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Der am Boden gebliebene Holländer – 10 Jahre Spätburgunder SD Jacob Duijn

Geschrieben von Bernd Klingenbrunn - Montag, 9 Januar 2012

Die Objekte der Begierde

Dunkel erinnere ich mich noch, es muss wohl 1998 oder 1999 gewesen sein, da wurde in der Weinszene über einen Holländer gemunkelt, der in der Ortenau so gar nicht typische deutsche Spätburgunder ausbaut, dazu noch mit „exzessivem“ Barriqueeinsatz. Erneut eine Revolution in Baden oder was??

Es klang interessant, also besuchte ich den guten Mann damals in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei in Bühl-Kappelwindeck. Jacob Duijn war sein Name, und zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde gerade gefüllt und das sah schon alles sehr „traditionell“ aus, wie da die Flaschen verkorkt und etikettiert wurden. Aber es hatte Charme und Jacob hatte auch während dieser Phase Zeit und Lust, uns seine Weine vorzustellen. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Schwerpunkt weintechnisch ganz klar in der Toskana, mit badischen Weinen hatte ich wenig am Hut, geschweige denn mit Spätburgunder. Während der Probe aber fand ich Gefallen an dieser Art von Weinen, sie waren so anders in Ihrer Art, als vieles, was ich aus der näheren Umgebung probiert hatte, vielleicht auch durch den Barriqueeinsatz, den ich ja aus der Toskana auch schon kannte und in Teilen auch mochte, und so wanderten damals der 1999er Spätburgunder Qba und der 1999er SD (damals 30,- DM) in den Keller. Während der SD mit der letzten Flasche 2008 nach knapp 10 Jahren perfekt auf dem Höhepunkt erwischt wurde (man riet mir damals“ leg ihn 8-10 Jahre weg“, liegt der „kleine“ Duijn aus 99 noch immer im Keller. Und steht – wie am Samstag in Vorbereitung auf diese SD Probe festgestellt – wie eine eins im Glas.

Vor und während der Probe der Vertikale gab uns der Winzer einen Einblick in sein Schaffen. 1994 hängte er seinen Sommelierjob (bei Witzigmann und der Bühler Höhe) an den Nagel und wechselte in den Vertrieb eines Bremer Importhauses, aber auch das war nur ein knapp 10jähriges Zwischenspiel. Er kam damit dem Wein immer näher. Als man ihm einen Weinberg hoch über Bühl anbot, beschloss er, nur noch Wein zu machen. Seine ganze Leidenschaft galt und gilt dem Spätburgunder. Die ursprünglich auf 11 Hektar angewachsene Rebfläche hat er zwischenzeitlich wieder auf 6,5 Hektar verkleinert, weil er es nach seiner Vorstellung so besser machen kann. Bewirtschaftet wird seit 1994 naturnah und biodynamisch, seit 2009 hat er das Demeter-Siegel, wobei selbst der Mond eine gewichtige Rolle spielt. „Die Mondphasen haben großen Einfluss auf das Leben“, erklärt er. Und ernst fügt er hinzu: „Wir brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns nicht.“

Hier nun die Verkostungsnotizen, die Probe fand im sehr kühlen und schumrigen Barriquekeller des Weingutes statt, so dass ich die Farbbeschreibung leider außen vor lassen muss.

1998 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Premierenjahrgang, laut Winzer ein gutes Jahr. 32hl/ha Ertrag. Hauch von Minze, Tannin merklich, wirkt immer noch sehr jugendlich. 89/100 Pkt.

1999 Spätburgunder SD

Weder auf dem Weingut noch bei mir keine einzige Flasche mehr vorhanden, dafür hier eine Notiz von der Spätburgunderprobe des Rhein-Main-Stammtisches vom 13.10.2008 von Armin Maurer
Der letzte trockene Wein war dann mein Sieger des Abends:
Zuerst grüne Tabakblätter und etwas Zedernholz, dann feine Frucht, rote Beeren, etwas süßliche Walderdbeere, auch feine Kirschnoten, sehr schön komplex, samtig gereift, elegant und eher leicht, aber doch in keiner Weise dünn, wunderbar samtig zog der Wein über die Zunge. Großartig und mir 94P wert, ich denke er war auf den Punkt, Potential sehe ich eher nicht mehr.

