K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

www.gutsweine.com

Riesling-Tasting bei K&M Gutsweine oder: was war los mit den Weinen von Martin Müllen?

Posted by Bernd Klingenbrunn - Dienstag, 22 Januar 2008

Vergangenen Freitag hatten wir in unserer Weinhandlung eine kleine Verkostung mit diversen Rieslingen, alles Weine von Weingütern, die in unseren Fokus gelangt sind. Es sind nicht alles 2006er, auch einige 2005er sind dabei, ich will die Weine aber gerne im Zusammenhang posten.

Sekt / Weine trocken:

1. 2005 Riesling Sekt brut Weingut Weber / Margarethenhof / Mosel (SAAR) Naturkork
Typischer Rieslingduft, teils gereifte Noten. Am Gaumen dezente Cremigkeit, angenhem zu trinken, ohne große Ecken und Kanten, Struktur ok, einzig etwas eindimensional. 81/100 Pkt.

2. 2005 Riesling trocken Q.b.A. „DEVONSCHIEFER“ Weingut Willemshof / Mosel (SAAR) Naturkork
Viel Zitrus im Duft, bitter, aber auch fruchtiges Steinobst, dezente Reifenote, endet mehr oder wenig stark bitter. keine Wertung

3. 2006 Riesling trocken QW Weingut Battenfeld-Spanier / Rheinhessen / Schrauber
Leicht mineralisch-salziger Auftakt. Anfangs komische Noten von Blauschimmel, zarter Schmelz am Gaumen, Säure zu präsent und mir zu spitz, (nicht eingebunden), dadurch sehr karg wirkend, fehlt der Druck. 81/100 Pkt

4. 2006 Riesling trocken QW „GRAUSCHIEFER“ Weingut Altenkirch / Rheingau / Schrauber
Wieder ein feiner Stinker, in der Nase eher karg, mineralisch, zurückhaltend, Holunderblüte. Im Mund angenehme Fruchtsüße, reife Frucht Kumquats, Grapefruit, eher pink Grapefruit. Die Säure gibt dem Wein ein schönes Gerüst, bleibt angenehm, reif, harmonisch. Zeigt Biß und straffe Struktur, Druck am Gaumen. Kommt vielleicht nicht ganz an den sehr guten 2005er heran, aber das war schon ein sehr schöner Wein. Warum der Gault Millau die 2006er Kollektion so abqualifiziert ha, kann man an diesem Wein nicht nachvollziehen. Sehr schöner 2006er und verdiente 88/100 Pkt.

5. 2006 Riesling trocken QW „Westhofener Kirchspiel“ Weingut Seehof-Fauth / Rheinhessen / Naturkork
Deutlich karger und schlanker, was der deutliche Duft nach Limetten unterstreicht, angenehme, würzig-hefige Struktur, dennoch deutliche Säure, die sehr im Vordergrund stehen bleibt. Im Sommer bei 30-35 Grad sicher sehr erfrischend. 80/100 Pkt.

6. 2005 Riesling Spätlese trocken „Niedermenniger Euchariusberg“ Weingut Willemshof / Mosel / (SAAR) Naturkork
Zuerst wird über einen vermeintlichen Kork diskutiert, auch Gumminoten machen die Runde, Böcksernoten sind aber eindeutig zu riechen. Daneben macht sich Grapefruit breit. Insgesamt ordentlich, wenn auch mit wenig Spiel. 80/100 Pkt.

7. 2005 Riesling Spätlese trocken „Kröver Paradies“ Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Anfangs rauchige und florale Noten, dahinter dezente Anklänge überreifen Pfirsichs, wirkt unruhig, ja fast zerissen; auch nach 3 Tagen sehr unharmonisch und deutliche Bitternoten. Da sich diese „Stilistik“ auch bei den folgenden Weinen von Martin Müllen fortsetzte, kann ich mir diese schwierige Verfassung nur durch eine völlige Rückzugsphase der Weine erklären. Keine Wertung.

8. 2005 Riesling Spätlese (*) trocken „Kröver Letterlay“ Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Kaum Frucht, Wachsnoten, kräutrige, dezente kühle Mineralik, aber auch eine gewisse Schärfe, die ich mit brandig oder alkoholisch benennen möchte, wenig Harmonie, fehlt der Mittelbau. Keine Wertung.

9. 2005 Riesling Spätlese (**) trocken „Kröver Paradies“ Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Im Verhältnis zu den beiden vorigen Weinen ein etwas fruchtbetonterer Auftakt. Von der Stilistik eher eine „wärmere“ Ausstrahlung, laktische Noten nach saurer Milch, bitter, keine Harmonie. Keine Wertung.

Folgender Weine wurden noch aus aktuellem Anlass kurzfristig in die Probe eingebaut:
der Anlass: 2. bester trockener Riesling aus 2006 beim 20. DEUTSCHEN RIESLINGPREIS des FEINSCHMECKER

2006 Riesling Spätlese trocken „Buntsandstein“ – Theo Minges / Pfalz / Vinolok-Glasverschluß
dezent rotfruchtig, roter Pfirsich, feine Nase, im Mund sehr schöne harmonsiche Frucht, saftig. Die schöne Frucht wird durch feine Bitternoten wie Zitruszesten ausbalanciert, schwingt schön auf der Frucht aus. So stelle ich mir eine trockene Rieslingspätlese vor, ein Pfälzer wie ich ihn mir wünsche. Sehr gute 90+/100 Pkt

Nach den trockenen Weinen kam erst einmal etwas Enttäuschung auf, gerade von Martin Müllen hatten wir uns deutlich mehr erwartet. Man hat ein wenig das Gefühl, dass der Winzer viel will und darüber den Spaß vergißt, die Weine wirkten angestrengt. Überzeugt hat der Grauschiefer von Altenkirch, noch etwas mehr der Buntsandstein von Theo Minges

Weine feinherb – fruchtsüß

10. 2005 Riesling QW halbtrocken „Winninger Röttgen“ Weingut Rüdiger Kröber / Mosel / Naturkork
Ausgeprägter Spont-Ton. Ausgewogenes Süße-Säurespiel, wir schmecken Birnen und Ananasfrucht. Gut. 82/100 Pkt.

