K&M Gutsweine – Die Weinhandlung in Frankfurt –

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Südliches Chianti (Classico) – Teil 2 Besuch AZ. AG. PACINA – beeindruckend!!!

Posted by Bernd Klingenbrunn - Sonntag, 7 Oktober 2007

Armin, mein Kompagnon bei K&M, schwärmte mir nach seiner Rückkehr von der VINITALY Anfang April von diesem Weingut aus der Toskana vor. Zwischenzeitlich verkostete Probeflaschen gerieten etwas in Vergessenheit, aber bei der Reiseplanung wollten wir unbedingt dort vorbeischauen. Was uns dann bei unserem Besuch auf dem Weingut an Herzlichkeit, Lebensfreude, Gastfreundschaft, Enthusiasmus entgegengebracht wurde, blieb bis heute unvergesslich und muss als Höhepunkt unserer Toskanareise bezeichnet werden.

Dieser Besuch hinterlies einen immensen Eindruck, gerade durch die beiden Seelen des Hauses, Giovanna Tiezzi und Stefano Borsa, insbesondere ihre Liebe zu ihrer Heimat, aber auch, wie die beiden arbeiten und welch mühsames Brot es ist, Wein unter das Volk zu bringen. Angesichts dieser fantastischen Qualitäten kann man es eigentlich nicht begreifen, dass diese Unikate toskanischer, handwerklicher Winzerkunst in unseren Breiten nicht stärker bekannt sind, denn qualitativ gehören die Weine, der CHIANTI COLLI SENESI sowie der SYRAH „LA MALENA“ – wenn auch nur in begrenzter Stückzahl vorhandenen – zu den besten toskanischen Weinen.

Um 17:00 Uhr sind wir auf dem Bioweingut PACINA bei Castelnuovo Berardenga verabredet. Das Weingut von Giovanna Tiezzi und Stefano Borsa liegt genau an der Grenze zum Chianti Classico Gebiet. Der berühmte Weinführer „Gambero Rosso“ schreibt dem Chianti Colli Senesi aus dieser Ecke trotzdem alle Charakteristika eines „Classicos“ zu.

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Schon das Entrè des Weingutes verzaubert. Wir passieren eine lange, alte Zypressenallee, von allen Seiten begrüßen uns Blumen und wohin man auch blickt, scheint sich Goethes Toskana zu präsentieren. Das Areal war früher ein Kloster, die Mauern des Gutsgebäudes könnten eine 1000 jährige Geschichte erzählen, im Kontext wirkt es wie eine Mischung aus Dorf, Kloster und Fabrikgebäude.

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Als wir dort eintreffen, sind eine Menge Menschen damit beschäftigt, Trauben zu verarbeiten. Ein Mann mit ziemlich feuchten und komplett rotgefärbten Armen streckt uns seine nasse Hand entgegen : Hallo, ich bin Stefano (Borsa), wir sind gerade dabei, den Syrah abzubeeren und zu pressen. Sobald ich etwas Zeit habe, komme ich nach“ und ruft schnurstracks nach Giovanna.

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Nach einem kurzem Blick aus einem der vielen Fenster des Klostergebäudes begrüßt auch Sie uns sehr herzlich mit einem bezaubernden, offenen Lächeln:

Hallo, ich bin Giovannina, die «kleine Giovanna», meinte sie fast entschuldigend, habt ihr Lust auf eine kleine Wanderung in die Weinberge? Haben wir und da die Reben alle um das Gutsgebäude liegen, wird es eher ein gemütlicher Spaziergang, den auch Hund „gusgus“ zum Herumtollen nutzt.

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Giovannas Familie lebt seit 5 Generationen auf dem Weingut und Stefano ist mit seinem beendeten Landwirtschafts-Studium die ideale Ergänzung. Man merkt den beiden die Liebe zum Land und der Arbeit mit dem Boden und Reben an – sie erzählen so bildhaft und mit Stolz von ihrer Arbeit.

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Das Weingut wird vollkommen biodynamisch bewirtschaftet und hat außer 10 ha außergewöhnlicher Reblagen in verkannten Grenzlagen auch noch Olivenbäume, Kornfelder, Gemüse und Wald. Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche liegt bei 50 ha. Olivenöl wird ca. 2.000 Liter pro Jahr produziert.

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„Leben vom Ertrag der 2000 Olivenbäume und dem Ertrag der zehn Hektaren Reben?“ „Nein, das können sie nicht.“

Doch damit kommen die beiden ganz gut klar. Zusätzlich zu der Verarbeitung eigenen Weines, Giovannas Pflichten als Mutter, Winzerin und Herrin über 50 Hektaren Busch- Wein- und Weizenland, betreiben Sie einen «Agriturismo». «Wichtig ist, das Erbe meiner Väter halten zu können» meint sie und die Antwort kommt fröhlich und mit einer überzeugenden Selbstverständlichkeit.

Inzwischen war auch Stefano dazugestoßen. Lange Jahre war er als Manager auf einem der renommiertesten Chianti Classico Weingüter der Toskana angestellt, dem Castello di Volpaia in Radda, heute arbeitet er neben seinem Winzerdasein zusätzlich auch noch als beratender Önologe für verschiedene Weingüter.

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60% der Rebenernte wird als Flaschenwein Chianti Colli Senesi abgefüllt (dazu überredet hat sie übrigens Giovanna Morganti, ebenfalls Winzerin von der Podere Le Boncie und gute Freundin) der Rest wird offen oder als Secondo verkauft.

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Der Rebbestand besteht teilweise aus 40-Jahre alten Anlagen, es sind auch 20-jahrige und 10-jährige Anlagen dabei, darunter auch eine alte Sangiovese Art (Ciliegiolo). Wir sehen die gesündesten und kompaktesten Trauben der gesamten Reise. Auch die Blätter weisen nicht wie bei vielen anderen gesehenen Rebstöcken Trockenschäden auf.

Die Trauben werden ausschließlich hochreif und immer nur von Hand gelesen. Jeder Weinberg wird bei der Lese mehrmals selektiert und gelesen. Bei der Entrappung wird darauf geachtet, dass weder die Traubenhaut noch die Stängel beschädigt werden. Die Maischestandzeit beträgt ca. 4-6 Wochen – vergärt wird nur mit eigenen Hefen und ohne Temperatur-Kontrolle.

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Natürliche Verhältnisse im Keller – eine Eidechse

Der puristische Keller ist aus Naturstein, so dass optimales Klima und immer gleichbleibendeTemperatur vorherrscht. Nach der Maischestandzeit kommt der Wein in große Holzfässer (er gärt teilweise noch bis Mai des Folgejahres)

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und nach einem Jahr in kleine, mehrfach belegte Barrique. In der Zwischenzeit wird er nicht bewegt, nach der Abfüllung bleibt er 6 Monate auf der Flasche, bis er in den Verkauf kommt. Das heißt von der Lese bis zum Verkauf vergehen ca. 3 Jahre.

Wir probieren den 2004er Chianti Colli Senesi und sind begeistert –unglaubliche Frische und Saftigkeit, ein perfektes Gleichgewicht aus Temperament und Kraft. Terroirausdruck (die Sangiovese-Trauben reifen auf tiefgründigen, sandigen Lehmböden), dank natürlich reduzierter Erträge und naturnahem Weinbau besitzen die Weine eine ausgesprochene Eigenständigkeit. Wir können behaupten, einen der schönsten, eigenständigsten, süffigsten, dynamischsten Weine der Toskana – ein Stück heile Natur im Glas -getrunken zu haben.

Es wird auch ein kleiner Teil Vin Santo produziert –und zwar trocken, also eher Sherry-artig. Die letzte Produktion waren gerademal 600 Flaschen, die auch ruckzuck ausverkauft waren und sind.

Zusätzlich zum Sangiovese stehen auch ein paar Hektar Syrah im Ertrag, der hier tatsächlich ausgezeichnete Resultate einbringt. Zwar werden davon nur ein paar tausend Flaschen produziert, doch gehört die Malena (LA MALENA) mit zu den besten Interpretationen dieser Sorte. Wer einmal die wunderbare Cuvée «Syrah Leone» von Marlène Soria (Domaine de Peyre Rose in den Coteaux du Languedoc) verkostet hat, kann unsere Freude verstehen, als wir diesen Wein bei einer anschließenden Probe im Gutshaus probieren konnten.

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Zum Schluss zeigt uns Stefano noch seinen Gemüsegarten – den man übrigens als Ferienwohnungsmieter nutzen kann –und auch die Ferienwohnungen. 3 Wohnungen mit insgesamt 8 Betten in den ehemaligen Halbpachthäusern. Die Zimmer sind alle belegt – aber wir sehen den Aufenthaltsraum, den Holzofen (noch warm vom gestrigen Brotbacken), die Küche, den gemeinsamen Speisesaal und das Schwimmbad (im Winter geheizt). Die Terrasse der Wohnungen liegt zum Olivenhain –einfach traumhaft!

Nach über 4 Stunden war dieser Besuch zu Ende, leider. Was diese beiden unglaublich sympathischen Menschen hier vorleben und produzieren, ist erfrischend originell und eigenständig und hat Klasse. Wir können nur hoffen, dass sie sich etwas von dieser Natürlichkeit bewahren, die sie heute so sympathisch macht. Wir haben uns jedenfalls unglaublich wohl gefühlt an diesem Ort der Ruhe und Zeit und freuen uns schon auf ein Wiedersehen mit Stefano am 11.11.07 in München!

Am Ende dieses wahrlich gelungenen Tages noch eine Restaurantempfehlung, wo man auch noch um 22:00 Uhr etwas anständiges zu essen bekommt, obwohl gerade die Squadra Azzurra ein EM-Qualispiel in der Ukraine absolvierte und es mit einem 2:1 Erfolg abschloß.

Um 21:00 Uhr verlassen wir erst das Weingut – und beschließen, in der kleinen Enoteca Bengodi in Castelnuovo Berardenga noch einen Happen zu essen:

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Bengodi – Enoteca e Cucina –
Via della Società Operaia 11-
53019 Castelnuovo Berardenga (SI)
Tel. 0577355116
Vinothek durchgehend von 11-24 Uhr geöffnet, Montags geschlossen.

Pappardelle con sugo di carne
Pici Agliona (schmackhafte Tomatensauce mit Knoblauch)
….
Stuffato in Chianti (Rinderschmorstück mit Gemüse)
Peposo – Schweingulasch mit Paprika und Tomatensoße

Wir trinken dazu glasweise – wie könnte es anders sein – einen 2003er Chianti Colli Senesi der Az. Agr. Pacina und sind rundum satt und zufrieden.

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