(Nord) – Baden´s Neue Schätze: Weingut Sven Nieger / Varnhalt

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 18 September 2013

Besuch bei Weingut Sven Nieger – Baden /Ortenau/Varnhalt

Wenn man in der letzten Zeit eine gewisse Aufbruchstimmung im Rheingau verspürt, so hat man im nördlichen Anbaugebiet Badens, der Ortenau, im Besonderen im Baden-Sven NiegerBadener Rebland nicht unbedingt das Gefühl, das sich dort etwas tut, wenn man sich in der Weinszene in den bekannten Medien bewegt. Der Landstrich ist nach wie vor von Winzergenossenschaften dominiert, wenn auch hier in letzter Zeit die ein oder andere geschlossen bzw. vom größeren Mitbewerber geschluckt oder fusioniert wurde. Neben WG´s gibt es noch das bekannte Schloss Neuweier, wo mittlerweile einen neue Mannschaft am Start ist, da bleibt abzuwarten, wie sich das Weingut in der Zukunft ausrichtet.
Die wenigen selbstständigen, schon länger bekannten guten, erfolgreich und individuell arbeitenden Winzer der Region Rebland aber kennt man (Alex Laible, Holger Dütsch, Johannes Kopp , eventuell noch Schloss Eberstein etc.). Ab und an entdeckt man dann auch selbst einen neuen Winzer, so wie vor 2 Jahren auf der Badischen Weinmesse in Offenburg das Weingut Fröhlich-Leonetti aus Neuweier oder an anderer Stelle Maier aus Baden-Baden-Haueneberstein. Wenn man dann aber als gebürtiger und der Region verbundener Gernsbacher (bei Baden-Baden) von einem neuen Winzer aus der Region liest, von dem man aber noch nie etwas gehört hat und dieser gleichzeitig sehr hohe, auf Top-Großen Gewächse-Niveau stehende Bewertungen der Zeitschrift Falstaff erhält, wird man hellhörig und natürlich auch neugierig. Und da sowieso der Besuch der Heimat anlässlich des Gernsbacher Altstadtfestes anstand, machten wir am Samstagvormittag einen Ausflug ins Baden-Badener Rebland nach Varnhalt, um Sven Nieger einen Besuch abzustatten.

Schon die Fahrt von Baden-Baden über das Hofgut Fremersberg macht trotz des schlechten Wetters (leichter Nieselregen) zumindest optisch Spaß. Am Varnhalter Feigenwäldchen öffnet sich rechter Hand diese wunderbare, fast Amphitheater angelegte Lage und bietet einen tollen Anblick. Kurz vor Varnhalt dann ein herrlich Blick über die gesamte Region mit den imposanten Weinbergen rund um den Varnhalter Klosterbergfelsen, wo Sven Nieger im Kernstück der Ur-Lage beste Parzellen gepachtet hat, wie er uns später bei einer Rundfahrt durch die Weinberge Varnhalts und Neuweiers schildert.  Auch die Riesling- und Pinottrauben am Stock sind sehr lockerbeerig und nicht gerade in riesiger Anzahl vorhanden, wenn man das mal mit den Trauben der Nachbarparzellen vergleicht. Derzeit macht ihm das Wetter etwas Sorgen (regnerisch, etwas schwül, feucht, vereinzelte Fäulnisnester wurden gesichtet) aber alles in allem schaut es noch gut aus, die langfristige Wetterprognose sagt zumindest trockenes Wetter voraus.

Sven Niegers Weingut (ca 3,0 ha Rebfläche, steigend) existiert erst seit knapp 2 Jahren, der 31 jährige hat die 2012er Kollektion noch neben seiner Anstellung bei Schloss Neuweier im Nebenerwerb vinifiziert. Ein abgeschlossenes Studium in Geisenheim (übrigens mit unserer Winzerin Eva Vollmer) sowie Praktika und Stationen beim Pfälzer Weingut Siener und eine kurze Stippvisite bei Schloss Neuweier stehen in seinem Lebenslauf. Auslandserfahrung sammelte er beim Weingut Salomon-Undhof (Kremstal) sowie in Marlborough/Neuseeland beim Weingut Framingham. Seit 5 Monaten (am 8. Mai wurde das Weingut offiziell eingeweiht) ist er nun nicht nur stolzer Papa, sondern im Vollerwerb als Winzer tätig. Und man merkt ihm die Freude bei der Rundfahrt an, er zeigt uns brachliegende Flächen, die er demnächst pachten bzw. kaufen will, alles Steillagen, die nur manuell zu bewirtschaften sind und die keiner mehr bewirtschaften will, zum Teil werden auch noch Flächen mit altem Rebbestand dazugekauft, mit zum Teil 50-60 jährigen Rieslingreben bestockt. Wo andere Winzer Flächen haben veröden lassen, pachtet oder kauft er diese, um dieser Region mit seinen „Neuen Badischen Schätzen“ wieder etwas mehr Schwung zu verleihen. „Alles ist etwas eingerostet in dieser Region“, kein oder nur eine verschwindend geringe Anzahl an Winzernachwuchs ist da, der die Region wieder ins Bewusstsein des Weinfreundes zurückführt. Auch das gemeinsame Vermarkten der Region sei hier ein Problem, er wünscht sich mehr
gemeinsame Aktionen, sei es Winzerfeste oder ähnliches in der und für die Region. Etwas neidisch blickt er da über den Berg Richtung Süd-Pfalz, wo es so schöne Feste gibt wie den Birkweiler Weinfrühling oder das Ilbesheimer Kalmitfest, wo es die Winzer exzellent verstehen, Kulinarik und Wein für Jung und Alt auf ganz einfache Weise zu zelebrieren. „So etwas fehlt hier“. Aber auch daran will er etwas ändern…

Apropos Kulinarik. Die Weine sind schon in einigen Toprestaurants der Region vertreten. Hotel Dollenberg in Bad Peterstal, Sackmann und Bareiss in Baierbronn, die Traube in-Tonbach hat auch schon angeklopft.
Ingesamt gibt es derzeit 4 Weine aus den Lagen Varnhalter Klosterbergfelsen, Neuweierer Mauerberg, Umweger Stich den Buben, sowie einen trockenen Gutswein, allesamt Rieslinge, alle normal mit Reinzuchthefen vergoren, alle aus dem Stahltank, sehr niedrige Erträge, minimal fitriert, alles in allem wird so wenig wie möglich im Keller eingegriffen. Dort schlummert übrigens noch in einem Taransaud-Fass ein Pinot Noir.
Probenotizen
2012er Rieslinge von Sven Nieger2012 Riesling trocken 12% Alk.
Sven Niegers „Gutswein“. Zart gelbes Steinobst, auch helle Früchte im Duft. Am Gaumen feine Säure, sehr saftige, unaufdringliche Frucht, zart-würzige Noten, etwas Tabak, gut austariert, entwickelt eine gute Länge und auch Druck. Tolle Qualität für einen „einfachen Gutswein“, dabei sehr natürliche, sehr selbstverständliche Art. Macht Spaß, sehr trinkig, auch ohne Essen. 88/100 Pkt.

2012 Riesling Stich den Buben
Sehr feinduftig, nichts aufdringliches, kein Primärfruchtbomber, man schmeckt die etwas höhere Reife zum Vorwein (diesen hätte er gerne eine Woche später gelesen) ; zeigt eine feine Kräuternote, wirkt kühl, gut im Gleichgewicht von Frucht, Säure und Restzucker, analytisch an der Grenze zu halbtrocken mit 8,5g RZ; aber der Wein ist so harmonisch in sich, dass der Wert eher nebensächlich ist. Spricht sicher auch den „Ich will nur trockenen Riesling-Trinker“ an. 87/100 Pkt.

2012 Riesling Klosterberg trocken 13% Alk.
Wiederum sehr unaufdringliche Frucht, etwas Exotik (Sternfrucht), etwas Aprikose, Kräuter, Citrus, mineralisches Fundament. Am Gaumen ungemein vielschichtig und gleichzeitig spielerisch, wirkt einerseits schlank, sehr klar und auf den Punkt fokussiert, zeigt sich sehr harmonisch, aber niemals langweilig. Feiner Säurebogen, ungemein vielschichtig, drückt und schiebt am Gaumen und im Nachhall, sehr elegant, im Finish enorme Länge, trocken ausgebaut, 1g Restzucker.  93/100 Pkt.

