K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

www.gutsweine.com

Lemberger vs. Blaufränkisch

Posted by Armin Maurer - Freitag, 6 Februar 2009

Die Rotweine aus der Blaufränkisch-Rebe haben es in Österreich zu höchsten Ehren gebracht, auch international hat sich die Rebsorte zur österreichischen Paraderebsorte entwickelt, analog zum Grünen Veltliner bei den Weißweinen.

Auch in Deutschland gibt es diese Rebsorte, hier durfte sie aber lange nicht den österreichischen Namen tragen, sondern musste als Lemberger bezeichnet werden. Vor ein paar Jahren konnte ein fränkischer Winzer aber auch die Bezeichnung Blaufränkisch für deutsche Weine durchsetzen. Für einen fränkischen Winzer ja naheliegend. Als Lemberger findet die Rebsorte die größte Verbreitung in Würtemberg.

Bei uns sollte es aber nun weder um fränkische noch um schwäbische Rotweine gehen, nei wir haben uns Lemberger aus Baden angesehen und wollten diese einmal mit Referenzweinen aus dem österreichischen Burgenland vergleichen. Es traten zwei Weingüter aus Baden an, Zalwander mit dem schlicht Lemberger gennanten Wein, die Jahrgänge 2005, 2006 und 2007, und Alexander Laible aus Durbach mit seinem 2007er Thymos.

Auf österreichischer Seite standen der 2006er Oberer Wald Blaufränkisch von Ernst Triebaumer, der 2006er Neckenmarkter von Moric und der 2002er (zwotwo) BF1 von Karl Bajano zur Verkostung bereit. Kein Wein wurde dekantiert, da wir aber nur zu Fünft waren konnten alle Weine mehrfach probiert und verglichen werden.

Lemberger und Blaufränkische

Lemberger und Blaufränkische

Als erster Wein stieg der 2007er Lemberger von Zalwander in den Ring, eine Fassprobe.
Im ersten Moment wirkte der Wein noch sehr verschlossen, wie so häufig bei den Zalwanderweinen war auch das Holz noch recht präsent, dabei aber nicht durch parfümierte Aromen unangenehm auffallend, nein eher ist es die Würze des Holzes, die den Wein zu Beginn noch im Griff hat. Die Frucht zeigt sich auch noch sehr herb, erinnert hauptsächliche an Schlehe, insgesamt doch recht astringierend, ohne einen Anflug von Unreife oder grünen Aromen. Wir waren uns einig, diesen Wein sollten wir mit etwas Luft noch einmal anschauen. 88P++

Der nächste war der 2006er
Dieser wirkte frisch geöffnet schon deutlich offener, zeigte eine gute Mischung von würzigen und kräutrigen Aromen und Frucht, in der Nase eher Richtung Himbeere gehend, entwickelte sich im Mund eine enorm saftige und natürliche Kirschfrucht. Wirkte schon gut balanciert, Schöne Länge.91P+

Und zu letzt dann der 2005er
Dieser zeigte die Harmonie, die die jüngeren Zalwander wohl noch durch Reife erreichen müssen, aber wohl auch werden. Dieser Wein machte ungemein viel Spaß, feines, festes Tannin, würzig. Dazu eine wunderbar chargierende Frucht, zwischen dunklen Beeren, Brombeeren und Schwarzkirsche. Wunderbar saftig. Auch hier zeigte sich aber schon nach relativ kurzer Zeit im Glas, dass auch dem 2005er Luft gut tut.90P

2007 Lemberger Thymos – Alexander Laible
Wirkte auf mich irgendwie „deutscher“ leichte vanillige Süße, vielleicht etwas weniger fest, strukturiert wie die Zalwanders, schöne Kirschfrucht, trinkig. Trotzdem hätte ich mir einfach ein wenig mehr „Wein“ gewünscht. Auf seine Art aber nicht unangenehm, aber halt auch ein wenig unspektakulär.86P

Die Zalwanders 2005 bis 2007

Die Zalwanders 2005 bis 2007

Jetzt wollten wir aber wissen, was die Östereicher dem entgegen setzen würden.

