K&M Gutsweine - Die Weinhandlung in Frankfurt -

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Archiv für 'Probeflaschen-Tasting' Kategorie

Über die Zeit sammeln sich recht viele Probeflaschen an, Proben, die wir teils unaufgefordert zugeschickt, teils aber auch ganz gezielt angefordert haben. Da sammelt sich doch recht viel an. Und nicht immer nimmt man sich “die Arbeit mit nach Hause”. So laden wir dann gezielt Menschen ein, Profis, Freaks oder aber auch Kunden, und lassen uns deren Meinung kundtun, denn nicht was uns gefällt, gefällt auch Ihnen.

Entdeckung: Philippe Gilbert - Menetou-Salon

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Samstag, 12 April 2008

Letzten Freitag (am 04.04.200 8) hat uns ein Winzer aus der Appellation Menetou-Salon besucht:

Philippe Gilbert

Philippe Gilbert, Winzer aus der Appellation Menetou-Salon. Sagt einem vielleicht erst Mal nichts, grenzt aber unmittelbar an das bekanntere Sancerre, wo mit die teuersten, aber nicht immer die besten Sancerre (Sauvignon Blanc) herkommen.

Armin hat im Forum Talk about Wine seine Eindrücke dokumentiert:

Seit ca. 2003 arbeitet er biologisch, seit letztem Jahr hat er den Schritt zur Biodynamik gemacht. Auf sehr sympathische Art beschreibt er, wie er auf der Suche war, den für ihn “richtigen” Ausdruck seiner Weine zu finden, wie er weg wollte von der sehr “technischen” Ausrichtung seines Vaters. Nach der Schule wollte er sogar erst einmal gar nichts mehr mit dem elterlichen Weingut zu tun haben.

Er arbeitet mit einem der Bio-Großmeister der Loire zusammen, Didier Dagueneau und so hat er Schritt für Schritt seinen Weg gemacht. Gerade die Jahrgaänge 2005, 2006 und 2007 waren für ihn große Schritte hin zu “seinem” Wein, “seinem” Stil, mittlerweile ist er sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Wir probierten:
2006 Menetou-Salon blanc AOC

Wie in Sancerre ist die für die Appellation zugelassene weiße Rebsorte die Sauvignon Blanc und schon mit seinem Einstiegswein konnte uns Philippe Gilbert überzeugen. Noten von Mandarine und Orange, etwas Efeu, frisch geschnittenes Gras, dann im Mund dezent cremig, wird nach hinten immer straffer und zupackender. Enorm dicht gepackte Mineralik, Feuerstein und feine Würze tragen schier ewig. Der Wein wird für fast ein Jahr auf der Hefe ausgebaut, der Ertrag beläuft sich auf ca. 50 hl/ha.
Für uns ein perfektes Beispiel eines mineralischen Sauvignon blanc. Ein Kollege, der gerade in der Steiermark nach einem Sauvignon Blanc sucht, meinte lakonisch, man sollte mal allen steirischen Winzern solch einen Wein zum Verkosten geben.

2006 “Les Renardieres” blanc
Auch dies Sauvignon Blanc pur aus 40 jährigen Reben. Die Selektion “Les Renardieres” ist immer auch ein wenig die “Experimiermöglichkeit” von Philippe Gilbert, hier ist er immer die nächsten Stufen zuerst gegangen, hin zu bio und Biodynamik. Der 2006er wird zum Teil noch in kleinen Barriques ausgebaut, mit dem 2007er kommen aber fast nur noch 500ltr. Fässer zum Einsatz, laut Philippe Gilbert will er einfach das Holz minimieren.
Aber auch der 2006er zeigt perfekt integriertes Holz, wir riechen wieder Orange und Orangenschale, im Mund trägt den Wein eine wunderschöne frische Frucht, Philippe Gilbert vermeidet den BSA um den Weinen ihre ganze Frische zu belassen. Im Abgang dann straffe Mineralik, feste Struktur, Substanz. Einfach grandios, sicher einer der besten Sauvignon Blanc der Welt!