 

 

 

 

Der Müller-Thurgau aus Weisenbach (links im Bild) hat auch eine Geschichte, am Ende dazu mehr.

2000 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Am Gaumen deutlich wuchtiger und auch leicht öliger, wirkt konzentrierter, von Hand entrappt, kraftvoller Bursche, sehr ausladende Beerenaromatik, auch ein Tick alkoholisch wirkend. Das Holz zeigt sich noch leicht dominant. Insgesamt trotz der Wucht recht ausgeglichen am Gaumen. 87/100 Pkt.

2001 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Zu 100 % neue Eichenfässser benutzt, zeigt sich der Wein jetzt nur noch vom Holz geküsst, die feine, frische Säure verleiht ihm eine ungeheure Strahlkraft. Was für eine geile Nase, Tabaknoten erinnern an Burgund, tiefgründig und von feiner Finesse, duftet herrlich fein nach roten, reifen Beeren. Dazu wunderbare an Salbei erinnernde Noten. Herrlich komplex und kraftvoll, saftig und mit feinem Säurespiel, spielt mit den Muskeln um dann gleichzeitig anmutig mit feinen, tiefen Aromen zu beeindrucken. Mein Favorit der Probe und mir 94-96 Punkte wert.

2002 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Ein schlimmes Jahr, verfaulte Trauben, Regen während der Lese. Jacob selektierte rigoros aus. Zeigt sich deutlich schlanker am Gaumen, dunkle, weniger reif schmeckende Beerennote unterlegt von etwas rauem Tannin. Wirkt am Ende etwas stumpf, zeigt auch hier wieder tabakige Noten. Hmmm…84/100 Pkt.

2003 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Geerntet am 28.8. War er sonst immer einer der letzten bei der Ernte – viele Kollegen schüttelten die Köpfe- war er diesmal der erste. Auch hier wieder ungläubiges, unverständliches Kopfschütteln. Keine Frage, man merkt dennoch den Jahrgang. Im Jugendstadium sicher als wuchtiger Rhonewein zum Verwechseln ähnlich, leugnet er auch nach 8 Jahren nicht seinen Jahrgang. Wuchtig am Gaumen, Kräuter, Schattenmorellen, ein Hauch Lakritz, Nelke, minimal Likör. Jedoch sorgt die feine Säure im Hintergrund für einen gelungenen Frischeschub, er trinkt sich trotz aller Kraft sehr gut. 87/100 Pkt

2004 Spätburgunder SD (aus der Doppel-Magnum)

„Ein „Opfer des 2003er Stress-Jahrgangs, wie auch der 2005er“,  so der Winzer. Zeigt gewisse Parallelen zum 2001er, wie etwa bei der Säure, hat allerdings nicht die Strahlkraft. Ich bemerke Kaffeeröstnoten, Aromen von Nelke und Rosenblättern, auch wieder Tabak, der Wein zeigt mit seinen recht weichen, runden Tanninen sehr zugänglich. Insgesamt auf trinkigem Niveau. Mir fehlt etwas der Zug und die Spannung am Gaumen. (87/100 Pkt)

2005 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Jacob erwähnt, dass sich für Ihn die Umstellung auf die biodynamische Arbeitsweise in diesem Jahrgang erstmals deutlich spürbar zeigt. Zudem wird 10 % weniger Holz eingesetzt. Ich erkenne eine etwas fülligere Struktur, hat etwas von der Art des 2003, ist aber deutlich vitaler in seiner ganzen Erscheinung. Wir riechen Rosenblatt, Tabak, wiederum Kräuter wie Salbei und etwas Liebstöckel. Das Tannin ist runder, der Wein sehr gut haftend am Gaumen, von klebrigen Tanninen – wie ein Journalist behauptet – keine Spur. Hier bin ich zum ersten Mal dabei, Babymord zu schreiben, viel zu jung. 94+/100 Pkt.