2012 Riesling Neuweier Mauerberg trocken 13% Alk.
Bei diesem Wein schleicht sich etwas Rotfruchtiges ein, wie ich es eher vom Roten Hang oder vom Kastanienbusch aus Birkweiler kenne. Dazu aber auch ein feiner Fruchtmix von reifem, gelben Stein- und Kernobst (Quitte, Marille, gelber Apfel). Am Gaumen von großer Dichte, mundfüllend, reife Frucht, salzige Mineralik, schiebt und drückt ohne Ende, große Länge, komplett trockenes Finish, ein Athlet ohne ein Gramm Fett. Großes Potential! 94/100 Pkt.

Ich muss schon lange zurückdenken, wann mich Weine aus meiner Heimat derart beeindruckt haben. Daher ist es mir auch ein dringendes Bedürfnis, diese Eindrücke zu Papier zu bringen, denn die Weine und der Winzer haben es sicherlich verdient. Ich hoffe inständig, dass es Sven Nieger schafft, seine Vision und Idee zu stemmen, noch ist er ein Einzelkämpfer in der Region, aber sollte er es schaffen, dann sollte es doch dieser wunderschönen Region und einigen jungen Winzern Mut geben, es auch zu probieren. Und das er auch noch glühender KSC-Fan ist, macht ihn noch sympathischer 😉

Sven Nieger auf Facebook, Homepage
Aktuelle Falstaff-Bewertungen

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Domaine de La Biscarelle – Châteuneuf-du-Pape

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 28 Februar 2013

Die Entdeckung des Jahres 2013 – (Revue du Vin de France)
Domaine de La Biscarelle / Châteauneuf-du-Pape / Rhône
(bereits seit 2011 im K&M Programm)

IMG_0419Das renommierte französische Weinmagazin La Revue du Vin de France vergibt jedes Jahr die TROPHÉES DU VIN für die Entdeckung des Jahres. 2013 „erwischte“ es unsere Domaine de La Biscarelle, die wir bereits seit 2011 im Programm führen und die erst den 5. Jahrgang produzieren.
Das Magazin schreibt u.a.: „Auf der Domaine de La Biscarelle produzieren Christelle und Jérôme Grieco Rotweine voller Charakter, darunter eine Perle, den Chateauneuf du Pape „Les Anglaises“.
Das hat auch einen wichtigen Grund, denn nur in diesen Wein gelangen die über 100 Jahre alten Reben, 1904 gepflanzt. Früher wurden diese extrem begehrten Trauben an die großen Häuser verkauft, seit 2007 aber entsteht daraus der Top-Wein des Hauses, der „Les Anglaises“

Für einige der alteingesessenen Winzerfamilien ist Jerôme so etwas wie ein Rebell, denn als Autodidakt begann er seine Passion gleich mit einer einschneidenden Veränderung. Entgegen der modernen Weinbereitung, alle Trauben von den Stängeln und Stielen zu trennen, entrappt er seine Trauben – wie bei Château Rayas – nicht. Auch im Ausbau geht er den anderen Weg, sein Wein sieht kein Holz, er baut diesen ausschließlich in Zement-Tanks aus. Seine Weine sind erstaunlich elegant, wirken sehr burgundisch mit Frische und Biss, die Tannine sind wunderbar samtig, der Wein wirkt auch nicht modern überextrahiert, ist dennoch dicht in seiner Aromatik und sehr gut ausbalanciert. „Der Wein wird im Weinberg gemacht“, so sein Credo, „im Keller sollte man nur noch minimal eingreifen“.

Etikette2010 Châteauneuf du Pape Cuvée Les Anglaises
Schöne, tiefdunkle Farbe mit leicht bläulichen Reflexen am Rand. Die erste Nase ist herrlich voll und intensiv spürbar, sehr vielschichtige, komplexe, intensive Aromen von Lakritz und dunklen Früchten. Mit zunehmender Verweildauer im Glas entwickeln sich zusätzlich würzige Noten wie schwarzer Pfeffer und dunkle Waldfrüchte (Brombeeren, schwarze Johannisbeeren) sowie Noten von Unterholz. Am Gaumen tief und komplex, „ein Maul voll Wein“, schöne, reichhaltige Aromatik von dunklen Beeren und Lakritze. Wirkt sehr ausgewogen, der Nachhall ist lang anhaltend, der Wein zeigt sich elegant und charaktervoll.

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Dirk Würtz, Stuart Pigott und die bezahlbaren Bordeaux von Château Segonzac

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 22 August 2011

Bordeaux für Jedermann! (von Dirk Würtz)
Originalbericht hier

Wie bereits angekündigt, habe ich mich auf die Suche nach gutem und bezahlbarem Bordeaux gemacht. Und man glaubt es kaum, es war einfacher als gedacht…
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt und den treuen Lesern hier ja auch bekannt: Bordeaux ist im wahrsten Sinne des Wortes in “aller Munde”. Ein Rekordpreis jagt den nächsten, für einen Normalsterblichen sind die großen Weine nicht mehr erschwinglich. Meiner Meinung nach leidet unter dieser Entwicklung das Image der gesamten Region. Einige Weintrinker wenden sich ab, oder erst gar nicht hin, da sie glauben Bordeaux = zu teuer. Das ist natürlich Quatsch, aber so läuft das eben gerne. In einem Gebiet mit 100.000 Hektar Rebfläche MUSS es ja aber auch Alternativen geben. Solche die schmecken und eben bezahlbar sind. Einige davon habe ich jetzt gefunden, weitere folgen. Ich bedanke mich schon einmal vorab, für die tolle Unterstützung einiger Händler und Verbände.

Es ging gleich gut los, bei der gestrigen Verkostung. 2006 Clos du Jaugueyron, Haut-Médoc. Ein zugegeben schwer auszusprechender Name, wenn man kein Franzose ist, aber ein grandioser Wein. Ein echter Klassiker, so wie ich mir einen Bordeaux vorstelle. Zuerst ein wenig ruppig – man sollte ihn unbedingt dekantieren – und dann einfach nur noch gute. Lang, ein Maul voll Wein, eine warme Frucht, viel Paprika und einen mächtigen Zug. Kann man jetzt bereits mit viel Spaß trinken, darf aber auch noch ein wenig im Keller liegen bleiben. 16,50 Euro ist ein absolut fairer Preis. Zu beziehen bei “Aux Fines Gourmets”

Quartett 09er Château Segonzac & Le Reysse 2009

Quartett 09er Château Segonzac & Le Reysse 2009

Wer es etwas moderner mag, der ist bei Château Segonzac extrem gut aufgehoben. Da gibt es einen Einstiegswein, der heißt “Tradition”, kostet schlappe 7,90 Euro und ist der Inbegriff des “Saufweins”. Kommt aus dem Jahrgang 2009 und macht einfach nur Spaß! Ein annähernd unschlagbares Preis-Genuss-Verhältnis!

Die nächste Stufe ist der 2009 “Vieilles Vignes”. Wie der Name schon sagt, kommt dieser Wein aus sehr alten Rebstöcken und ist extrem knackig. Er knistert sogar ein wenig. 11,40 Euro sind dafür fast schon zu wenig. Das Flagschiff des Hauses heißt “Heritage” und ist ein dickes Fettes Teil mit 100 Prozent neuem Holz. Wer jetzt glaubt, das Holz würde den Wein erschlagen, der täuscht sich. Es fällt fast gar nicht auf und ist perfekt eingebunden. Ein wirklich großartiger Wein, der lang und länger schmeckt und der mit 14,50 Euro mehr als fair bepreist ist.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings ein ganz anderer – der “2009 Heritage Petit Verdot”. 15 Prozent Alkohol, 15 Euro. 100 Prozent Petit Verdot – eher ungewöhnlich – 100 Prozent Trinkspaß. Extrem reif und saftig, in keiner Weise unangenehm wegen des doch sehr hohen Alkoholgehaltes und ganz extrem süffig. Ich hätte mich reinlegen können! Mehr Infos und die Bestellmöglichkeit gibt es hier bei K&M Gutsweine. Ausprobieren, es lohnt sich wirklich!

Zu den obigen Weinen kann ich nur eines sagen: LECKER!

 

 

 

Stuart Pigott entdeckt K&M 2009 und lobt: K&M ist meine persönliche Weinhändlerentdeckung

Stuart Pigott entdeckt K&M 2009 und lobt: K&M ist meine persönliche Weinhändlerentdeckung

Folgender Text stammt aus der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 21.08.2011, Nr. 33 / Seite 46

REINER WEIN
Neues aus der Bordeaux-Welt
von stuart pigott

Die Rotweine des Bordeaux sind zugleich für ihre Kraft und Eleganz bekannt – Eigenschaften, die primär auf ihre herben Gerbstoffe zurückzuführen sind. Wenn sie früher enttäuschten, dann am häufigsten durch einen zu mageren Körper und unreife gemüsige Aromen wie grüne Paprika. Die Klimaerwärmung jedoch hat die Situation radikal verändert. Bis vor wenigen Jahren war ein Alkoholgehalt von über 14 Prozent bei einem roten Bordeaux eine Seltenheit, während ein solcher für 2009 und 2010 eher als normal gelten muss und manche berühmten Gewächse 15 Prozent und mehr aufzuweisen haben.

Die ersten Rotweine des Jahrgangs 2009 sind bereits auf dem Markt und bieten eine verblüffende Einführung in diese neue Geschmackswelt. Ihre Art wurde maßgeblich von einer sehr langen heißen Phase im Sommer geprägt, während derer der Zuckergehalt in den Trauben nach oben schoss und ihr Säuregehalt absackte. Das führte zu Weinen, die süßlich wirken, selbst wenn sie keinen unvergorenen Zucker enthalten, weil das Hauptgärprodukt Alkohol und das Gärnebenprodukt Glyzerin beide süßlich schmecken. Schon in einem „kleinen“ Wein wie dem 2009er „Tradition“ von Château Ségonzac in Blaye (7,90 Euro von K&M Gutsweine, 0 69/71 71 34 30) ist dieser neue Typus deutlich zu erkennen. Seine reife Brombeernote und der recht satte Körper sind keinesfalls traditionell für ein solch bescheidenes Gewächs. Der Alkoholgehalt von 13,5 Prozent wird halbwegs durch die recht herben Gerbstoffe ausbalanciert; trotzdem erinnert er auch geschmacklich eher an einen kalifornischen Rotwein als an einen klassischen Bordeaux. Dieser Wein wirkt klarer, wenn man ihn dekantiert, ihn also vor dem Konsum in eine Karaffe oder einen Krug umgießt, am besten ein paar Stunden davor (solange der Wein unter 20° Celsius bleibt).

Aber das hilft nicht bei jedem roten Bordeaux von 2009. Frisch geöffnet ist der 2009er „Vieilles Vignes“ von Château Ségonzac (11,40 Euro von K&M) noch gut erkennbar als Vertreter seiner Herkunft, trotz sehr reifer Brombeer- und Maulbeernoten, weil daneben etwas Frisches zu erahnen ist. Nach mehreren Stunden an der Luft entwickelt sich eine Note, die an jungen Portwein erinnert, die Gerbstoffe werden heftiger und der Körper ausladender. Ob man das mag, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber außer Frage steht, dass dies Lichtjahre von dem entfernt liegt, was bis vor wenigen Jahren von dem Wort „Bordeaux“ auf dem Etikett im Glas realistisch zu erwarten war. Ségonzac ist kein Top-Château, aber ein sehr professionell geführtes Haus mit hohem Qualitätsniveau für seine Preisklasse; es darf als beispielhaft gelten.

Alle Weine von Château Segonzac bei K&M finden Sie hier, seinen ersten Cremant aus 2010 („Ist das ein Champagner“, so die Frage von unseren Moselwinzern Olaf Schneider & Thorsten Melsheimer anläßlich der „Best of Mosel-RendezVino am 19.8.11 bei K&M im Nordend) wird es ab Ende Oktober im Rhein-Main-Gebiet exklusiv nur bei uns geben.

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Gastbeitrag – Eine Burgundreise mal ein wenig anders als sonst

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 9 August 2011

von Robert K. aus Fankfurt, seines Zeichens Burgunder-Liebhaber.

Wir waren vom 26.07.11- 31.07.11 mal wieder im Burgund. Und nun zum ersten Mal gemeinsam mit meiner Frau. Die Vorfreude war entsprechend groß. Der erste Tag gestaltet sich mit diversen Winzerbesuchen. So holte ich erst mal meine fantastischen Weine von Jean Michel Guillon in Gevrey Chambertin ab. Dort hatte ich folgende Weine reserviert:

Gevrey Chambertin Vieilles Vignes 2009

Gevrey Chambertin 1er Cru Les Champonnets Vieilles Vignes 2009

Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle 2009

Grand Cru Mazis Chambertin 2009

 Grand Cru Clos de Vougeot 2009

Da auf dem Weingut gerade abgefüllt wurde, konnten die Weine nicht verkostet werden. Diverse verkostete Weine von diesem Weingut haben immer mein Interesse geweckt, da sie ein tolles Geschmackserlebnis boten und sich zudem sehr fein die unterschiedlichen Charaktere der Lagen in den Weinen widerspiegelten.

Alle Weine haben zudem ein fantastisches Preis/Leistungsverhältnis.

Dann ging es weiter zu einem meiner Lieblings- Weingüter: Edmond Cornu in Ladoix.
Wir wurden wie immer sehr herzlich vom Junior empfangen, der sich auch entsprechend Zeit für uns nahm, obwohl wir nicht angemeldet waren. Was in Burgund an sich nicht typisch ist.

Folgende Wein wurden verkostet:

Ladoix 1er Cru de Bois Roumot 2009:
Ein jetzt schon gut zu trinkender Wein, der nicht zu tanninbetont ist, sondern eher frisch und fruchtig (rote Früchte) daher kommt. Hat ein Potenzial von 2-3 Jahren und würde sehr gut zu gebratenem Fisch passen.

Ladoix 1er Cru La Corvee 2009:
Ein toller Wein mit feinen Tanninen, elegant und wunderbar eingebunden. Potenzial 5- 10 Jahre. Eine rotbeerige Frucht, die im Abgang fein und anhaltend war. Mit Luft wurde der Wein, obwohl schon 1 Tag offen, immer besser. Cornu sgate uns auch, dass seine Ladoix- Weine an der Grenze zur Cote de Nuits liegen und eher Cote de Nuits Charakter aufzeigen als Cote de Beaune Weine. Wir können das nur bestätigen

Aloxe Corton 1er Cru La Mouttote 2009:
Dieser Wein wurde nicht geöffnet, da Cornu nur noch wenige Flaschen von diesem Wein besitzt. Nichts desto trotz kaufte ich 3x Flaschen davon, da ich viel Positives von diesem Wein gehört und gelesen hatte. Laut Cornu hat dieser ein Potenzial von 5- 10 Jahren,

Grand Cru Corton Bressandes 2009:
Was nun kam, verschlug mir die Sprache, denn ich hatte schon seinen 2005er Grand Cru Corton getrunken in 2008 und fand ihn damals schon genial. Aber dass er in 2009 so elegant ist, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Er war feinwürzig, elegant, dunkle Beeren und unglaublich lang im Abgang. Das Tannin extrem feinkörnig. Da konnte ich auch nicht ausspucken. So lecker war der Wein. Ein Wein zum sofort Trinken. Aber Cornu sagte, wir sollten lieber 10- 15 Jahre warten, denn dann hätte dieser Wein sein bestes Potenzial. Viele glauben gar nicht wie elegant ein Grand Cru vom Corton- Hügel sein kann. Aber es lohnt sich wirklich zu suchen.

Von Cornu ging es nach Savigny Les Beaune zum Weingut Pavelot, einige 1iere Crus probieren, 1er Cru Gravains 2009, 1er Cru Peuilttes 2009, 1er Cru Les Guettes 2009, 1er Cru Narbantons 2009

1er Cru Les Dominode 2009:
Dieser Wein fesselte mich, da sich hinter dem Tannin und Holzgerüst eine feine würzige Note gezeigt hat, welche in einem langen Abgang endete. Unterstütz durch eine feine dunkle Fruchtnote verbunden mit erdigen Noten. Sehr schön. Potenzial mindestens 10 Jahre oder auch mehr.
Alles feine Weine, die jedoch sehr vom Holz geprägt waren. Die unterschiedliche Lagencharakteristik kam aber bei allen Weinen sehr deutlich zum Ausdruck. Highlight war der La Dominode, der sich mit den Weinen der Cote de Nuits locker messen kann.

Abends wurde dann auf der Abbruchkante in St. Romain mit diversen Leckereien und entsprechendem Champagner gespeist. Mit schönem Blick auf St. Romain. Eine tolle Empfehlung unseres Freundes Harald. Ein wunderbarer Ausklang des ersten Tages.

Am Donnerstag ging es dann nach Rully. Auf dem kleinen Markplatz wurde noch genüsslich ein Cappucino getrunken, bevor es dann zum Wandern in die Berge ging. Ein kleiner Seitenweg führte hoch zu den Höhlen von Bouzeron. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick auf Rully.

Nach der Wanderung ging es zum Mittagessen in das Le Petit Blanc.
Dort nahmen wir das Menu mit Kaninchen in Weinsoße als Hauptgang. Wie immer war das Restaurant sehr voll um die Mittagszeit, dafür sehr gute Hausmannskost zu vernünftigen Preisen. Erst recht bei der leckeren Nachspeise: Creme Brulee. Getrunken haben wir einen 2009er Rully 1er Cru Pucelles vom Weingut Jacquesson. Ein fantastischer Wein, den man jetzt schon wunderbar genießen kann. Herrlich fruchtig mit einer schönen Mineralität. Wunderbar! An der Lage fuhren wir kurioserweise auch vorbei.

Nach dem Essen ging es wieder nach Rully, wo wir uns in Ruhe diesen wunderbaren Ort anschauten. Inklusive dem imposanten Chateau Rully. Der Tag in Rully endete mit einem Besuch des einzigen Weinladens vor Ort. Dort kaufen wir die letzten Flaschen Jacqueson 1er Cru Margote 2009 sowie einen Insidertyp zu günstigen Preisen, den 2009er Rully vom Weingut Jean Bapiste Ponsot

Von Rully fuhren wir dann zu einem Kurztrip nach Dijon über die Autobahn. Die Innenstadt ist wirklich schön mit alten Häusern und schönen Kirchen. Der Rest war eher dürftig.

Am Freitag wurde bei wunderbarem Wetter in Beaune gefrühstückt. Dort durfte ich auch gleich mal mit einem Weinberg- Trecker fahren. Eine lustige Sache.

Danach ging es zurück nach Pommard und wir schlenderten erst einmal länger durch das Dorf, das sehenswert ist. Zumal auch einige bekanntere Winzer dort vor Ort sind. Mann konnte Winzer als Küfer bei der Arbeit beobachten, an einigen Stellen wurde der 2010er Wein filtriert und abgefüllt mittels einer mobilen Abfüllanlage.

Gegen Mittag kehrten wir in einem neuen Restaurant, dem Auberge des Vignes ein, welches an der Straße zwischen Pommard und Volnay liegt. Für meine Frau eine fantastische Süßspeise und zu unserer großen Überraschung gab es dort einen fantastischen Wein, der mir eingeschenkt wurde: von der Farbe her goldfarben. Ich wusste nur, dass es ein Mersault war, nicht aber welches Jahr oder welche Lage. Dann wurde mir mitgeteilt, dass es ein 2001 Mersault Village Le Clos de Tavaux Monople vom Weingut Francoise Gaunoux ist. Ein herrliches Tröpfchen, auf den Punkt genau trinkreif und wunderbare Reife und Frucht. Wir lernten auch gleich die Besitzerin des Weingutes persönlich kennen. Sie ist auch sehr sympathisch.

Am Freitagabend ging es dann mit großer Spannung in das vielfach gelobte Sterne- Restaurant Aupre du Clocher. Die Vorfreude war groß. So bestellten wir gemeinsam das Menü Pommard (ca 40 €), welches uns von sehr guten Freunden sehr empfohlen wurde. Und wir wurden nicht enttäuscht, denn das Essen war einfach fantastisch, sehr aromatisch und auch nicht zu übersichtlich. Zum Essen bestellen wir einen Mersault Village 2008 Charrons von Bouzereau. Ein herrlich mineralischer Wein, der hervorragend zum Essen gepasst hat. Ein super Wahl. Jeder Gang zeigte die Handschrift des Inhaber und Koches. Obwohl es nur 4 Gänge waren, waren wir hinterher papp satt.

Am Samstag ging es dann erst einmal zum Markt nach Beaune, den Marion ja noch nicht kannte. Es war wie immer sehr voll und wir ließen uns treiben. Zum Lunch kauften wir uns ein Bresse- Huhn.
Doch dann besuchten wir zum ersten Mal das wunderbare Hotel-Dieu in Beaune, welches bis 1971 noch ein Krankenhaus für bedürftige Menschen gewesen ist. Sehr imposant und unbedingt zu empfehlen.

Das Bresse- Huhn wurde anschließend genüsslich in den Weinbergen verspeist wurde. Wenn nicht da immer so viele Fahrradfahrer gestört hätten…

Nach dieser Stärkung ging es dann zu diversen Weinorten, die wir besichtigten. Vosne- Romanee, Chambolle- Musigy und Gevrey- Chambertin.

In Chambolle ging es dann noch einmal in einen Weinkeller zum Weingut Felettig, welches für seine Chambolle- Weine bekannt ist. Doch ich musste feststellen, dass diese alle viel zu verholzt waren. Das war eine echte Enttäuschung. Und den Echezeaux 2009 wollte er auch nicht aufmachen. So ging es ohne Weinkauf weiter.

In Gevrey- Chambertin wurde dann ein kleiner Zwischenstopp im Chez Guy eingenommen. Dort wurde eine typisch burgundische Wurst- Terrine (Jambon persillé maison) verspeist, wobei meine Frau sich dem leckeren Nachtisch frönte. Dazu gab es einen sensationellen Wein aus 2008, einen Puligny- Montrachet Le Trezin von Pierre Yves Colin . Mit einer herrlichen Mineralität und einem schönen Frucht- Säurespiel. Nun drängte die Zeit, da wir ja noch einen Termin in Marsannay hatten.

Wir kamen pünktlich bei Sylvain Pataille an, von ihm jedoch keine Spur. 15 Minuten später war er da. Für ihn sehr pünktlich. Wir waren nicht alleine, da ein sehr netter Belgier (Paul) ebenfalls zum ersten Mal in seinem Keller die 2009er Weine probieren wollte. Wir probierten zuerst seine Weißweine, die mir aber nicht so gefielen. Umso mehr dann sein Rose- Wein aus Marsannay.

Die roten Weine aus 2009 wirkten ein wenig süßlich, breit und konnten die nicht so typischen Lagenmerkmale darstellen. Ich hatte das Gefühl, dass er ein wenig zu spät gelesen hatte. Das fiel besonders beim Marsannay Village Montagny 2009 auf, der die wärmste Lage seiner Weine darstellt. Erfreulicher war jedoch der 2009er Bourgogne. Welcher ein Jahr im Holzfass gelegen hatte und das durchschnittliche Niveau weit überschreitet, was Bourgogne- Weine angeht.

Sehr gut gefiel mir auch der Clos de Roi, der ebenfalls in 2009 sehr gut gelungen ist, auch wenn er noch die entsprechende Reife (5-8 Jahre) benötigt. Leider war die Zeit zu knapp bemessen, um mehr Zeit bei diesem sehr sympathischen Winzer zu verbringen, da wir einen Tisch in Volnay reserviert hatten.

Vom Hotel in Pommard Hotel Clos du Colombier , übrigens eine schöne Adresse an einem ruhigen, süßen Weinort, durch die Weinberge nach Volnay zum Restaurant Cellier la Volnaysien, wo wir einen Tisch reserviert hatten, um den Geburtstag meiner Frau entsprechend zu feiern. Leider war der versprochene Outdoor- Tisch nicht geöffnet, so dass es in den Keller ging. Wir nahmen beide ein 3 Gänge Menü. Dazu gab es einen wunderbaren 1991er Pommard 1er Cru Les Rugiens von Joseph Voillot. Ein toller gereifter süßlicher Wein, der den Burgund- Besuch wunderbar abrundete. Das ist das wahre Burgund: gereifte Burgunder!

