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Archive for the ‘Gereifte Kameraden’ Category

In Memoriam Bernhard Huber: Wildenstein 2004-2012 und mehr….

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 7 November 2014

2014_Huber_JJK1

Zu Ehren des viel zu früh verstorbenen badischen Winzers Bernhard Huber organisierte Joachim Kaiser unter großem persönlichen Einsatz eine bisher nie da gewesene Vertikale aller Spätburgunder Wildenstein, dem Topwein von Bernhard Huber sowie den Reserveweinen des Weingutes, die faktisch die Vorgänger des Wildenstein sind. Es wurden auch noch Weiss- und Süßweine verkostet, aber meine ganze Aufmerksamkeit galt auf den von mir so geliebten Weinen aus der Spätburgundertraube. Teilnehmer waren Dorit Schmitt, Barbara Brendel, Joachim Kaiser, Thorsten Kogge, Maximilian Philipps, Jörg Wendel, Rene Neukirch, Michel Kreuzberg, Stefan Rauscher, Sebastian Koik und Jürgen Kling. Unsere aller Dank geht an das Team vom Restaurant La Viletta in Karlsruhe-Durlach, das uns einen Teil seines Restaurants zur Verfügung gestellt hat. Die Fotos genießen das Urheberecht von Joachim Kaiser und Maximilian Philipps.

 

PRICKELND
2008 Chardonnay Blanc de Blanc brut nature
Kräftig gelbfarben; im Duft Honig, auch gewisse „steinige“ Mineralik. Feincremige Perlage, ich schmecke vorallem nussige Noten, aber auch Trockenobst in Form von Aprikosen, unterlegt von Zitrus, ganz dezente, nicht störende Bitternote, etwas Honig, trocken wirkend, macht Lust auf den nächsten Schluck. 87/100 Pkt.

ROT
2003 Spätburgunder QbA Alte Reben
Klare Farbe, Reiferand. Tiefer Duft nach Pflaumenkompott, etwas Sauerkirsche und getrockneten Beerenfrüchte, etwas kräuteriges schwingt auch mit. Im Mund reintönig, reife Frucht von Süßkirsche, feine Säure, zarte Karamellsüße, gute Dichte, hat Tiefe, leichte Bitternote, griffiges Tannin, wirkt noch frisch mit einem leicht salzigen, mineralischen Finish, nachhaltig. Hat Kraft, super Balance, noch Potential.  91/100 Pkt.

2009 Spätburgunder QbA Alte Reben
Farblich deutlich dunkler, Duft nach dunklen Beeren (Cassis), Kirsche und ein Hauch Himbeere. Am Gaumen recht wuchtiger, kräftiger Auftakt, deutliche Kaffeeröstnote, präsente Säure, Paprikanote, etwas pflanzlich. Kommt nicht an den 2003er ran, bezweifle, ob er sich so positiv entwickelt wie der 2003er. 89/100 Pkt.

2005 Spätburgunder Schloßberg GG
Mittleres Rot mit Reiferand. Fester, würziger und intensiver Duft nach Zitronenthymian, Kirschen und Leder. Im Mund dichter und voller als die Weine zuvor, fleischiger, man hat mehr zu Kauen bei diesem Wein. Säure ist gut verpackt, der Wein wirkt insgesamt runder und samtiger als seine beiden Vorgänger. Gute Konzentration, deutliche Specknoten, auch viele mediterrane Kräuternoten sind zu erahnen, sehr vielschichtig im Mund, Würze in Form von Hoi-Sinn-Sauce, salzig-süßlich-würzig im Finish. Wirkt auf mich recht reif. 88/100 Pkt.

2009 Spätburgunder Schloßberg GG
Jugendliches Rot, klarer, nach roten Beeren duftender Wein, dazu etwas rauchige Würze, Kirsche, viel Kraft, etwas Orangenschalen, Holz. Am Gaumen viel Kraft, elegant, viel Gerbstoff, gute Säure, recht saftig, sehr ins kirschige gehend, extrem jung, (93/100 Pkt.)

2014_Huber_MaPh12005 Spätburgunder Sommerhalde GG
Farblich gereiftes Rot. Intensiver, leicht rauchig-röstiger Paprikaduft, viel getrocknete Beeren, recht rund und schon extrem zugänglich, hat wenig Ecken und Kanten, es fehlt etwas an Tiefe und Komplexität. Mit dieser Zugänglichkeit und seiner offenen Frische everybodys Darling. Gastronomisch hervorragend einsetzbar. Ein Sauf-Pinot. (90/100 Pkt.)

2011 Spätburgunder Wildenstein R
Erwähnenswert hier die „nur“ 13% Alk, der Rest der Weine liegt immer bei 13,5% Alk. Recht verschlossen wirkender, leicht süßlicher Duft nach Süßkirsche, Vanille und Gartentomate. Im Mund recht verschlossen, bräuchte Luft, etwas Schwarzbeere ist zu erahnen, gewisse Kraft, Vanillenote recht deutlich, leicht salzig, am Ende ein ganz leichter Medizinalton, der jedoch mit der Zeit verfliegt.  Bräuchte wahrscheinlich noch viel mehr Luft, daher für mich derzeit „nur“ (92+/100 Pkt.)

2012 Spätburgunder Wildenstein R
Ungemein tiefer, ganz leicht röstiger Duft nach roten und schwarzen Johannisbeeren, die sich durch fast alle Weine wie ein roter Faden durchziehende Kirschnote darf nicht fehlen. Am Gaumen viel Schliff mit viel Mineralik, ungemein saftig mit viel Zug, trocken, sehr fest am Gaumen, griffiges Tannin, elegant, hochkomplex, vielschichtig, dicht und nachhaltig, sehr lang haftend. Derzeit in einer begeisternden Phase. Großes Kino, mir 94/100 Pkt. wert. Potential!

2009 Spätburgunder Wildenstein R
Recht offener, intensiver Duft nach Kirsche, roten und dunklen Beerenfrüchten, dazu röstige und rauchige Noten. Im Mund leicht süßlicher Touch, aber auch mit einer frischen Säure unterlegt. Zeigt keinerlei Schwere, recht transparent, im Mund etwas fleischiger mit gutem Schmelz, schönes Tannin, guter bis sehr guter Nachhall, sehr trinkig. 92/100 Pkt.