2006 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

WOW! Zeigt einen leichten animalischen Ton, der verfliegt aber mit der ersten Umdrehung im Glas. Wir schnuppern reife Johannisbeeren, etwas Himbeere, auch Holz. Am Gaumen salzig-mineralisch, enorm saftig, wirkt eher kühl, stoffig und voll am Gaumen haftend. 93/100 Pkt.

2007 Spätburgunder SD (aus der Magnum)

Farblich etwas heller, zeigt sich schon sehr zugänglich, sehr harmonisch, sehr trinkig, wirkt fast weiblich und filigran, dennoch sehr elegant und nachhaltig am Gaumen. Tolle Nase nach roten Beeren, feines, edles Holz, wirkt auch bei diesem Jahrgang kühl in seiner Art. Ob er aber ein Langläufer wird und sich daher weiter verbessern wird??? 90/100 Pkt.

2008 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)

Sehr frischer, jugendlicher Beerenmix zu Beginn am Gaumen, wir riechen wieder feine Tabaknoten, wirkt wiederum recht kühl, Aromen von Johannisbeeren, Kirschen, Schlehen umkreisen die Zunge, zarte Holznote, am Gaumen sehr frisch und saftig, extrem jugendlich wirkend, dabei seidige Textur. 89/100 Pkt.

2009 Spätburgunder SD (aus der 0,75l Flasche)
Der Ertrag liegt bei ca. 25 hl/ha. In großen 3000l Holzbottichen vergoren, ca. 24 Monate im Barrique gelagert. Wunderbar klare und präzise Frucht, tiefgründige Mineralität, feines, elegantes Säurespiel, packt am Gaumen zu, muskolös. Kaufen und wenigstens 5 Jahre weglegen. Derzeit 90+ Pkt. €47,-

Premiere in Weisenbach: Wein aus heimischer Lage.

Weisenbacher KapfFür den Weisenbacher Gerhard Strobel war der Erhalt vom Weinberg Weisenbacher Kapf  eine besondere Herzensangelegenheit. Sein Vater hatte schon dort Weinbau betrieben. Die Tradition und der Erhalt dieses wunderschönen Naturparadies muss fortgeführt werden.

In Weisenbach steht zum 18.06.2010 eine besondere Premiere an. Es wird zum ersten Male ein eigenständiger (selbstvermarkteter) Wein aus dem Weisenbacher Weinberg Kapf angeboten. Die Tradition des Weinbaus reicht weit in das Mittelalter zurück. Weinbau in Deutschland ist seit den Römern bekannt. Ins Murgtal gelangte der Wein im Zuge der mittelalterlichen Besiedlung. Erstmalig wurde der Weinbau in Weisenbach in einem Dokument des bischhöflichen Generalvikars 1481 unter „Kapelle St. Wendel in den Weinreben“ erwähnt. Im späten Mittelalter war der Weinanbau weit verbreitet. Es wurde reichlich produziert und konsumiert. Hohe Qualitätsanforderungen durfte man damals an dieses Getränk jedoch nicht stellen. Einen Hinweis auf den Weinhandel liefert die ehemalige Fernhandelsstraße von Gernsbach entlang der Höhenzüge nach Baiersbronn. Der Weg führt heute noch die Bezeichnung „Alte Weinstraße“.

Aus einem Ebersteinischen Lagerbuch vom Jahre 1597 ist zu entnehmen, dass der „Weißenbacher Frucht-weyn“ aus den „Wyngärten“, als „Kleinnzehnt“ dem Domstift Speyer abzuliefern ist. Der Weinzehnt wurde erst im Jahre 1851 abgeschafft. 1880 betrug die Anbauflächen 15 Morgen (=540 ar), 1937 bereits 634 ar. Eine Flurbereinigung erfolgte im Jahre 1972, der Weinbau wurde modernisiert und aktiviert. Zum Anbau kamen die Rebsorten Spätburgunder, Ruländer und Müller-Thurgau.

