K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

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Boca DOC – eine vergessene Region im Piemont erwacht

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Wein- Tasting mit Chritoph Künzli, Inhaber von Le Piane in Frankfurt (16.+17.11.2011)
Gastbeitrag von Robert K. / Weinbeschreibungen von Bernd Klingenbrunn

Winzer von Le Piane

Christoph Kuenzli

Nach langer Zeit war es mir endlich gelungen, Herrn Künzli vom Weingut La Piane nach Frankfurt zu holen. Auslöser war das wunderbare Buch ,,Berührt vom Ort, die Welt zu erobern’’, welches ich gelesen hatte. In diesem geht es um Winzer und Terroir.
Sehr eindringlich wurde die Geschichte eines Schweizer Visionärs beschrieben, der in eine Weinanbaugegend kam, die kurz vor dem Aussterben lag. Diese liegt im nördlichsten Teil des Piemont und ist zudem das dort am höchstegelegene Weinbaugebiet. BOCA ist sein Name und war einmal die größte Weinbaugegend Italiens.
Nachdem der Inhaber dieses Weinguts – Antonio Cerri – verstorben war, übernahm 1989 Herr Künzli dieses und brachte es qualitativ nach vorne. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, denn um wirtschaftlich zu sein, bedurfte es weiterer Anbauflächen, die jedoch inzwischen mit Wald bewachsen waren. Was bedeutete, dass Waldflächen gerodet wurden, neue Weinberge angelegt und entsprechende Klonselektionierungen durchgeführt wurden.
Die Folge nach über 10 Jahren harter Arbeit: La Boca erhielt ab 2004 jedes Jahr hohe Bewertungen und Auszeichnungen, die belegen, was Herr Künzli und sein damaliger Partner dort in sehr kurzer Zeit aufgebaut haben. Leider verstarb sein Partner bei einem tragischen Unfall und er musste sich überlegen: wie geht es weiter? Diese schwierige Aufgabe meisterte Herr Künzli, indem er sich Partner mit ins Boot geholt hat, die sich finanziell am Weingut beteiligten.

Zudem gestaltete es sich als sehr schwierig, seine Weine überhaupt in Deutschland zu bekommen, da es für seine Weine keinen Weinhändler in Deutschland gibt. Doch ich konnte vor 2 Jahren 6x Flaschen seines 2004er Boca kaufen und war begeistert über die Finesse und Eleganz dieses Weines, der mich sehr an Weine aus dem Burgund erinnerte. An Barolis, die es heute kaum noch gibt, Weine mit Ecken und Kanten.

Uns so trafen wir uns auf dem WeinWeltfestival 2011 in Bad Ragaz und dort wurde der Grundstein gelegt, Ihn und seine Weine vom Weingut La Piane besser kennenzulernen und diese in Deutschland zu verkosten. Folgende Weine hatte er dabei:

La Maggiorina Colli Novaresi Vino Rosso 2010 

Dieser Wein wird aus Nebbiolo (50%) und Croatina (40%), Uva Rara und Vespolina hergestellt. Sehr interessant ist auch das Erziehungssystem der Reben: das traditionelle Maggiorina- System, bei dem 3 Reben sich in alle vier Himmelsrichtungen entwickeln und einen Kelch bilden. Diese gibt es nach wie vor in Boca. Stammt von den ältesten Reben des Weingutes (50-100 Jahre alt).  Zu Beginn eine zarte Karamellsüße, zugleich aber auch mit einer kräftigen Säure und merklichem Tannin ausgestattet. Frische Rotfrucht, Hauch Marzipan. Wirkt recht karg in seiner Art, sehr direkte Ansprache, nichts Gekünsteltes.