2010 Spätburgunder Wildenstein R
Unglaublich tiefer und intensiver, nach dunklen Beeren duftender Wein. Viel Gewürznoten, rauchig-röstig vom Holz, hochkomplex am Gaumen, enorm dicht und kompakt, hohe Dichte und Konzentration, sehr engmaschig am Gaumen, reife Säure, Spannung, man spürt förmlich auf der Zunge, was dieser Wein einmal sagen möchte, alle Parameter sind exzellent in Ansätzen zu schmecken, aber der sollte noch mindestens 5 Jahre im Keller liegen bleiben. (94/100 Pkt.)

2007 Spätburgunder Wildenstein R
Weniger ausladend im Duft als der Vorgänger, dafür prägen den Wein eher die floralen Noten, Rosenblätter drängen sich etwas in den Vordergrund, leichter Stinker; recht Säure getrieben am Gaumen, Säure wirkt leicht spitz, Tannin zeigt sich schon recht rund, Teenoten am Gaumen, zeigt sich schon recht rund. (90/100 Pkt)

2008 Spätburgunder Wildenstein R
Deutlich nach Pflaumenmus und dunklen Beerenfrüchten duftender Wein; am Gaumen recht stark von der Säure geprägt, wirkt dadurch recht schlank und filigran, nicht ganz so klare, etwas verwaschene Aromatik am Gaumen, gute Tanninstruktur, mir mangelt es an Komplexität und Tiefe im Vergleich zum 2010er.  (91/100 Pkt.)

2014_Huber_MaPh22005 Spätburgunder Wildenstein R
Ätherischer, ein Hauch floral wirkender Duft mit Noten von Himbeeren und reifen Beerenfrüchten sowie Süßkirsche und leicht vanilligen Tönen. Im Mund nicht ganz klare Aromatik, Hauch von Karamellsüße, Bitternote, grüner Tee. eher verschlossen wirkend. Zeigt im Finish eine ordentliche Tiefe mit leicht salziger Mineralik. Ähnlich wie der 2005er Schloßberg GG in einer Phase, die mich nicht zuversichtlich stimmt, das es lohnt, ihn reifen zu lassen, ich würde ihn die nächsten 3 Jahre trinken. 89/100 Pkt.

2006 Spätburgunder Wildenstein R
Zeigt für mich – wohl jahrgangsbedingt – einen etwas reiferen, wärmeren, breiteren Stil. Im Duft meldet sich ein leichter Kleberton, auch sonst wirkt der Wein auf mich recht unpräzise, nicht klar.  Wirkt mit der deutlichen Säure und dem breiten Stil etwas barock. Ein Kind des Jahrgangs. Nicht mein Fall. (89/100 Pkt.)

2003 Spätburgunder Reserve
Aus dem heißen Jahrgang kommt ein wunderschöner, tief nach  Brombeeren und Heidelbeeren duftender Wein.  Dazu zeigt sich das Holz bestens eingebunden, es sind keinerlei überreifen Noten zu vernehmen, im Gegenteil zeigt der Wein eine saftige, sehr animierende Trinkigkeit. Sehr klar und sauber in seiner Ansprache im Mund, feine Säure, tolle Balance, reifes Tannin,  Trinkfreude pur, jetzt und die nächsten 2-3 Jahre trinken, solange er sich so freudig präsentiert. 92/100 Pkt.

2004 Spätburgunder Wildenstein R
Vorneweg: mein Wein des Abends. Bernhard Hubers Premieren-Wildenstein. WOW, was für ein Wein. Schon der Duft ist betörend und herrlich vielschichtig; Amarenakirsche pur, Leder, animalische Noten, Hoisin-Sauce, dunkle, reife Beeren, Kaffee, leichte Klebernote, herrliche Gerbstoffe, Graphit kam es aus der anderen Ecke des Tisches, Pflaumen. Im Mund salzig, herrlich tragende Gerbstoffe, ganz fein und mit viel Druck und Länge ausgestattet. Jetzt perfekt plus 2-3 Jahre. 95/100 Pkt.

2001 Spätburgunder Reserve
Herrlich intensiver Duft von reifen, hauptsächlich roten Beeren, zart floraler Touch, wieder würzige Hoisin-Aromatik, etwas Altholznoten, viel Gripp am Gaumen, ein Maul voll Wein, Tabak. Viel Kraft, präsentes Tannin, Holz gut eingebunden, dicht, viel Saft am Gaumen. Langer Nachhall. 93/100 Pkt.

2002 Spätburgunder Reserve
Auch der 2002er überzeugt sehr. Eher eine feine Nase mit Johannisbeer,- und Kirschnote, wiederum leicht floraler Touch. Holz auch hier perfekt integriert, saftige Art, entwickelt etwas mehr Druck am Gaumen als der 2001er. Im Mund von sehr klarer, roter Beerenfrucht geprägt, dazu etwas Cassis, ein sehr harmonischer Wein mit gutem Druck, durch und durch strukturiert, macht viel Spaß, ihm würde ich sogar noch ein höheres Potential an Reife zugestehen als der ebenfalls großartige 2001er. 93/100 Pkt.

Hier noch der Bericht von Joachim Kaiser

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Le Piane- Boca, das etwas andere Weingut im Norden Piemonts

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 26 November 2012

Gastbeitrag von Robert Kemmler. Kürzlich hatten wir endlich die Chance, Christoph Künzli auf seinem Weingut zu besuchen. Es war immer mein Ziel, die Weinberge, den Boden und alles was zu Boca gehört, mir selbst vor Ort anzuschauen. Wer die Weine von Christoph probiert hat, der will mehr wissen über das Weingut. Denn die Weine haben mich sehr begeistert.

Ein kleiner Rückblick nach Zürich. Warum? Ich wurde persönlich zu einer Boca- Vertikale eingeladen. Diese fand im Zusammenhang seiner World- Tournee statt, die über New York unter anderem auch nach Zürich kam. Das Ganze fand im Prime Tower im obersten Stock des Restaurant statt. Eine tolle Idee. Bevor das Weingut von Christoph Künzli übernommen wurde, hieß der Besitzer Antonio Cerri, der dann ja leider verstarb. In seinem Keller lagerten aber noch viele Weine in großen Holzfässern. Teilweise waren diese Weine über 40 Jahre im Holzfass, die Christoph dann abfüllen lies. Die Boca- Verkostung ging rückwärts von 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2001, 2000, 1999. Es kamen die alten Weine von Antonio Cerri aus den Jahren 1991,1990,1989,1988,1985, 1981 und dann ganz alte und seltene Jahrgänge wie 1970, 1961,1950. Das schöne war, dass wir die Weine sowohl solo als auch mit Begleitessen verkosten konnten. Die absoluten Höhepunkte dieser tollen Verkostung waren für mich die Jahrgänge 2007, 2004, sowie der ultimative Hammer der Cerri Wein aus 1961.

Boca 2007: süße Frucht, Amarenakirsche, Pflaume, feine Tanninstruktur, sehr komplex und sehr elegant. Sehr langer Abgang. 94+

Boca 2004: Rosen, Teer, Hagebutte, viel rote Früchte, sehr fein, feinkörniges Tannin, sehr langer Abgang. 95+

Boca 1961: süßliche Nebbiolofrucht, sehr harmonisch, sehr komplex, leichte oxidative Noten wie Sherry, aber perfekt, schöne Säurestruktur. Ultra elegant, sehr helle Farbe. Extrem langer Abgang. Ein Wein zum Niederknien 97+.

Nun zurück ins Piemont. Da wir am Comer See im Urlaub waren, hat sich ein Abstecher zum Weingut Boca natürlicherweise ergeben. So besuchten wir Christoph an einem Sonntag. Er war mitten in der Weinlese. Was zur Folge hatte, dass ich mitanpacken durfte, wie auf den Bildern zu sehen ist.

Erst die Arbeit, dann der Spaß. Damit hatten wir an einem Sonntag natürlich nicht gerechnet, war aber für uns kein Problem. Christoph wird übrigens tatkräftig von einem sympathischen Ukrainer unterstützt. In der Zwischenzeit ging ich in die Keller, wo die Fässer lagerten.

Nach getaner Arbeit durften wir endlich was probieren.

Ich muss gestehen, die kommenden Jahrgänge werden auch sehr spannende Weine hervorbringen. Und das Jahr 2012? Ein schwieriges Jahr, aber mit Top- Qualitäten. Sehr schönes reifes Lesegut mit sehr niedrigen Erträgen.

Reberziehung ala Boca

Maggorina-Reberziehung (Baumförmige Äste von unten nach oben)

Sehr gesundes Lesegut mit niedrigsten Erträgen

Weinberge des Weinguts Boca

Perfekte Trauben zur Lesezeit

Weinberge mitten im Wald

Was wir in den Weinbergen gesehen haben, hat uns schwer beeindruckt. Man muss sich vorstellen, dass hier vorher nur Wald gewesen ist. Davor war es einst das größte Weinanbaugebiets Italiens! Christoph mußte ganze Waldstücke roden, um neue Weinberge anzupflanzen. Ein enorm hoher finanzieller Aufwand. Unvorstellbar, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Der Boden besteht aus Porphyrgestein. Kein Kalk. Was für Piemont einmalig ist. Und das gibt den Weinen auch diese Mineralität. Zu erwähnen ist, dass auch die jungen Weinreben schon fantastische Qualität bringen. Wie beim verkosteten 2004er Boca, wo die Reben gerade mal 5 Jahre jung sind. Danach ging es zum Essen ins ,,Zentrum‘‘ von Boca, wo gut gespeist und getrunken wurde. Dann verabschiedeten wir uns von Christoph, jedoch nicht ohne noch ein paar Flaschen von ihm zu kaufen: 3 x Magnum Flaschen Boca 2008 und 6x Flaschen Le Piane, der jetzt schon wunderbar zu trinken ist.

Was sagte meine Frau Marion, bevor wir losfuhren: wir fahren aber nur für 1-2 h nach Boca. Geblieben sind wir einen ganzen Tag. Wir waren dankbar, dass Christoph sich so viel Zeit genommen hat. Wie uns soeben mitgeteilt wurde, wurde auch der Boca 2008 vom Gambero Rosso mit Drei Gläsern ausgezeichnet.

Boca 2008: würzige Noten, Tabak, Johannisbeere, süße Frucht, Tannin betont, frische, kühlere Art, was auch jahrgangsspezifisch ist.

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Der am Boden gebliebene Holländer – 10 Jahre Spätburgunder SD Jacob Duijn

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Die Objekte der Begierde

Dunkel erinnere ich mich noch, es muss wohl 1998 oder 1999 gewesen sein, da wurde in der Weinszene über einen Holländer gemunkelt, der in der Ortenau so gar nicht typische deutsche Spätburgunder ausbaut, dazu noch mit „exzessivem“ Barriqueeinsatz. Erneut eine Revolution in Baden oder was??

Es klang interessant, also besuchte ich den guten Mann damals in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei in Bühl-Kappelwindeck. Jacob Duijn war sein Name, und zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde gerade gefüllt und das sah schon alles sehr „traditionell“ aus, wie da die Flaschen verkorkt und etikettiert wurden. Aber es hatte Charme und Jacob hatte auch während dieser Phase Zeit und Lust, uns seine Weine vorzustellen. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Schwerpunkt weintechnisch ganz klar in der Toskana, mit badischen Weinen hatte ich wenig am Hut, geschweige denn mit Spätburgunder. Während der Probe aber fand ich Gefallen an dieser Art von Weinen, sie waren so anders in Ihrer Art, als vieles, was ich aus der näheren Umgebung probiert hatte, vielleicht auch durch den Barriqueeinsatz, den ich ja aus der Toskana auch schon kannte und in Teilen auch mochte, und so wanderten damals der 1999er Spätburgunder Qba und der 1999er SD (damals 30,- DM) in den Keller. Während der SD mit der letzten Flasche 2008 nach knapp 10 Jahren perfekt auf dem Höhepunkt erwischt wurde (man riet mir damals“ leg ihn 8-10 Jahre weg“, liegt der „kleine“ Duijn aus 99 noch immer im Keller. Und steht – wie am Samstag in Vorbereitung auf diese SD Probe festgestellt – wie eine eins im Glas.

Vor und während der Probe der Vertikale gab uns der Winzer einen Einblick in sein Schaffen. 1994 hängte er seinen Sommelierjob (bei Witzigmann und der Bühler Höhe) an den Nagel und wechselte in den Vertrieb eines Bremer Importhauses, aber auch das war nur ein knapp 10jähriges Zwischenspiel. Er kam damit dem Wein immer näher. Als man ihm einen Weinberg hoch über Bühl anbot, beschloss er, nur noch Wein zu machen. Seine ganze Leidenschaft galt und gilt dem Spätburgunder. Die ursprünglich auf 11 Hektar angewachsene Rebfläche hat er zwischenzeitlich wieder auf 6,5 Hektar verkleinert, weil er es nach seiner Vorstellung so besser machen kann. Bewirtschaftet wird seit 1994 naturnah und biodynamisch, seit 2009 hat er das Demeter-Siegel, wobei selbst der Mond eine gewichtige Rolle spielt. „Die Mondphasen haben großen Einfluss auf das Leben“, erklärt er. Und ernst fügt er hinzu: „Wir brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns nicht.“

Hier nun die Verkostungsnotizen, die Probe fand im sehr kühlen und schumrigen Barriquekeller des Weingutes statt, so dass ich die Farbbeschreibung leider außen vor lassen muss.

1998 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Premierenjahrgang, laut Winzer ein gutes Jahr. 32hl/ha Ertrag. Hauch von Minze, Tannin merklich, wirkt immer noch sehr jugendlich. 89/100 Pkt.

1999 Spätburgunder SD

Weder auf dem Weingut noch bei mir keine einzige Flasche mehr vorhanden, dafür hier eine Notiz von der Spätburgunderprobe des Rhein-Main-Stammtisches vom 13.10.2008 von Armin Maurer
Der letzte trockene Wein war dann mein Sieger des Abends:
Zuerst grüne Tabakblätter und etwas Zedernholz, dann feine Frucht, rote Beeren, etwas süßliche Walderdbeere, auch feine Kirschnoten, sehr schön komplex, samtig gereift, elegant und eher leicht, aber doch in keiner Weise dünn, wunderbar samtig zog der Wein über die Zunge. Großartig und mir 94P wert, ich denke er war auf den Punkt, Potential sehe ich eher nicht mehr.

 

 

 

 

Der Müller-Thurgau aus Weisenbach (links im Bild) hat auch eine Geschichte, am Ende dazu mehr.

2000 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Am Gaumen deutlich wuchtiger und auch leicht öliger, wirkt konzentrierter, von Hand entrappt, kraftvoller Bursche, sehr ausladende Beerenaromatik, auch ein Tick alkoholisch wirkend. Das Holz zeigt sich noch leicht dominant. Insgesamt trotz der Wucht recht ausgeglichen am Gaumen. 87/100 Pkt.

2001 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Zu 100 % neue Eichenfässser benutzt, zeigt sich der Wein jetzt nur noch vom Holz geküsst, die feine, frische Säure verleiht ihm eine ungeheure Strahlkraft. Was für eine geile Nase, Tabaknoten erinnern an Burgund, tiefgründig und von feiner Finesse, duftet herrlich fein nach roten, reifen Beeren. Dazu wunderbare an Salbei erinnernde Noten. Herrlich komplex und kraftvoll, saftig und mit feinem Säurespiel, spielt mit den Muskeln um dann gleichzeitig anmutig mit feinen, tiefen Aromen zu beeindrucken. Mein Favorit der Probe und mir 94-96 Punkte wert.

2002 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Ein schlimmes Jahr, verfaulte Trauben, Regen während der Lese. Jacob selektierte rigoros aus. Zeigt sich deutlich schlanker am Gaumen, dunkle, weniger reif schmeckende Beerennote unterlegt von etwas rauem Tannin. Wirkt am Ende etwas stumpf, zeigt auch hier wieder tabakige Noten. Hmmm…84/100 Pkt.

2003 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Geerntet am 28.8. War er sonst immer einer der letzten bei der Ernte – viele Kollegen schüttelten die Köpfe- war er diesmal der erste. Auch hier wieder ungläubiges, unverständliches Kopfschütteln. Keine Frage, man merkt dennoch den Jahrgang. Im Jugendstadium sicher als wuchtiger Rhonewein zum Verwechseln ähnlich, leugnet er auch nach 8 Jahren nicht seinen Jahrgang. Wuchtig am Gaumen, Kräuter, Schattenmorellen, ein Hauch Lakritz, Nelke, minimal Likör. Jedoch sorgt die feine Säure im Hintergrund für einen gelungenen Frischeschub, er trinkt sich trotz aller Kraft sehr gut. 87/100 Pkt

2004 Spätburgunder SD (aus der Doppel-Magnum)

„Ein „Opfer des 2003er Stress-Jahrgangs, wie auch der 2005er“,  so der Winzer. Zeigt gewisse Parallelen zum 2001er, wie etwa bei der Säure, hat allerdings nicht die Strahlkraft. Ich bemerke Kaffeeröstnoten, Aromen von Nelke und Rosenblättern, auch wieder Tabak, der Wein zeigt mit seinen recht weichen, runden Tanninen sehr zugänglich. Insgesamt auf trinkigem Niveau. Mir fehlt etwas der Zug und die Spannung am Gaumen. (87/100 Pkt)

2005 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Jacob erwähnt, dass sich für Ihn die Umstellung auf die biodynamische Arbeitsweise in diesem Jahrgang erstmals deutlich spürbar zeigt. Zudem wird 10 % weniger Holz eingesetzt. Ich erkenne eine etwas fülligere Struktur, hat etwas von der Art des 2003, ist aber deutlich vitaler in seiner ganzen Erscheinung. Wir riechen Rosenblatt, Tabak, wiederum Kräuter wie Salbei und etwas Liebstöckel. Das Tannin ist runder, der Wein sehr gut haftend am Gaumen, von klebrigen Tanninen – wie ein Journalist behauptet – keine Spur. Hier bin ich zum ersten Mal dabei, Babymord zu schreiben, viel zu jung. 94+/100 Pkt.

2006 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

WOW! Zeigt einen leichten animalischen Ton, der verfliegt aber mit der ersten Umdrehung im Glas. Wir schnuppern reife Johannisbeeren, etwas Himbeere, auch Holz. Am Gaumen salzig-mineralisch, enorm saftig, wirkt eher kühl, stoffig und voll am Gaumen haftend. 93/100 Pkt.