Der Weisenbacher Gerhard Strobel gewann 2009 den in Bühl – Kappelwindeck ansässigen Winzer Jacob Duijn für die Arbeiten im Weinberg und für den Ausbau der Qualitätsweine. Vor Jahren verwirklichte sich der Holländer seinen Traum: Ein eigenes Weingut. Es war mehr eine Laune des Zufalls, als der erfahrene Sommelier 1994 den ersten Weinberg von einem ortsansässigen Winzer kaufte. Inzwischen hat Duijn seinen Betrieb beachtlich erweitert und sich innerhalb weniger Jahre zur Spitze der deutschen Rotweinerzeuger emporgearbeitet. Sein Weingut zählt heute zu den besten Deutschlands.

Das Lesegut aus dem Weisenbacher Kapf wird sorgfältig in der Kellerei von Weingut Duijn in Bühl-Kappelwindeck veredelt. Das Resultat ist ein leichter, feiner Wein mit lang anhaltender Frucht und gut eingebundener Säure. Der ideale Begleiter zu leichten Sommergerichten.

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Verkostungsnotizen der 2009er Weissweine von Alexander Laible

Geschrieben von Bernd Klingenbrunn - Montag, 5 April 2010

Vergangenen Sonntag machte ich auf der Rückreise von der Messe “Grand Jour de Bourgogne” Halt bei Alexander Laible in seinem schmucken Weingut in Durbach-Ebersweier. Vielen Dank an Alexander, dass er sich auch an diesem Sonntag über 2 Stunden für uns Zeit genommen hatte. Sein Weingut hat seit unserem letzten Besuch im Januar 2009 nun auch einen Anstrich bekommen. Man hat das Gefühl, auf einem Weingut im Süden Europas vorzufahren.

 


Alexander Laible, trotz großartiger nationaler Erfolge ein bodenständiger und sympathischer Winzer


2008 Chardonnay Sekt brut

Liegt mit 17g Restzucker analytisch eher im feinherben Bereich, die 7g Säure puffern diese aber sehr schön ab. Aromen von reifer Banane, dazu am Gaumen von feiner Creme, trinkig. 86/100 Pkt.


2009 Weißer Burgunder trocken **

Weicher Ansatz, dann Noten von gelben Früchten, würzige und kräuterige Noten, Hauch Quitte, guter Trinkfluß, am Ende feiner Schmelz und wieder Kräuternoten. 87/100 Pkt

 

2009 Weißer Burgunder trocken SL ***

Im Antrunk geschmeidig und weich, wirkt und ist etwas fülliger und kompakter. Viel gelbe Früchte wie Mirabellen, Quitten und etwas Pfirsichen am Gaumen. Die leicht höhere Säure lässt den Wein im weiteren Verlauf straffer wirken. Sehr klare und saubere Aromen, entwickelt schöne Saftigkeit, macht Spaß. 90/100 Pkt

 

2009 Weißer Burgunder trocken CHARA ***

Noch von würzig-hefigen Noten begleitet, dennoch mit sehr klarer gelbfleischiger Frucht und einem Hauch exotischer Noten (Papaya, Passionsfrucht) unterlegter Wein. Klare, sehr aromatische Länge, klingt ungemein lange nach. Toller Wein. 90+/100 Pkt

 

2009 Grauer Burgunder trocken **

Aromen von Birnen und Melonen, am Gaumen mit herrlichem Spiel von salziger Mineralität, Frucht und leichter Spontinote. Wunderbarer Schmelz am Gaumen, sehr schöner Grauburgunder, der folgende gefiel uns aber noch besser. 88+/100 Pkt

 

2009 Grauer Burgunder trocken SL ***

Unheimlicher intensiver, fast schon fülliger Auftritt. Viel Ausdruck am Gaumen: gelber Apfel, Pfirsich und Mirabellennoten, viel Druck am Gaumen, ungemein konzentriert, wirkt „erwachsener“ als der ** Grauburgunder. Großartiger Grauburgunder! 91/100 Pkt.

 

2009 Chardonnay trocken **

Würzig-hefige Note, zarter Schmelz. Im Ansatz etwas füllig, anschließend aber gut kompensiert mit einer schönen, frischen Art, etwas Mandarine und Limette, mit dezent kräuterigen Noten im schönen Finish. 87/100 Pkt

 

2009 Chardonnay trocken SL ***

Herrlicher fruchtiger Ansatz, kräftig und mineralisch zugleich (salzige Noten), herrlich ausgewogen und mit viel Kraft und Finesse ausgestattet. Bleibt sehr lange am Gaumen haften, trotz aller Kraft immens saftig und trinkig auf hohem Niveau. 92/100 Pkt.

 

2009 Chardonnay trocken CHARA ***

Wirkt straffer als die beiden Chardonnay zuvor, die Säure hat etwas mehr Einfluss, auch am Gaumen eher auf der straffen Art, nicht von zuviel Frucht dominierter Wein. Pfeffrige Noten, auch etwas gelbfruchtige Einflüsse 88+/100 Pkt

 2009 Spätburgunder Rosé trocken

Aus 85% Spätburgunder und 15% Lemberger. Im Duft schmeichlerische, natürliche Noten von roten Beeren, die wir auch am Gaumen wiederfinden. Himbeere, Kirschen und Erdbeeren, alles sehr natürlich wirkend, nichts kitschiges sondern ein handwerklich sehr seriöser Spaßwein, trocken ausgebaut. 85/100 Pkt

 

2009 Riesling trocken *

Saftiger, von reifer Säure geprägter Ansatz, pfeffrige Noten, klare Aromatik nach gelben Früchten , animierend, gute Länge und mit gutem Trinkfaktor 87/100 Pkt

 

2009 Riesling trocken Alte Reben ***

Frische Frucht, sehr klar und natürlich in seinen Aromen auftretend. Am Gaumen saftig, noch leicht hefige Noten, man merkt die Reife der Trauben förmlich auf der Zunge. 90/100 Pkt

 

2009 Riesling trocken SL ***

Sehr feiner und klarer Duft nach Birnen  und kleinen, gelben Pfirsichen, auch etwas Schale von rotem Apfel. Sehr fein und elegant am Gaumen, ungemein saftige Ader, feine Mineralität, herrlich lang am Gaumen. 92/100 Pkt.

 

2009 Riesling trocken Alte Reben SG ***

Stammt aus einer mit 55 Jahre alten Rieslingrebstöcken bepflnzten Parzelle namens Siegmatt in den Riesling-Lagen bei Sinzheim. (Baden-Baden). Ein großer Riesling. Schon der Duft ist betörend, man riecht immens reifes Lesematerial, es waren hochreife, kleine, ungemein aromatische Trauben, die Alexander für diesen Wein erntete. Immens druckvoll, großes Aromenreichtum, feine Mineralität, ein ständiges Wechselspiel der Aromen am Gaumen, mal gelbfleischig nach Mirabellen und Pfirsichen, mal rotschaliger Apfel und süße kleine Träubchen. Großartige Länge. 94/100 Pkt

 

2009 Riesling trocken CHARA ***
Wiederum eine klare und frische Aromatik, man merkt wiederum die hochreifen Trauben am Gaumen mit ihrer großen aromatischen Ausprägung, dazu gesellen sich rauchige Spontinoten, tolles Spiel am Gaumen, machen viel Spaß, wirkt frisch. 92/100 Pkt.

 

 

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Ziereisen in der Presse

Geschrieben von Bernd Klingenbrunn - Donnerstag, 3 Dezember 2009

REINER WEIN
Krisenfeste Spätburgunder
von Stuart Pigott

Man sollte meinen, dass die Weltwirtschaftskrise die Experimentierfreude der Winzer ganz erheblich eindämmt. Denn es ist ja eher nicht die richtige Zeit für gewagte neue Weine oder Stilrichtungen. Dass es hierzulande trotzdem erstaunliche Neuigkeiten gibt, spricht Bände über die Kreativität und Hartnäckigkeit mancher deutscher Winzer. Vor allem gilt das im Zusammenhang mit Spätburgunder Rotwein, einer Sorte, bei der seit gut zwanzig Jahren ständig Bewegung herrscht. Der neueste Trend ist die Abkehr vom üppig-geschmeidigen Stil des vergangenen Jahrzehnts, der beim zahlungskräftigen Publikum so gut ankam. Diese Weine hatten meist 14 Prozent und mehr Alkohol und sehr ausgeprägte Eichenaromen (vor allem Toast und Vanille) vom neuen Barriquefass. Manche Spätburgunder dieser Art waren und sind sehr beeindruckend, aber es gibt daneben auch genug plumpe und vordergründig “süßliche” Exemplare.

