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Archive for 15. November 2006

Quo vadis Chianti Classico – Marco Pallanti in Wiesbaden

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 15 November 2006

Marco PallantiAm Donnerstag, den 02.11.06, kam der neu gewählte Präsident des Consorzio Vino Chianti Classico, Marco Pallanti nach Wiesbaden in den Nassauer Hof, um in einem Pressegespräch über die Aktivitäten und Neuheiten zu berichten, die er zu Amtsbeginn in Angriff nehmen will.

Als Weinfreund, der über die Region Chianti Classico überhaupt erst zum Weingenuß gekommen ist, hat mich das Antrittsgespräch, die Visionen, die Marco Pallanti hat und natürlich die anschließende Verkostung von 9 Weinen besonders interessiert.

Enttäuschend das Interesse der Medien. Gerade mal 12 Personen wollten sich darüber informieren.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick:

Ab dem Jahrgang 2006 sind keine weißen Rebsorten im Chianti Classico und CC Riserva zugelassen.

Für einen Chianti Classico dürfen nur Reben verwendet werden, die älter als 4 Jahre sind

Maximaler Ertrag von 52,5 hl/ha

Abfüllung der Weine darf nur in der Region erfolgen

Vinifikation sollte traditionell erfolgen: Handlese, Ausbau in Beton, der kontinuierlich durch Stahl zu ersetzen ist, max. 30 Grad bei der Fermentation der Weine.

Appellationweine sind noch nicht vorgesehen, da das Terroir in den Zonen wie Radda oder Panzano Ähnlichkeiten und Überschneidungen haben.

Durch das Projekt Chianti Classico 2000 haben sich die Klone R24, F9, VCR 23, VCR 19 als sehr gute Klone erwiesen, diese sollten auch verwendet werden.

Künftig wird die Herkunft analog zum Brunello durch Kennzeichnung im Internet nachverfolgbar sein

Dem Wein muss nicht nur äußerlich ein neues image gegeben werden, sondern auch der Inhalt sollte die Region wiederspiegeln. Deshalb muss die Sangiovese-Rebe im Mittelpunkt stehen, denn sie ist für die Region wichtig und einzigartig.

Die Probe:

Die anschliesende Verkostung von je drei Weinen unterschiedlicher Stilistiken brachte für mich mehr Klarheit, was ich unter einem Chianti Claassico verstehe.

Nicht die aufgepumpten, mit Extraktion und Holztannin aufgeblähten Bordeaux-Typen, die schon beim Riechen im Glas satt machen, nein: mein Favorit ist der beerige, mit frischer Säure und angenehmer Adstringenz ausgestattete Trinkwein aber auch der Begleiter bodenständiger Heimatküche einfachster, aber bestens zubereiteter Indegrenzien.

Ein bischen Moderne schadet nicht, wie beim 2001er Riserva von Felsina, deren Stilistik sich zwar in den späten 90ern etwas gewandelt hat, aber immer noch Herkunft erkennen läßt. Durch die etwas schwereren Böden um Castelnuovo Beradenga auch etwas dichter am Gaumen, aber auch gut balanciert, mit einem Hauch Holz, aber die Sangiovese immer unterstütztend und nicht verleugnend.

Sehr gut auch:
2004 Chianti Classico Tenuta di Lilliano

Aus einem sehr guten Jahr, da es keine Wetterkapriolen gab. Offener, beeriger Duft; viel Frucht am Gaumen, sehr präsent, schöner Schmelz, reife Tannine, nicht trocknend, gute Persistenz. Ein Klassiker, der auch zum anschließenden Buffet vollends überzeugte.

2003 Chianti Classico Castello di Ama
Auch die Toskana hatte unter der Hitze 2003 zu leiden. Wer jedoch höhere Lagen wie Ama besitzt (etwa auf 500m), konnte die Weine früher ernten. Das merkt man diesem Wein sehr gut an. Keine Marmelade, Sangiovese erkennbar, moderne Lakritznoten, dunkle Beerenfrucht, reif aber nicht gekocht wirkend, reicher Körper, dezentes Holz, immer begleitend, nie dominant. Sehr harmonisch mit dunkler Würze.

2001 Chianti Classico Riserva Fattoria di Felsina
In den ersten 3 Wochen des Oktobers 2001 geerntet, danach für 12-15 Tage Mazeration. 2 Monate Barrique und danach 18 Monate im kleinen Holz, anschließend 6 Monate Flaschenreife. Klassische kirschfrucht, reife, süße Tannine, würzig am Gaumen, elegant, Säure merklich, aber gut aufgefangen durch den Körper. Immer noch als Toskaner erkennbar. Macht Trinkspaß zum Essen.

Danach dann genau die Tropfen, die wahrscheinlich besser in eine Bordeaux-Probe passen, so zugeschminkt und überextrahiert wirkten die Weine. Keinerlei Trinkspaß, sattmachend, nicht als Sangiovese erkennbar, aber: GUT GEMACHTE WEINE FÜR DAS INTERNATIONALE PUBLIKUM!