2007 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Farblich etwas heller, zeigt sich schon sehr zugänglich, sehr harmonisch, sehr trinkig, wirkt fast weiblich und filigran, dennoch sehr elegant und nachhaltig am Gaumen. Tolle Nase nach roten Beeren, feines, edles Holz, wirkt auch bei diesem Jahrgang kühl in seiner Art. Ob er aber ein Langläufer wird und sich daher weiter verbessern wird??? 90/100 Pkt.

2008 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Sehr frischer, jugendlicher Beerenmix zu Beginn am Gaumen, wir riechen wieder feine Tabaknoten, wirkt wiederum recht kühl, Aromen von Johannisbeeren, Kirschen, Schlehen umkreisen die Zunge, zarte Holznote, am Gaumen sehr frisch und saftig, extrem jugendlich wirkend, dabei seidige Textur. 89/100 Pkt.

2009 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)
Der Ertrag liegt bei ca. 25 hl/ha. In großen 3000l Holzbottichen vergoren, ca. 24 Monate im Barrique gelagert. Wunderbar klare und präzise Frucht, tiefgründige Mineralität, feines, elegantes Säurespiel, packt am Gaumen zu, muskolös. Kaufen und wenigstens 5 Jahre weglegen. Derzeit 90+ Pkt. €47,-

Premiere in Weisenbach: Wein aus heimischer Lage.

Weisenbacher KapfFür den Weisenbacher Gerhard Strobel war der Erhalt vom Weinberg Weisenbacher Kapf  eine besondere Herzensangelegenheit. Sein Vater hatte schon dort Weinbau betrieben. Die Tradition und der Erhalt dieses wunderschönen Naturparadies muss fortgeführt werden.

In Weisenbach steht zum 18.06.2010 eine besondere Premiere an. Es wird zum ersten Male ein eigenständiger (selbstvermarkteter) Wein aus dem Weisenbacher Weinberg Kapf angeboten. Die Tradition des Weinbaus reicht weit in das Mittelalter zurück. Weinbau in Deutschland ist seit den Römern bekannt. Ins Murgtal gelangte der Wein im Zuge der mittelalterlichen Besiedlung. Erstmalig wurde der Weinbau in Weisenbach in einem Dokument des bischhöflichen Generalvikars 1481 unter „Kapelle St. Wendel in den Weinreben“ erwähnt. Im späten Mittelalter war der Weinanbau weit verbreitet. Es wurde reichlich produziert und konsumiert. Hohe Qualitätsanforderungen durfte man damals an dieses Getränk jedoch nicht stellen. Einen Hinweis auf den Weinhandel liefert die ehemalige Fernhandelsstraße von Gernsbach entlang der Höhenzüge nach Baiersbronn. Der Weg führt heute noch die Bezeichnung „Alte Weinstraße“.

Aus einem Ebersteinischen Lagerbuch vom Jahre 1597 ist zu entnehmen, dass der „Weißenbacher Frucht-weyn“ aus den „Wyngärten“, als „Kleinnzehnt“ dem Domstift Speyer abzuliefern ist. Der Weinzehnt wurde erst im Jahre 1851 abgeschafft. 1880 betrug die Anbauflächen 15 Morgen (=540 ar), 1937 bereits 634 ar. Eine Flurbereinigung erfolgte im Jahre 1972, der Weinbau wurde modernisiert und aktiviert. Zum Anbau kamen die Rebsorten Spätburgunder, Ruländer und Müller-Thurgau.

Der Weisenbacher Gerhard Strobel gewann 2009 den in Bühl – Kappelwindeck ansässigen Winzer Jacob Duijn für die Arbeiten im Weinberg und für den Ausbau der Qualitätsweine. Vor Jahren verwirklichte sich der Holländer seinen Traum: Ein eigenes Weingut. Es war mehr eine Laune des Zufalls, als der erfahrene Sommelier 1994 den ersten Weinberg von einem ortsansässigen Winzer kaufte. Inzwischen hat Duijn seinen Betrieb beachtlich erweitert und sich innerhalb weniger Jahre zur Spitze der deutschen Rotweinerzeuger emporgearbeitet. Sein Weingut zählt heute zu den besten Deutschlands.

Das Lesegut aus dem Weisenbacher Kapf wird sorgfältig in der Kellerei von Weingut Duijn in Bühl-Kappelwindeck veredelt. Das Resultat ist ein leichter, feiner Wein mit lang anhaltender Frucht und gut eingebundener Säure. Der ideale Begleiter zu leichten Sommergerichten.

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Boca DOC – eine vergessene Region im Piemont erwacht

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Wein- Tasting mit Chritoph Künzli, Inhaber von Le Piane in Frankfurt (16.+17.11.2011)
Gastbeitrag von Robert K. / Weinbeschreibungen von Bernd Klingenbrunn

Winzer von Le Piane

Christoph Kuenzli

Nach langer Zeit war es mir endlich gelungen, Herrn Künzli vom Weingut La Piane nach Frankfurt zu holen. Auslöser war das wunderbare Buch ,,Berührt vom Ort, die Welt zu erobern’’, welches ich gelesen hatte. In diesem geht es um Winzer und Terroir.
Sehr eindringlich wurde die Geschichte eines Schweizer Visionärs beschrieben, der in eine Weinanbaugegend kam, die kurz vor dem Aussterben lag. Diese liegt im nördlichsten Teil des Piemont und ist zudem das dort am höchstegelegene Weinbaugebiet. BOCA ist sein Name und war einmal die größte Weinbaugegend Italiens.
Nachdem der Inhaber dieses Weinguts – Antonio Cerri – verstorben war, übernahm 1989 Herr Künzli dieses und brachte es qualitativ nach vorne. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, denn um wirtschaftlich zu sein, bedurfte es weiterer Anbauflächen, die jedoch inzwischen mit Wald bewachsen waren. Was bedeutete, dass Waldflächen gerodet wurden, neue Weinberge angelegt und entsprechende Klonselektionierungen durchgeführt wurden.
Die Folge nach über 10 Jahren harter Arbeit: La Boca erhielt ab 2004 jedes Jahr hohe Bewertungen und Auszeichnungen, die belegen, was Herr Künzli und sein damaliger Partner dort in sehr kurzer Zeit aufgebaut haben. Leider verstarb sein Partner bei einem tragischen Unfall und er musste sich überlegen: wie geht es weiter? Diese schwierige Aufgabe meisterte Herr Künzli, indem er sich Partner mit ins Boot geholt hat, die sich finanziell am Weingut beteiligten.