Winzer wie Hanspeter Ziereisen in Efringen-Kirchen im äußersten Süden von Baden gehen neuerdings aber in eine fast konträre Richtung. Ein perfektes Beispiel für diesen neuen Stil ist Ziereisens herber, schlanker 2007er “Tschuppen” (zwölf Euro ab Hof, Telefon 0 76 28/28 48), der nur 12,5 Prozent Alkoholgehalt aufweist, dafür aber mit einer feinen Himbeernote und lebhafter Frische betört. Normalerweise werden gute Spätburgunder etwa zwei Wochen auf der Maische vergoren, aber bei diesem Wein hat Ziereisen den Kontakt zwischen gärendem Saft und Beerenhäuten auf sechs Wochen ausgedehnt; ein Teil des Geheimnisses dieses kleinen Helden. Ein anderer Aspekt ist der geringe Anteil (nur 20 Prozent ) an neuen Fässern bei der Fassreifung. Noch konzentrierter und strahlender ist der 2007er “Rhini” (22 Euro ab Hof) mit seinem herrlichen Duft von feinster Bitterschokolade und Schwarzkirschen. Noch sehr verschlossen, aber cremig und feinwürzig wirkt der 2007er “Jaspis” (35 Euro ab Hof). Erst die nahezu perfekte Traubenreife und dann jeweils neun und zehn Wochen auf der Maische verleihen diesen zwei Weinen ein enormes Potential; gut gelagert, werden sie sich über Jahrzehnte hin entwickeln.

Dass Ziereisen auf diesem Weg nicht allein ist, zeigen die neuen Weine der “Shelter Winery” im badischen Kenzingen, auch wenn sie ein wenig alkoholreicher ausfallen. Der 2007er Pinot Noir (die französische Bezeichnung für Spätburgunder; 28 Euro ab Hof, Telefon 0 76 44/92 76 63) ist dank reichlicher Gerbstoffe ziemlich herb, aber keinesfalls eindimensional, sondern sehr vielschichtig, tief und würzig. Etwas einfacher, doch ähnlich im Duft wirkt der 2007er Spätburgunder trocken von der “Shelter Winery” (neun Euro ab Hof). Allerdings ist der Körper deutlich schlanker, wodurch die Gerbstoffe noch dominanter wirken – aber genau das macht richtig wach im tiefen Grau der Krise.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.11.2009, Nr. 48 / Seite 56

Alle Ziereisen-Weine gibt es auch zum Original-Abhof-Preis bei K&M Gutsweine in Frankfurt.

Entweder in der Hamburger Allee 37, Mo-Fr.:11-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr) oder in der neuen Filiale im Frankfurter Nordend, Gluckstrasse 20 / Ecke Glauburgstrasse, Mo-Fr. 13-19, Sa: 10-16 (Advent bis 18:00 Uhr)

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Besuch bei Alexander Laible

Geschrieben von Bernd Klingenbrunn - Montag, 12 Januar 2009

Im Mai 2008 konnte ich auf der badischen Weinmesse in Offenburg zum ersten Mal die Debüt-Weine aus dem Jahrgang 2007 von Alexander Laible aus dem badischen Durbach probieren. Natürlich war mir der Name Laible ein Begriff und die meisten Weinkenner verbinden den Namen Laible in erster Linie mit VDP-Winzer Andreas Laible, dessen beide Söhne ebenfalls die Passion Weinmachen weiterführen, Andreas beim Vater und Alexander nach Stationen beim Weingut Kallfelz und Jasmin Kiefer nun mit dem eigenen Weingut, ebenfalls im badischen Durbach. Damals im Mai 08 liesen mich die Weine etwas ratlos zurück, mir war sensorisch zu viel Zucker in den Rieslingen, was die Weine austauschbar wirken lies. Ich wollte den Weinen aber später nochmals eine Chance geben und sie nachprobieren. Alexander hat diese Kritik wohl lange beschäftigt, so dass er uns völlig überraschend im Dezember anrief, “ob wir denn Zeit hätten, er wolle seine Weine bei uns im Laden vorstellen, zum Zeitpunkt der Präsentation im Mai 08 wären die Weine erst kurz gefüllt gewesen, was zu meinem Urteil geführt haben könnte.” Leider machte uns die Witterung (Schnee) einen Strich durch die Rechnung, Alexander blieb im Stau stecken und so verschoben wir den Termin bis auf unbestimmt. Vergangenen Samstag jedoch nutze ich eine Familienfeierlichkeit, um dem Jungwinzer des Jahres 2006 einen Besuch abzustatten.