Nach einem Tag habe ich den Rest getrunken und mir schien der Wein hat noch einmal etwas zugelegt, wirkt noch harmonischer. Klasse!

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Der junge und sehr sympathische Winzer Philippe Gilbert brachte auch seine Rotweine mit. Im Gegensatz zur Gesamtappellation, baut Philippe auch etwas mehr Pinot Noir als Sauvignon blanc an, mir schien auch, dass ihm der Pinot Noir ein klein wenig wichtiger ist.

2006 Menetou-Salon rouge Pinot Noir
Auch hier analog zum Sancerre, die rote Rebsorte ist Pinot Noir und wird bei der AOC reinsortig verwendet. Philippe Gilbert läßt seinen “kleinen” Roten zuerst 5 Tage gekühlt auf der Maische stehen, dann Maischegärung für 25 Tage.

Dieser Pinot Noir gefällt durch seine eher schlanke, frische Art. Die Frucht erinnert an rote Beeren, rote Johannisbeere und ein wenig Himbeere. Auch durchzieht den Wein eine feine, kühle, mineralische Ader. Die Frucht zeigt nichts “süßliches” oder gar “bonbonhaftes”. Gute Struktur, dezent würzig und ordentliche Länge. Dieser Rote macht ganz sicher auch im Sommer leicht temperiert unheimlich viel Freude, auch als Essensbegleiter kann ich ihn mir sehr gut vorstellen. Sehr (pardon) lecker und trinkanimierend.

Danach folgte der Topwein:
2005 “Les Renardieres” rouge Pinot Noir
Les Renardieres Blanc
Wenn ich ehrlich bin, ließ mich dieser Wein diesmal etwas ratlos zurück, wir hatten den gleichen Wein ja schon 14 Tage vorher bei unserer kleinen Pinot Noir Probe, wo er mit einer sehr eleganten, mineralischen Art sehr gut ankam. Auch für mich war der Wein an diesem Abend einer der Gewinner, auch im Vergleich mit sehr guten Burgundern. Heute dagegen schien mir das Holz etwas zu aufdringlich, die Frucht konnte nicht ganz mit der gleichen Finesse und Klarheit überzeugen. Das letzte Mal war er nicht dekantiert, diesmal kam er in die Karaffe. Vielleicht war etwas wärmer? Vielleicht tut ihm Luft im Moment gar nicht so gut? Ich kann es nicht sagen.

Ich meine, das war schon ein guter Pinot und auch im Vergleich mit unseren Burgundern von Michel Martin konnte er durchaus bestehen, aber diese feine kühle, mineralische Art, die mich das letzte Mal so begeistert hat, brachte er diesmal nicht ins Glas. Wir werden das noch weiter beobachten.

Fazit: Wir hatten wieder einen tollen Weinabend, konnten einen absolut angenehmen und mehr als sympathischen Winzer persönlich kennen lernen. Interessant auch eine Appellation kennen zu lernen, von der ich vorher kaum etwas wußte, wie gesagt sie ist mir das erste Mal bei diesem Winzer aufgefallen. Und was Sauvignon blanc betrifft, ist dieser Winzer für mich ein echter Maßstab, der sich vor keinem der großen Namen aus Sancerre und Pouilly Fume verstecken muss.

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Mit vinophilem Gruß

Armin Maurer
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Riesling-Tasting bei K&M Gutsweine oder: was war los mit den Weinen von Martin Müllen?

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Dienstag, 22 Januar 2008

Vergangenen Freitag hatten wir in unserer Weinhandlung eine kleine Verkostung mit diversen Rieslingen, alles Weine von Weingütern, die in unseren Fokus gelangt sind. Es sind nicht alles 2006er, auch einige 2005er sind dabei, ich will die Weine aber gerne im Zusammenhang posten.

Sekt / Weine trocken:

1. 2005 Riesling Sekt brut Weingut Weber / Margarethenhof / Mosel (SAAR) Naturkork
Typischer Rieslingduft, teils gereifte Noten. Am Gaumen dezente Cremigkeit, angenhem zu trinken, ohne große Ecken und Kanten, Struktur ok, einzig etwas eindimensional. 81/100 Pkt.

2. 2005 Riesling trocken Q.b.A. “DEVONSCHIEFER” Weingut Willemshof / Mosel (SAAR) Naturkork
Viel Zitrus im Duft, bitter, aber auch fruchtiges Steinobst, dezente Reifenote, endet mehr oder wenig stark bitter. keine Wertung

3. 2006 Riesling trocken QW Weingut Battenfeld-Spanier / Rheinhessen / Schrauber
Leicht mineralisch-salziger Auftakt. Anfangs komische Noten von Blauschimmel, zarter Schmelz am Gaumen, Säure zu präsent und mir zu spitz, (nicht eingebunden), dadurch sehr karg wirkend, fehlt der Druck. 81/100 Pkt

4. 2006 Riesling trocken QW “GRAUSCHIEFER” Weingut Altenkirch / Rheingau / Schrauber
Wieder ein feiner Stinker, in der Nase eher karg, mineralisch, zurückhaltend, Holunderblüte. Im Mund angenehme Fruchtsüße, reife Frucht Kumquats, Grapefruit, eher pink Grapefruit. Die Säure gibt dem Wein ein schönes Gerüst, bleibt angenehm, reif, harmonisch. Zeigt Biß und straffe Struktur, Druck am Gaumen. Kommt vielleicht nicht ganz an den sehr guten 2005er heran, aber das war schon ein sehr schöner Wein. Warum der Gault Millau die 2006er Kollektion so abqualifiziert ha, kann man an diesem Wein nicht nachvollziehen. Sehr schöner 2006er und verdiente 88/100 Pkt.

5. 2006 Riesling trocken QW “Westhofener Kirchspiel” Weingut Seehof-Fauth / Rheinhessen / Naturkork
Deutlich karger und schlanker, was der deutliche Duft nach Limetten unterstreicht, angenehme, würzig-hefige Struktur, dennoch deutliche Säure, die sehr im Vordergrund stehen bleibt. Im Sommer bei 30-35 Grad sicher sehr erfrischend. 80/100 Pkt.

6. 2005 Riesling Spätlese trocken “Niedermenniger Euchariusberg” Weingut Willemshof / Mosel / (SAAR) Naturkork
Zuerst wird über einen vermeintlichen Kork diskutiert, auch Gumminoten machen die Runde, Böcksernoten sind aber eindeutig zu riechen. Daneben macht sich Grapefruit breit. Insgesamt ordentlich, wenn auch mit wenig Spiel. 80/100 Pkt.

7. 2005 Riesling Spätlese trocken “Kröver Paradies” Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Anfangs rauchige und florale Noten, dahinter dezente Anklänge überreifen Pfirsichs, wirkt unruhig, ja fast zerissen; auch nach 3 Tagen sehr unharmonisch und deutliche Bitternoten. Da sich diese “Stilistik” auch bei den folgenden Weinen von Martin Müllen fortsetzte, kann ich mir diese schwierige Verfassung nur durch eine völlige Rückzugsphase der Weine erklären. Keine Wertung.

8. 2005 Riesling Spätlese (*) trocken “Kröver Letterlay” Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Kaum Frucht, Wachsnoten, kräutrige, dezente kühle Mineralik, aber auch eine gewisse Schärfe, die ich mit brandig oder alkoholisch benennen möchte, wenig Harmonie, fehlt der Mittelbau. Keine Wertung.

9. 2005 Riesling Spätlese (**) trocken “Kröver Paradies” Martin Müllen / Mosel / Naturkork
Im Verhältnis zu den beiden vorigen Weinen ein etwas fruchtbetonterer Auftakt. Von der Stilistik eher eine “wärmere” Ausstrahlung, laktische Noten nach saurer Milch, bitter, keine Harmonie. Keine Wertung.

Folgender Weine wurden noch aus aktuellem Anlass kurzfristig in die Probe eingebaut:
der Anlass: 2. bester trockener Riesling aus 2006 beim 20. DEUTSCHEN RIESLINGPREIS des FEINSCHMECKER

2006 Riesling Spätlese trocken “Buntsandstein” - Theo Minges / Pfalz / Vinolok-Glasverschluß
dezent rotfruchtig, roter Pfirsich, feine Nase, im Mund sehr schöne harmonsiche Frucht, saftig. Die schöne Frucht wird durch feine Bitternoten wie Zitruszesten ausbalanciert, schwingt schön auf der Frucht aus. So stelle ich mir eine trockene Rieslingspätlese vor, ein Pfälzer wie ich ihn mir wünsche. Sehr gute 90+/100 Pkt

Nach den trockenen Weinen kam erst einmal etwas Enttäuschung auf, gerade von Martin Müllen hatten wir uns deutlich mehr erwartet. Man hat ein wenig das Gefühl, dass der Winzer viel will und darüber den Spaß vergißt, die Weine wirkten angestrengt. Überzeugt hat der Grauschiefer von Altenkirch, noch etwas mehr der Buntsandstein von Theo Minges

Weine feinherb - fruchtsüß

10. 2005 Riesling QW halbtrocken “Winninger Röttgen” Weingut Rüdiger Kröber / Mosel / Naturkork
Ausgeprägter Spont-Ton. Ausgewogenes Süße-Säurespiel, wir schmecken Birnen und Ananasfrucht. Gut. 82/100 Pkt.

11. 2006 Riesling Spätlese feinherb “Trittenheimer Apotheke” Weingut Jungheld / Mosel / Vinolok-Glasverschluß
(Joint-Venture P.Weltner - Franken & Niko Schmitt - MSR)
sehr deutliche Zitrusfrüchte, Säure sehr prägnant, die Süße ist noch nicht verwoben. 80/100 Pkt.

12. 2006 Riesling Spätlese feinherb “Kräuterhaus” Weingut O. (Olaf Schneider) / Mosel / Naturkork
Bei den Mitverkostern gänzlich unbekannt, überraschte die Qualität viele. Wunderbar frischer Riesling-Duft, am Gaumen von einer schönen Saftigkeit geprägt, tolles Spiel von reifer, massvoller Säure und natürlicher, nicht klebriger Süße. Sehr gut. 85/100 Pkt.

13. 2006 Riesling QW Big Fish “Rüdesheimer Bischofsberg” Weingut George / Rheingau / Naturkork
Das “Sorgenkind” aus dem Hause Wagenitz. Blieb in der Vergärung bei 30g Restzucker stehen, eigentlich sollte es der Nachfolger des bei uns sehr erfolgreichen 2005er BIG FISH Berg Rottland werden, aber aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Werdegang des Weinrs entschieden wir uns für den 2006er Riesling “Berg Rottland” trocken.
Feige und Datteln waren die ersten Assoziationen, ein Teilnehmer sprach gar von einer positiv beissenden Mineralik. Die 13% Alkohol waren sehr gut engebunden und der Wein hatte eine wunderbare Länge. 88/100 Pkt.

14. 2006 Riesling Spätlese “Kräuterhaus” Weingut O. (Olaf Schneider) / Mosel / Naturkork
Spontangäraromatik, etwas Dosenpfirsich, feine Rotfrucht, etwas wuchtiger und dadurch nicht unbedingt finessenreich und leicht zu trinken. 83/100 Pkt.

15. 2005 Riesling Spätlese “Winninger Röttgen” Weingut Rüdiger Kröber / Mosel / Naturkork
Botrytis- und Muffnoten, Rapshonig, geht auch eher in die etwas wuchtige Richtung, warme Ausstrahlung. 81/100 Pkt.