2006 Oberer Wald – Ernst Triebaumer
Im ersten Moment „Uffh“, was ein Tannin, viel Holz. Daneben stand aber auch eine üppige Primärfrucht, Johannisbeere und Schwarzkirsche, sehr saftig. Von Harmonie kann aber hier keine Rede sein, dieser Wein ist wirklich noch sehr verschlossen und viel zu jung. Wird sich das viele Holz aber wirklich einbinden? Unser Österreichexperte Ricco Etzensberger meinte ja, nach seiner Meinung sind die Triebaumer Weine eben in der Jugend immer unzugänglich, da geht der Winzer kompromißlos seinen Weg. Für mich der erste Schluck schon beeindruckend, diese Kraft, aber trinken mag ich den Wein einfach im Moment noch nicht, so macht der keinen großen Spaß. Ein wenig ließ sich der Wein mit einem jungen Bordeaux aus dem Medoc vergleichen. Für mich ganz schwer zu beurteilen, so machte er eigentlich keinen Spaß, aber er hat schon enorme Anlagen, mit der Einschätzung des Experten Ricco sage ich 88++

2006 Neckenmarkter – Moric
Mit dem Moric kam nun ein ganz anderer Stil ins Glas, viel feiner, im großen Holz ausgebaut zeigte er eher sogar mineralische Noten. Dann die Frucht einfach lecker, eine solch expressive Kirschfrucht bekommt man selten in den Mund, da müssen sich selbst Wildkirschen anstrengen, dass sie da mithalten können ;-).
Bernd meinte, der Wein hat zu seiner Klasse auch noch einen wunderbar trinkanimierenden Charakter, sozusagen Saufwein auf höchstem Niveau. Klasse Stoff!
Verschweigen wollen wir aber auch nicht, dass einer der Mittrinkenden mit dem Wein wenig anfangen konnte, er bemängelte die zu zurückhaltende Nase und die zu kräftige Säure im Mund. Mit seiner Meinung zu dem Wein blieb er aber allein.90P

Laible, Triebaumer und Moric

Laible, Triebaumer und Moric

Am Schluss gab es noch einen schon leicht gereiften Österreicher
2002 (zwozwo) BF1 – Karl Bajano
Dieser zeigte sich mit einer schon leicht morbiden würzig gereiften Frucht, eher dunkle Beeren, auch ein wenig Schattenmorellen. Das hatte schon etwas aber so ganz wollte da der Funken bei mir nicht überspringen. Freunde von gereiften Chiantis könnte dieser Ton aber sehr gut gefallen, daran erinnerte er ein wenig. Sicher kein schlechter Wein aber die ganz große Freude kam bei mir halt auch nicht auf. 87P

Danach haben wir noch ein wenig hin und herprobiert, einzelne Weine noch einmal nebeneinander verkostet. Dabei zeigte sich, dass die Zalwanderweine mal wieder am stärksten von der Luft profitierten, selbst der 2007er, der am Anfang sehr verschlossen war machte immer mehr auf, entwickelte eine ausdrucksstarke Frucht, Brombeere. Interessant auch, dass sich der 2006er Zalwander durchaus gegen die Tanninbombe Triebaumer durchsetzen konnte.

    Fazit:

Während Laible vielleicht doch noch ein wenig hinter den Referenzweinen aus Österreich ins Ziel kam, sicher aber auch keine Schande für den ersten Jahrgang, zeigte Zalwander, dass man in der Klasse um 20,00 EUR durchaus mit den besten Erzeugern Österreichs mithalten kann. Vom Stil her vielleicht ein wenig zwischen dem Kraftprotz Oberer Wald und dem eleganten, burgundischen Neckenmarkter angesiedelt. Gerade wenn man dem Wein Luft gibt, entwickelt er sich enorm, schüttelt den ersten Holzeindruck souverän ab und gewinnt von Schluck zu Schluck an Schönheit. Im Moment ist dabei der 2005er sicher der zugänglichste und die Trinkempfehlung, wir denken aber dass der 2006er insgesamt aber etwas mehr an Struktur und Tiefe zeigt, braucht aber definitiv noch, ganz so schlecht scheint 2006 halt doch nicht als Jahrgang zu sein. Und 2007 ist sicher noch ein Baby, liegt ja noch im Fass, aber wir denken er kann sogar noch ein wenig über dem 2006er landen.

Mein persönlichen hedonistischen Favoriten: 2005er Zalwander und 2006er Moric.

Advertisements

Eine Antwort to “Lemberger vs. Blaufränkisch”

  1. […] Veranstalter hat hier schon ausführlich berichtet, daher will ich mich auf meine Highlights an diesem Abend […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: