K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

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Stuart Pigott´s Empfehlung aus der FAZ von heute gibt es auch bei K&M Gutsweine / Frankfurt

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 7 November 2010

Chardonnay global
Von Stuart Pigott

Die Weißweine Burgunds gelten vielen älteren Weinfreunden nach wie vor als qualitative Spitze des trockenen Weißweins – und das nicht ohne Grund. Wenn der Vigneron – also der Winzer – in Weinberg und Keller alles richtig hinbekommt, kann die Chardonnay-Traube Weine ergeben, die zugleich körperreich und elegant sind, kraftvoll und vielschichtig. Deshalb – aber auch weil der Chardonnay resistent gegen Hitze und trockene Böden ist – wurde er quasi überall auf „Planet Wein“ gepflanzt, so dass er sich zum Inbegriff des globalisierten Weißweins entwickelt hat. Den Erfolg der Weine aus seiner Heimat hat dies nur gesteigert.
Die Preise sind in die Höhe geschossen. Dabei entspricht die Qualität leider nicht immer dem Potential, und selbst schwache Weine finden ihre Abnehmer. Kein Wunder, dass jüngere Kenner Burgund nur selten als Quelle weltbester Weißweine nennen. Sie rühmen vielmehr die deutschen „Großen Gewächse“, die Wachauer „Smaragde“ und ähnlich konzentrierte Gewächse aus Weinbaugebieten Niederösterreichs – und auch das nicht ohne Grund. Diese vergleichsweise neuen Kategorien für trockene Spitzenweine aus dem deutschsprachigen Raum sind für die Weißweinerzeuger Burgunds seit Jahren eine ernsthafte Konkurrenz.

Es stellt sich die Frage, ob es aus Burgund überhaupt noch sehr gute trockene Weißweine gibt, die weder zu teuer sind noch zu sehr vom Eichenton dominiert – ein weiteres häufiges Problem. Glücklicherweise räumen Winzer wie Nicolas Cheveau in Solutré-Pouilly im Côte Mâconnais solche Zweifel aus. Seit langem gilt das Mâconnais als Quelle für ansprechende Alternativen zu den gesetzlich höher eingestuften Weinen aus den Premier-Cru- und Grand-Cru-Lagen der Côte d’Or. Allerdings schmecken die Weine von Nicolas Cheveau nicht im Geringsten wie Alternativen zu irgendetwas anderem, sondern sind allesamt stark und eigenständig. Auch wenn die Weinberge hier bis fast 400 Meter über den Meeresspiegel reichen, herrscht ein recht freundliches Klima. Zusammen mit den kalkhaltigen Böden führt dies oft zu ziemlich fülligen Weinen.

Trotz seiner Kraft besticht Cheveaus 2009er Mâcon Solutré-Pouilly „Sur le Mont“ (10,90 Euro bei uns, 11,50 Euro beim Mitbewerber) durch Frische und einen lebhaften Birnenton, der die Geschmeidigkeit nur zart andeutet. Mit seiner ausgeprägten Note von frischen Kräutern ist der 2008er Saint-Véran „Terroir Davate“ (nicht bei K&M) noch filigraner mit lang anhaltendem mineralischen Finale. Auch bei Cheveaus Spitzenwein, dem Pouilly-Fuissé „Les Vieilles Vignes“, ist der Eichenton vom Holzfassausbau vorbildlich dezent und fein. Der Jahrgang 2007 (21 Euro beim Mitbewerber, der 2008er bei K&M 18,40 €) wirkt cremig und geschmeidig, aber keinesfalls ausladend und außerdem eindeutig herb, mit subtilen Noten von getrockneter Birne, Zitronat und frischen Kräutern. Noch üppiger, mit einer Blütenhonignote, ist der Jahrgang 2006 (bei K&M schon lange ausverkauft, beim Mitbewerber 21 Euro) bereits auf seinem Höhepunkt – ein prächtiger Wein, der zeigt, warum Burgund, wenn denn alles stimmt, immer noch einen besonderen Ruf für trockene Weißweine verdient.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.11.2010, Nr. 44 / Seite 60

Alle Weine von Nicolas Cheveau finden Sie in Frankfurt bei K&M Gutsweine

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 3

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 15 Februar 2010

Am Sonntag war auf der Messe deutlich weniger los, als die Jahre zuvor. Ob es am kalten Wetter mit Schneefällen oder an den vielen Fassnachtsumzügen lag? 
 
 

Jedenfalls trafen gegen 11.30 Uhr @garrafeira aus Dortmund und der Rest der K&M Equipe samt besseren Hälften in Wacken am Stand von Nicolas Cheveau ein. Hier gab es wieder großartig-mineralische 2008er Chardonnay aus Macon und Pouilly-Fuisse zu probieren. Der Mann hat einfach ein Händchen. Ganz groß der Einzellagen Pouilly Fuisse „Aux Bouthieres“ Mineralische Finesse gepaart mit unbändiger Kraft, dass ganze spielerisch in dezenten Holznoten verpackt. Grandios! 

Direkt gegenüber dem Austernstand (12 Stück für 13 €, herrlich frisch und äußerst schmackhaft, Suchtfaktor) hatte Jean-Francois Merieau aus der Tourraine seine Zelte aufgeschlagen. Derzeit sind wir ja bei seinen Sauvignons und dem roten, frisch-fruchtigen, keinesfalls banalen Gamay „Le Bois Jacou“ komplett ausverkauft. Mitte März soll der 2009er Sauvignon „L´Arpent des Vaudons“ auf die Flasche kommen, wir warten voller Ungeduld auf diesen singulären Charakter des ungemein umtriebigen und auch in der Familienplanung nicht untätigen Winzers, denn das 2. Kind nach Sohn Jean ist unterwegs.

 

Fantastisch übrigens ist der aus 60 jährigen Gamayreben vinifizierte „BOA LE ROUGE“ Tiefdunkles, dichtes Rot. Herrlicher Duft von ultrareifen, himmlisch duftenden Himbeeren und saftig-dunklen Brombeeren, Ausbau im Barrique, seidig und nachhaltig über die Zunge rollend, hochelegant. Gamay, wie man ihn so noch nicht gesehen und getrunken hat, dazu tragen auch die tollen Etiketten bei. 

Immer eine Zwischenstop wert sind die herrlichen Weine der Domaine de la Casa Blanca aus dem Roussillon. Insbesondere der mächtige rote, trockene Collioure mit seinem herrlich tiefen Duft nach eingelegten Früchten, frischen Kirschen und Pflaumen, zart unterlegt von buttrigen Noten mit etwas Karamell und kühlen Noten. Viel, viel Kraft am Gaumen, spürbarer, teils kaffeeröstiger Holzeinsatz, saftig-reife Tannine, mit prächtigem Nachhall. Trotz aller Kraft herrlich trinkig. Seine fruchtsüßen, roten Banyuls strotzen vor fruchtiger Frische, die Süße ist merklich, aber niemals aufdringlich oder klebrig. Lecker!!

Bevor ich den Kollegen dann meine gestrigen Entdeckungen Chateau Planeres und Domaine Grand Arc vorstellte, probierten wir noch bei Herve Felix die beiden Saint-Bris und die hochmineralischen Chenin Blanc von Claude Papins Château Pierre-Bise, insbesondere der 2008er Savennieres „Clos de la Coulaine“ (10 €)  und der 2008er „Roche aux Moines“ (12,50 €) begeisterten ob ihrer komplexen Art, auf der einen Seite herrliche Noten von reifen Mirabellen mit druckvoller Struktur und Saftigkeit, auf der anderen Seite der hochmineralische Ausklang, noch Minuten später war dieses Wechselspiel der Aromen am Gaumen schmeckbar. Pierre-Bise ist der einzige Chenin Blanc Erzeuger, mit dem ich persönlich zu Recht komme, da stimmt an den Weinen einfach alles, auch der Preis.