16. 2006 Riesling Auslese “Ungsberg” Weingut O. (Olaf Schneider) Mosel / Naturkork /
Wieder als einer der besten Weine bewertet. KJaum Sponti, spannende Nase, changiert zwischen Frucht und würzigen und kräuterigen Noten, Lindenblüten, Bananenschale, gelbe Früchte. Sehr schöne Harmonie und Tiefe, dabei immer animierend, fröhlich Trinkspaß bereitend. Trotz der mundfüllenden Art sehr schön elegant und fein. Mit diesem Wein fand eine nicht immer begeisternde Probe einen versöhnlichen und hochklassigen Abschluß. 92+/100 Pkt.

Danach gab es noch zwei mitgebrachte 89er Rieslinge vom Osthofener Goldberg, die aber leider nicht mehr wirklich viel Genuß boten, auch drei andere Rieslinge konnten kein Highlight setzen.

Sehr schön zeigte sich dagegen wieder unser 2005er Chianti Classico von Altiero, vielleicht fast einen Tick zu dunkelfruchtig, dezente Holundernote um ganz typisch zu sein, aber feine Veilchennote und dunkle Kirsche, dazu eine spürbare, gleichwohl wunderbar bekömmliche Säure. Saufwein mit Anspruch, so macht Chianti noch Spaß und dazu noch ein sehr fairer Preis. Immer wieder sehr schön diesen Wein zu trinken.

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Az. Agr. Gulfi

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Sonntag, 3 Juni 2007

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Notizen:

2004 Nero d´Avola “Nerojbleo” IGT

schönes, dichtes Kirschrot. Im Mund satter, fester Auftakt. Viel Frucht, Tendenz ins Breite wird von einer frischen Säure umspielt. Hat dennoch Überreifenote, auch etwas florales, fast Rosenwasserartiges. Griffiges Tannin, spürbares Holz, Speck. Wirkt insgesamt nicht so individuell, wie ich es von Gulfi kenne. Mich stört vorallem die ins Breite gehende Art, die wenig Trinkanimation fördert.

2005 Cerasuolo di Vittoria DOCG

etwas leichtere Art als der Nerojbleo, dennoch schwingt auch hier eine Art “Sattmacher” in Form von hochreifer, einen Tick marmeladiger Frucht mit, bis gegen Ende der Hauch kühler, dunkler Mineralik diesen Bogen bricht. Interessant auch der von A-Z durchgängige, nervige Säurebogen. Gefällt besser als Nerojbleo, weil individueller.

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Für die Toskana-Fraktion

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Donnerstag, 7 September 2006

Einige weitere Probeflaschen wurden ihrer Bestimmung zugeführt.

Der Vino Nobile der Tenuta Salcheto wurde gerade von der internen Kommission des Consorzio del Vino Nobile di Montepulciano neben vier weiteren Vertretern des Anbaugebietes zum offiziellen Botschafter der Qualität des Vino Nobile erklärt. Aus diesem Anlass werden hier die aktuellen Jahrgänge des überaus ansprechenden Rosso di Montepulciano, des Nobile di Montepulciano sowie dessen Spitenselektion “Salco” vorgestellt.

Das Gut wurde bereits 1984 gegründet, begann aber erst im Jahre 1990 mit der Weinerzeugung. Nach dem Besitzerwechsel in 2003 entsteht im Augenblick eine nagelneue unterirdische Kellerei, in der Most und Weine ab dem folgenden Jahrgang auf 4 Ebenen nur noch per Falldruck bewegt werden und die genügend Kapazitäten aufbietet um auch die Erträge der Neuanlagen - die Ersten bringen gerade ihren Jungfernertrag und für 2004 und 2005 sind weitere Neupflanzugen geplant - zu verarbeiten.

Spezialität des Hauses ist der Vino Nobile “Salco”, benannt nach einem autochtonen Klon des Prugnolo Gentile aus einer alten, ursprünglich nur einen halben Hektar großen Anlage, der nach Massenselektion ab 1992 neu angepflanzt wurde. (Quelle: Wein-Plus.de)

2004 Chianti Colli Senesi DOCG
Az. Agr. Salcheto / Montepulciano
Cuvée aus Sangiovese ,Canaiolo und Mammolo
Verschluß: blauer Plastikstopfen

Dunkles Rot; viel Frucht, aber auch viel Säure. Bittere, ins Grüne tendierende Noten, aber nicht trocknend, eher warme Ausstrahlung. Im Geschmack etwas diffus, Kirsche, eindimensional.

2003 Rosso di Montepulciano DOC
Societá. Agr. Salcheto / Montepulciano
Cuvée aus Sangiovese, Canaiolo und Merlot
Verschluß: Naturkork

Dunkelrot; im Duft sehr pflaumige Noten, die Wärme des Jahres spürbar. Macht satt.

2002 Vino Nobile de Montepulciano DOCG
Az. Agr. Salcheto / Montepulciano
100% Prugnole Gentile (Sangiovese)
Verschluß: Naturkork

Gereiftes, eher helleres Rot; am Gaumen sehr holzwürzig und trocknend, Anklänge von ätherischen (Minz)-Noten, Säure spürbar, im letzten Drittel blitzen zarte Fruchtnoten hervor, ansonsten ist der Wein vom Holz dominiert, was ihn nicht unbedingt als besonders trinkfreudig erscheinen lässt, wirkt dadurch auch sehr streng.

Insgesamt eher eine durchwachsene Kollektion, bei der so richtig Trinkfreude nicht aufkommen will. Teil zu eindimensional ohne Spiel, teils sehr modern durch zuviel Holzeinsatz.

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Spätburgunder im Test

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Dienstag, 29 August 2006

Am 17.08.2006 fand in der Weinhandlung K&M Gutsweine in Frankfurt-Bockenheim im Rahmen des Probeflaschen-Tasting eine Verkostung zum Thema Spätburgunder statt.

Ein Winzer sagte mir einmal es gibt drei Arten von Weine: “Weißwein, Rotwein und Spätburgunder!” Damit wollte er wohl ausdrücken, dass die Rebsorte Spätburgunder oder Pinot Noir einen eigenen Weinkosmos darstellt! Eher heller in der Farbe, als die meisten anderen Rotweine, eher nicht von den Tanninen geprägt, oft mit ausgeprägter Säure gesegnet, sind diese Weine tatsächlich nur mit wenigen anderen Rotweinen zu vergleichen!

Hier die Verkostungsnotizen, alle Weine wurden etwa 1 Stunde vorher geöffnet und nicht dekantiert, um allen die gleiche Chance zu geben.

2004 Blauer Spätburgunder QbA unfiltriert
Weingut Hans-Peter Ziereisen
Baden / Markgräflerland
Bezug: K&M Gutsweine 7,90 €

Recht dunkles, jugendliches Rot; viel Frucht, sehr schöne Nase, bizzelt leicht, angenehm zu trinken, rauchig-mineralisch. Sehr gute Basisqualität.

2004 Spätburgunder Spätlese trocken “Vigne d´Alsace”
Weingut Jülg
Pfalz / Südliche Weinstraße
8. Platz Region Pfalz Deutscher Spätburgunderpreis 2006
Bezug: ab Weingut

In der Nase deutlich Holz, sehr fruchtbetonter Auftakt. Wirkt in der Stilistik reifer als der Wein zuvor, Holz dominant, aber auch blumige Noten. Vorne süß und “deutsch”. Macht jetzt Spaß.

2002 Spätburgunder Spätlese “Müllheimer Reggenhag”
Weingut Dörflinger
Baden / Markgräflerland

Helles transparentes Kirschrot, in der Nase wieder Holz, aber auch viel Marmelade und Fruchtkompott, süße Karamellnoten, viel Alkohol, sprittig, wieder Erdbeerkompott, reife, schwere Nase, recht kurz und ohne Druck am Gaumen, kräftige Säure.

2003 Blauburgunder “Villa Schmid” DOC
Weingut Schmid-Oberrautner
Südtirol / Bozen
Bezug: ab Weingut

Frablich etwas gereifter, auch im Mund, dafür deutlich mehr Frucht und Körper, warmer Wein, recht kräftig, Kirschnoten, sehr ausgewogen, feste Struktur. Langer Nachhall, tolle Struktur.

2003 Blauer Spätburgunder QbA “Schulen” trocken
Weingut Hans-Peter Ziereisen
Baden / Markgräflerland
Bezug: K&M Gutsweine

Im Duft viel Kaffeenoten und Kirschen, wirkt trockener als die Vorgänger, Holz sehr gut eingebunden, gewisse, jugendliche Adstringenz, sehr dichte Struktur, sehr viskos und dicht, anfangs am Gaumen weich, rund, dann noch jugendliches Tannin. “Schmeckt verdächtig gut” (Zitat Teilnehmer Helmut M.)

2003 Spätburgunder Spätlese trocken “Burkheimer Feuerberg” SE
Weingut Bercher
Baden / Kaiserstuhl
Bezug: ab Weingut

untypische Nase nach Honig und Erdbeereis, wirkt sehr süß, wieder Erdbeersirup, wirkt breit und leicht oxidiert; keine Länge. Flaschenfehler ???

2004 Spätburgunder Auslese “Signatur” Birkweiler Kastanienbusch trocken
Weingut Ökonomierat Kleinmann
Pfalz / Südliche Weinstraße
Regionalsieger Pfalz Spätburgunderpreis 2006

Ätherischer, kühler Duft. Sehr subtil, nicht primärfruchtig, komplex, weiße Fruchtnoten nach Stachelbeeren und auch Pfirsichschale. Sehr offensiver Wein, intensive Aromatik, sehr ausgewogen, viel Druck und dunkle Frucht, gute Säurestruktur, sehr moderne Prägung, braucht noch Zeit. Toller Wein!

2003 Spätburgunder Auslese “Zinkelerde” trocken
Weingut Theo Minges
Pfalz / Südliche Weinstraße
Gault Millau 93/100 Pkt.
2. Platz Vinum Deutscher Rotweinpreis 2005
Bezug: K&M Gutsweine

Im Duft deutliche Holzprägung, auch etwas Banane. Am Gaumen dichte Struktur, tolle, dunkle Frucht, etwas Schokolade, einnehmende Nase, Alkohol perfekt eingebunden, sehr elegant, Klasse Säure-Struktur. Am Anfang einer großen Entwicklung.

1999 Cote de Nuits Villages AOC
Weingut Edmond Cornu et Fils
Cotes de Nuits / Burgund
Bezug: aus Privatkeller

Duft nach Erdbeeren, animalisch, fruchtig-rauchig; elegante Struktur, minerlalisch nach Eisen, ein typischer Spätburgunder, etwas oxidativ, auch Noten von Geselchtem.

1997 Spätburgunder Spätlese trocken
Weingut Hans-Peter Ziereisen
Baden / Markgräflerland
Bezug: aus privatem Keller

Farblich gereift, aber nicht als 9 Jahre alter Wein eingeschätzt; Leichter Stallgeruch, Vanille, Brotkruste, sehr kräftig und gleichzeitig tief und sehr lang, viel Spannung am Gaumen, extrem komplex. Klasse.

2002 Pinot Noir “Terre di Ottavia” IGT
Maurigi - Tenuta di Budonetto
Sizilien
Bezug: privat eingebracht

Im Duft ledrig; wirkt gereifter, nicht allzu viel Frucht; öffnet sich im Glas und präsentiert rote Johannisbeeren, Kirschen und Mandeln, ganz leichter Schwefel-Stinker, dazu schwarzer Tee, sehr elegant, kräftige, aber gut eingebundene Säure, der letzte Schluck aus der Flasche offenbarte schöne Graphitnoten. Sehr schöner Wein.

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