K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

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Archive for März 2010

Chardonnay at it´s best – Weinhof Kobler / Südtirol

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 9 März 2010

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Armin Kobler arbeitet in seinem Hauptberuf bei der Landesversuchsanstalt Laimburg. Dort ist er für die Betreung der Südtiroler Weinbauern zuständig um sie in Fragen der Kellerwirtschaft zu betreuen. Zu Hause jedoch ist er auf dem eigenen Weinhof, den Armins Vater vor 60 Jahren 1950 erworben hat. Heute stehen etwa knapp 6 Hektar im Anbau, wobei auch noch Obstbau betrieben wird. Besonders stolz ist er auf die fast 60 jährigen, noch vom Vater gepflanzten Chardonnay-Reben.

Mitte der 90er fand er Gefallen am Selbstkeltern der Weine, was zunächst nur als Hobby und Selbstzweck angedacht war, entwickelte sich schnell zur Leidenschaft, nicht zuletzt, weil viele renommierte Winzer die Weine des Hobbywinzers lobten und ihn ermutigten, es professionell anzugehen. So besuchte er die Landwirtschaftsoberschule in San Michele, studierte Landwirtschaft in Wien und jobbte bei renommierten Kellereien wie z.B Peter Zemmer in Kurtinig. Seit 2006 verarbeitet er einen Teil seiner Trauben selbst, ab dem aktuellen Jahrgang 2008 zieht er über die Lande, den Weg zu K&M fand er über unseren Wein-Blog. Knapp 15.000 Flaschen füllt der emsige und umtriebige Winzer nun ab, peu a peu baut er sich sein Händlernetz auf. Billige Weine wird man bei ihm vergebens suchen, zu aufwändig ist die Weinbergsarbeit, zu reduziert sind die Erträge. Ich finde: diese sorgfältige Arbeit schmeckt man den Weinen an.

 

2008 Chardonnay Ogeaner – Weinhof Kobler / Südtirol

Auch wenn ein Rheingauer Labor bei einem Wein eines anderen Winzers meinte, grüner Apfel sei nicht typisch für Chardonnay, duftet dieser Wein eindeutig nach der grünen, saftigen Baumfrucht. Am Gaumen ein Hauch Banane, eher der etwas frühreife Typ, immer unterlegt von Ananas und einer salzigen Mineralität, zeigt eine wunderbare frische Säure, nicht zu viel. Neben dem zarten Schmelz dominieren auch erdige Noten den Gaumen, der Wein tendiert niemals in den breiten, langweiligen Typ, sondern animiert – wie auch schon der 15%ige Merlot gestern – immer zum nächsten Schluck. Lobenswert auch hier die Konsequenz, einen Drehverschluß zu verwenden, visuell sehr gut gelöst.

Fazit: So macht mir Chardonnay Spaß und ich bin gespannt, ob ich bei meiner Reise ins Burgund Ende März ähnlich gute Weine in dieser Preisklasse finde

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Lage:
„Ogeaner“ in der Großlage „Punggl“, eben, sandiger Flinsboden. 

Rebanlage:
einfache Pergl, ca. 3.300 Reben/ha, größtenteils über 50 Jahre alt. 

Ausbau:
Gärung und Lagerung auf der Feinhefe im Stahlfass, kein biologischer Säureabbau, keine Weinsteinstabilisierung.  

Sensorik:
Im Vordergrund steht das sortentypische Aroma von Banane, unterlegt von Ananas und grünem Apfel. Im Mund überwiegt die säureunterstütze Frische, welche in einen anhaltenden, salzigen Abgang übergeht.

Anzahl Flaschen:
1.700

Analysenwerte:
Alkohol 13,0 % Vol,
Gesamtsäure 6,3 g/L,
Restzucker 1,6 g/L,
Red. Extrakt 25,5 g/L

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2006 Merlot Riserva Klausner Weinhof Kobler / Südtirol

Posted by Bernd Klingenbrunn - Montag, 8 März 2010

Anfang Februar besuchte uns Winzer Armin Kobler und erzählte uns voller Leidenschaft von seinem Betrieb. Als einer der wenigen Winzer Italiens ist er auch medial up to date, auf seinem Blog http://www.kobler-margreid.com/blog/ läßt er uns am Winzerleben – sei es im Keller oder auf Verkaufstour – teilnehmen.