So bleibt uns eine wunderbare Reise in Erinnerung, mit der großen Überraschung, dass wir nur Weißweine von der Cote d’Or tranken, was sonst nie der Fall gewesen ist. Das zeigt uns, wie groß doch das Potenzial der Weißweine im Burgund ist. Für mich eine sehr positive neue Erfahrung. Dank meiner Frau!

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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Grignan-les-Adhémar, Vinsobres, Côtes du Rhône & Villages

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 2 Juni 2011

Bei der Vorbereitung zur heutigen Verkostungstour musste ich erst einmal nachschlagen, wo denn die AC Grignan-les-Adhemar überhaupt beheimatet ist, denn von dieser Appellation hatte ich noch nie etwas gehört.

Und dabei kommt erstaunliches heraus. Seit 2008 kämpften die Winzer der Region „Coteaux du Tricastin“ um die Umbenennung ihrer Appellation. Warum? Nun, Tricastin ist der Name von Frankreichs zweitgrößter Kernreaktoranlage, vor knapp 3 Jahren wurden die umliegenden Bewohner aufgefordert, kein Wasser zu trinken bzw. auch nicht Fische der umliegenden Flüsse zu essen, nachdem flüssiges Uran ausgetreten war. Daraufhin wurden von 58 Reaktoren in Frankreich Wasserproben geprüft, es ergab dies jedoch nur ein minimiertes Risko von 1 auf der 8-stufigen Gefahrskala, auch in den Weinbergen wurden keine gefährlichen Strahlungspegel gemessen. Innerhalb 2 Jahren verloren die Winzer der Region jedoch über 40% ihres Verkaufsvolumens, manche Winzer rissen ihre Rebstöcke gar ganz aus –  dafür gab es ja Geld von der EU.
Seit dem 9. Juni 2010 heißt das Weinbaugebiet nun Grignan-les Adhémar. Ich tu mich mit der Bezeichnung etwas schwer.

Um als AC – Wein anerkannt zu werden, gelten folgende Regeln.

Traubensorte für Rot und Rosé:
Grenache noir und Syrah (mind. 10 – 80%) dazu Mourvedre, Carignan, Cinsault.

Traubensorte für Weissweine:
Grenache blanc, Viognier, Clairette blanc, Roussane, Marsanne, Bourboulenc. Keine der Rebsorten darf alleine mehr als 60% betragen, sortenreine Weine sind nicht zugelassen.

So gaben wir also die Adresse ins Navi ein und fuhren an den natürlich noch nicht blühenden Lavendelfeldern der Provence vorbei bis wir Chateau de Grignan erreichten.

Mas TheoFür mich waren alle teilnehmenden Winzer erst einmal böhmische Dörfer, woran sollte man sich also orientieren. Knapp 20 Winzer gaben sich die Ehre, daher also im ersten Durchgang erstmal die Groborientierung „Etiketten anschauen“. Da viel uns Mas Theo auf, am Stand erfahren wir dann auch, dass der Winzer AB – und Demeter zertifiziert ist, erst recht ein Grund, hier zu probieren.

 

 

 

2010 AOP Grignan-les Adhemar blanc Mas Theo Selection Mogul
Cuvée aus 50% Rousanne, 35% Marsanne & 15% Viognier. Fassprobe, kommt im August 2011 auf den Markt. Schöner, frischer Einstiegswein, zarte Säure, angenehm florale Note. Leider Silikonkorken. Ab Hof 7 €

2010 AOP Grignan-les Adhemar rosé TO
70% Grenache, 30% Cinsault; zurückhaltende Frucht, mehr von der Würze dominiert, recht trocken, zarte Frucht, weiniger Rosé. Silikonkorken, ab Hof 5 €

2009 AOC Coteaux du Tricastin rouge TO
Je 50% Grenache & Syrah, 8-21 jährige Reben, fruchtig, eher leicht, zugänglich. Silikonkorken, ab Hof 6 €.

2008 AOC Coteaux du Tricastin rouge Selecction Griffon
90% Syrah, 7% Grenache, 3% Mourvedre, alte Reben, 6 Monate Holz. Der 2008er ist auch hier mit einer prägnanten Säure als Jahrgangs wunderbar zu erkennen. Ab Hof 10 €.

2009 AOC Coteaux du Tricastin rouge Selecction Griffon (Fassprobe)
90% Syrah, 7% Grenache, 3% Mourvedre, alte Reben, 6 Monate Holz. Deutlich dichter und fleischiger als der 2008er, noch spürbares Tannin (etwas bitter), dazu Vanillenoten. Wirkt verschlossen.

2009 AOP Grignan-les Adhemar rouge Seleccion Mano (Fassprobe)
Syrah, Grenache und Mourverdre im 400l Holzfass ausgebaut, sehr feiner, eleganter Wein, Griottes-Kirsche, schmeckt etwas altholzig, auch würzig, dazu Noten von Fleischbrühe. Kommt 10-2011 auf den Markt und wird um die 18 € ab Hof kosten.

Gut, wenn auch mit kleinen Schwächen, zeigten sich die Weine von Philippe Fabrol, Eigentümer der Bio-Domaine Bonetto-Fabrol aus Lagarde Adhemar.

 A.O.C Grignan les Adhémar

2010 Héritage blanc 2010
100% Viognier, noch etwas trocknend, fehlt noch die Balance, noch sehr jung.

2010 Le Colombier rosé
80% Grenache, 20% Syrah, himbeerfarben, zart süßlicher Ansatz.

2009 Le Colombier rouge (Fassprobe)
50% Grenache, 50% Syrah, würzig, frische Beerenfrucht, noch sehr unruhig, hier muss die Zeit zeigen, was kommt, im Moment sehr schwer zu beurteilen.

2009 Sélection Vieilles Vignes rouge
50% Grenache, 50% Syrah, über 40 Jahre alte Rebstöcke, Kirsche, eleganter Ansatz, von feiner, femininer Art, guter Mittelbau mit Nachhaltigkeit, fein mineralisch, eher von kühler Stilistik, etwas Minze und fruchtige Pflaumennoten.

2009 Héritage rouge
100% Syrah; für mich der Wein mit dem besten Preis/Genuß-Verhältnis. Selektion der besten Trauben, kein Holz, viel Blaubeere, seidig, sehr feinsinniger Wein. Viel Fleisch am Gaumen.

A.O.C Cotes du Rhône


2009 Mas Vincente rouge
50% Grenache 50% Cinsault, die Weinbergslagen nahe Villeneuve, schöner, würziger CdR, realtiv kräftiger Stil, üppig, aber nicht fett, sehr gut.

 

 

Fazit: es waren einige interessante Weingüter dabei, allerdings hier und da bei einigen auch schwächere Weine. Es wird sicherlich schwer werden, sich ein eigenes Profil zu verschaffen, preislich sind sie etwas günstiger als die meisten Winzer der südlichen Rhône. Aber auch dort findet man gute und günstige Weine, hat jedoch ein wesentlich bekannteres Image anzubieten.

Weiter ging es nach Suze-la-Rousse zum mächtigen Château Suze-la-Rousse, wo wir nichts besonderes suchten, mal hier und da in diverse Côtes du Rhône reinprobieren, um sie mit unseren von Vincette Rochette (Dom. Roche-Audran) zu vergleichen. Aber auch um sich mit Geraud von Accent du Sud-Quest zu treffen und die tollen, aber nicht günstigen Weine der Domaine Charme-Arnaud zu probieren, die gut sind, aber Vincent Rochette hat das bessere Preislevel im Vergleich zur Qualität der Weine.

 

Aber keine Arbeit ohne entsprechende Stärkung vorneweg, Mittagessen. Fast jeden Mittag wurde uns von der Organisation ein großartiges Buffet zur Verfügung gestellt, wo es regionale Produkte zu probieren gab und das in ausreichenden Mengen, danach war dann meist eine längere Pause angesagt.