11. 2006 Riesling Spätlese feinherb „Trittenheimer Apotheke“ Weingut Jungheld / Mosel / Vinolok-Glasverschluß
(Joint-Venture P.Weltner – Franken & Niko Schmitt – MSR)
sehr deutliche Zitrusfrüchte, Säure sehr prägnant, die Süße ist noch nicht verwoben. 80/100 Pkt.

12. 2006 Riesling Spätlese feinherb „Kräuterhaus“ Weingut O. (Olaf Schneider) / Mosel / Naturkork
Bei den Mitverkostern gänzlich unbekannt, überraschte die Qualität viele. Wunderbar frischer Riesling-Duft, am Gaumen von einer schönen Saftigkeit geprägt, tolles Spiel von reifer, massvoller Säure und natürlicher, nicht klebriger Süße. Sehr gut. 85/100 Pkt.

13. 2006 Riesling QW Big Fish „Rüdesheimer Bischofsberg“ Weingut George / Rheingau / Naturkork
Das „Sorgenkind“ aus dem Hause Wagenitz. Blieb in der Vergärung bei 30g Restzucker stehen, eigentlich sollte es der Nachfolger des bei uns sehr erfolgreichen 2005er BIG FISH Berg Rottland werden, aber aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Werdegang des Weinrs entschieden wir uns für den 2006er Riesling „Berg Rottland“ trocken.
Feige und Datteln waren die ersten Assoziationen, ein Teilnehmer sprach gar von einer positiv beissenden Mineralik. Die 13% Alkohol waren sehr gut engebunden und der Wein hatte eine wunderbare Länge. 88/100 Pkt.

14. 2006 Riesling Spätlese „Kräuterhaus“ Weingut O. (Olaf Schneider) / Mosel / Naturkork
Spontangäraromatik, etwas Dosenpfirsich, feine Rotfrucht, etwas wuchtiger und dadurch nicht unbedingt finessenreich und leicht zu trinken. 83/100 Pkt.

15. 2005 Riesling Spätlese „Winninger Röttgen“ Weingut Rüdiger Kröber / Mosel / Naturkork
Botrytis- und Muffnoten, Rapshonig, geht auch eher in die etwas wuchtige Richtung, warme Ausstrahlung. 81/100 Pkt.

16. 2006 Riesling Auslese „Ungsberg“ Weingut O. (Olaf Schneider) Mosel / Naturkork /
Wieder als einer der besten Weine bewertet. KJaum Sponti, spannende Nase, changiert zwischen Frucht und würzigen und kräuterigen Noten, Lindenblüten, Bananenschale, gelbe Früchte. Sehr schöne Harmonie und Tiefe, dabei immer animierend, fröhlich Trinkspaß bereitend. Trotz der mundfüllenden Art sehr schön elegant und fein. Mit diesem Wein fand eine nicht immer begeisternde Probe einen versöhnlichen und hochklassigen Abschluß. 92+/100 Pkt.

Danach gab es noch zwei mitgebrachte 89er Rieslinge vom Osthofener Goldberg, die aber leider nicht mehr wirklich viel Genuß boten, auch drei andere Rieslinge konnten kein Highlight setzen.

Sehr schön zeigte sich dagegen wieder unser 2005er Chianti Classico von Altiero, vielleicht fast einen Tick zu dunkelfruchtig, dezente Holundernote um ganz typisch zu sein, aber feine Veilchennote und dunkle Kirsche, dazu eine spürbare, gleichwohl wunderbar bekömmliche Säure. Saufwein mit Anspruch, so macht Chianti noch Spaß und dazu noch ein sehr fairer Preis. Immer wieder sehr schön diesen Wein zu trinken.

Advertisements

Eine Antwort to “Riesling-Tasting bei K&M Gutsweine oder: was war los mit den Weinen von Martin Müllen?”

  1. pivu said

    Ja der ‚Altenkirch‘ steht auf meiner Liste ganz oben, auch wenn der Wein nicht von allen so gelobt wurde. Sehr präzise, schlank, fast karg, aber sehr steinig und immer spannend. Tolle G’schicht für < 7,- €, auch wenn 88 Punkte zu hoch gegriffen scheinen! Bei Müllen fehlte mir vor allem ein erkennbares Profil neben Spannung und Klasse, HO (Battenfeld-Spanier, Anm. K&M), O. und Jungheld waren ziemlich langweilig und irgendwie „gemacht“.

    Der ‚Altiero‘ fürs gleiche Geld macht da mehr Spaß, ein wirklich schöner CC für < 10,- €. Wie gut der wirklich ist, kann ich nach einer 06er Magnum ‚Notolla‘ (?) Colli Senesi für deutlich mehr Geld heute Abend im Biancalani ganz gut beurteilen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: