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Toskana 2007: Besuch Antico Borgo di Sugame / Greve

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 28 Oktober 2007

Nach unserem Besuch bei den Baldinis auf der Az. Agr. Altiero beschließen wir, ohne Anmeldung dass uns empfohlene Weingut Borgo Sugame zu besuchen. Es liegt auf der anderen Hügelkette von Greve etwas unterhalb des Passo del Sugame und ist auch sehr leicht zu finden, da es direkt an der Hauptdurchgangsstraße liegt. Gegen 17:30 Uhr stehen wir vor einem großen, schmiedeeisernen, leider verschloßenen Tor, aber ich habe glücklicherweise die Mobilnummer des Besitzers. Er sei in 5 Minuten vor Ort, wir sollten doch warten.

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Besitzer und Weinmacher Lorenzo Miceli ist auch gleich da und er freut sich sehr. Er hat auf der östlichen Seite von Greve seine 4,5 ha Weinberge (ca. 500 m hoch)– und baut bio-zertifiziert Olivenöl und Wein an. Auch hier gibt es Agriturismo, das von seiner Frau Catriona Murray – sie ist gebürtige Engländerin – geführt wird. Seine Produktion ist klein – er füllt nur ein paar tausend Flaschen ab, den Rest liefert er an größere Weinhäuser (z.B. Antinori). Seinen Ertrag pro Stock reduziert er auf 2 kg (im Consortio sind 3 kg erlaubt)

Er macht keinen reinen Sangiovese sondern blendet mit Cabernet Sauvignon. Ich erwähne vor der Probe des Weines, dass ich Cabernet nicht unbedingt in einem Chianti mag, weil er einfach – selbst bei nur 5% – einfach das Zepter im Wein übernimmt. Nach der Probe aber habe ich nicht den Eindruck, zuviel Cabernet zu schmecken. „Das liege an den alten Reben, der Weinberg ist 35 Jahre alt und der Cabernet sei dadurch nicht so jugendlich ungestüm in der Aromatik“, meint Lorenzo.

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Lorenzo Micelo bei der „Arbeit“

Lorenzo hat immer neue Herausforderungen gesucht und diese auch und ohne Furcht vor der harten Arbeit angenommen. Viele Arbeiten im Weinberg erledigt er völlig alleine, es sei denn, es regnet, denn dann kümmert er sich um die Oliven oder den Honiganbau und natütlich auch um seine Frau und seine drei Kinder. Man merkt im Gespräch sofort, was ihm am Herzen liegt: die Leidenschaft für das Land, die Region, das Festhalten an Tradition. Das hat ihn angetrieben, sein Traum von einer eigenen Farm (als Kind lebte er in Afrika) oder einem Weingut in der Toskana.

Die Liebe zur Natur liegt wohl in der Familie, denn sein Vater ist Besitzer eines Weinguts im Piemont und Lorenzo war schon früh „bei der Sache“ und so war sein Weg vorgezeichnet. Lorenzo selbst bevorzugt alles Manuelle und Natürliche, keine Chemie: Handarbeit, natürliche Düngung, der Wein wird im Weinberg gemacht und nicht im Keller. Das ist zwar arbeitsintensiver aber befriedigt mehr. Beim Studium hat sein Professor gesagt – man kann auch Trauben nehmen, um Wein zu machen…, ein Satz, der wohl geprägt hat…

So begann er im Jahre 2000, seinen Wein zu machen. Er kaufte ein heruntergekommenes Weingut, dass bis dahin eher mittelmäßige bis drittklassige Weine produzierte. „Angesichts der Gegebenheiten, so Laurenzo, war dass auch kein Wunder. Kaum Technik, alles sehr unsauber, der Wein schmeckte sehr bäuerlich.“ Die Weinberge in perfekter Süd-West-Ausrichtung jedoch faszinierten ihn, sie wurden schon damals biologisch bewirtschaftet und es dauerte keine 2 Jahre, bis er die Zertifizierung bekam.

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Blick auf seine Weinberg, im unteren Bereich stehen sogar noch Reben im traditionellen Mischsatz: Olivenbäume, Rebstöcke usw.

Der Holzfass-Keller:
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Mittlerweile haben die Micelis schon zahlreiche Lorbeeren in Form von Preisen für Ihre Chianti Classico eingefahren, aktuell für ihren 2005er Chianti Classico, der im britischen Decanter (August 2007) mit 4 von 5 Sternen bewertet wurde.

Mehr Infos zum Weingut hier.

Sehr transparent wird hier die alljährliche Arbeit beschrieben. Wer macht sich denn heute noch dass Vergnügen, seine Vorgehensweise zu beschreiben und den Außenstehenden am Leben auf dem Weingut visuell teilzuhaben.

Schade, dass solch engagierte Menschen einfach nicht mehr Präsenz in der medialen Welt bekommen. Stattdessen wird von bekannter Journalistenschar der zehnte Aufguß von bekannten Weingütern gebracht, die es nicht mehr nötig haben und es wahrscheinlich gar nicht mehr interessiert, wo etwas über Sie geschrieben wird.

AKTUELL im neuen FEINSCHMECKER 11-2007, wo über portugiesische Weine und Weingüter berichtet wird und mal wieder die unvermeidlichen deutschen DOURO-BOYS Mayer-Näkel & Philippi als Aushängeschild herhalten müssen. Als gäbe es nicht interessantere Geschichten!

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