Zudem gestaltete es sich als sehr schwierig, seine Weine überhaupt in Deutschland zu bekommen, da es für seine Weine keinen Weinhändler in Deutschland gibt. Doch ich konnte vor 2 Jahren 6x Flaschen seines 2004er Boca kaufen und war begeistert über die Finesse und Eleganz dieses Weines, der mich sehr an Weine aus dem Burgund erinnerte. An Barolis, die es heute kaum noch gibt, Weine mit Ecken und Kanten.

Uns so trafen wir uns auf dem WeinWeltfestival 2011 in Bad Ragaz und dort wurde der Grundstein gelegt, Ihn und seine Weine vom Weingut La Piane besser kennenzulernen und diese in Deutschland zu verkosten. Folgende Weine hatte er dabei:

La Maggiorina Colli Novaresi Vino Rosso 2010 

Dieser Wein wird aus Nebbiolo (50%) und Croatina (40%), Uva Rara und Vespolina hergestellt. Sehr interessant ist auch das Erziehungssystem der Reben: das traditionelle Maggiorina- System, bei dem 3 Reben sich in alle vier Himmelsrichtungen entwickeln und einen Kelch bilden. Diese gibt es nach wie vor in Boca. Stammt von den ältesten Reben des Weingutes (50-100 Jahre alt).  Zu Beginn eine zarte Karamellsüße, zugleich aber auch mit einer kräftigen Säure und merklichem Tannin ausgestattet. Frische Rotfrucht, Hauch Marzipan. Wirkt recht karg in seiner Art, sehr direkte Ansprache, nichts Gekünsteltes.


La Piane DOC 2007
:50- 100 Jahre alte Croatina- Trauben (80%). Zusammen mit Montalbano, Traversagna, Santuario in Verbindung mit Nebbiolo. Diese werden  2 Jahre im kleinen Holzfass ausgebaut, 25% davon sind neu, Rest in zweitbelegten Tonneaux ausgebaut. Zeigt sich tabakduftig, am Gaumen würzegeprägt, auch hier von kräftigem Tannin unterlegt. Braucht noch 5-10 Jahre.

Boca DOC 2007

Dieser Wein besteht aus Nebbiolo und 15 % Vespolina, der 3-4 Jahre im grossen Holzfass ausgebaut wird. Er wächst auf Porphyrböden und somit zeigt sich seine entsprechende Mineralität im Glas. Zu Beginn ein Hauch Liebstöckl im Glas, gefolgt von einem Hauch rosa Grapefruit bzw. mediterranen Noten wie Orange- und etwas Zitrusschale. Verwelkte Rosen. Am Gaumen von etwas wärmeren Stil geprä

Boca DOC 2006

Jahrgangstypisch etwas heller in seiner Farbe und auch deutlich schlanker in seiner Art, die Säure schaut wieder etwas dominanter hervor, schönes Spiel von Frucht und kräuteriger Würze, wirkt burgundisch und hat eine enorme Trinkigkeit. Schon zugänglich.

Boca DOC 2005        

Das Tannin zeigt sich beim 05er wieder etwas kräftiger und betonter, wirkt fleischig, zeigt Frucht (Kirsche) auch wieder Tabaknoten. Hier bahnte sich bis 2 Wochen vor der Lese was Großes an, dann kam der Regen während der Ernte, man spürt die Substanz, aber leider hinten heraus etwas kurz. Auch hier wieder die so typischen mediterranen Noten von rosa Grapefruit und Zitrusfrüchten, Tabak und Rosenblätter.

Boca DOC 2004

Der erste, der den Ansatz von beginnender Reife zeigt. Super saftig am Gaumen, nervige, lebendige Art. Die jugendliche Frucht ist abgelegt, hier zeigen sich erste Reifenoten, Noten von Schwarztee, Orange, eine unbestimmte Würze, die mich an Gewächse aus Nuits St. Georges erinnert, Hauch Milchschokolade.

Die letzten vier Weine hat Herr Künzli vom verstorbenen Inhaber Antonio Cerri, der die Leitfigur in diesem Weinbaugebiet gewesen ist, übernommen. Sie lagen noch mehrere Jahre im Fass, bevor sie abgefüllt waren. Echte Raritäten aus einer vergangenen Zeit. Mehr dazu später.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1990

Ungemein weich und geschmeidig am Gaumen, Duftnoten von Hibiscus, Süße, brauner Zucker, angenehme Säure. Sehr einfach gestrickt, bereitet aber eine schöne Trinkfreude. Die Tannine sind gut eingebunden.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1985           

Lag 10 Jahre in 40-50 Jahre alten Holzfässern, zu Beginn eine leichte Aceton-Note, fette Kirchenfenster, tiefer Farbkern, dann wunderbares Spiel von Pfeffer, reifer Frucht, Orange, etwas Bergamotte, großartig gereift und immer noch Potential!! Einfach wunderbar.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri 1984 

Deutlich heller in der Farbe, wieder weißer Pfeffer, weich, gereift. Kommt nicht an den 85er ran. Schlanker.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1975

Weich, reif, Schmelz, Himbeere.

Alle Beteiligten waren total begeistert von Herrn Künzli und seiner bewegten Geschichte. Ein echter Visionär, der das lebt, wovon er redet. Diese spiegelt sich auch in seinen Weinen wieder. Sehr sympythisch.

Wir hatten alle viel Spaß und tolle Diskussionen mit Ihm. Wir freuen uns alle auf ein Wiedersehen.

Vielen Dank Herr Künzli!!!

Weitere Infos finden sich auf der Webseite des Weingutes: http://boccapiane.com

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Der Arche-Typ Dornfelder ?

Posted by Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 7 Juni 2007

Letzte Woche kam ich in den Genuss eines 14(!) Jahre alten Dornfelders aus dem Barrique vom Weingut Gerhard Gutzler aus Rheinhessen. Blind verkostet hätte ich den nie so alt geschätzt. Was hat dieser Wein noch an Austrahlungskraft und eine innere Dichte. Weich und intensiv am Gaumen, eine Spur Säure, beste Balance, geschmacklich viel Beeren. Weder die intensivsten Käse noch der Killer des guten Weingeschmackes (die gemeine Cornichos aus süß-saurem Aufguss) konnte diesen Wein auch nicht im geringsten beeindrucken. Majestätisch stand er im Glas! Wenn man von einem Arche-Typ Dornfelder redet, dann hab ich ihn hier getrunken! Besten Dank Joachim!!

