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Der Arche-Typ Dornfelder ?

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Donnerstag, 7 Juni 2007

Letzte Woche kam ich in den Genuss eines 14(!) Jahre alten Dornfelders aus dem Barrique vom Weingut Gerhard Gutzler aus Rheinhessen. Blind verkostet hätte ich den nie so alt geschätzt. Was hat dieser Wein noch an Austrahlungskraft und eine innere Dichte. Weich und intensiv am Gaumen, eine Spur Säure, beste Balance, geschmacklich viel Beeren. Weder die intensivsten Käse noch der Killer des guten Weingeschmackes (die gemeine Cornichos aus süß-saurem Aufguss) konnte diesen Wein auch nicht im geringsten beeindrucken. Majestätisch stand er im Glas! Wenn man von einem Arche-Typ Dornfelder redet, dann hab ich ihn hier getrunken! Besten Dank Joachim!!

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1990 Chianti Classico Riserva Weingut Castell´in Villa

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Mittwoch, 15 November 2006

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Castell’in Villa, im südlichen Classico nahe Castelnuovo Berardenga gelegen, ist eines der bekanntesten Adelsgüter der Toskana. Die historischen Wurzeln des weilerartigen Anwesens reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die trutzige Burg in eine Landvilla des Adels umgebaut, später in ein Jagdhaus. Weingut war sie eigentlich nie. Das änderte sich 1967, als der römische Diplomat Prinz Riccardo Pignatelli den Besitz erwarb. Er liess Weinberge anlegen und sich von Antinoris legendärem Önologen Giacomo Tachis beraten.
Seit seinem Tod 1990 leitet seine Witwe Coralia, eine gebürtige Griechin, das Gut. La Principessa, wie Coralia liebevoll genannt wird, setzt dabei wie ihr verstorbener Mann auf Tradition: Im südlichen Chianti Classico, werden besonders üppige Rotweine gekeltert. Und wie kein anderes Gut hat sich Castell’in Villa den Ruf erworben, besonders langlebige Weine, aber auch traditionelle Chiantis hervorzubringen.

Wein ist nicht nur ein Getränk. Nein, mit Wein verbindet man auch Emotionen oder besondere Ereignisse oder am besten beides zusammen. Die Weine von Castell´in Villa, nahe Castelnuovo Berardenga, sind schon seit Jahren meine Lieblings-Chianti´s. Fernab jeder Modewelle repräsentieren die Weine alles, was man von einem typischen Chianti Classico erwartet.

Frische, Frucht und Säure im Einklang, Trinkigkeit. Kein hochgezüchtetes Edelnüttchen mit viel Schminke und Vordergründigkeit. Bodenständig, ehrlich, immer animierend im Trinkfluß. Kein großer Wein, aber ein Wein mit Größe und Identität zum Sangiovese und zur Heimat.

Und: sie können beachtlich reifen. Wie der über 3(!!) Tage getrunkene 90er eindrucksvoll demonstrierte. Am ersten Tag noch widerspenstig mit strengen Tanninen, die sich über die nächsten Tage wunderbar intergrierten. Reife, nach Schattenmorellen duftende Nase, klassische, transparente Farbe, zupackende, nicht aggressive Säure. Alleine getrunken ganz ok, aber selbst nur zu einem schnöden Salamibrot machte der Wein Freudensprünge, als wolle er sagen: danke für die Begleitung, dass habe ich jetzt benötigt. Und im Geiste lief wieder der Film der Emotion ab, den wir im Oktober 2002 vor Ort erlebten.

Oktober 2002:

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Ein ganz besonderes Erlebnis kamen meiner Barbara und mir im Restaurant des Weingutes Castell´in Villa in der Nähe von Castelnuovo Berardenga zuteil. Das Restaurant hat nur gegen Voranmeldung geöffnet und so fuhren wir tags zuvor dorthin, um uns das Anwesen anzuschauen und trafen in der Administration eine gutaussehende, auch deutschsprechende Dame mit ihren beiden wunderschönen ungarischen Hunden. Bei ihr reservierten wir eine Tisch für den kommenden Abend.

So machten wir uns dann am kommenden Abend auf einer Hoppelpiste gen Castell´in Villa. Oben angekommen war alles stockdunkel. Der Weg zum Restaurant war uns nicht fremd, aber wieder alles stockdunkel. Nur nebenan werkelte ein Koch in seiner Küche. Wir also zu ihm hin, ihm unsere Reservierung für heute abend vortragend. Er sichtlich überrascht, wüsste nichts von einer Reservierung, wir sollten doch 10 Minuten warten. Gesagt getan, und nach 10 Minuten schloss er uns das Restaurant auf, drehte Licht, Heizung und etwas Musik an und lies uns einen Platz aussuchen. Er verschwand dann kurz in der Küche, um uns kurz darauf mitzuteilen, das wir heute abend nur mit ihm Vorlieb nehmen müssten, denn vom Servicepersonal wäre heute keiner da, ebenso bestünde heute die Küchenbrigade nur aus ihm. Da ist wohl ein Fehler in der Kommunikation aufgetreten, aber es sollte der seit langem gelungeste Abend werden, der uns beiden, die wir schon seit 18 Jahren zusammen sind, widerfahren sollte. (heute, 2006 sind wir übrigens verheiratet :-)

Wir hatten also den ganzen Abend ein ganzes Restaurant nur für uns alleine!!
Grund des Restaurant-Besuches waren eigentlich die sehr traditionell hergestellten Weine. Ich kannte bis dato nur den 90er Chianti Classico Riserva, für lächerliches Geld ersteigert, und so wollte ich im Restaurant noch weitere Weine kennenlernen,was dort auch möglich ist,denn einige Weine können auch glasweise genossen werden.

Ich entschied mich aber für eine Flasche 1986er Chianti Classico Riserva,der alles andere als tot wirkte. Viel frische Frucht, Säure und Tannin in Harmonie, elegant, sehr lang. Kurzum, ein Erlebnis. Übrigens war der 86er nicht der älteste, es gab noch 77er+71er, auch noch für vergleichsweise wenig Geld erwerbbar.

Zurück zum Koch: nachdem wir unsere 4-Gang Bestellung durchgegeben hatten, in seinem Gesicht den Ansatz einer leichten Verzweiflung erahnen konnten (er war ja schlieslich alleine) bot ich ihm als ehemaliger Kollege noch meine Hilfe an, die er aber dankend ablehnte. “Schliesslich sind Sie ja die Gäste”, meinte er. So gab es dann wunderbare Gerichte, auf den Punkt gebraten und perfekt gewürzt,toll angerichtet, alles in sich stimmig, kurzum traditionell verfeinerte Sterneküche, höchstes Niveau.

Antipasti:
diverse selbstgebackene Brotsorten, fritierte Pasta

Primi
Maltagliate mit Spinat und kleinen Tomätchen
Tagliolini mit Kichererbsen-Minz-Soße

Secondi:
Lammfilet mit Auberginenflan, Paprikatratatouille und Steinpilzen
Tagliata vom Kalb mit dreierlei Paprikamus, Paprikaratatouille und Steinpilzen

Dessert:
Mousse von Corbezzolo
Creme Caramel
Torta die Ficchi
Mini-Cantuccini

Als Dessertwein den traditionellen Vin Santo; oxidativer Stil, Struktur, Eleganz, Länge, aber zu jung.

Der Koch - Massimo di Fulvio - hat Jahre in Frankreich, Kalifornien und Australien verbracht, er kochte aber auch im Arnolfo in Colle Val d´Elsa. Das Restaurant ist im Winter bis April geschlossen, so das er wieder auf Reisen gehen kann, diesmal nach Neuseeland, wie er uns erzählte. Ihm hat dieser Abend auch sehr viel Spass gemacht, für ihn war es auch eine Premiere.

Kulinarisch gesehen war das mit das Beste,was ich in unserem 10.Toskana Urlaub bisher mitgemacht habe, getoppt nur noch von der Bottega del 30 in Villa a Sesta, wo die begnadete Köchin Helen zaubert und ihr Franco das Lokal zu seiner Bühne erklärt.

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1978er Château Poujeaux

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Mittwoch, 1 November 2006

Da ich Château Poujeaux nun seit einigen Jahren sammle, bin ich durch ein zufälliges Gespräch auf der Frankfurter Weinbörse 2006 in den Besitz 3er Flaschen gekommen. Leider ohne Etikett, der Korken jedoch bestätigt das Jahr und auch die Quelle (ein Frankfurter Weinbar-Betreiber) ist seriös. Zuletzt habe ich den Wein im August 2003 im Restaurant Hessler zu Maintal getrunken, damals bekochte uns noch Katharina Hessler. Damals wie heute präsentierte sich der Wein in einem gereiften, aber keineswegs überreifen oder nicht mehr genussfähigem Zustand. Dekantieren war nicht nötig.

Château Poujeaux ist eines der bekannten Weingüter von Bordeaux. Es liegt in Moulis, westlich von Saint-Julien und ist als Cru Bourgeois eingestuft.

Lage und Weinbereitung
Die Anbaufläche beträgt 52 ha in einer zusammenhängenden Parzelle. Die Weinberge liegen auf der Kiessandkuppe der Gemarkung Poujeaux, die das beste Terroir der Appellation Moulis darstellt. Diese Kuppe entstand während der Günz-Eiszeit. Erzeugt wird ausschließlich Rotwein. Im Rebsatz überwiegen mit 50 % der Cabernet Sauvignon und mit 40% der Merlot. Jeweils 5% % entfallen auf Cabernet Franc und Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 30 Jahren, die Pflanzdichte ist mit 10.000 Stöcken je Hektar extrem hoch.

Die Weinbereitung folgt der klassischen Schule von Bordeaux mit vierwöchiger Maischegärung in Beton- und Edelstahlbehältern, malolaktischer Gärung und anschließendem 12 Monate dauerndem Ausbau in Barriquefässern, die jedes Jahr zur Hälfte erneuert werden. Die Jahresproduktion liegt bei ca. 300.000 Flaschen. Der Wein ist geschmeidig und harmonisch mit voller Frucht. Er entwickelt sich im Keller über mindestens zehn Jahre. Aufgrund seiner Qualität wird er allgemein den Grands Crus Classés gleichgestellt. Der Zweitwein trägt den Namen La Salle de Poujeaux.

Geschichte [Bearbeiten]
Die Rebflächen waren seit dem 16. Jahrhundert unter dem Namen Salles de Poujeaux bekannt und damals Teil von Château Latour. Im Jahr 1806 kaufte André Castaing, der seinen Reichtum im Handel mit den Antillen erworben hatte, den ausgedehnten Besitz namens Grand-Poujeaux. 1820 kam es zu einer ersten Erbteilung, aus der später auch das Château Chasse-Spleen hervorging. 1880 wurde der verbleibende Besitz in drei Teile geteilt. Ein Drittel erwarb im Jahr 1921 François Theil. Sein Sohn Jean übernahm ab 1957 die Verantwortung über das Gut. Ihm gelang es, die beiden anderen Drittel zu kaufen und den Weinberg wieder als Ganzes zu führen. 1981 übergab er Château Poujeaux an drei seiner Söhne. Im Jahr 1997 gründete die Familie Theil eine Aktiengesellschaft, die seitdem das Weingut verwaltet.

Im Jahr 1966 wurde Château Poujeaux als Cru Grand Bourgeois Exceptionnel klassifiziert, also Teil der Elite der Crus Bourgeois. 1991 und 1995 gewann der Wein von Poujeaux die Coupe des Crus Bourgeois. Die größten Jahrgänge der jüngeren Zeit sind 1982, 1990, 1995 und 1996.

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1990 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ** Markus Molitor

Verfasst von Bernd Klingenbrunn am Dienstag, 5 September 2006

Vergangenen Samstag & Sonntag im Glas:

ein 16 Jahre alter Riesling aus 1990. Erinnerungen werden wach. Da war doch was? Genau, der WM-Titelgewinn im Lande der großen, leidenden Schauspieler (auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten und nicht nur auf dem Rasenviereck ;-)

1990er Riesling “Zeltinger Sonnenuhr” Auslese 2 Sterne; Weingut Molitor - Haus Klosterberg

Klares, strahlendes Gelbgold; unheimlich intensiver Duft nach reifem Obst; Assoziationen an weiße, hochreife Weinbergspfirsiche. Im Mund herrliche Frische, deutliche Würze, glasklare, resche Aromatik, wieder Anklänge von reifem Weinbergspfirsich mit einem Hauch Exotik unterlegt.

Auch nach einem Tag in der angebrochenen Flasche noch bestens in Form, keinerlei Substanzverlust, die Würze tritt stärker hervor, auch immer noch erstaunlich stabil und sehr frisch. Zeigt keinerlei Alterungsnoten. Kann locker noch 5 Jahre liegen bleiben, wenn ich denn noch was hätte :-(

In der etwas moderneren Sprache unserer heutigen “wilden Köche” wäre wohl auch der Ausdruck “Zungensex” (Ralf Zacherl am 01.09.06 bei JBK) angesagt.

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