Von der Loire ging es nun ins Luberon zur Domaine de Fontenille. Von Pierre Leveque gibt es eigentlich nichts neues zu berichten. Eigentlich, denn es ist fast schon beängstigend, mit welcher Konstanz er den über 100 jährigen Carignan- und über 50 jährigen Syrah- und Grenachereben derart komplexe Weine abringt. Seine „einfachen“ Côtes du Luberon  der Jahre 2005-2007 sind tiefdunkle, fruchtige Unikate, sehr traditionell vinifiziert ohne Effekthascherei und ohne laut auf die Pauke zu hauen. Wein pur, dunkle Beeren, rassiges Tannin, ein Maul voll Wein, Kräuter, Kühle, seidig und dicht trägt dieser rote Stoff immens lang die Aromen am Gaumen. Ohne zu übertreiben: sein „Vieilles Vignes“ aus 2005 ist ein kleiner Chateauneuf du Pape. Ach, wenn er denn auch noch ein wenig mehr Verkäufer und Marketingmensch wäre, könnte er deutlich mehr aus diesem Weingut rausholen und dem eher traditionellen Auftreten einen weiteren Schub verleihen.

2009 präsentierte das Weingut Mas de Cynanque aus dem Languedoc erstmals seine Weine auf der Strasbourger Messe. Beim Rundgang durch die Hallen fielen mir die geschmackvollen Etiketten auf und so probierte ich die Weine damals mit viel Genuß, auch weil sie meiner Meinung nach ein sehr gutes Preisgefüge haben. In der AOC Saint Chinian beheimatet, vinifiziert Xavier de Franssu auf 12 Hektar kräftige, extraktreiche Rotweine aus den Rebsorten Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan. Immens ausladend und mächtig wirkende Weine, am schönsten gefiel uns der 2007er Acutum, eine Cuvee aus alten Reben von 50% Syrah, 30% Mourvèdre, 10% Grenache und 10% Carignan. Manuelle Lese, 20hl / ha Ertrag, Ausbau im Barrique. Der eleganteste Wein und mit 12 € grandios eingepreist. Konzentriert und mächtig,  hat was“australisches“, ohne überreif zu wirken, am Gaumen dann viel Frucht, etwas pfeffrig, etwas warme Aromatik, dennoch auch am Ende sehr elegant und mit guter Länge. Kann reifen, sollte reifen!

Nun war Zeit für eine kleine Stärkung angesagt, der eine ging an den Baguettestand und lies sich ein riesiges Schinkenbaguette mit Butter munden, der Großteil jedoch genoss frische Austern mit Champagner Non-Dose. Schade, dass man sich beim Genuss dieser Delikatessen so bremsen muss, ich habe es erst vor 2 Jahren gewagt Austern zu probieren und bin seither einfach nur begeistert von diesem puristischen Geschmack. Anschließend war Flaschen einsammeln angesagt und ein Teil musste sich auch schon wieder gen Frankfurt verabschieden.

Weiter ging es am Montag mit den gespritteten roten Maury von Mas Amiel…Bericht folgt

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 1

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 12 Februar 2010

Es ist wieder angerichtet. Die unabhängigen Winzer Frankreichs machen wie immer zu dieser Jahreszeit Station in Strasbourg, ganz in der Nähe des Europaparlaments im Ortsteil Wacken. Ca. 650 Winzer aus der ganzen französischen Republik werden wieder 4 Tage einer großen Anzahl französischen und immer mehr deutschen Weinfreunden ihre Gewächse zur Verkostung anbieten. Für mich ist es etwa die 7 oder 8te Teilnahme. Anfangs irrte man noch orientierungslos durch die Halle, probierte hier und dort und machte manchmal so auch eine Entdeckung, mittlerweile geht man etwas strukturierter und als Deutscher natürlich vorbereitet auf die Messe. So habe ich heute ab 15.30 alle Winzer und Weine aus dem Chablis probiert. Meine beiden Favoriten waren folgende Winzer: 

Domaine Alain Gautheron
Alle Chablis kennzeichnert eine Direktheit, die Frucht ist eher unterschwellig warnehmbar, der Focus steht auf Mineralität und rasssiger Säure. Im 1er Cru Bereich überzeugte der 2008er 1er Cru „MONT DE MILIEU“ (12 €)  mit den genannten Attributen, dazu von reicher Konzentration an Aromen und toller Balance sowie langem Nachhall gekennzeichnet, viel Druck ausübend von feiner, eleganter Länge. Überzeugend auch der 2007er 1er Cru „Vaucoupin“ (11 €), der neben rassiger Mineralität auch eine wunderbare Cremigkeit aufwies.