Heute abend floß der erste Wein von ihm ins Glas:

 

 

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Apfelwein im Römer 2010

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 7 März 2010

Am heutigen Sonntag betrat ich Neuland. Bei meinen bisherigen Versuchen, mich – als gebürtiger Badner – dem hessischen Nationalgetränk zu nähern, endeten mit gutem Willen, aber ein Fan wurde ich nicht. Das könnte sich heute geändert haben, wobei es aber auch wieder „Stöffche“ zu trinken gab, die diese jahrzehntelange Verweigerung  auch wieder bestätigten.

Mein Favorit waren eindeutig die hervorragenden Apfelweine von Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg , insbesondere der 2008er Apfelcidre „Wildlinge auf Löss“, gekeltert aus 21 wurzelechten, unveredelten, über 60 jährigen Wildapfel-Bäumen, nur 3,5% Alkohol, halbtrocken, mit einem ungemein feinen Apfelaroma ausgestattet, langer Nachklang..

Meine Entdeckung aber war:

1997 Pomme brut – Obstschaumwein aus Schwarzwaldäpfeln
Duttenhofer´sches Apfelgut
19,80 € ab Hof

9 Jahre Hefelager, 2007 degorgiert, wunderbar feinsinniger und aromatischer Schaumwein, ganz feine Aromen am Gaumen, im Hintergrund zarte Säure, herrlich ausgewogen. Ein großes Vergnügen!

Unser Apfelschaumwein DUTTENHOFER POMME-BRUT wird aus ausgesuchten, aromatischen und säurereichen Tafeläpfeln gewonnen, die auf unserem Gut im Schwarzwald an der Grenze der Vegetationsmöglichkeit wachsen und daher ungewöhnlich intensiv und doch zart und frisch schmecken. Mehrere Sorten werden bereits vor dem Pressen sozusagen zu einer »Cuvée« zusammengestellt – Boskoop, Glockenapfel und Berlepsch, manchmal auch ein wenig Cox Orange.
Ausgebaut und gereift wird in kleinen Fässern, Barriques aus Allier- oder Schönbuch-Eiche. Nach der ersten Gärung und Klärung wird der Pomme-Brut von der renommierten Sektkellerei Raumland (Flörsheim-Dalsheim) nach der klassischen Methode ausgebaut: Mit einer Dosage und speziellen Champagner-Hefen vermischt und in Flaschen gefüllt, in denen er eine zweite Gärung durchmacht. Nach mindestens 36-monatigem Hefelager (der 97er war 110 Monate, der 2001er 83 Monate auf der Hefe!) wird er von Hand gerüttelt und von der Hefe getrennt. Das Mousseux ist fein, die Kohlensäure hervorragend eingebunden.

DUTTENHOFER POMME-BRUT lässt sich nicht mit dem Frankfurter Äppelwoi oder einem Viez vergleichen, weil das Tafelobst nicht die rauhe Gerbsäure des klassischen Mostobstes enthält – und die Gerbsäure der Eichenfässer eine wesentlich elegantere Note einbringt. Auch mit anderen Obstschaunmweinen von Streuobstwiesen hat er wenig gemein, ist reintöniger und klarer im Geschmack. Durch ihre Reife ist die Säure wohltuend erfrischend und appetitanregend.
POMME-BRUT verfügt über all jene mineralischen Reichtümer, die Apfelsaft zu einem gesunden Getränk und Obstessig zu einer kleinen Medizin machen (Kalium!). Ein fein-fruchtiges, elegantes, erfrischendes Getränk, der ideale Apéritif, prima als Auftakt zu einem Empfang, ein hervorragender Begleiter zu würzigen Kleinigkeiten, eine köstliche Erfrischung an einem heißen Sommertag!

Bildquelle: dinsesculinarium

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Ziereisen´s Ausblick auf den Jahrgang 2009

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 6 März 2010

Ausblick auf den Jahrgang 2009:
Der Jahrgang 2009 verspricht einiges an Spannung. Nach viel Wärme und Feuchtigkeit im Sommer begann die Lese eine knappe Woche früher als gewöhnlich – und mit perfektem Herbstwetter. Allerdings trieb das schöne Wetter mit strahlendem Sonnenschein die Öchslewerte in die Höhe und ließ die Säure in den Keller fallen. Mehr lesen… Plumpe Alkoholmonster ohne Frische konnten wir allerdings verhindern, da unsere Lesemannschaft als erste in den Reben stand und mit Hochdruck arbeitete.

Dank unseres „Standardqualitätsrepertoires“ (intensive Weinbergsarbeit, strenge Auslese während der Lese, nochmaliges Aussortieren am Sortiertisch, äußerst schonende Verarbeitung) hatten wir vollkommen gesunde Trauben und die Gärung verlief problemlos. Sicherlich wird 2009 ein stilistisch außergewöhnlicher Jahrgang werden.

Die Anschaffung unseres Sortiertisches im Jahr 2008 scheint sich übrigens mehr als ausgezahlt zu haben. Die 2008er Rotweine präsentieren sich, obwohl noch in den Fässern liegend, noch einmal klarer, fokussierter und prägnanter als ihre Vorgänger.

Quelle: Weingut Ziereisen

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Ziereisen´s Ausblick auf den Jahrgang 2008

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 6 März 2010

Ausblick auf den Jahrgang 2008:
Von wegen Klimawandel: Dieses Jahr haben wir nach einem durchwachsenen Sommer erst Ende September mit der Lese begonnen. 2008 haben sich die Toplagen und unsere intensive Weinbergsarbeit mit Ausdünnung und Trauben teilen besonders ausbezahlt und wir haben hochgesunde, hocharomatische – und vorallem physiologisch reife – Trauben nach Hause geholt. Mehr lesen….Bei stabiler Wetterlage haben unsere fleissigen Helfer bei der Handlese ganze Arbeit geleistet.
Ganze Arbeit hat auch unsere neueste Errungenschaft geleistet – unser Sortiertisch. Hier werden die Trauben in der Kelterhalle nochmals einer Qualitätskontrolle unterzogen und nach dem Aschenputtelprinzip von Hand sortiert – die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Eine Geduldsprobe und viel lange arbeitsreiche Tage und Nächte liegen hinter uns. Aber die Ergebnisse dürften die Mühe rechtfertigen. Hanspeter jedenfalls brach nach jedem Blick in die Maischetanks in begeisterte Rufe über die tolle Qualität aus. Jetzt warten wir mit Vorfreude auf das Ergebnis, das uns noch klarere Rotweine mit reiferen Tanninen bescheren wird.

(Quelle: Weingut Ziereisen, November 2008)

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Salon des Vins de Vignerons Independants Strasbourg Tag 4 (Mas Amiel)

Posted by Bernd Klingenbrunn - Samstag, 6 März 2010

Mit einiger Verspätung nun der 4. und letzte Tag auf der Strasbourger Weinmesse.

Der Montag war im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser besucht, auch wenn einige Weingüter schon ausverkauft waren. Montag ist immer „Schaulaufen“ angesagt. Wo man die Tage zuvor vorbei gelaufen ist aus Zeitmangel oder wegen zu voller Stände, wird jetzt probiert, meist auch Spirituosen (schöne alte Armagnac) oder immer wieder gerne Süßweine.

Bei der Domaine de Rancy kauften wir zwei 17 bzw 14 jährige Rivesaltes für´n Appel und ein Ei. Dazu noch einen herrlichen Essig. Den Abschluß bilden schon fast traditionell die herrlichen gespriteten roten Süßweine der Domaine du Mas Amiel aus Maury, im K&M Jargon auch als „Schokoladenweine“ bekannt. Hier haben wir fast 1 Stunde in Aromen und Düften geschwelgt.

2007 Maury Vintage
Aromen von frisch gerösteten Kaffeebohnen, am Gaumen Kräuter, Tabak, erstaunlich frischer Wein mit knackiger Säure, deutliche Schiefernoten, kühler Charakter, gute Balance, rauchige Noten, süß, aber nicht klebrig.

2006 Maury Vintage Reserve

Im Duft Datteln, am Gaumen Tannin deutlich spürbar, „laute“ Säure, Mineralik, die an Graphitnoten erinnert, in Butter angeröstete Haselnüße, Kirsch-Brombeerfrucht, hat mehr Druck.

