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K&M Degu-Notiz aus Portugal Vol III – Touriga Nacional pur

Posted by Bernd Klingenbrunn - Freitag, 16 Januar 2009

Touriga Nacional gilt im reichhaltigen Rebsortenspektrum Portugals als wertvollste und hochwertigste rote Traube des Landes. Sie zählt zu den sogenannten autochthonen, also hier heimischen Rebsorten und liefert aufgrund ihrer ertragsarmen Tätigkeit tiefschwarze, enorm konzentrierte Weine mit grosser Geschmacksfülle. Charakteristischer Duftnoten sind Pinien, Kräuter und Eukalyptus. Durch die eleganten Tannine haben die Weine eine enorme Lagerfähigkeit. Lange Zeit wurde die Rebsorte fast ausschließlich nur für die Portweinproduktion verwendet, im Zuge des Weinbooms in Portugal haben aber viele Erzeuger erkannt, welch Eigenständigkeit diese Rebsorte auch im „normalen“ Weinbereich genießt. Neben dem Dourotal werden noch im Dao-Gebiet, in der Estremadura und im Alentejo Touriga Nacional-Reben verarbeitet. Gerüchten zufolge bemühen sich derzeit australische Winzer um die Kultivierung der Rebsorte, um strukturschwachen Weinen etwas auf die Sprünge zu helfen. Nee, wat haben die fürn fiesen Charakter…

Widmen wir uns drei Originalen:

zu Beginn ein alter Bekannter der letzten Tage.

2005 Vinho Regional Alentejano Touriga Nacional
Heredade das Servas; Naturkok; 14,5%
Ausbau zu 70% in franz. Holz, Rest amerikanische Eiche.
Nicht allzu tiefes, dunkles Rot. Holz merklich, gute Balance, gewisse Kraft und Tiefe. E setzt sich hier der Trend der in den letzten Tagen verkosteten Weine fort. Nett, gefällig, aber zur Spitze fehlt noch die letzte Instanz an Konzentration, Nachhaltigkeit, die Weine müßten sich tendenziell stärker von Anfang an steigern. Das tun sie leider nicht. 83/100 Pkt.

Weiter geht´s mit

2005 Vinho Regional Estremadura Touriga Nacional „Pactus“
Quinta do Carneiro; Naturkork; Alk. 14.0%
Farblich ähnlich. Im Duft deutlicher von röstigeren Noten geprägt, hier könnte amerikanische Eiche prozentual den höheren Anteil besitzen. Am Gaumen tabakige Noten, am Ende von süßlichen Röstnoten geprägt, dazu einen Hauch Lakritz, insgesamt deutlich definierter als der Wein zuvor, auch die geschmackliche Länge ist von ganz anderer Nachhaltigkeit. Insgesamt gut gemacht, mir etwas zu brav und zu wenig nachhaltig. 86/100 Pkt.

Kandidat Nr. 3
2005 Vinho Regional Estremadura Touriga Nacional
Quinta da Cortezia; Naturkork; 14,5%; Ausbau über 10 Monate in französischem Barrique
Schon die Farbe hebt sich deutlich von den beiden anderen ab. Tiefdunkel, fast schwarzer Kern. Animierender Duft nach reifen, frischen Sauerkirschen, Holzparfum, keine röstigen Noten. Schon der Ansatz und der erste Kontakt mit dem Wein zeigt deutlichst den beiden zuvor verkosteten Weine ihre Grenzen auf. Herrlich komplexes Zusammenspiel von Blaubeeren, Holz, „schwarze“ Aromen von Oliven, tolles Spiel von Holzparfum, Blaubeere, elegantes Holztannin, sehr frischer Charakter, komplexe Struktur, gute Animation, macht Spaß, sehr eigenständig, toll, wird sich sicher über die nächsten 5 Jahre sehr gut entwickeln. 88-90/100 Pkt Für knapp 12 € bei dieser Qualität ein Super-Schnäppchen!

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