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1990 Chianti Classico Riserva Weingut Castell´in Villa

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 15 November 2006

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Castell’in Villa, im südlichen Classico nahe Castelnuovo Berardenga gelegen, ist eines der bekanntesten Adelsgüter der Toskana. Die historischen Wurzeln des weilerartigen Anwesens reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die trutzige Burg in eine Landvilla des Adels umgebaut, später in ein Jagdhaus. Weingut war sie eigentlich nie. Das änderte sich 1967, als der römische Diplomat Prinz Riccardo Pignatelli den Besitz erwarb. Er liess Weinberge anlegen und sich von Antinoris legendärem Önologen Giacomo Tachis beraten.
Seit seinem Tod 1990 leitet seine Witwe Coralia, eine gebürtige Griechin, das Gut. La Principessa, wie Coralia liebevoll genannt wird, setzt dabei wie ihr verstorbener Mann auf Tradition: Im südlichen Chianti Classico, werden besonders üppige Rotweine gekeltert. Und wie kein anderes Gut hat sich Castell’in Villa den Ruf erworben, besonders langlebige Weine, aber auch traditionelle Chiantis hervorzubringen.

Wein ist nicht nur ein Getränk. Nein, mit Wein verbindet man auch Emotionen oder besondere Ereignisse oder am besten beides zusammen. Die Weine von Castell´in Villa, nahe Castelnuovo Berardenga, sind schon seit Jahren meine Lieblings-Chianti´s. Fernab jeder Modewelle repräsentieren die Weine alles, was man von einem typischen Chianti Classico erwartet.

Frische, Frucht und Säure im Einklang, Trinkigkeit. Kein hochgezüchtetes Edelnüttchen mit viel Schminke und Vordergründigkeit. Bodenständig, ehrlich, immer animierend im Trinkfluß. Kein großer Wein, aber ein Wein mit Größe und Identität zum Sangiovese und zur Heimat.

Und: sie können beachtlich reifen. Wie der über 3(!!) Tage getrunkene 90er eindrucksvoll demonstrierte. Am ersten Tag noch widerspenstig mit strengen Tanninen, die sich über die nächsten Tage wunderbar intergrierten. Reife, nach Schattenmorellen duftende Nase, klassische, transparente Farbe, zupackende, nicht aggressive Säure. Alleine getrunken ganz ok, aber selbst nur zu einem schnöden Salamibrot machte der Wein Freudensprünge, als wolle er sagen: danke für die Begleitung, dass habe ich jetzt benötigt. Und im Geiste lief wieder der Film der Emotion ab, den wir im Oktober 2002 vor Ort erlebten.

Oktober 2002:

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Ein ganz besonderes Erlebnis kamen meiner Barbara und mir im Restaurant des Weingutes Castell´in Villa in der Nähe von Castelnuovo Berardenga zuteil. Das Restaurant hat nur gegen Voranmeldung geöffnet und so fuhren wir tags zuvor dorthin, um uns das Anwesen anzuschauen und trafen in der Administration eine gutaussehende, auch deutschsprechende Dame mit ihren beiden wunderschönen ungarischen Hunden. Bei ihr reservierten wir eine Tisch für den kommenden Abend.

So machten wir uns dann am kommenden Abend auf einer Hoppelpiste gen Castell´in Villa. Oben angekommen war alles stockdunkel. Der Weg zum Restaurant war uns nicht fremd, aber wieder alles stockdunkel. Nur nebenan werkelte ein Koch in seiner Küche. Wir also zu ihm hin, ihm unsere Reservierung für heute abend vortragend. Er sichtlich überrascht, wüsste nichts von einer Reservierung, wir sollten doch 10 Minuten warten. Gesagt getan, und nach 10 Minuten schloss er uns das Restaurant auf, drehte Licht, Heizung und etwas Musik an und lies uns einen Platz aussuchen. Er verschwand dann kurz in der Küche, um uns kurz darauf mitzuteilen, das wir heute abend nur mit ihm Vorlieb nehmen müssten, denn vom Servicepersonal wäre heute keiner da, ebenso bestünde heute die Küchenbrigade nur aus ihm. Da ist wohl ein Fehler in der Kommunikation aufgetreten, aber es sollte der seit langem gelungeste Abend werden, der uns beiden, die wir schon seit 18 Jahren zusammen sind, widerfahren sollte. (heute, 2006 sind wir übrigens verheiratet:-)

Wir hatten also den ganzen Abend ein ganzes Restaurant nur für uns alleine!!
Grund des Restaurant-Besuches waren eigentlich die sehr traditionell hergestellten Weine. Ich kannte bis dato nur den 90er Chianti Classico Riserva, für lächerliches Geld ersteigert, und so wollte ich im Restaurant noch weitere Weine kennenlernen,was dort auch möglich ist,denn einige Weine können auch glasweise genossen werden.

Ich entschied mich aber für eine Flasche 1986er Chianti Classico Riserva,der alles andere als tot wirkte. Viel frische Frucht, Säure und Tannin in Harmonie, elegant, sehr lang. Kurzum, ein Erlebnis. Übrigens war der 86er nicht der älteste, es gab noch 77er+71er, auch noch für vergleichsweise wenig Geld erwerbbar.

Zurück zum Koch: nachdem wir unsere 4-Gang Bestellung durchgegeben hatten, in seinem Gesicht den Ansatz einer leichten Verzweiflung erahnen konnten (er war ja schlieslich alleine) bot ich ihm als ehemaliger Kollege noch meine Hilfe an, die er aber dankend ablehnte. „Schliesslich sind Sie ja die Gäste“, meinte er. So gab es dann wunderbare Gerichte, auf den Punkt gebraten und perfekt gewürzt,toll angerichtet, alles in sich stimmig, kurzum traditionell verfeinerte Sterneküche, höchstes Niveau.