2006 Maury Vintage Reserve „Charles Dupuy“ (Einzellagenselektion)

Erinnert ganz heftig an dunkle Zartbitterschokolade mit Röstkaffenoten, am Gaumen auch sehr reife Banane, Barriqueausbau, dicht, recht opulent, dabei aber auch sehr elegant.

o.J. Maury 10 Ans de Age

Wiederum noch sehr lebendige Säure, intensiver Duft nach eingekochter Pflaume und Kräutern. „Christstollen in flüssiger Form“ meinte Barbara,
Viel Fülle, recht nachhaltig, rund und weich, langer Nachhall, für mich lebendiger als der 15 jährige.

o.J. Maury 15 Ans de Age

mir viel zu Säurebetont, entwickelt weniger Druck als der 10 jährige. Gefällt nicht.

1969 Maury

Grandios!! Große Harmonie, nussig-reife Noten, Schieferkühle, riecht wie ein frisch gebackener Nußstriezel mit Zitronenglasur, unheimlich elegant, extrem lang. Großes Geschmackkino und noch minutenlang auf der Zunge präsent. 98-100 Pkt.

Mas Amiel bei K&M Gutsweine
http://www.gutsweine.com/gutsweine/p10100.php?s_land=Frankreich&s_idweingut=46

Mas Amiel Video:

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Die 20 wichtigsten Weinblogs im Februar 2010

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 3 März 2010

 

Die Seitenaufrufe vom Februar 2010 wie von Blogoscoop veröffentlicht (in Klammern die Platzierung im Januar und die Seitenaufrufe im Jan, Dez, Nov und Oktober)

  1. Nikos Wein- und Gourmetwelten: 64.253 Seitenaufrufe (Jan #1, 70.431, 65.495, 130.040, 64.168)
  2. Weinverkostungen.de: 33.351 Seitenaufrufe (Dez #2, 35.683, 46.606, 48.516, 54.691)
  3. Notizen für Genießer – gumia.de: 33.010 Seitenaufrufe (#3, 33.952, 43.616, 38.385, 31.584)            Schreibt zu wenig über Wein…
  4. Drink Tank: 22.536 Seitenaufrufe (#6, 15.091, 28.443, 30.292, 31.808)
  5. Weintipps von Michael Liebert: 19.946 Seitenaufrufe (#4, 20.263, 20.229, 22.674, 21.038)
  6. Planet Bordeaux: 18.926 Seitenaufrufe (#9, 13.401, 11.429, 12.267, 19.111)
  7. würtz wein: 18.025 Seitenaufrufe (#7, 17.662, 13.998, 21.968, 14.869)
  8. WorldWine Blog – Der Blog von ENO WorldWine: 14.521 Seitenaufrufe (# 8, 15.029, 10.825, 14.689, 9.825)
  9. Weinkaiser: 12.075 Seitenaufrufe (#9, 12.265, 11.356, 8.257)
  10. YOOPRESS – NEWS MEDIA PORTAL: 11.485 Seitenaufrufe (#11, 9.786, 16.958, 13.665, 6.496)
  11. Weinakademie Berlin: 8.553 Seitenaufrufe (#10, 10.137, 6.507, 10.789, 6.817)
  12. Nur ein paar Verkostungen…: 6.239 Seitenaufrufe (# 12, 8.327, 6.508, 5.518, 5.522)
  13. WeinSpion: 5.456 Seitenaufrufe (# 14 , 4.371)
  14. six-to-nine: 4.613 Seitenaufrufe (# 13 , 4.518, 4.825, 5.227)
  15. der Ultes | …aus dem Leben eines IHK-geprüften Weinfachberaters: 4.471 Seitenaufrufe (#15, 3.956, 3.783, 4.700, 11.139)
  16. Elloinos: 3.185 Seitenaufrufe (# 15 , 3.876, 3.416, 4.161)
  17. K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt: 2.550 Seitenaufrufe (# 18, 2.984, 2.885, 3.149)
  18. Johner Wein Welten – Pinot World of Wine: 2.475 Seitenaufrufe (# 17, 2.991, 2.790, 3.422)
  19. sparkling-online: 2.440 Seitenaufrufe (NEU!)
  20. Willis Wein Idee: 1.852 Seitenaufrufe (NEU!)