Nun aber an die Arbeit, bei der Domaine de la Bastide aus Visan fielen mir die exzellenten Preise für alle drei Weine auf, ich fühlte mich in alte Jean David Zeiten versetzt, der 2010er Côtes du Rhône Cuvée Les Figues (70% Syrah, Rest je 15% Grenache und Carignan) war schon sehr gut, der 2009er Côtes du Rhône Villages VISAN war dann deutlich fester und mit einem 20% Mourvedre-Anteil auch viel dunkelfruchtiger in seiner Art, das Preis/Leistungsverhältnis ist exzellent und wurde nur noch vom 2010er CdR Village VISAN „La Gloire de mon Pére (100% Syrah, neues Holz) getoppt, dieser Wein kommt im Mai 2011 auf die Flasche und hatte zum jetzigen Zeitpunkt wunderbares Tannin ohne Ende zu bieten. Für mich einer der Weine dieser Messe mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis.

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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Domaine de Creve Coeur & Clos de Mourres

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 2 Juni 2011

Weiter ging es nach Bouchet, auch hier standen Côtes du Rhone und Village-Weine aus dem Drôme und dem Vaucluse auf dem Programm und auch hier suchten wir eigentlich nichts besonderes, da ich aber für einen „kleinen“ Moment auf meine Frau warten musste, schaute ich mir mal einfach die Winzer genauer an, die da in unmittelbarer Nähe ihre Weine anboten. Einer stach mal wieder hervor. Ganz junger Typ, Vollbart, wuschelige Haare, etwas gewöhnungsbedürftige Künstleretiketten, also genau meine Zielgruppe 😉

Pablo Hocht (Domaine de Creve Coeur)Wir standen nun also am Stand der Domaine de Creve Coeur (übersetzt Herzensbrecher) und auf Englisch äußerte ich meinen Wunsch, die Weine zu probieren, da kommt ein „aber sehr gerne“ zurück und der junge Mann dahinter stellt sich in bestem Deutsch als Pablo Hocht vor.

Pablo hat eine interessante Vita. Nach Abschluss seines önologischen Studiums in Montpellier arbeitete er eine Zeit lang in Uruguay, bevor er wieder in seine Heimat Seguret zurückging. Ein Hektar Reben gehörte seiner Familie bereits und er experimentierte schon ein wenig bei der Weinbereitung. Im Frühjahr 2010 kaufte er dann zusätzlich zwei Hektar Reben in Seguret und vinifizierte seinen ersten offiziellen Wein, Jahrgang, den 2010er. Bei klangvollen Namen in der hiesigen Winzerszene hat er reingeschaut, z.B. bei Louis Barruol (Chateau Saint Cosme) in Gigondas.

Für den Jahrgang 2011 wird er noch weitere dreieinhalb Hektar in Seguret dazukaufen. Seine Weinberge sind in der Umstellung zur biologischen Landwirtschaft. Neben diesen sicherlich zeitaufwendigen Arbeiten findet er auch noch die Gelegenheit, einen Blog zu betreiben und auch bei Facebook an seinem Winzerleben teilzunehmen. Ein moderner Winzer, der aber traditionell arbeitet, was man schon an seinen rauen Händen merkt. Auf der ProWein gab es ein Wiedersehen und wir vereinbarten, in Kontakt zu bleiben, sobald seine 2010er Rotwein gefüllt sind. Mittlerweile hat er bereits einen Händler in Deutschland.

2010 Côtes du Rhone rosé
Cuvée aus Grenache und Cinsault, sehr frischer, auch kraftvoller, trinkiger Rosé.

2010 Côtes du Rhône rouge
100% Grenache, Füllung im Mai/Juni 2010, als Fassprobe ein herrlich feinwürziger Wein mit viel Trinkspaß.

2010 Côtes du Rhone Villages Sablet
80% Grenache, 20% Mourvedre, ausgebaut in 2-3 fach belegten Barriques, kommt im Oktober 2011 auf den Markt. Druckvoll, seidig, bin sehr gespannt auf diesen Wein.

Als letzte Station des Tages fuhren wir nach Cairanne, und das war im Nachhinein betrachtet eine der besten Entscheidungen der ganzen Reise, denn hier fanden wir einen der unvergesslichsten Weine der ganzen Reise und dieser ist bereits in unserem Sortiment. 

2009 Côtes du Rhône Villages Cairanne
Clos des Mourres (Jean-Phillipe & Ingrid Bouchet)

Schon immer hatte Jean-Philippe Bouchet den Traum vom eigenen Grund und Boden und das sein weiteres Schaffen etwas mit Wein zu tun haben muss. Denn die Leidenschaft für Wein wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt, fast täglich verbrachte er mit den Großeltern im Sommer den Tag im Weinberg, während der Lese im Herbst am liebsten auf dem Traktor, hier sind die Wurzeln für die Leidenschaft und den Respekt für Boden und Reben, die Achtung vor Mutter Erde.

“ Werte, die ich von meinem Großvater übernommen habe. Abends haben wir dann im Kamin gegarte Kartoffeln gegessen und dazu einen Salat aus einer besonderen Sorte wilden Löwenzahns, den man hier mourre nennt (der fängt an zu welken, kaum dass man ihn über der Wurzel abgeschnitten hat), das Ganze angemacht mit einer Vinaigrette aus Essig, Olivenöl, Knoblauch und Tomate. Geschmacks- und Geruchserlebnisse, die heute noch lebendig sind.“

Nach verschiedenen Berufserfahrungen, von denen Jean-Philippe jede ein Stück näher an die Welt des Weins heranführte, konnte er Anfang 2009 mit dem Kauf von 5 Hektar Rebfläche seinen Traum verwirklichen. Nach einem Tag mit Kindern und Eltern im Weinberg, wo sie in alter Erinnerung und um diese Leidenschaft an ihre Kinder weiterzugeben mourres gepflückt hatten, war am Abend auf einmal der Name der Domäne gefunden! „Le Clos des Mourres“!

Die 5 Hektar Weinberge (im Schnitt 45 Jahre alt) erstrecken sich über zwei Gemeinden, Cairanne und Saint Roman de Malegarde. Sie wachsen am Nordwest-Hang des Col-du-Débat-Passes und bescheren den Reben um das Dörfchen Vaison la Romaine ein einzigartiges Kleinklima, um sensationell dichte und komplexe Weine wachsen zu lassen. Durch diese Lage profitieren die Reben vom Einfluss des Mistral-Winds, der sie vor Krankheiten schützt.

Jean-Philippe und Ingrid BouchetJean Philippe sieht sich selbst als Weinhandwerker, weil das Wort „Handwerker“ beinhaltet, dass man mit seinen Händen arbeitet. Aber er ist auch – und in erster Linie – Bauer, denn „ich will die Erde bearbeiten – und dies auf naturnahe Weise.“
In der biodynamischen Praxis hat er Antworten und Lösungen gefunden, die mit seinen eigenen Überzeugungen im Einklang stehen und es ihm ermöglichen, dank gesunder Mikro-Organismen lebendige Böden, ein verbessertes Gleichgewicht im Rebberg und einen regen Austausch zwischen Boden und Rebwurzeln zu erreichen. Und dies ist für ihn der einzige Weg, die Besonderheit des Terroirs zum Ausdruck zu bringen.

Bei allen Arbeiten richtet er sich nach dem Mondkalender. Kompost- sowie kieselsäurehaltige Präparate werden auf den Boden bzw. die Weinblätter gesprüht. Die Böden werden zwei bis drei Mal im Jahr mit Pflug und Hacke schonend bearbeitet. Gegen Schädlingsbefall werden nur Schwefel sowie ein Minimum an Kupfer eingesetzt.

Die handgelesenen und bereits im Weinberg sortierten Trauben werden in kleinen Behältern, in denen sie nicht beschädigt werden, zum Keller gebracht. Dort werden sie teilweise entrappt und in Tanks gefüllt ohne gepumpt zu werden. Nach einigen Tagen Kaltmaischung setzen indigene Hefen ganz natürlich die Gärung des Mosts in Gang. Bei der Vinifikation folgt jeder Tank seinem eigenen Rhythmus. Die Gärungszeit beträgt ca. drei Wochen und wird von gelegentlichem Untertauchen des Tresterhutes bzw. Umpumpen der Maische begleitet. Letztere finden unter Luftausschluss statt, damit der Wein seine Fruchtigkeit bewahrt. Anschließend reift er acht Monate in Betontanks. Nach einmaligem Abstich wird dann der fertige Wein ohne Filterung in Flaschen abgefüllt. Für die Abfüllung wählen wir nach dem Mondkalender einen Fruchttag aus, dessen Energie dem Wein zugute kommen soll.

Boden:
Die Parzellen liegen zwischen 200 und 280 Metern Höhe auf Lehm-kalkhaltigen Böden.

Degustation:
Premierenjahrgang für die biodynamisch arbeitende Domaine und was für einer.

Dieser CAIRANNE ist unser ganz besonderer Tip für Sie, eine Entdeckung unserer Reise zur Fachmesse Decouvertes en Valle du Rhône 2011, vor Ort für uns der beste Wein der Appellation und einer der besten Weine, die wir in der letzten Zeit getrunken haben. Großzügiger, intensiver und gleichzeitig tiefer Duft nach dunkeln Beeren. Am Gaumen von großartiger Fülle, wunderschönes, fast seidiges Mundgefühl, enorm druckvoll ohne schwerfällig zu wirken, langer Abgang, wird sicher auch ein Langläufer sein, hat Potential über 2020 hinaus.

Minimaler Ertrag von knapp 20 hl/ha, kein Holz, gereift in Zementtanks. Mini-Produktion von 5.800 Flaschen.

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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Gigondas & Restauranttipp AVIGNON

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 25 April 2011

 

Blick von Gigondas auf die Umgebung

Bei herrlichem Urlaubswetter machten wir uns also auf den Weg nach Gigondas, gespannt waren wir auf die 2009er unserer Domaine de La Tourade. Wie stehen sie im Vergleich mit anderen Weingütern da, die regelmäßig in der Presse gehypt werden. 

Zuerst mussten wir den Anstieg hinauf ins Dorf nehmen, zwischendurch wurde etwas Pause gemacht, die Landschaft eingeatmet sowie Impressionen im Dorf genossen.

Im Maison de Gigondas kann man zu normalen Zeiten sonst alle Weine der Region gegen ein kleines Entgelt probieren und auch zu Abhof-Preisen  erwerben. Mir ist das Gebäude noch aus 2005 in Erinnerung, als es zur damaligen Ausgabe der Decouvertes en Valle du Rhône unerträglich heiss war, die Weine waren damals auch nicht kühler…Dieses Mal war es zwar warm, aber erträglich, die Weine waren in einem gut zu verkostendem Zustand, da auch im Vergleich zu 2005 weniger Verkoster vor Ort waren.

Wir legten gleich los mit den Weinen von Frederic Haut, der die Weine zusammen mit seiner Frau präsentierte.

2009 Vacqueyras rouge „Tradition“
Domaine de La Tourade
Ein angenehmer, sehr femininer Stil, natürliche Frucht, etwas Lakritznoten. Für einen Basiswein eine gute Dichte!

2009 Vacqueyras rouge „Cuvée de L´Euse Domaine de La Tourade
Recht dunkelfarben, am Gaumen viel frische, dunkle Frucht, zart schwarze Oliven, kühle Lakritznoten, feinstes Tannin, sehr elegant.

2009 Gigondas rouge „Tradition“ Domaine de La Tourade“
Bereits sehr schön antrinkbar, viel rote Frucht, man schmeckt förmlich, wie reif das Material war, Pflaume, dazu würzige Noten in Form von Tabak. insgesamt kraftvoll-elegant mit sehr schöner Balance. 

2009 Gigondas rouge „Font des Aieux“ Domaine de La Tourade
Legt eine deutliche Schippe auf den Tradition drauf, ohne dabei überkonzentriert oder sattmachend zu wirken. Kraftvoll und intensiv, elegant, kein wuchtiger Wein, aber viel Intensität, seidiges Tannin, leicht rauchige Noten. Gefällt ausgesprochen gut, gibt es leider erst ab November 2011.

Anschließend probierten wir noch einige 09er Gigondas bei den üblichen Verdächtigen, von denen man immer wieder in Zeitschriften liest, wie z.B. Domaine La Boussiere, Saint Cosme oder Santa Duc. Entweder waren mir die Weine zu sehr von einer Extraktsüße geprägt, zu konzentriert oder einfach nicht mein persönlicher Geschmack.

Einzig bei Xavier Vins hielt ich mich etwas länger auf, wohl auch, weil die Etikettierung interessantes versprach und der Inhalt dies auch hielt.

2009 Vacqueyras
Großartiger Wein habe ich mir da nur notiert, aber wenn es da so steht, muss es wohl stimmen. Um die 17 €

2009 Gigondas Xavier
GSM-Cuvée von 80 Jahre alten Rebstöcken,  kühle, klare Stilistik mit wunderbarer, dunkler Frucht, dicht und von fester Struktur am Gaumen, mundfüllend, den ganzen Gaumen auskleidend, dabei elegant. Großartiger Gigondas. Um die 19 €

2009 Chateauneuf du Pape Cuvée Anonyme
GSM Cuvée mit einem guten Anteil autochthoner Rebsorten wie Counoise, Vaccaresse salzig, hochkonzentrierte Frucht. Fantastische Länge, großartige Fruchtkonzentration, ausgebaut in kleinen französischen Barriques, 1/3 davon ist neu. Um die 35-40 €

Xavier Vignon arbeitet seit mehreren Jahren als beratender Önolge für viele bekannte Weingüter der Gegend, z.B. Domaine de Marcoux, La Nerthe, Beaurenard und Grand Veneur.

So ging dann auch wieder ein Tag ins Land, an dem wir wieder viele neue Menschen und auch alte bekannte vor Ort getroffen haben. Anschließend besuchten wir noch unsere Domaine de La Tourade, schossen ein paar Fotos und machten uns auf den Weg nach Avignon, vor dem Abendessen wollten wir noch ein wenig die Seele baumeln lassen.

Domaine de La Tourade

 

Chez Francois / Avignon

Zurück in Avignon liefen wir mal nicht die bekannten Straßen entlang, sondern tauchten  ab in die kleinen Gassen neben der Haupteinkaufsmeile. Und dort findet man manchmal die waren Schätze. Das CHEZ FRANCOIS ist so ein Juwel. Sehr ehrliche Küche, kleine, aber feine Weinkarte, wir bestellten den 2007er La Chapelle de Romanin aus St. Remy de Provence, dazu gab es einen lauwarmen Salat aus Puy-Linsen mit Speck, einen sehr gut angemachten Salat mit geräucherter Entenbrust, gebratener Leber und Tomatenwürfel. Im Hauptgang dann geschmortes Rindfleisch, serviert im der kleinen Creusetbräter mit Röstkartoffeln und Selleriepüree. Die Frau wählte und bekam ein großes Steak, ebenfalls mit Röstkartoffel. Den Abschluß bildete eine sehr gute Creme brulée. 

Chez Francois
rue de la Bancasse
84000 Avignon
www.chezfrancois.net
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Decouvertes en Valle du Rhône 2011 – Ventoux & Luberon

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 25 April 2011

Philippe GimelAuf diese Probe freute ich mich ganz besonders, denn ich traf jenen Winzer wieder, der mir während der Decouvertes en Valle du Rhône 2009 im Palais du Pape zu Avignon als extrem qualitätsorientiert und positiv verrückt in Erinnerung geblieben ist. Wer jemals mit Philippe Gimel von der Domaine St. Jean du Barroux über Wein gesprochen hat, kann meine Euphorie verstehen. Was er macht, hat Hand und Fuss und er versprüht bei seinen Erzählungen über soviel Dynamik und Enthusiasmus, dass man es ihm anmerkt, wie viel Freude es ihm bereitet, „seine“ Weine zu machen. Mittlerweile verkaufen sich seine Weine in Deutschland wie geschnitten Brot, 2009 hatte er in Deutschland keinen Importeur, schade, dass wir da nicht zugeschlagen haben, hätte unser Profil sicherlich geschärft,  jetzt können wir seine Weine leider nicht mehr direkt ab Weingut, sondern nur per Zwischenhandel erwerben, was die Weine für den Endkunden leider teurer machen würde.

 

2010 Le Rosé
95% Grenache, 5% Cinsault, Ende Februar 2011 gefüllt, bei manchem Winzer eher nebenprodukt und daher vielleicht etwas abschätzig behandelt, merkt man schon hier die Qualitätsphilosophie. Er hätte den Rosé sicherlich runder, weicher, konsumentenfreundlicher gestalten können, aber er wollte die knackige Säure im Wein belassen.

2008 La Montagne blanc
Grenache blanc, Bourbolenc, Clairette
Wenn man weiss, wie anfällig die Grenache blanc für Oxidation ist, dann glaubt man nicht, dass man hier einen wunderbar frischen, sehr aromatischen Wein im Glas hat. Auch hier wieder eine tolle Säure, die dem Wein jegliche Schwere nimmt. Am Gaumen wieder von klarer, frischer Art, ein Hauch Bortytis, aufgeschnittener roter Apfel. Sicherlich merkt man hier auch den Jahrgang.

2007 La Montagne blanc
Zeigt sich im Vergleich zum 08er deutlich reifer, runder, „burgundischer“ in seiner Art. Viel Creme, weich, dabei geprägt von eher gelben Steinobstnoten, sehr intensiv am Gaumen. Niemals schwerfällig.

2008 La Source rouge
Grenache noir, Carignan, Cinsault
Alle Trauben der Lage (wo eine Quelle entspringt) wurden entrappt. Zeigt sich sehr frisch und klar in Frucht und Präsenz am Gaumen, Aromen von Kräutern und roten Früchten prägen,aber dominieren den Wein nicht, dazu sorgt eine kühle Lakritznote für ein schönes Spiel am Gaumen. Ab Hof 11 €.

2006 L´Argile rouge
Lehm-Tonerde Böden; Grenache noir, Syrah, Carignan, Cinsault, 50% der Trauben wurden entrappt. Dieser Wein zeigt sich eher von seiner würzigen Seite. Am Gaumen Noten von Kaffee, sehr reifes Lesegut, herrlich den Mund auskleidend, besitzt eine großartige Präsenz und Ausstrahlung am Gaumen, macht viel, viel Spaß.

2006 La Pierre noir
85% Grenache noir / 15 % Syrah, als Philippe erwähnte, „komplett mit den Rappen vergoren“ musste ich an einen Pommard denken, den ich 2 Jahre zuvor auf einer Messe probierte und der vor Tannin und Adstringenz nur so strotzte und eigentlich für die nächsten 20 Jahre im Keller eingemauert gehört hätte.  Dieser jedoch war das krasse Gegenteil. Hochelegant, enorm konzentriert, nichts schwerfälliges, immer auf der trinkigen Seite, dabei von einer einzigartigen Frische geprägt, viel dunkle Frucht, enorm laaaaannngg.  Der Mann kann es einfach! Oder aber liegt das Geheimnis seiner Weine auch an den geologischen Gegebenheiten. Seine weinberge liegen auf unterschiedlichen geologischen Formationen auf bis zu 400m Höhe.

2009 Micro Climat rouge
Hauptsächlich Grenache Noir, dazu Cinsault und andere. 2009 war, wie mittlerweile bekannt, ein großes Jahr im Süden der Rhône. In einigen der Grenache Lagen war die Reife der Trauben so außerordentlich gut, dass er sich entschloß, eine Spezial-Cuvée abzufüllen. Am Gaumen von hochreifen Aromen geprägt, trotz der Komprimiertheit  und Konzentration der Aromen wirkt aber nicht breit, ein sehr geradliniger Wein, der Anfang März noch etwas vom Tannin dominiert war und dem ein paar Jahre Reife sicher gut tun werden.

Mercie, Philippe, pour la degustation fantastic vins!! 

Anschließend ging es zum Weingut Clos de Trias, dessen Weinmacher Even Backe ebenso persönlich am Stand die Weine den zahlreich Interessierten vorstellte. Erstkontakt mit den Weinen hatte ich im Herbst/Winter 2010, als mir ein Wein bei einem gemeinsamen abendlichen Kochen und Essen vorgestellt wurde und er mir sehr gefiel, wenn er dann auch schlussendlich gegen einen deutlich höherwertigen und auch reiferen Wein den kürzeren zog.

An Even kommt man auf keiner Messe vorbei, schon seine persönliche Präsenz und auch beim Design der Flaschen wird man stehen bleiben und probieren. Mittlerweile kann man fast drauf wetten, dass, je ungewöhnlicher der Typ hinter dem Stand, desto außergewöhnlicher oder anders sind die Weine (später auch wieder festzustellen bei Pablo Hocht, Domaine de Creve Coeur).

Even hat ein sehr übersichtliches Sortiment an Weinen, insgesamt produziert er 4 Weine.

2008 Ventoux blanc
75% Grenache blanc & 25% Clairette, kleine Produktion von 2.200 Flaschen aus einem schwierigen Jahr, denn auf einen nassen Frühling folgte ein warmer, aber ebenfalls feuchter Sommer, sprich: einer enormen, rigorosen, händischen Auslese im Weinberg folgte eine ebensolche am Sortiertisch. In 700 l Fässern über 14 Monate sponatan vergoren und mit wenig SO2 versehen. Leichte Filtration. Farblich einem Apfelsaft nicht unähnlich, also hochfarben, oxidativer Ausbau, wilde Aromatik, mir tendenziell etwas zu breit angelegt, wirkt auch etwas müde.

2008 Ventoux rouge Clos de Trias
Cuvée aus 75% Grenache noir, 15% Syrah, 8% Carignan und 2% Cinsault. Das Durchschnittsalter der biodynamisch bewirtschfteten Weinberge liegt bei 40 Jahren, der Ertrag bei knapp 38 hl/ha. Der Wein war knapp 1 Tag zuvor gefüllt, was man ihm aber nicht unbedingt negativ anmerkte, wir erschmeckten in der wunderbar frischen Stilistik etwas Pfeffer bei viel natürlicher Frucht, feinstes Tannin. Insgesamt ein sehr feiner, intensiver Stil, mit wunderbarem Schmelz und zarter kühler, auch würziger Mineralität. Das ganze wirkt ungemein frisch und nicht ermüdend am Gaumen. Sehr schöner, preiswerter Stoff!

2007 Ventoux rouge Vieilles Vignes Clos de Trias
Grenache Noir mit 4% Syrah, 60-85 jährige Reben, handgelesen, über 47  Tage Mazeration auf der Schale, spontanvergoren, wenig SO2, 1/3 des Weines reifte über 8 Monate in 600 & 700 l Holzfässern.
Ein Wein, der fasziniert. Kaum im Mund, kleidet er denselbigen wunderbar aus, eine herrliche Textur von zarter Kühle, pfeffriger Würze und feiner Frucht entsteht, ein sinnliches Aromenspiel von großer Klasse. Hochfein, und im Gegensatz zu vielen 07ern weder breit noch alkoholisch. 

2008 Ventoux rouge Pied Porcher Clos de Trias 
100% Grenache Noir, von durchschnittlich 45 jährigen Reben einer 1,1 ha kleinen Einzel-Parzelle mit nordöstlicher Ausrichtung. Biodynamische Arbeitsweise, zu 90% mit Stil und Stengel spontan vergoren, 32 Tage Mazeration auf den Schalen, 50% reifte in 600 l Fässern, minimal So2, keine sonstigen Zusätze. Evens Spitzenwein. Samtig, kühl, konzentriert, großer Stoff. Kaufen!

Natürlich besuchten wir auch noch unseren Winzer Pierre Leveque von der Domaine de Fontenille aus Lauris im Luberon, nachdem wir seine Weine aber schon 14 Tage zuvor ausgiebig probieren konnten, blieb es hier bei einem kurzen Hallo. Nachdem es bei ihm keinen 07er Côtes du Luberon Vielles Vignes geben wird, haben wir uns ja nochmals ausreichend mit seinem 05er eingedeckt, die Reife tut den Weinen auch sehr gut, im Moment präsentieren sich die 05er extrem gut. Aus 2009 wird es wieder „Vieilles Vignes“ geben und Pierre hat da wieder einen großartigen Wein vinifiziert, der im Juni 2011 gefüllt wird.

Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die Weine der Domaine Le Grand Vallat (eigene Webseite geht nicht) aus Blauvac, einem ebenfalls zertifiziert biologisch arbeitenden Betrieb. Da steht diese Woche nochmals eine Nachverkostung der Weine an, nachdem uns diese Woche vom Weingut eine Vertreterin besucht hat.

Es war ein sehr schöner Vormittag mit großartigen Weinen und tollen Winzerpersönlichkeiten, nach der Stärkung am Buffet machten wir uns auf nach Gigondas!

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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