Antipasti:
diverse selbstgebackene Brotsorten, fritierte Pasta

Primi
Maltagliate mit Spinat und kleinen Tomätchen
Tagliolini mit Kichererbsen-Minz-Soße

Secondi:
Lammfilet mit Auberginenflan, Paprikatratatouille und Steinpilzen
Tagliata vom Kalb mit dreierlei Paprikamus, Paprikaratatouille und Steinpilzen

Dessert:
Mousse von Corbezzolo
Creme Caramel
Torta die Ficchi
Mini-Cantuccini

Als Dessertwein den traditionellen Vin Santo; oxidativer Stil, Struktur, Eleganz, Länge, aber zu jung.

Der Koch – Massimo di Fulvio – hat Jahre in Frankreich, Kalifornien und Australien verbracht, er kochte aber auch im Arnolfo in Colle Val d´Elsa. Das Restaurant ist im Winter bis April geschlossen, so das er wieder auf Reisen gehen kann, diesmal nach Neuseeland, wie er uns erzählte. Ihm hat dieser Abend auch sehr viel Spass gemacht, für ihn war es auch eine Premiere.

Kulinarisch gesehen war das mit das Beste,was ich in unserem 10.Toskana Urlaub bisher mitgemacht habe, getoppt nur noch von der Bottega del 30 in Villa a Sesta, wo die begnadete Köchin Helen zaubert und ihr Franco das Lokal zu seiner Bühne erklärt.

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1978er Château Poujeaux

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 1 November 2006

Da ich Château Poujeaux nun seit einigen Jahren sammle, bin ich durch ein zufälliges Gespräch auf der Frankfurter Weinbörse 2006 in den Besitz 3er Flaschen gekommen. Leider ohne Etikett, der Korken jedoch bestätigt das Jahr und auch die Quelle (ein Frankfurter Weinbar-Betreiber) ist seriös. Zuletzt habe ich den Wein im August 2003 im Restaurant Hessler zu Maintal getrunken, damals bekochte uns noch Katharina Hessler. Damals wie heute präsentierte sich der Wein in einem gereiften, aber keineswegs überreifen oder nicht mehr genussfähigem Zustand. Dekantieren war nicht nötig.

Château Poujeaux ist eines der bekannten Weingüter von Bordeaux. Es liegt in Moulis, westlich von Saint-Julien und ist als Cru Bourgeois eingestuft.

Lage und Weinbereitung
Die Anbaufläche beträgt 52 ha in einer zusammenhängenden Parzelle. Die Weinberge liegen auf der Kiessandkuppe der Gemarkung Poujeaux, die das beste Terroir der Appellation Moulis darstellt. Diese Kuppe entstand während der Günz-Eiszeit. Erzeugt wird ausschließlich Rotwein. Im Rebsatz überwiegen mit 50 % der Cabernet Sauvignon und mit 40% der Merlot. Jeweils 5% % entfallen auf Cabernet Franc und Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 30 Jahren, die Pflanzdichte ist mit 10.000 Stöcken je Hektar extrem hoch.

Die Weinbereitung folgt der klassischen Schule von Bordeaux mit vierwöchiger Maischegärung in Beton- und Edelstahlbehältern, malolaktischer Gärung und anschließendem 12 Monate dauerndem Ausbau in Barriquefässern, die jedes Jahr zur Hälfte erneuert werden. Die Jahresproduktion liegt bei ca. 300.000 Flaschen. Der Wein ist geschmeidig und harmonisch mit voller Frucht. Er entwickelt sich im Keller über mindestens zehn Jahre. Aufgrund seiner Qualität wird er allgemein den Grands Crus Classés gleichgestellt. Der Zweitwein trägt den Namen La Salle de Poujeaux.

Geschichte [Bearbeiten]
Die Rebflächen waren seit dem 16. Jahrhundert unter dem Namen Salles de Poujeaux bekannt und damals Teil von Château Latour. Im Jahr 1806 kaufte André Castaing, der seinen Reichtum im Handel mit den Antillen erworben hatte, den ausgedehnten Besitz namens Grand-Poujeaux. 1820 kam es zu einer ersten Erbteilung, aus der später auch das Château Chasse-Spleen hervorging. 1880 wurde der verbleibende Besitz in drei Teile geteilt. Ein Drittel erwarb im Jahr 1921 François Theil. Sein Sohn Jean übernahm ab 1957 die Verantwortung über das Gut. Ihm gelang es, die beiden anderen Drittel zu kaufen und den Weinberg wieder als Ganzes zu führen. 1981 übergab er Château Poujeaux an drei seiner Söhne. Im Jahr 1997 gründete die Familie Theil eine Aktiengesellschaft, die seitdem das Weingut verwaltet.

Im Jahr 1966 wurde Château Poujeaux als Cru Grand Bourgeois Exceptionnel klassifiziert, also Teil der Elite der Crus Bourgeois. 1991 und 1995 gewann der Wein von Poujeaux die Coupe des Crus Bourgeois. Die größten Jahrgänge der jüngeren Zeit sind 1982, 1990, 1995 und 1996.

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1990 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ** Markus Molitor

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 5 September 2006

Vergangenen Samstag & Sonntag im Glas:

ein 16 Jahre alter Riesling aus 1990. Erinnerungen werden wach. Da war doch was? Genau, der WM-Titelgewinn im Lande der großen, leidenden Schauspieler (auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten und nicht nur auf dem Rasenviereck 😉

1990er Riesling „Zeltinger Sonnenuhr“ Auslese 2 Sterne; Weingut Molitor – Haus Klosterberg

Klares, strahlendes Gelbgold; unheimlich intensiver Duft nach reifem Obst; Assoziationen an weiße, hochreife Weinbergspfirsiche. Im Mund herrliche Frische, deutliche Würze, glasklare, resche Aromatik, wieder Anklänge von reifem Weinbergspfirsich mit einem Hauch Exotik unterlegt.

Auch nach einem Tag in der angebrochenen Flasche noch bestens in Form, keinerlei Substanzverlust, die Würze tritt stärker hervor, auch immer noch erstaunlich stabil und sehr frisch. Zeigt keinerlei Alterungsnoten. Kann locker noch 5 Jahre liegen bleiben, wenn ich denn noch was hätte:-(

In der etwas moderneren Sprache unserer heutigen „wilden Köche“ wäre wohl auch der Ausdruck „Zungensex“ (Ralf Zacherl am 01.09.06 bei JBK) angesagt.

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