La Piane DOC 2007
:50- 100 Jahre alte Croatina- Trauben (80%). Zusammen mit Montalbano, Traversagna, Santuario in Verbindung mit Nebbiolo. Diese werden  2 Jahre im kleinen Holzfass ausgebaut, 25% davon sind neu, Rest in zweitbelegten Tonneaux ausgebaut. Zeigt sich tabakduftig, am Gaumen würzegeprägt, auch hier von kräftigem Tannin unterlegt. Braucht noch 5-10 Jahre.

Boca DOC 2007

Dieser Wein besteht aus Nebbiolo und 15 % Vespolina, der 3-4 Jahre im grossen Holzfass ausgebaut wird. Er wächst auf Porphyrböden und somit zeigt sich seine entsprechende Mineralität im Glas. Zu Beginn ein Hauch Liebstöckl im Glas, gefolgt von einem Hauch rosa Grapefruit bzw. mediterranen Noten wie Orange- und etwas Zitrusschale. Verwelkte Rosen. Am Gaumen von etwas wärmeren Stil geprä

Boca DOC 2006

Jahrgangstypisch etwas heller in seiner Farbe und auch deutlich schlanker in seiner Art, die Säure schaut wieder etwas dominanter hervor, schönes Spiel von Frucht und kräuteriger Würze, wirkt burgundisch und hat eine enorme Trinkigkeit. Schon zugänglich.

Boca DOC 2005        

Das Tannin zeigt sich beim 05er wieder etwas kräftiger und betonter, wirkt fleischig, zeigt Frucht (Kirsche) auch wieder Tabaknoten. Hier bahnte sich bis 2 Wochen vor der Lese was Großes an, dann kam der Regen während der Ernte, man spürt die Substanz, aber leider hinten heraus etwas kurz. Auch hier wieder die so typischen mediterranen Noten von rosa Grapefruit und Zitrusfrüchten, Tabak und Rosenblätter.

Boca DOC 2004

Der erste, der den Ansatz von beginnender Reife zeigt. Super saftig am Gaumen, nervige, lebendige Art. Die jugendliche Frucht ist abgelegt, hier zeigen sich erste Reifenoten, Noten von Schwarztee, Orange, eine unbestimmte Würze, die mich an Gewächse aus Nuits St. Georges erinnert, Hauch Milchschokolade.

Die letzten vier Weine hat Herr Künzli vom verstorbenen Inhaber Antonio Cerri, der die Leitfigur in diesem Weinbaugebiet gewesen ist, übernommen. Sie lagen noch mehrere Jahre im Fass, bevor sie abgefüllt waren. Echte Raritäten aus einer vergangenen Zeit. Mehr dazu später.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1990

Ungemein weich und geschmeidig am Gaumen, Duftnoten von Hibiscus, Süße, brauner Zucker, angenehme Säure. Sehr einfach gestrickt, bereitet aber eine schöne Trinkfreude. Die Tannine sind gut eingebunden.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1985           

Lag 10 Jahre in 40-50 Jahre alten Holzfässern, zu Beginn eine leichte Aceton-Note, fette Kirchenfenster, tiefer Farbkern, dann wunderbares Spiel von Pfeffer, reifer Frucht, Orange, etwas Bergamotte, großartig gereift und immer noch Potential!! Einfach wunderbar.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri 1984 

Deutlich heller in der Farbe, wieder weißer Pfeffer, weich, gereift. Kommt nicht an den 85er ran. Schlanker.

Boca DOC Campo delle Piane /Antonio Cerri  1975

Weich, reif, Schmelz, Himbeere.

Alle Beteiligten waren total begeistert von Herrn Künzli und seiner bewegten Geschichte. Ein echter Visionär, der das lebt, wovon er redet. Diese spiegelt sich auch in seinen Weinen wieder. Sehr sympythisch.

Wir hatten alle viel Spaß und tolle Diskussionen mit Ihm. Wir freuen uns alle auf ein Wiedersehen.

Vielen Dank Herr Künzli!!!

Weitere Infos finden sich auf der Webseite des Weingutes: http://boccapiane.com

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