Zwischenzeitlich wurden er und seine Weine vom Gault Millau als Entdeckung des Jahres 2009 gefeiert. Es galt also zu überprüfen, ob ich meinen Standpunkt von Mai 2008 verteidigen oder ob ich mich beim Winzer entschuldigen muß.

weingut_klein
Weingut Alexander Laible

Hier die Probenreihenfolge:

2007er Chardonnay trocken **
Ausbau im Edelstahl, 24 Std. Maischestandzeit, 2fache Sedimentation. Herrlicher Duft nach Birne, Melone. Sehr fest am Gaumen, feiner Schmelz, sehr stimmig, feine Säure, nachhaltig. 86/100 Pkt (ab Hof ausverkauft)

2007er Riesling trocken (Alexander & Andreas Laible)
50% Kalkmergel, 50% Granitverwitterung, spontan vergoren. Am Gaumen von Zitrus und würzigen Elementen geprägt, sehr traubig-reifer Charakter, sehr straff, mit leicht pflanzlicher Note, dezent exotischer Touch, gute Animation. 84/100 Pkt

2007er Riesling trocken *
Wunderbarer Duft nach reifer Stachelbeere, am Gaumen wieder Zitrus, auch eine passende pflanzliche Note, animiert, saftig, trinkig, straff, macht Spaß. 84/100 Pkt

2007er Riesling trocken **
Reintöniger Duft nach Zitrus und einem Hauch Rosenblätter. Am Gaumen wieder sehr fest mit schöner Grapefruitnote, wiederum sehr straff gewoben, dennoch mit viel Druck und Substanz, sehr trinkanimierend und saftig. 86/100 Pkt

2007er Riesling trocken *** »Alte Reben«
Wunderbare Komposition: Kraft und Eleganz, sehr dicht und spielerisch am Gaumen, wunderbarer Spannungsbogen, spielerische Kraft, saftiges Steinobst (Aprikose) mit einem Hauch Geräuchertem, dezentes Pfefferl (!!!) Herrlich! 88+/100 Pkt

2007er Riesling trocken *** »SL«
10 Trauben pro Stock, Duft von Ananas, wunderbarer Schmelz, viel Kraft, übt Druck aus, dabei fein und elegant mit zarter Note von reifen, hellroten Beeren. Tolle Struktur, sehr lang. 89+/100 Pkt

2007er Riesling trocken *** »Chara«
leider schon ausverkauft

2007er Grauburgunder trocken **
Wirkt etwas eigenwillig in der Aromatik, aber dadurch hochspannend, die Frucht ist eher knapper gehalten, dafür dominieren Aromen nach Brot und würzigen Komponenten, Nüsse, zarte Melone, Schmelz. 87/100 Pkt.

2007er Weißburgunder trocken *** »SL«
Etwas leichter im Ansatz, am Gaumen dann aber viel Kraft, feine Würze, fein ziselierte Säure, leicht pflanzlicher, kontrastgebender Unterton, Balance, Noten von Nelkenpfeffer, alleine sehr schön, aber für mich sicher eine Kandidat, der mit Essen deutlich gewinnen wird. 88/100 Pkt.