Quelle: Michael Liebert

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Die Chronologie eines Absturzes

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 3 März 2010

Ende 2007 lag der Karlsruher SC in der Bundesliga auf Europapokal-Kurs und die Mannschaft erfrischte die Liga durch freches, unbekümmertes Auftreten. Heute steckt der KSC im Zweitliga-Mittelmaß und gibt in der Öffentlichkeit ein mehr als unglückliches Bild ab. Ein vermeidbarer Absturz: von Selbstüberschätzung, sportlichen Fehlern und Belastungen aus der Vergangenheit.

Fehler 1: Falsche Saisonanalyse:

Nach dem souveränen Aufstieg 2007 lief im ersten Bundesliga-Halbjahr fast alles automatisch. Der KSC nahm die Euphorie mit und überwinterte mit Kontakt zu den Europapokal-Plätzen. In der Rückrunde erlebten die Badener einen bedenklichen Absturz, landeten dank des Punktepolsters aus der Vorrunde allerdings im gesicherten Mittelfeld. Eine trügerische Abschlussplatzierung, deren Gefahr die damaligen Verantwortlichen verkannten.

Statt auf die in der Rückrunde deutlich gewordenen Mängel des Teams zu reagieren, beschränkte sich die sportliche Leitung darauf, die Lücken der Abgänge von Hajnal und Eggimann mit der Verpflichtung von Antonio da Silva und Tim Sebastian eins zu eins zu schließen, auch wenn vor allem da Silva ein völlig anderer Spielertyp als Hajnal war.

Dass da Silva schnell zum Sündenbock wurde und daraufhin sichtlich die Lust verlor und dass Eggimann-Ersatz Sebastian nicht einschlug, mag dann auch Pech gewesen sein. Dass aber beispielsweise auf der Mittelstürmer-Position auf die schon in der Vorsaison nur bedingt torgefährlichen Kapllani und Kennedy vertraut wurde, darf man schon als Naivität bezeichnen.

Fehler 2: Wehrloser Abstieg

In der Abstiegssaison verlebte der KSC einen schleichenden Tod. Recht schnell fand das Team seinen Platz in den Abstiegsrängen, konnte durch die schwache Konkurrenz aber immer wieder die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrechterhalten.

Nach einer verkorksten Hinrunde – der KSC stand mit nur 13 Punkten aber noch auf Platz 15 – reagierte der Verein und holte mit Saglik, Federico und Engelhardt im Nachhinein aber die falschen Spieler. Gerade Federico und Engelhardt wurden zum Sinnbild für eine Mannschaft, die sich ohne den verletzten Einheizer Maik Franz erschreckend gleichgültig ihrem Schicksal ergab.

Diese vermeintliche Gleichgültigkeit gepaart mit der stoischen Art von Trainer Becker sorgte im Laufe der Rückrunde auch für Unmutsäußerungen der Fans, was die Mannschaft noch zusätzlich verunsicherte. Das Bittere: Trotz allem fehlte am Ende nur ein einziger Punkt für das Erreichen des Relegationsplatzes.

Fehler 3: Unendliche Geschichte der Stadionfrage

Schon vor dem Aufstieg in die Bundesliga waren sich die Verantwortlichen einig: Der KSC braucht ein neues Stadion oder zumindest einen modernisierten Wildpark. Das marode Stadion erfüllte kaum noch die DFL-Auflagen, die spartanischen VIP-Bereiche generierten kaum Sponsorengelder und auch die vorhandene Tartanbahn war vielen ein Dorn im Auge.

Das Stadionprojekt wurde von Vereinsseite offensiv angegangen, in die Öffentlichkeit getragen und geriet im Laufe der Zeit immer mehr zur Farce.

Da der KSC – der immer noch unter den finanziellen Verfehlungen der Vergangenheit leidet – das Stadionprojekt allein nicht stemmen konnte, war der Verein auf die Unterstützung der Stadt angewiesen. Und hier gab es gleich erste Unstimmigkeiten: Der Verein wollte einen neuen Standort, die Stadt bevorzugte den Umbau des Wildparkstadions.

Es folgten Unmengen an Verhandlungen und unzählige Beschlüsse, die den Fan jeden Monat aufs Neue irritierten. Zwischendurch schien ein Neubau beschlossen, der KSC erhielt die Unterstützung der Stadt, musste sich aber um einen Standort, die Projektplanung und einen Großinvestor kümmern.

Doch gerade bei der Standortsuche machte die Vereinsführung eine unglückliche Figur: Zwei Standorte standen zur Diskussion. Beim Standort Durlach überschätzte der Verein seine eigene Strahlkraft und scheiterte letztlich am Veto der Besitzer der potentiellen Baufläche. Beim zweiten Standort – direkt an der Autobahn – wurden die Kosten massiv unterschätzt.

Symptomatisch: Ex-Präsident Hubert H. Raase soll im Rahmen der Stadionplanung eigens nach Berlin gefahren sein, um dort mit Bahn-Chef Mehdorn über den Kauf eines potentiellen Geländes zu verhandeln. Blöd nur, dass die Deutsche Bahn mittlerweile gar nicht mehr für das Gelände zuständig war.

Zudem ließen vermeintliche Kleinigkeiten – wie zum Beispiel die Kapazitätsfrage – unnötig viel Zeit verstreichen, welche wiederum das ganze Projekt zum Einsturz brachten. Als die Rahmenbedingungen endlich weitgehend geklärt wurden, kam die Wirtschaftskrise und damit der Absprung eines möglichen Investors und durch den sich langsam abzeichnenden Abstieg verlor der KSC endgültig sein bestes Argument in der Debatte.

Heute gibt sich der Verein in der Stadionfrage sehr defensiv. Geplant wird weiterhin, doch mittlerweile ist die vom Verein ungeliebte Modernisierung des alten Wildparks die wahrscheinlichste Alternative.

Fehler 4: Stagnation und Selbstzufriedenheit

Ex-Präsident Raase und Ex-Manager Rolf Dohmen haben in der 2. Liga zweifellos einen guten Job gemacht. Der Aufstieg 2007 war – betrachtet man die finanziellen Möglichkeiten – nicht zu erwarten und das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit.

Doch das schienen auch die Betroffenen selbst zu wissen. Statt die neuen Möglichkeiten der Bundesliga umfassend auszunutzen, ruhte man sich zu sehr auf den erarbeiteten Lorbeeren aus.

Zwar wurden die Schulden in den letzten Jahren weiter abgebaut, doch davon abgesehen ist das Ergebnis aus zwei Jahren Bundesliga ernüchternd: Das gescheiterte Stadionprojekt, schlechte Infrastruktur, keine lukrativen Sponsorenverträge, und Merchandising sowie Ticketing auf Drittliga-Niveau. Bestes Beispiel: Beim Dauerkartenverkauf nach dem Aufstieg unterschätzte der Verein die Anfrage der Fans exorbitant, als die Anhänger dank nur zweier geöffneter Ticket-Schalter über zwei Tage verteilt bis zu 15 Stunden anstehen mussten.

Publikumsliebling und Kapitän Maik Franz fasste nach seinem Abschied kritisch zusammen: Drei Jahre sei er beim KSC gewesen, sagte der Verteidiger. Drei sehr schöne Jahre, in denen aber vor allem in Sachen Infrastruktur und Rahmenbedingungen „nichts passiert“ sei.

Fehler 5: Das unglückliche Debüt des neuen Präsidenten

Heute hat der KSC eine neue Führungsriege: Paul Metzger – ein erfolgreicher Bürgermeister ohne Stallgeruch – setzte sich im Kampf um das Präsidentenamt gegen Rolf Kahn, ehemaliger KSC-Profi und Vater von Oliver Kahn, durch. Den sportlichen Bereich leitet Arnold Trentl, der sich öffentlich weitgehend zurückhält.

Doch gerade Neu-Präsident Metzger gibt in der Öffentlichkeit ein unglückliches Bild ab. Als die Trennung von Dohmen ein paar Stunden zu früh von KSC-Trainer Schupp verkündet wurde, reagierte Metzger äußerst dünnhäutig und eingeschnappt. Der KSC gab prompt eine fragwürdige Pressemitteilung heraus, in der man sich über das Verhalten von Schupp und Dohmen echauffierte. Die Machtverhältnisse mussten öffentlich klargestellt werden, auch wenn es dem Verein schadete.

In der Winterpause schrieb Metzger das nächste Kapitel der KSC-Selbstüberschätzung. Statt die eigenen Probleme anzugehen, schaute der Präsident nur auf die Tabelle und setzte die Mannschaft unnötig unter Druck. Da der Rückstand auf Platz drei nur sechs Punkte betrug, redete Metzger schon wieder vom Aufstieg.

(Jonas Wäckerle)
Quelle: spox.com

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