2004 Chianti Classico Barone Ricasoli
Trotz 100% Sangiovese wurden Cabernettöne wahrgenommen. Bordeaux-stylish, viel Holzextrakt. Sattmachend, sehr fordernder Wein.

2003 Chianti Classico I Massi – Il Colombaio di Cencio
Sangiovese/Merlot/Canaiolo; offene Fermentation für 33 Tage; 1 Jahr in gebrauchten Barriques; Merlot-Stinker, Schokolade, sehr rund und weich, kaum Säure und Leben im Wein, Weichspüler…Vernell!

2001 Chianti Classico Riserva Il Molino di Grace
90% Sangiovese, der Rest Stillschweigen. Viel Kraft; sehr fest am Gaumen, macht allerdings auch schnell satt, alles sehr intensiv und fordend. Wo bleibt die Trinkfreude?

Um das weinaffine Publikum für Chianti Classico zu begeistern, wurden unter dem Motto „Der Schwarze Hahn on Tour“ im Zeitraum vom 6. bis 12. November bei insgesamt 30 Gastronomie-Partnern je acht ausgewählte Chianti Classico Weine im glasweisen Ausschank präsentiert. Der Veranstalter, das Consorzio Vino Chianti Classico, bietet damit einen unkomplizierten Einstieg und zudem einen Vergleich verschiedener Chianti Classico Weine, der so ansonsten in der deutschen Gastronomie nicht möglich ist.

Die Promotion fand in Frankfurt u.a. im Orpheo´s statt::

Frech fand ich die Glaspreise, denn der Gastropartner hatte die Weine sicherlich gratis zur Verfügung gestellt bekommen.

2003 Chianti Classico Valle delle Corti 0,1 l für 3,- EUR
moderner Typus, weiche Säure. War ganzok, aber nicht mein Fall.

2004 Chianti Classico Fatt. die Petroio 0,1l für 3,20 EUR
rauchiger Duft, sehr rund am Gaumen, süße Tannine, moderner Typus

2001 Chianti Classico Riserva Colle Bereto 0,1l für 4,20 EUR
klassisch, saftig, gute Säure. Macht Spaß!

Der richtige für unser Sortiment war noch nicht dabei, aber es folgen ja die Prowein und da werden wir wieder reinschnuppern, in die Visionen des Marco Pallanti und das, was die Consorzio-Mitglieder auf die Flasche gebracht haben.

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1990 Chianti Classico Riserva Weingut Castell´in Villa

Posted by Bernd Klingenbrunn - Mittwoch, 15 November 2006

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Castell’in Villa, im südlichen Classico nahe Castelnuovo Berardenga gelegen, ist eines der bekanntesten Adelsgüter der Toskana. Die historischen Wurzeln des weilerartigen Anwesens reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die trutzige Burg in eine Landvilla des Adels umgebaut, später in ein Jagdhaus. Weingut war sie eigentlich nie. Das änderte sich 1967, als der römische Diplomat Prinz Riccardo Pignatelli den Besitz erwarb. Er liess Weinberge anlegen und sich von Antinoris legendärem Önologen Giacomo Tachis beraten.
Seit seinem Tod 1990 leitet seine Witwe Coralia, eine gebürtige Griechin, das Gut. La Principessa, wie Coralia liebevoll genannt wird, setzt dabei wie ihr verstorbener Mann auf Tradition: Im südlichen Chianti Classico, werden besonders üppige Rotweine gekeltert. Und wie kein anderes Gut hat sich Castell’in Villa den Ruf erworben, besonders langlebige Weine, aber auch traditionelle Chiantis hervorzubringen.

Wein ist nicht nur ein Getränk. Nein, mit Wein verbindet man auch Emotionen oder besondere Ereignisse oder am besten beides zusammen. Die Weine von Castell´in Villa, nahe Castelnuovo Berardenga, sind schon seit Jahren meine Lieblings-Chianti´s. Fernab jeder Modewelle repräsentieren die Weine alles, was man von einem typischen Chianti Classico erwartet.

Frische, Frucht und Säure im Einklang, Trinkigkeit. Kein hochgezüchtetes Edelnüttchen mit viel Schminke und Vordergründigkeit. Bodenständig, ehrlich, immer animierend im Trinkfluß. Kein großer Wein, aber ein Wein mit Größe und Identität zum Sangiovese und zur Heimat.

Und: sie können beachtlich reifen. Wie der über 3(!!) Tage getrunkene 90er eindrucksvoll demonstrierte. Am ersten Tag noch widerspenstig mit strengen Tanninen, die sich über die nächsten Tage wunderbar intergrierten. Reife, nach Schattenmorellen duftende Nase, klassische, transparente Farbe, zupackende, nicht aggressive Säure. Alleine getrunken ganz ok, aber selbst nur zu einem schnöden Salamibrot machte der Wein Freudensprünge, als wolle er sagen: danke für die Begleitung, dass habe ich jetzt benötigt. Und im Geiste lief wieder der Film der Emotion ab, den wir im Oktober 2002 vor Ort erlebten.

Oktober 2002:

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Ein ganz besonderes Erlebnis kamen meiner Barbara und mir im Restaurant des Weingutes Castell´in Villa in der Nähe von Castelnuovo Berardenga zuteil. Das Restaurant hat nur gegen Voranmeldung geöffnet und so fuhren wir tags zuvor dorthin, um uns das Anwesen anzuschauen und trafen in der Administration eine gutaussehende, auch deutschsprechende Dame mit ihren beiden wunderschönen ungarischen Hunden. Bei ihr reservierten wir eine Tisch für den kommenden Abend.

So machten wir uns dann am kommenden Abend auf einer Hoppelpiste gen Castell´in Villa. Oben angekommen war alles stockdunkel. Der Weg zum Restaurant war uns nicht fremd, aber wieder alles stockdunkel. Nur nebenan werkelte ein Koch in seiner Küche. Wir also zu ihm hin, ihm unsere Reservierung für heute abend vortragend. Er sichtlich überrascht, wüsste nichts von einer Reservierung, wir sollten doch 10 Minuten warten. Gesagt getan, und nach 10 Minuten schloss er uns das Restaurant auf, drehte Licht, Heizung und etwas Musik an und lies uns einen Platz aussuchen. Er verschwand dann kurz in der Küche, um uns kurz darauf mitzuteilen, das wir heute abend nur mit ihm Vorlieb nehmen müssten, denn vom Servicepersonal wäre heute keiner da, ebenso bestünde heute die Küchenbrigade nur aus ihm. Da ist wohl ein Fehler in der Kommunikation aufgetreten, aber es sollte der seit langem gelungeste Abend werden, der uns beiden, die wir schon seit 18 Jahren zusammen sind, widerfahren sollte. (heute, 2006 sind wir übrigens verheiratet:-)

Wir hatten also den ganzen Abend ein ganzes Restaurant nur für uns alleine!!
Grund des Restaurant-Besuches waren eigentlich die sehr traditionell hergestellten Weine. Ich kannte bis dato nur den 90er Chianti Classico Riserva, für lächerliches Geld ersteigert, und so wollte ich im Restaurant noch weitere Weine kennenlernen,was dort auch möglich ist,denn einige Weine können auch glasweise genossen werden.

Ich entschied mich aber für eine Flasche 1986er Chianti Classico Riserva,der alles andere als tot wirkte. Viel frische Frucht, Säure und Tannin in Harmonie, elegant, sehr lang. Kurzum, ein Erlebnis. Übrigens war der 86er nicht der älteste, es gab noch 77er+71er, auch noch für vergleichsweise wenig Geld erwerbbar.

Zurück zum Koch: nachdem wir unsere 4-Gang Bestellung durchgegeben hatten, in seinem Gesicht den Ansatz einer leichten Verzweiflung erahnen konnten (er war ja schlieslich alleine) bot ich ihm als ehemaliger Kollege noch meine Hilfe an, die er aber dankend ablehnte. „Schliesslich sind Sie ja die Gäste“, meinte er. So gab es dann wunderbare Gerichte, auf den Punkt gebraten und perfekt gewürzt,toll angerichtet, alles in sich stimmig, kurzum traditionell verfeinerte Sterneküche, höchstes Niveau.

Antipasti:
diverse selbstgebackene Brotsorten, fritierte Pasta

Primi
Maltagliate mit Spinat und kleinen Tomätchen
Tagliolini mit Kichererbsen-Minz-Soße

Secondi:
Lammfilet mit Auberginenflan, Paprikatratatouille und Steinpilzen
Tagliata vom Kalb mit dreierlei Paprikamus, Paprikaratatouille und Steinpilzen

Dessert:
Mousse von Corbezzolo
Creme Caramel
Torta die Ficchi
Mini-Cantuccini

Als Dessertwein den traditionellen Vin Santo; oxidativer Stil, Struktur, Eleganz, Länge, aber zu jung.

Der Koch – Massimo di Fulvio – hat Jahre in Frankreich, Kalifornien und Australien verbracht, er kochte aber auch im Arnolfo in Colle Val d´Elsa. Das Restaurant ist im Winter bis April geschlossen, so das er wieder auf Reisen gehen kann, diesmal nach Neuseeland, wie er uns erzählte. Ihm hat dieser Abend auch sehr viel Spass gemacht, für ihn war es auch eine Premiere.

Kulinarisch gesehen war das mit das Beste,was ich in unserem 10.Toskana Urlaub bisher mitgemacht habe, getoppt nur noch von der Bottega del 30 in Villa a Sesta, wo die begnadete Köchin Helen zaubert und ihr Franco das Lokal zu seiner Bühne erklärt.

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