2007er Chardonnay trocken *** »SL«
leider schon ausverkauft

2007er Spätburgunder Rosé trocken
leider schon ausverkauft

2007er Spätburgunder trocken *** »Alte Reben«
leider schon ausverkauft

2007er Spätburgunder trocken *** »SL« leider schon ausverkauft
Granatrote Farbe, je zur Hälfte ausgebaut in Edelstahl und neuen Barriques, unfiltriert abgefüllt, feinfruchtige und vornehme Nase mit Aromen von saftiger Johannisbeere und feiner Kirschfrucht, seidig, frisch und komplex am Gaumen, eher filgran aufgebaut, feine Fruchtsüße, bestes Tannin, druckvoll und nachhaltig, feine Würze, elegant, Holz bleibt dezent im Hintergrund. 87+/100 Pkt.

2007er Cuvée Apalasso trocken ***
Je zur Hälfte Spätburgunder und Lemberger, anteiliger Ausbau über 9 Monate zu 30 % im neuen Barrique. Süsses und feinwürziges, vornehm balanciertes Bouquet von frischen, dunklen Waldbeeren und zarter Holzwürze. Saftig-eleganter, wiederum perfekt balancierter Gaumeneindruck mit eleganten Kirschnoten und feiner Tanninstruktur. Finessenreich, vollen Körper, mit seidiger Frucht, etwas Nelken im feinsaftigen, mit rote Beeren endenden Finish. Vielleicht der „modernste“ Wein von Alexander Laible. 86+/100 Pkt.

2007er Lemberger trocken *** »Thymos«
Es scheint in Baden einen Trend zu dieser Sorte zu geben. Zalwander, Dütsch, Laible, dazu Gerhard Roth in Franken, sie alle bauen diese württembergische Sorte in Baden an, die in Österreich unter Blaufränkisch zu den besten Sorten des Landes zählt. Dunkelviolettes Purpur, im Duft durch seine Kräuter- und Würznoten fast an die nördliche Rhône erinnernder Wein. Am Gaumen herrliche Aromatik dunkler Beeren mit würzig-pfeffrigen Unterholznoten mit einem Hauch Schlehen. Am Gaumen wiederum kirschfruchtig und nach dunklen Beeren schmeckend, wunderbar lebendig und frisch, herrlich seidig, feinnervig, mit kräftiger, sortentypischer Säure und feinherbem Tannin und wunderbarer Trinkanimation. Ein feingliedriger und enorm finessenreicher Lemberger, der dezent Erinnerungen an jene Blaufränkische aufkommen lässt, die an den kalkhaltigen Hängen des Leithagebirges rund um Eisenstadt im Burgenland gedeihen. Mein persönlicher Favorit dieser Probenreihe. 90/100 Pkt.

2007er Lemberger trocken *** »R«
kommt er in den nächsten Tagen auf den Markt, leider nicht probiert

2007er Spätburgunder trocken *** »R«
kommt er in den nächsten Tagen auf den Markt, leider nicht probiert

2007er Riesling Beerenauslese *** »0,375l«
Welch ein Abschluß. 11‰ Säure, dagegen steht aber eine wunderbare, nicht klebrige Süße. Frisch geöffnet, zeigt der Wein weniger als „steckt noch in den Kinderschuhen“. Sehr traubiger Charakter, Noten von frisch gekochtem Apfelkompott mit Vanille- und Zimtstangennoten, stramme Säure, traubige, natürliche Süße, herrlich! Kaufen und weglegen, in 5 Jahren wieder probieren, ein Monument für die Ewigkeit! 93/100 Pkt

Nun, anhand der >Beschreibungen kann wohl jeder nachvollziehen, dass die Probe enorme Freude bereitet hat. Natürlich muss ich meine Entschidung von damals deutlich revidieren, die Weine zeigten sich von einer eindeutig besseren Seite, machten viel Freude und sind stringend durchstrukturiert, die Handschrift ist deutlich zu erkennen. Übrigens, wie klein Deutschland doch ist und das Durbach der Nabel der Weinwelt ist, zeigt die Tatsache, dass 45 Minuten nach unserer Ankunft K&M Kunden dort auf dem Rückweg aus dem Tessin pausierten;-)

Hier noch winterliche Impressionen:

eisbach_klein

sonnenuntergang_klein

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