Domaine La Meuliere
Im Vergleich zu Gautheron steht hier die Frucht etwas mehr im Vordergrund ohne es jedoch an Rasse, Frische und Mineralität vermissen zu lassen. Die Weine sind alle sehr gut durchstrukturiert und vermitteln viel Trinkspaß bei etwas höheren Preisen im Vergleich zu Gautheron.
An der Spitze des Sortiments stehen die beiden 08er Chablis aus der 1er Cru-Lage „MONT DE MILIEU“.(13,50 €) Der „normale“ betört mit Mineralität und Aromen von weißen Früchten, herrlicher Konzentration am Gaumen und einer reifen Säure. Eine Schippe drauf legt dann der 08er 1er Cru „MONT DE MILIEU“ Vieilles Vignes Les Gougueys“ (16,50 €). Verschwenderische Aromen von Haselnüssen, frischer Butter, Brioche und etwas Honig. Herrlich lang am Gaumen.

Wie immer gibt es im Fahrwasser der großen, bekannten Appellation Gebiete, die beim Weinfreund weniger bekannt sind. Oder kennt jemand Saint-Bris? Er liegt im französischen Burgund westlich von Chablis und umfasst rund 100 Hektar Rebfläche im Département Yonne in den Gemeinden Chitry, Irancy, Quenne, Saint-Bris-le-Vineux und Vincelottes. Der Weißwein wird aus den für das Burgund unüblichen Sorten Sorten Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris gekeltert.

Die Domaine Felix produziert da zwei wunderbare, äußerst preisWERTE weiße Saint-Bris. Der einfache zu 6 € mit reifen Citrus – und Stachelbeernoten, sehr klar und reine Aromatik, der andere, ein 2008er Saint Bris Cuvée Ste-Claire mit etwas mehr Dichte und Schmelz, beide mit bestem Preis-Genußverhältnis.

Fortsetzung folgt am Samstag abend….

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Domaine Paul & Vincent Jaboulet – Crozes-Hermitage & Hermitage

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 10 Juli 2009

Eigentlich war dieser Bericht schon für die Veröffentlichung im März geplant, denn wir haben von den genannten Weingütern einige Probeflaschen mitgebracht, leider sind wir erst vor 10 Tagen, also Anfang Juli dazugekommen, die Weine zu probieren. Die Degustationsnotizen stammen von der Veranstaltung in Frankreich.

Nach einigen Tagen des Verkostens in Avignon ging es am Freitag per Auto und in Begleitung eines heftig blasenden Mistral ca. 150 km weiter in den nördlichen Bereich der Rhône nach Tain L´Hermitage, einer mit Durchgangsverkehr überaus belasteten City. Den Bürgern scheint das wohl egal zu sein, nirgends findet man einen Protest für eine Umgehungsstraße oder eine andere Entlastung. An sich eine schöne Stadt, aber es werden zu wenig Verweilmöglichkeiten angeboten. So machten wir auch nur einen kurzen Stadtbummel, denn es standen die beiden Appellationen Crozes Hermitage und Hermitage auf dem Verkostungsprogramm.

Hermitage

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum am Verkostungsort, im Espace Rochegude, unmittelbar am  Bahnhof von Tain – hinter dem auch DER Hermitage-Hang liegt, angekommen, mußten wir doch wieder einmal feststellen, wie klein die Weinwelt ist. Robert, Wolfgang und Dieter, Kunden von K&M und sehr ambitionierte Weinliebhaber, standen doch plötzlich vor uns. Welch Überraschung! Nach einem kurzen Plausch und dem Austausch von Tipps ging es ans Werk.

Crozes Hermitage erstreckt sich über 11 benachbarte Gemeinden des berühmten Hermitage-Hanges am linken Rhône Ufer. Der sowohl ton- als auch sandhaltige Lössboden ist eine recht seltene Zusammensetzung in dieser Gegend. Die kleinbeerigen, dünnschaligen Syrah-Trauben ergeben einen recht farbigen, tanninhaltigen Saft mit guter Säure.

Mein Erfahrungsschatz mit Weinen dieser Gegend geht gen null. In nachhaltiger Erinnerung geblieben ist jedoch ein Wein eines der schon seit Anfang der 90iger Jahre führenden Winzer. Alain Graillot´s 1990er Crozes Hermitage „La Guiraude“, damals von Blogger pivu im Rahmen eines der ersten Treffen des Rhein-Mann-Stammtisches im alten Weinland Keiler in Neu-Isenburg mitgebracht, faszinierte mich nachhaltig, einige der damaligen Geschmackseindrücke wie Graphit fand ich insbesondere bei jenem Winzer wieder, den ich hier mit seinen Weinen ausführlich beschreibe, weil es nicht nur für mich die homogenste  und zugleich beeindruckenste Kollektion der Veranstaltung war.

Wo also anfangen zu probieren, wenn man weder die Weingüter geschweige denn die Weine kennt. Sicher hat man schon einige Namen mal gelesen, aber die Weine hierarchisch in ihrer Qualität einzuschätzen und eine gezielte Verkostung durchzuführen, war mir nicht möglich. So haben wir dann wahlos mal hier, mal dort probiert, aber der richtige Wein, der etwas in einem auslöst, der „mit einem spricht“, war irgendwie nicht dabei. Reichlich gefrustet traf ich dann unsere Freunde wieder, die ebenfalls von einigen vorgestellten Weinen recht enttäuscht waren. Nicht nur qualitativ sondern auch preislich stimmte bei vielen Weinen das Verhältnis nicht. Einzig bei Tisch 21 war man einer Meinung: „Klasse Weine, geh da mal probieren“.

So standen wir dann also bei Philippe und Vincent Jaboulet von der gleichnamigen Domaine.

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Philippe und Vincent  Jaboulet

Nun, Jaboulet ist kein unbekannter Name, das Weingut Paul Jaboulet Aine war bis zu seinem Verkauf und ist immer noch eines der Schwergewichte der Weinszene und weltweit ein Begriff für Weine von der nördlichen Rhône.

Auch Vater Philippe, 58 Jahre jung, war über 30 Jahre bei Paul Jaboulet Aine beschäftigt, er pflegte die Weinberge und war für den Traubenzukauf verantwortlich. Als das traditionelle Familienunternehmen verkauft wurde, erhielt er knapp 15 Hektar „Familien“ – Reben und kaufte nochmals 15 ha Reben dazu, um ein neues Weingut zu gründen und den Namen Jaboulet gemeinsam mit Sohn  Vincent, 26, einem ausgebildetetn Önolgen in Tradition weiter zu führen.

Für Philippe war es enorm wichtig, „Familien“-Trauben mitzunehmen, „denn sie sind ein Stück meiner Identität“.

Nach dem Hinweis, dass heute schon ungewöhnlich viele deutsche Händler am Stand probiert haben, ging es ans Werk, 2006 ist der Debut-Jahrgang, die 2007er Rotweine sowie der 07er Hermitage blanc waren noch Fassproben.

2006 Crozes Hermitage rouge „Domaine Collonge“
100% Syrah, die Rebstöcke sind die jüngsten, knapp 10 Jahre alt. Der Ausbau erfolgt immer in Stahltank, um Frische und Frucht zu erhalten. Schon hier faszinieren mich die Geschmackseindrücke nach reifen Beeren, ungemein saftig und frisch, man schmeckt mineralische Noten in Form von Graphit.

2006 Crozes Hermitage Domaine Ph. & Vincent Jaboulet
100% Syrah von 30-40 jährigen Reben, eine Selektion von verschiedenen Parzellen,  zum Teil von Hand gelesen. Der deutlich längere Ausbau im Vergleich zum „Collonge“  erfolgt in Beton- und Stahltanks, ein Teil des Weines reift anschließend noch für eine Zeit im Holz.
Letzterer kommt deutlich „erwachsener“ rüber, viel mehr Struktur, alles intensiver, tolle Balance, immer wieder sticht diese besondere „Bleistiftnote“  aus dem Wein hervor. Als ich anspreche, dass mir diese Note bereits vor über 10 Jahren bei Graillots La Guirade auffiel und mir diese bis dato in Erinnerrung geblieben ist und ich diese hier wiederfinde, entgegnete mit Vincent, dass einige Weinberge unmittelbar neben Graillots Lagen liegen. Zufall???

Preislich ist bei diesen Wein kaum ein Unterschied, beide machen auf Ihre Art viel Spaß, haben Spannung, Festigkeit, Struktur und das gewisse besondere, dass sie von vielen Weinen dieser Verkostung unterscheidet, sie sprechen mit mir!

PICT14112006  Crozes Hermitage „Nouvelére“
Seit vielen, vielen Generationen im Familienbesitz. 100% Syrahrebstöcke, die ältesten des Weingutes, zum Teil 60 Jahre und älter, darunter einige von den Original-Thalabert Parzellen, die früher in den besten Wein von Jaboulet-Aine flossen. 100% manuelle Lese, schonender Transport in 250 kg Behältnissen. Teilmazeration in großen Holzfässern, die Maische wird 2 mal pro Tag „überpumpt“ , der Maischehut 2 mal pro Tag heruntergedrückt (Pigeage) Reifung zu 100% in Holz, teils Barrique, teils großes Holz. Der Name Nouvelere ist ein Wortspiel von „°Nouvelle“ und „Era“ und symbolisiert einen neuen Zeitabschnitt.

Dunkle Farbe, enorme Konzentration, saftige Ader am Gaumen, viele dunkle Früchte am Gaumen, schwarze Johannisbeeren, Feigen, auch teerige Noten. Bittersüßes Kakao und warme Himbeeren, die Ganache Noten unterstützen das fruchtige, hervorragend strukturierte Finish.  Für mich erstmals ein Wein, der die 90 Punkte Marke knackt, im Stil eher als modern zu bezeichnen.

Der Wine Spectator vom 21.05.2008 vergibt 91/100 Punkzen und schreibt: „Dark and juicy, with lots of currant and fig notes supported by a tarry backbone. Bittersweet cocoa and warm raspberry garnache notes fill out the juicy, structured finish. Best from 2009 through 2014“

 

2007er Crozes Hermitage „Nouvelere“ Fassprobe
15%  des Weins lagen im Holzfass, im Vergleich zum 06er etwas stärker spürbar, auch etwas trocknend. Braucht sicher noch Zeit.

 

Domaine Philippe & Vincent Jaboulet

Domaine Philippe & Vincent Jaboulet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PICT14122006 Hermitage Rouge
Ebenfalls seit mehreren Generationen im Familienbesitz sind die über 30 jährigen Rebstöcke von steinigem Terrain aus der Gemarkung Les Dionniéres, wo Jean Louis Chave einige seiner besten Parzellen sein eigen nennt.  Natürlich 100% Handlese, Vinifikation zu 100% in Holz, tägliche Pigeage, lange Mazeration, Reifung zu 100% in Holzfässern. Der 2006er ist recht konzentriert und sehr direkt in seiner Ansprache. Man schmeckt enorme Mengen an schwarzen Johannisbeeren und Brombeeren am Gaumen, die Tannine müßen in den nächsten Jahren noch abschmelzen, dann hat man bis ins Jahr 2018 einen wunderbaren Wein im Glas.
93/100 Punkte vom Wine Spectator: „Concentrated and very direct, with a big core of black currant and blackberry fruit rumbling across the palate, while notes of licorice, hoisin sauce, tar and graphit fill in behind. The grippy palate will need cellaring to round into form. Best from 2009 through 2018.“

2007 Hermitage rouge (Fassprobe)
Zwei Worte habe ich mir hier nur notiert: Extrakt und Druck! Ich denke, der 2007er wird früher antrinkbar sein, denn er hat schon eine tolle Balance. Aber er wird sicher auch ein langes Leben habben, denn die Parameter und die Eindrücke der Verkostung sind schon recht beeindruckend.

  

  

PICT14302006 Cornas rouge
100% Syrah älter als 10 Jahre, die Böden bestehen hauptsächlich aus Granit und Kalkstein. 100% manuelle Lese, Vinifikation im großen Holz, tägliche Pigeage, lange Mazeration, Reifung zu 100% in Barriques.
Purpurfarben, wir riechen rote Früchte, Gewürze und auch schwarzen Pfeffer, am Gaumen noch etwas ruppig, aber mit enormen Druck und Extrakt ausstaffiert. Braucht Zeit!

 „This moves like a quarterback who excelled at ballet, hustling its prodigious, muscular fruit with grace equal to its energy. Sourced from Jaboulet’s 3.2-acre parcel planted in 1980, it’s dark and chocolaty, yet it manages to feel lifted with its notes of pepper, lilac and mint.“ Wine & Spirits February 2009 (2006 Cornas, 93 points)

 

 

 

 

 

 

 

Nun zu den Weissweinen.

 

PICT1418

2007 Crozes Hermitage blanc „Dom. Ph. & Vincent Jaboulet
100% Marsanne; reich und frisch in der Nase, etwas weißer Pfirsich, Melone,  gelbschaliger Apfel und ein Hauch Kamille. Am Gaumen reich in der Aromatik, frisch, viel Schmelz, macht Spaß. 90/100 Pkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

2007 Hermitage blanc
Der Hermitage blanc wird zu 100% aus Roussanne gekeltert, was recht ungewöhnlich für die Gegend ist, denn die Rebsorte neigt stärker zur Oxidation und ist am Gaumen eher breiter angelegt, mit einer etwas softeren Textur, auch sehr reich am Gaumen, meist dominieren tropische Früchte, so dass viele Winzer – z.B. Michel Chapoutier – es vorziehen, diese Eigenschaften durch einen Verschnitt mit der mineralischeren, frischeren und fruchtgesteuerten Marsanne hervorzuheben.  Nicht aber Vincent Jaboulet! Er hat in seiner Zeit des Praktikums bei Chateau Beaucastel – die ihren weißen Chateauneuf du Pape aus 100% Roussanne keltern – Gefallen und ein Händchen gefunden, dem Roussanne ebenfalls eine wunderbare Frische mitzugeben.

100% Roussanne; sehr reif, aber er ist ungewöhnlich schön fokussiert auf die Pfirsich, Mango und Papaya-Noten, unterlegt mit einer steinig-mineralischen Note und einem frischen Finish auf Noten von gelbem Apfel. Keine Anzeichen von Oxidation, trotz seiner Konzentration niemals schwerfällig. Die Reben stammen von den Maison Blanche und Les Beaumes Parzellen und sind schon seit Generationen im Familienbesitz. Die Lese erfolgt manuell, die Vinifikation in Holz, langes Hefelager mit Battonage, anschließend 10 Monate Reife im Fass. Ungemein schön zu trinken. Der Wine Spectator vergibt 92/100 Pkt.: “ shows excellent focus to the peach, mango and papaya notes that a backed by a stony undertow, with crisp yellow apple and enticing floral notes. Long, juicy finish

Fazit:
Eigentlich müßte ich ja froh sein, so ein neues und zugleich ambitioniertes Weingut entdeckt zu haben, bei dem auch noch das Preis/Qualitätsgefüge stimmt. Dennoch war ich von den meisten Weinen vieler Winzer sehr enttäuscht. Es reicht eben nicht, in einer doch renommierten Gegend Wein anzubauen und zu hoffen, dieses Renomée rechtfertige den Preis. Fehlt dort Innovation oder der Antrieb? Das es anders geht, zeigen die Jaboulet´s aus Mercurol!

Am 3.7.09 werden wir die Weine nochmals intern nachprobieren und uns die Meinung von einigen Kunden und Weinfreaks einholen. Ich bin gespannt!

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